Montag, März 12, 2012

Guilty Pleasure? Schön wär‘s..

Also. Ich lese ja extrem viel, extrem gern und extrem schnell. Meine Mutter, die in der Vor-Kindle-Zeit den Lesestoff aus der Bücherei herbeigeschleppt hat, hat immer mal wieder gejammert, an mir wäre jede gute Literatur verschwendet, weil ich literarisches Junkfood genauso verschlingen würde wie die Haute Cuisine der Literatur. Irgendwann hat sie mich dazu angehalten, eine Liste zu führen von Büchern, die ich schon gelesen habe und als das zu unübersichtlich wurde, habe ich die Bücher in der Bücherei alphabetisch gelesen (Bei der Vorgehensweise „Diese Woche die ersten 15 Bücher von Autoren, die mit A anfangen“ kommt man auch auf wahre Schätzchen ,-)).
Anyway. Im Lauf der Zeit bin ich wohl ein wenig pickier geworden, weil ich finde nicht nur, dass das Leben zu kurz ist für schlechten Wein und schlechtes Essen, nein, schlechte Bücher braucht es auch nicht. Und auf die Gefahr hin, jetzt dem einen oder anderen auf die Füsse zu steigen, darunter fallen für mich auch mehr oder weniger alle „All ages“ oder auch „Kinder- und Jugendbücher, die Erwachsenen angedreht werden sollen“.
Ich habe Harry Potter gelesen (bis zur Mitte von Band fünf), der Biss-Reihe habe ich mich total verweigert (jetzt mal ehrlich......Frauenbild?), stattdessen habe ich aus Versehen mit der Werwolfreihe („Nach dem Sommer“, „ruht das Licht“ und da gibt es dann noch einen dritten Band, den ich mir, wenn dann aus rein optischen Gründen kaufen sollte, weil neben perlschimmernd rosa und perlschimmernd hellblau würde sich der dritte hellgrüne (?) Band sicher gut machen. Und auch der Titel-Kombisatz würde dann vollständig sein, aber mal ehrlich, das sind doch keine  Gründe, ein Buch zu kaufen) angefangen und, am Schlimmsten, ich habe dem Hübschen die „Tribute von Panem“-Sammelbox zu Weihnachten geschenkt, weil ich dachte, das wäre eine coole Endzeittrilogie. Und jetzt (während der Grippezeit habe ich die drei Bände mal schnell weggelesen) sitze ich abends da, mit einem Buch für Erwachsene vor der Nase ;-), während der Hübsche neben mir verächtlich grunzt, weil in Panem (für mich –grosses Latinum- ist der Name „Panem“ für einen Staat eh ein Schlag ins Gesicht, besonders, weil dann noch darauf abgehoben wird, dass das wegen „panem et circenses“ so sei  etc.,  geschenkt, aber „panem“ ist Akkusativ,  die korrekte Bezeichnung wäre „panis“, aber da würde die 14jährige Zielgruppe, die man offensichtlich nicht im humanistischen Gymnasium sieht, weil da wüsste man das in der fünften Klasse, ja den“ intellektuellen“ Querschluss nicht ziehen können) schon wieder mal die Ikone wider Willen in ein ausgefuchstes Outfit gesteckt wird, obwohl ihr Kleider total egal sind, aber trotzdem wird über Seiten hinweg beschrieben, wo welcher Stoff  wie schimmert etc. und sonst einfach nix passiert.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich kenne das Gefühl, in einem Buch zu versinken und unbedingt weiterlesen zu müssen, auch wenn der Wecker in 4 Stunden läutet, sehr gut. Aber die Geschichten wie „Junge ist Werwolf, Mädchen nicht, Junge möchte auch nicht mehr Werwolf sein, Mädchen findet Heilmittel, Drama, Drama, alles happy, Junge ist kein Werwolf mehr, Mädchen möchte jetzt Werwolf sein, Junge möchte aber nicht mehr, Mädchen stirbt fast, muss Werwolf sein,  Junge hilft Mädchen, Werwolf zu werden, Drama, Drama, keiner happy“, baaaaaaaah, ich weiss nicht, ob mich so was in meiner Jugend gefesselt hätte (gelesen habe/hätte ich sie sicher, siehe den Alphabet-Approach), aber jetzt? Schnarch.......
Ich habe erst überlegt, ob es daran liegt, dass ich ein extrem fantasieloser Mensch bin und deswegen mit Charakteren, die ausserhalb meiner Erfahrungswelt liegen, nichts anfangen kann.  Aber ich lese Bücher (für Erwachsene) über Serienmörder, Profiler, Zeitreisende, Hexen, Ehebrechern, krebskranke Mütter, 100jährige Ausbrecher, aus der Perspektive von Kindern,  von Haustieren, von mir aus auch von Möbelstücken und das alles fesselt mich, egal ob jetzt sprachlich ausgefeilte Schmuckstücke, bei denen man jeden Satz geniessen kann oder aber Lesefastfood, bei dem sich ratzfatz 800 Seiten weglesen wie nix. Weil ich mich bei diesen Büchern als Leser ernstgenommen,  gefordert oder wenigstens gut unterhalten fühle.  (Da ist mir dann auch die Coverfarbe egal ;-))
In diesem Sinne: Sorry, Grosser, das nächste Mal gibt es wieder ein gescheites Buch ;-) (Ich bin mir gar nicht  sicher, wie hoch die Dichte an kreischenden Teenies beim Einlösen des Hauptgeschenkes eigentlich sein wird. Ich hätte gesagt, nicht so hoch, aber was weiss ich schon.)