Donnerstag, März 05, 2009

Manchmal, aber nur manchmal

wünsche ich mir, Little Q. wäre ein Mädchen und Au-el seine beste Freundin. Sie würden nach einer ruhigen Nacht aufwachen, ihren Puppen die Haare kämmen, ein paar Ketten auffädeln, mit Glitzerstiften Prinzessinnenbilder malen, wir würden uns im Bad lustig kichernd gegenseitig schminken und es wäre ruhig hier.
Das Besuchskind hätte sich nicht binnen 2 Sekunden vom heulenden Etwas ("Ich muss Pipi, wo ist meine Mami") zum testosterongeladenen Schachterlteufel verwandelt, ich würde nicht morgens um 7:02h mit zum Gewehren ("Meins ist aber länger, meins ist aber gefährlicher, meins, meinsmeins") konfrontiert, diese Vergleicheritis würde sich nicht auf die absurdesten Bereiche erstrecken ("Ich hab mehr Rosinen im Frühstück." "Dafür hab ich mehr Nutella."), es würden keine Türen geknallt, zugehalten, ich hätte nicht morgens um 7:23h schon 8 Dardabahnschienen, eine Fasnachtstrommel, die Holzeisenbahn, eine Spielzeugmotorsäge und die halbe Autokiste konfisziert, da sich aus diesen Spielsachen unlösbare Konflikte ergaben.
Ich müsste nicht alle zwei Minuten zwei kleine Testosteronböcklein, die an den Kleidern reissen, sich mit Eisenbahnschienen vermöbeln, Bücher die Treppe runterfeuern etc. voneinander trennen. Sekunden danach sind sie zwar wieder die besten Freunde, lachen sich über Kackwitze und was sie dafür halten tot (wie witzig: Schokopudding sieht aus wie Kacki!)...argh.
Ich weiss, ich weiss, reines Klischeedenken, Mädchen würden sich (weiss ich aus eigener Erfahrung) mit Haarbürsten verprügeln, die Haare büschelweise ausreissen und so weiter.
Ich weiss auch, dass mein extrem dünnes Nervenkostüm gar nicht so sehr an den beiden Testosteronbengeln liegt, sondern zum einen an der für mich dank Alpträumen und einem tobenden Murray um 3:07h mehr oder weniger beendeten Nacht sowie der Aussicht auf das heutige Tagesprogramm (das so gar nicht zu meiner Tagesform passt) liegen:

  • Testosteronböcklein im Zaum halten bis halb zehn,
  • Testosteronböcklein ins Auto verfrachten und die Leiterin des Kinderturnens mit der doppelten Dosis für die heutige Stunde überraschen (ich habe sie gestern per Mail vorgewarnt, aber keine Antwort bekommen)
  • mit dickem Bauch zwei Testosteronböcklein, die im Kontakt mit anderen Kindern zusammenhalten wie Pech und Schwefel, manierlich durch eine Stunde Kinderturnen bringen,
  • die ausgepowerten, ausgehungerten Böcklein nach Hause bringen, abfüttern und hoffen, dass der Au-el Papi seinen Sprössling pünktlich um halb 12 abholt
  • Little Q. zu einem Mittagsschlaf überreden, der Punkt zwei beendet sein muss, weil wir dann zu unserem gemeinsamen Zahnarzttermin und zum anschliessenden Wochengrosseinkauf müssen.
Der Moment, auf den ich mich jetzt schon am meisten freue, ist der, wenn ich mit einer Schüssel Erdbeereis auf dem Sofa sitzen werde und meine Lieblingsheidi über "nur eine von euch usw." faseln wird.
Falls also irgendjemand da draussen ein paar Nerven übrig hat, ich könnte heute welche brauchen.
(Dazu kommt, dass ich mich wie ein richtig schlechter Mensch fühle, weil mich die Macken des Besuchskind so viel mehr stören als die meines eigenen...)