311026
Gerade habe ich als Datum 170526 geschrieben und war kein bisschen verwundert, schliesslich steht unten rechts auf meinem Bildschirm 17:05 (17:06 mittlerweile). Ja. Oke.
Also. Heute: Kolchosenarbeitstag aka Arbeitstag auf dem Markhof (der Zusatzhof für Lagergemüse, den der Birsmattehof seit 2015 dazugepachtet hat und der halt einfach gerade über den Rhein 10min mit dem Rad weg von hier ist). Ich hatte mir ein Thermosportshirt, Arbeitshandschuhe und last minute noch ein Stirnband, Handschuhe und eine Fleecejacke unter die dünne Goretexjacke mitgenommen mit der Annahme, dass mir viel zu warm werden würde und ich dann halt alles ausziehen würde. LOL!
Es hatte 4 Grad und dicken Nebel, als ich losradelte und ich war froh um ALLES, was ich anhatte. Kurzer Schreckmoment: 1km vor dem Hof war die Strasse auf einmal weg. Also: gesperrt, dahinter weggerissen und auch der Radweg war abgesperrt. Es war 2min vor acht und jeder Alternativweg wären mehrere Kilometer gewesen (mir dämmerte, warum Google Maps mir vorgeschlagen hatte, die Dorffähre zu nehmen, die natürlich so früh nicht fährt). Der Radweg war nicht weggerissen, also beschloss ich, soweit zu radeln, wie der Teer reicht und dann halt zu schieben oder das Rad abzustellen und zu laufen. Es ging bis auf die ggüliegende Strassenseite des Hofes, man musste nur um ein paar Erdhaufen herumkurven.
Auf dem Hof: wie immer herzliche nette Stimmung, es ging heute wie an meinem ersten Erntetag jemals Sellerie ernten. Heute aber erstmal total händisch, weil die Erde so weich war, dass sie sich nicht sicher waren, ob der Traktor nicht eine Riesensauerei machen würde. Wir haben also ausgestattet mit Victorinoxgemüsemessern (es gibt jedesmal niegelnagelneue in der Kiste) und Arbeitshandschuhen die Sellerieknollen aus dem Boden gezogen, die Wurzeln und einen Grossteil der Erde abgeschnitten und oben das Grün (das war der befriedigendste Schritt: der beherzte Hieb und dann fällt das Büschel ab). Es war so, so, so kalt! Bis auf die nassen und dann so kalt, dass gefühl- und kraftlos gewordenen Finger war das aber nicht schlimm, sondern tatsächlich richtig schön. Wie Frau Herzbruch (sehr lesenswerte Gedanken zu ernsteren Themen!) so wahr anmerkte: frieren ist so viel besser als zu heiss haben (mir ist immer, immer, immer zu warm), man kann sich ja immer wärmer anziehen.
Zur Kaffeepause um 10 kam langsam die Sonne raus und der heisse Filterkaffee auf dem Hof in der Sonne mit verschiedenen Hefezöpfen war einfach grossartig! (an den Schuhen sammelte sich binnen weniger Schritte eine kiloschwere Lehmschicht, allein durch das Anfassen der leicht erdigen Sellerieknollen wurde der Messergriff zu einem einzigen Lehmbollen.
Der zweite Teil des Morgens fand dann in strahlender Sonne, aber halt immer noch richtig kalt statt. So schön!!!
Ich habe es diesmal irgendwie besser hingekriegt, keine Rückenschmerzen zu bekommen, weil ich all das Säubern aufrecht stehend und nicht gebückt oder gehockt gemacht habe.
Klientel: wie immer eine wunderbare Bubble aus Klischees (nehme mich da ja gar nicht aus), von den Holzkettenursulas mit Kindern in Walkanzügen zu den mittelalten Leuten in HighendFunktionskleidung, alle erdbeschmiert. Heute sind mir unangenehm viele Mansplainer aufgefallen, ich habe in allen Gruppen in Hörweite jeweils Männer Frauen die Welt erklären hören, das war schon auffällig..
Heimradeln heute dann ohne Mittagessen, weil ich um eins schon wieder ein anderes Date hatte, nämlich Q. bei der Feuerwehrhauptübung. Das ist eine öffentliche Übung, in der die Feuerwehr alle Einheiten in Testcases vorführt. Das ganze Dorf schaut zu und Vertreter der Nachbarfeuerwehren und es ist eine Riesenshow. Heute war es erstmals an sehr vielen verschiedenen Standorten und bis auf einen (Löschen eines Gasleckbrandes neben einem vollen Heptanfass, was auf dem neuen Spielplatz stattfand) wurden alle live via Drohne (einer Nachbarfeuerwehr) in den Gemeindesaal übertragen. Sehr beeindruckend!
Q. war bei den Maschinisten, die mit der Motorspritze Wasser aus dem Rhein pumpten (für den Fall, dass es halt mal mehr Wasser braucht als aus einem Hydrant kommt) und dann wieder rein. Sah schon cool aus!
Wir haben dann noch der Verkehrstruppe zugeschaut, die für einen simulierten Autounfall an der grössten Kreuzung im Ort (als ob wir so viele hätten) dann teilgesperrt haben und eben den Verkehr geregelt. Schon spannend, das von oben zu sehen, ist echt nicht so einfach, alles im Blick zu behalten, wenn die Ampeln aus sind. Auch gelernt: die Feuerwehr hat einen Schlüssel, mit denen sie alle Ampeln auf Handbetrieb umschalten können.
Dann haben wir uns verabschiedet, gerade noch rechtzeitig, es gab nämlich noch eine Gebäuderäumung mit Publikumsbeteiligung, wo man als "VerletzteR" dann von der Sanität versorgt wurde. Wir hingegen sind noch eine Runde durch die Sonne gelaufen und haben das kalte Traumwetter genossen.
Daheim dann: Kind zur Halloweenparty verabschiedet, Abholmodalitäten geklärt (das Kostüm ist so fies, er geht als "Tung Tung Tung Sahur" und wenn Sie das nicht kennen, sind Sie vermutlich über 25.), das andere Kind zum Schlussabend der Feuerwehr und der Hübsche und ich werden einen gemütlichen Abend zu zweit verbringen, mit vor Sonne und kalt glühenden Gesichtern.


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