Dienstag, März 26, 2013

Von der Wiege bis zur Bahre: Kommentare, Kommentare

Frau...äh...Mutti hat letztens über ihren Kater geschrieben und sich damit wissentlich kommentartechnisch auf dünnes Eis begeben. Was dann in Kommentarfunktion, Mailbox und in ihrem Kopf passiert ist, das schreibt sie hier.
Und weil ich mit meinen Erfahrungen zum Thema Kommentare nicht von der Geschichte vom dicken Martin ablenken möchte, kommt mein Exkurs jetzt hierher anstatt ins Kommentarfeld von Frau Mutti.
Ich mag (fast alle) meine Kommentatoren. Sehr. Ich mag das Feedback, ich lese gerne, wie toll meine Kuchen aussehen, wie niedlich meine Kinder sind, ich freu mich über Hinweise auf Videos, Artikel, auf Blogs, über alles eigentlich, was das Schreiben eines Blogs für mich vom Schreiben eines Tagebuchs in Papierform unterscheidet.
Aber: ich sehe mein Blog immer noch als mein Wohnzimmer und wer schon mal bei uns zu Hause war, der weiss, dass manche Diskussionen bei uns nicht geführt werden, einfach weil ich das nicht möchte. Mir ist meine Energie zu schade, um mit eingefleischten Homöopathen über Für und Wider von Zuckerkügelchen zu diskutieren, um mit Heilpraktikern über Irisdiagnostik und Klangschalentherapie zu fachsimpeln (Hey, Dad ;-)), wenn eine andere Mutter bei mir im Wohnzimmer sich drüber auslassen möchte, dass sie es unverantwortlich findet, sich als MUTTER auf Kosten der Kinder selbst zu verwirklichen und sie in eine Kinderaufbewahrungsanstalt zu stecken, dann sage ich auch: „Ach, da möchte ich jetzt eigentlich gar nicht drüber diskutieren, das lassen wir mal.“ Und dazu habe ich das Recht in meinem Wohnzimmer, im realen wie im virtuellen. (Weil ja manch einer die Auffassung zu vertreten scheint, nur weil man ein Blog mit Kommentarfunktion führt, wäre man ja verpflichtet jeden Kommentar willkommen zu heissen bzw. ungefragte Ratschläge geradezu einfordern, sonst würde man ja im stillen Kämmerlein in sein abschliessbares Papiertagebuch schreiben)

Ich merke selber, wie ich anfange, mich selber zu zensieren und manches nicht schreibe bzw. mit dem, das sehe ich ein, leicht zickigen Nachsatz: „Bitte keine Ratschläge, das möchte ich nicht.“.Schade eigentlich.

Ich beobachte, wie Frau Mutti, auch an mir selber (auch im Real Life, ich bin aber auch ein extrem schwatzhafter Mensch) eine Art automatische Kommentarfunktion. In meinem Kopf gleiche ich das Gehörte/Gelesene mit meinen eigenen Erfahrungen ab und, wenn ich nicht aufpasse, dann schwappt das ungefiltert aus mir raus. Egal, ob mein Gegenüber das hören möchte oder nicht. Erstaunlicherweise hat mein aktueller ChefChef, der selber sehr kommunikativ ist, mir das ein wenig abtrainiert, einfach dadurch, dass er mich nicht zu Wort kommen lässt ;-) und ich, während ich drauf warte, meinen Senf loszuwerden, noch mal in mich gehen kann und dann manchmal denke: „What the heck, halte ich mal die Klappe, es ist genug gesagt.“

Worauf ich aber auf jeden Fall achte, ist, dass ich meine Erfahrungen nicht als die alleinseligmachende Variante anpreise. Ich hatte gestern zB eine Anfrage, ob ich nicht einen Printkommentar zu einem Babythema schreiben möchte im Stil von „Wie soll ich meinem Kind das Schlafen beibringen?“ (Das war es nicht, aber etwa so weit weg von meiner eigenen Erfahrungswelt, sogar noch ein bisschen weiter, weil Schlafen, das kann zumindest Little L. immer noch nicht so richtig). Abgesehen davon, dass ich mich jetzt nicht als Experte für Kinderfragen oder Ratgebertante sehe und meinen Realnamen durchaus mit Fachwissen verknüpfe und vernüpft haben möchte, aber nicht zu einem solchen Thema, finde ich die Fragestellung selten bescheuert. Darauf kann man doch keine Antwort geben, oder? Ich kann nur das sagen, was ich gemacht habe und ob ich es wieder so machen würde und auch das wäre nicht ansatzweise allgemeingültig. Ich weiss es noch zu gut, wie sehr ich ungebetene gutgemeinte Ratschläge wie „Mei, ich bin damals ja immer Kilometer um Kilometer im Auto gefahren, vielleicht hilft das ja“ „Oder „Klar, wenn Du Milch MIT Lactose trinkst......“ oder auch „Meine Nachbarin hat gesagt, man müssten den Fön einfach laufen lassen“ gerade zu Babyzeiten gehasst habe.

Und deswegen versuche ich mich zurückzunehmen. Ich finde nämlich, der Satz „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht“ birgt sehr viel Wahrheit.

Was anderes ist es logischerweise, wenn man um Rat und Tipps fragt. Da nicht mal ich alles weiss, bin ich da schon sehr oft froh um die Tipps und Tricks meiner Leser, Coblogger, Freunde und Bekannten gewesen.
In der ganzen Diskussion kam ja auchdas eine oder andere Mal der Vorschlag: „Lösch diese Kommentare doch einfach“. Ich persönlich tu mir damit schwer, weil man will ja nicht mal im eigenen Wohnzimmer ein Diktator unhöflich  sein. Ich seufze dann gerne mal genervt, fühle mich unverstanden, drücke auf Veröffentlichen und gut isses. (Manchmal höre ich da nicht auf und kommentiere dann vielleicht sogar ein bisschen unsachlich zurück, meist aber bin ich vernünftig.).

Was anderes ist es natürlich bei richtig bösartigen Kommentaren. Ich weiss nicht, wie das bei Ihnen so ist, ich habe, ich gehe mal davon aus, dass nur ein Mensch so dumm und fies ist, einen einzigen (aus Gründen, die ich nicht genau festmachen kann, denke ich übrigens, es ist eine Frau) Kommentator, der mich regelmässig mit bösartigen Kommentaren aus den untersten Schubladen überzieht. Als das anfing, war ich noch naiv, hatte meine Kommentare auf unmoderiert stehen und war sehr überrascht und auch persönlich getroffen, als auf einmal sowas auftauchte. Dann habe ich die Kommentare auf moderiert genommen und solche einfach direkt gelöscht. Dann aber dachte ich mir, ich hebe sie mir auf. Vielleicht nervt (das ist es: es nervt mich höchstens. Obwohl es auf eine sehr persönliche Art unverschämt ist, trifft es mich nicht, ich frage mich einfach nur, was für ein armes, einsames, verbittertes Würstchen ohne Freunde, aber mit Internetanschluss man sein muss, um so ausdauernd so viel Mist rauszulassen, der ja schon lange nicht mehr veröffentlicht wird) mich das Ganze mal so sehr, dass ich mir doch mal die Mühe mache, rauszufinden, woher das kommt und meine lange Jahre ungenutzt einbezahlte Rechstschutzversicherung nutze und dieses arme Würstchen wegen anhaltender Unverschämtheit verklage. Und so habe ich in den letzten Monaten/Jahren eine wunderbare Sammlung von über 150 Spamkommentaren angelegt. Das Schöne/Traurige ist, dass ich mittlerweile genau weiss, mit welchen Einträgen ich diesen Troll triggern kann. Er/sie hat mich in dieser Hinsicht noch nie enttäuscht.
Damit Sie mal sehen, wie Sie hier kommentieren müssen, damit Sie nicht veröffentlicht werden, zeige ich Ihnen mal einen Ausschnitt aus dieser armseligen Sammlung:


Dies also mein Wort in eigener Sache, ich hoffe, es kam zum Ausdruck, dass ich Ihre Kommentare im Prinzip alle mag ;-).