Donnerstag, Mai 12, 2011

Inglisch

Nachdem ich gestern endlich rausgefunden habe, warum mich der Akzent der einen Kollegin beim Bissnissinglisch-Reden so irritiert (die Gute hat als Deutsche einen französischen Akzent, tres verwirrend),und bei der anderen Kollegin, die nach einem Postdoc-Aufenthalt in Steeeenfod ein traumhaftes american english spricht, so gerne zuhöre, habe ich mal angefangen, mir darüber Gedanken zu machen, warum und seit wann ich mich auf englisch so sicher fühle. Ich meine, ich habe mit meiner humanistischen Ausbildung (ich sag nur: 13 Punkte im Altgriechisch-Leistungskurs-Abitur, dazu noch das grosse Latinum) relativ spät mit dem Erlernen wirklich nützlicher lebender Sprachen begonnen. Und unser fernseh- und Pop-Musik-freies Zuhause hat mit den shakespearianischen Englischlehrern am Gymnasium dazu geführt, dass zu Unibeginn mein Englisch.... naja, very british und very far from fluent war. Nun ist es ja so, dass in den Naturwissenschaften nahezu alle Literatur auf Englisch ist. Und Chemie-Englisch, das lernt man an einem humanistischen Gymnasium gleich dreimal nicht. Also habe ich mir selber beigebracht, dass yield nicht nur "Vorfahrt achten" heisst, dass Wolfram auf Englisch nicht wuuulfräm, sondern tungsten heisst (das weiss aber so mancher C4-Professor immer noch nicht), die Tücken von sodium/potassium/mercury weiss ich zu umgehen und als Schmankerl sogar noch, dass aluminum so stimmt. Ich habe mit anderen Akzenten umgehen gelernt (Say hello to our chinese friends), und dann, dann bin ich für drei Monate ganz allein nach San Diego gezogen. Da musste ich erstens im Alltag überleben, zweitens aber arbeitete ich in einem Biochemie-Labor. Und so habe ich dort nicht nur gelernt, dass es Bierflaschen mit Drehkronkorken gibt (die man aber auch, zum grossen Erstaunen der Laborkollegen mit einem Handkantenschlag an der Kante der lab bench aufmachen kann), nein, ich habe mittlerweile schon längst wieder verdrängtes Biochemievokabular angesammelt und mir einen kalifornischen Slang zugelegt, der einen späteren Kollegen aus Santa Barbara aufseufzen liess: "Just like home".
Irgendwann später dann begann ich in der Firma, die als company language "broken english" propagierte und lernte den Schweizer Akzent lieben (und v.a. den Umgang mit kurzzeitiger Vokabelschwäche "But now, Spass beiseite").
Mein eigenes Englisch wurde mit verfahrenstechnischen Vokabeln aufgepeppt und den amerikanischen Akzent habe ich mir serientechnisch erhalten. Ein bisschen Polittalk mit "West Wing", medical talk mit GA etc, Lost, Heroes und ganz aktuell natürlich ein bisschen arg New Jersey-Mob-lastig. Ich habe allerdings immer noch keinen Kollegen als douchebag bezeichnet.
Tja. So ist das. Und ich glaube, mittlerweile wäre ich absolut damit überfordert, die Company presenatation auf deutsch zu halten ;-)