Dienstag, Januar 18, 2011

Letztendlich eine relativ blöde Angewohnheit

Ich habe immer mal wieder Lieblingswörter. Das müssen gar nicht Wörter sein, die ich unbedingt besonders schön finde. Irgendwie scheinen sie in gewissen Lebensabschnitten zu dem zu passen, was ich vorrangig zu sagen habe.
Gegen Ende meiner Doktorarbeit waren es zB "Letztendlich" (gerne auch mal "letzten Endes") und "relativ". Davon strotzten meine Vorträge, meine Artikel, meine Diss selbst. Der Hübsche hat mich das eine oder andere mal während eines Seminarvortrags total aus dem Konzept gebracht, indem er den "Letztendlich" und "relativ"-Counter hochhielt. Vermutlich war die gehäufte Verwendung dieser Worte nur ein Ausdruck dafür, dass im Rahmen meiner Arbeit letzten Endes relativ wenig Verwertbares rauskam....
Warum ich diese alten Kamellen heute aufwärme? Ich habe an mir einen neuen Ausdruck bemerkt. Keinen Lieblingsausdruck, eher einen ganz grauenvollen. Ich habe in den letzten beiden Tagen zweimal in einem ganz normalen Gesppräch die Wendung "Just in diesem Moment" verwendet. Noch während ich das aussprach dachte ich mir "Wow, halt die Klappe, das klingt ja wie aus einem Enid Blyton-Buch....."
Schröcklich!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

frau brüllen,

das ist doch nicht wirklich schlimm. ich z.b. hasse es, wenn mein gatte, das herzchen, alles verenglischt ( er kommt aus der fliegerei, da ist das so üblich...)

by the way, just in time, (ganz schlimm: approxemetely!
um nicht zu sagen: shit happens...

am schlimmsten aber ist, wenn man sich wie die eltern anhört und die verhassten mahn-sprüche raushaut.da braucht es wohl keine beispiele zu nennen, oder?

herzlichst frau marichen clementine

steffi hat gesagt…

:o) das stand in der 5ten klasse mal unter einem aufsatz von mir: liest sich wie ein schneider-buch.... ich muss wohl nicht dazu sagen, dass die deutschlehrerin schneider-bücher hasste....

eine freundin benutzt in jedem 2 satz das wort respektive und das auch schon ziemlich lange. wird mit der dauer anstrengend, aber sie scheinen ja immer mal wieder abzuwechseln.

Anonym hat gesagt…

Liebe Frau Brüllen,
als stiller Fan Ihres Blogs möchte ich Sie fragen ob Ihnen schon einmal aufgefallen ist, wie oft speziell junge Menschen bei ihren Erzählungen das Wort "halt" verwenden ? Manchmal mehrmals in einem Satz - nervig - aber es ist halt so.........
...und weil ich hier nun gerade mal schreibe: Sie machen das alles wunderbar !!! Kinder, Job, das ganze Drumherum - scheinbar lässig. Ich bewundere Ihre Kreativität, echt. Weiter so.
Liebe Grüße Jutta

tante liesbet hat gesagt…

Eine Kollegin sagte immer "somithin".
Der Sinn hat sich mir bis heute nicht erschlossen ;-)
LG Doris

féizào hat gesagt…

Das kenn ich. Hab ich schon zu Schulzeiten. Mal sind es Wörter, mal Phrasen. Meist fällt es mir auf, mal werde ich drauf aufmerksam gemacht.

Vor etwa einem Jahr habe ich wohl ständig das Wort "schier" verwendet. Ich glaube das immer noch nicht so recht, ich kann mich da echt nicht dran erinnern.

Momentan: "Letztendlich" (ja wirklich!) und "Ich weiß auch nicht".

julia hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
"Der Hübsche" hat gesagt…

Haben wir (also ich...) in Deinen Videos nicht vor kurzem (oder sollte ich sagen seinerzeit) eine signifikante Anhäufung eben dieses Wortes "seinerzeit" beobachtet? Oder was war der aktuelle Renner?
Immernoch besser als "ähm", dessen gehäufte Verwendung mir mal nachgesagt wurde.

Daniela hat gesagt…

Also ich persönlich finde diese Wendung charmant. Morgen in der Schule pass ich mal auf, was sich bei mir grad häuft :-)

julia hat gesagt…

mein alter Chef sagte in jedem zweiten Satz "de facto" bis ihn ein Patient darauf ansprach , das war eine merkwürdige Situation - bei der Visite.

Ich glaube jeder hat so eine Redewendung, die sich in den Wortschatz einschleicht, dort eine Zeit verweilt und dann abgelöst wird.

tilema hat gesagt…

Just in diesem Moment. Furchtbar. ;)
Mein It-Satz ist z.Z. leider: "weißte was ich mein?" Auch extrem blöd. Whatever. Argh! Ein weiteres!
Grüßle

musematschka hat gesagt…

Eine liebe Freundin sagt immer "aber dennoch", das find ich toll, weil jeder andere "normale" Mensch ja eher "trotzdem" verwenden würde :)

Phrasen können zum Totlachen sein, wirklich schlimm find ich allerdings diese halts, ebends und irgendwies! Und so... ;-)
Ich hoffe, bei mir hält sich das in Grenzen; zumindest hat mich noch niemand auf meine Lieblingswörter (und die habe ich definitiv!) aufmerksam gemacht...

Anonym hat gesagt…

Haha, just verwendet meine Mutter oft und ich dachte das wären Überreste aus ihrer Berliner Zeit.
Eine Freundin, Deutsch bis ins letzte Glied ihres Stammbaums, sagt, wenn ihr ein Begriff nicht einfällt: wotschucolit.(What you call it?) Sehr irritierend finde ich!
Vor einigen Jahren muss als Verstärkung das Sch....-Wort öfter in meinem Wortschatz vorgekommen sein. Bis mein Sohn, schon erwachsen, mich darauf aufmerksam machte.
Also Ohren auf!
Ich möchte auch gerne betonen, das ich mich jeden Tag über ihren Blog freue. Herzerfrischend!
Liebe Grüße ...... Ilona

feuervogel hat gesagt…

Ich bekomme hier meine Sprüche immer postwendend im Miniformat präsentiert. Zur Zeit vor allem "Na! Schön!!" wenn etwas Unangenehmes passiert. Vor 20 Jahren war es "urst" - kennt das noch jemand?

Gehören halt zu uns unsere Floskeln. Irgendwie. LG

katharina hat gesagt…

Ha, just in diesem Moment schnell wieder abgewöhnen!
Ach, weil alle und auch ich gleich auf den englisch-Zug
aufgesprungen sind - war denn etwa das deutsche "just" gemeint? Dann finde ich's eigentlich ganz lustig ;) ich hab 'ne Zeit lang ständig "freilich" gesagt,uah.. Und meine Schwägerin sagt gerne mal "am Ende des Tages",das finde ich auch sehr hübsch..

Das kleine Brüllen hat gesagt…

@katharina: neinein, nicht "dschast", sondern richtig altväterlich "just". Schlümm!