Mittwoch, März 16, 2011

Helpless


Helpless, originally uploaded by Prozac74.

Meine Lieben,


uns hier geht es wahrscheinlich nicht anders als Ihnen. Wir leben unser Leben relativ normal, aber die Katastrophe in Japan hängt wie eine dunkle Wolke über allem. Über dem Hübschen noch mehr, weil er durch berufliche Verbindungen sehr viele Kontakte nach Japan hat.Damit meine ich nicht "nur" die Atomgeschichte, nein, v.a. die Bilder der durch Erdbeben und Tsunami so komplett verwüsteten Ortschaften, all das Leid, das die Menschen dort ertragen müssen....


Ich weiss nicht, warum mir das diesmal so viel näher geht als Pakistan, Haiti, der Tsunami in Südostasien.... vielleicht weil Japan gerade kein Entwicklungsland ist, sondern eine hochentwickelte Wirtschaftsmacht wie wir? Und trotzdem der Natur so hilflos ausgeliefert? (Nicht falsch verstehen: ich finde nicht, dass Naturkatastrophen in Entwicklungsländern weniger schlimm sind, absolut nicht. Nur, wie drücke ich das aus.... mit den Menschen dort habe ich sowieso eine Art "Grundmitleid" - oder auch ein "Grundschlechtesgewissen" ihnen gegenüber, das dann im Falle von Naturkatastrophen noch mal viel stärker wird.


Vielleicht ist es mit Japan so, dass ich mir denke: "Genau das hätte dir auch passieren können" (Basel wird wohl historisch gesehen alle 600 Jahre von einem Erdbeben in Schutt und Asche gelegt, das letzte Beben dieser Art ist 655 Jahre her. Es ruckelt hier alle Naslang mal und die Schweizer und Elsässer Atomkraftwerke sind nicht weit. Little Q. hat letztens gesagt: "Gell, Mami, ganz gut, dass wir kein Meer hier haben")...


Jetzt aber die moralische Frage: klar will ich helfen. Aber dann lese ich bei unserer Leib- und Magen-Spendenstelle das hier, woanders das und frage mich: sollte man nicht lieber nach Haiti spenden? Oder in irgendeiner Weise nach Libyen? Soll ich Wasserstrom von vor der Haustür bestellen? Oder ist das nur ein Marketinggag und wir bekommen nach wie vor "Strom aus unbekannten Quellen aus dem Ausland"?




Wie machen Sie das?

Kommentare:

Christine hat gesagt…

Das mit dem Strom ist wie bei fast allem:die Nachfrage regelt das Angebot. Wenn mehr Ökostrom nachgefragt wird, wird auch mehr produziert und anteilig mehr solcher Kraftweke gebaut. Insofern ist das schonmal ein sehr guter Ansatz! wenn keiner mehr Atomstrom wöllte und Alternativen kaufen würde, gäb es schnell keine Neubauten von AKW mehr und die alten wären aus.

Maike hat gesagt…

Mich beschäftigt die Lage in Japan sehr. Wir haben deutsche und japanische Freunde in Tokio, wir haben unsere Hochzeitsreise durch Japan gemacht und waren bereits 2 x mit dem Nachwuchs in Tokio. Eine weitere Reise war jetzt eigentlich geplant. Wir haben eine sehr enge Bindung zu diesem Land. Der Gatte allein schon durch seinen Sport Aikido. Ich bin erschüttert wenn ich die Nachrichten verfolge und ich glaube o.g. sind die Gründe warum mich das mehr mitnimmt als andere Katastrophen auf dieser Welt.
Trotzdem bin ich bei Spenden immer sehr zurückhaltend. Ich bin mir nie sicher ob die Hilfe auch wirklich da ankommt wo sie gebraucht wird. Den Winter 2004/2005 habe ich auf Phuket verbracht. Ich habe in mitten der Trümmer gestanden. Das vergisst man nie. Aber was ich auch nicht vergessen werde ist die Gruppe vom DRK die sich von der Presse vor den gestrandeten Schiffen hat fotografieren lassen. Im Anzug und Kostüm. Muss das sein? Die werden ihren Flug sicherlich nicht aus eigener Tasche bezahlt haben. Ich habe mich damals schon darüber geärgert.

Und das mit dem Strom, ist auch so'ne Sache...
Ökostrom ist super, aber der Verbraucher hat keinerlei Möglichkeiten zu überprüfen ob der Strom wirklich öko ist der aus der Steckdose kommt. Ich bin technisch nicht versiert genug, aber wenn in einem Mehrfamilienhaus eine Partei Ökostrom kauft und eine andere Atomstrom frage ich mich wie das funktionieren soll. Aber vielleicht bin ich dazu zu blod...

Das kleine Brüllen hat gesagt…

Unser Stromversorger sagt das hier:
http://www.aew.ch/internet/aew/de/privatkunden/stromprodukte/aew_naturstrom/AEW_Flussperle.html

Anonym hat gesagt…

Ich glaube auch, dass wenn mehr Menschen dieses "ach, was hilfts wenn nur ich zu Ökostrom wechsle" aufgeben würden und wenn die Bürger nicht so gleichgültig wären, dann würde sich bestimmt langsam aber sicher was ändern. Jeder muss seinen Beitrag dazu leisten. Mir gehts so, dass mich jeder auslacht bzw. belächelt wenn ich mich gegen Stromvergeudung, Wasserverschwendung etc. in der eigenen Familie wehre. Du Ökotante heisst es dann - aber wenn mehr Menschen so denken würden ...... vielleicht würde die Welt dann ein bisschen mehr geschont. Wir haben schliesslich nur eine.

fee

julia hat gesagt…

Auf jeden Fall Ökostrom !!! Ob bei einem selbst im Haus der Strom aus dem nächstliegenden AKW kommt oder nicht, ist ja letztenendes egal. Es geht ja darum, wie viel der Ökostrom anteilig aus dem Gesamtverbrauch ausmacht. Wenn der Pool des georderten Stroms prozentual ökologischer wird, muss ja der andere weniger werden .

Und die Strompruduzenten, brauchen ja das Geld zum Entwickeln neuer Anlagen.
Und dann darauf achten, daß der Ökostromanbieter nicht irgendein Schwesterunternehmen einer Atomfirma ist oder wie z.B. in Deutschland bei "Lichtblick" in die Postbank verwickelt ist.
Bei www. urgewald.de gibt es z.B. auch die Liste von "radioaktiven Banken".

Ich habe seit 2007 Greenpeacestrom, weiß nicht ob es den auch in der Schweiz gibt. Zudem haben wir einen extrem niedrigen Stromverbrauch von 1250 kwh/Jahr.
Gerne hätte ich noch den Bau einer Solaranlage zur Warmwassergewinnung hier auf dem Dach des 10-Parteienhauses initiiert, aber bei den anderen Bewohnern, wurde das sehr skeptisch aufgenommen, dabei wäre das Dach optimal dafür geeignet.

Mein vieles vieles Geld, vermutlich sind es noch nicht mal Krümel von Peanuts liegt bei der Umweltbank im Tagesgeldkonto, nachdem es vor Jahren, als ich es erbte in einen Aktienfond der Postbank gesteckt wurde. Und sich im Zuge der Krise 2008 auch noch auf ein Viertel minimiert hatte.

Bei aktuellen Katastrophen spende ich selten, dafür regelmäßig an Ärzte ohne Grenzen und an Brot für die Welt. Ansonsten spende ich gerne wenn ich etwas persönlich weitergeben kann, Über eine Nachbarin, deren Schwester in Pakistan eine Einrichtung gegründet hat oder wenn Bekannte z.B. im Ausland echte Kontakte haben ( durch Famulatur oder ähnliches ).

Aber angesichts solcher Katastrophen wie jetzt in Japan, fühle ich mich völlig machtlos und frage mich auch nach dem Wert des eigenen Verhaltens. Merkt die Welt, merkt das Klima, daß ich das Blatt von allen Seiten beschrieben habe ?
Merkt die Natur, daß ich versuche in unserem Garten ein "Biotop" zu ermöglichen. Merkt das Klima daß wir fast ausschließlich regionale Lebensmittel zu uns nehmen und ich keinen Kohl mehr sehen kann, den Fleischkonsum fast ganz eingestellt haben und schon lange nicht mehr einfrieren, sondern einkochen - schmeckt übrngens besser !
Vermutlich nicht. Lediglich, wenn alle das tun würden.

Dennoch bin ich der Meinung kann was tun, indem man z.B. die Konzerne boykottiert, mit deren Handeln auf der großen weiten Welt man Schwierigkeiten hat. Als da wären N.estle, Uni.lever, K.raft, Ike.a, Stora E.nso, H.undM, T.chibo etc pp.
Es geht und es ist kein Verzicht, eher Gewinn !

Was Japan angeht, kann man glaube ich gerade nicht viel tun als Beten.
Ich klebe auch wahlweise am Radio oder Rechner um zu verfolgen, was da vonstatten geht und bin sehr betroffen.

syvi25 hat gesagt…

Ein Ökostromtarif der "üblichen Verdächtigen" bringt meiner Meinung nach nichts. Besser zu einem Anbieter wechseln, der nichts anderes hat.
Siehe hier: http://www.atomausstieg-selber-machen.de/startseite.html
Wobei ich jetzt nicht geprüft habe, ob das auch für die Schweiz gilt.

Katharina hat gesagt…

Was diese Katastrophe von anderen unterscheidet, ist, dass sie immer noch passiert. Es ist salopp gesagt nicht nur ein Erdbeben, dann ein Tsunami, und damit beginnt das Aufräumen und das Verarbeiten, sondern das Ende ist ja noch gar nicht absehbar, es geht für die Menschen dort immer weiter und die nachrichten und Bilder werden immer noch gruseliger. Ein echter Alptraum!

Grüße aus Freiburg (in der Nähe von Fessenheim...)

Ute hat gesagt…

Ich hörte schon vor einigen Tagen im Radio, daß aus D. in Japan nur das THW aufgrund eines zwischenstaatlichen Abkommens vor Ort helfen darf. Allen anderen Organisationen haben sie gesagt, sie sollen zu Hause bleiben. Erstens, weil sie kein Japanisch können und damit mehr Umstände für die Einheimischen verursachen als daß sie helfen könnten. Zweitens, weil die Infrastruktur gar nicht ausreicht, um diese Hilfstrupps überall zügig hinzubringen.

Was Spenden angeht, halte ich zweckgebundene Spenden an irgendwelche privaten oder halbprivaten Hilfsdingsbumse generell für unsinnig. (SOS Kinderdörfer ist da nochmal ein Sonderfall.) Der Overhead in der Verwaltung ist bei sowas einfach zu hoch. Ich spende lieber an Organisationen wie "Ärzte ohne Grenzen". Die haben höchstwahrscheinlich einen wesentlich besseren Überblick, wo welche Art von Hilfe gerade am dringendsten gebraucht wird. (Und sie müssen nicht erst für ein einziges Projekt die ganze Hilfsmaschinerie aus dem Boden stampfen und dafür Geld verpulvern.) Ich leiste somit einen Beitrag zu allen Notfällen weltweit, statt auf einer temporären Mitleidswelle für eine bestimmte Region mitzuschwimmen.

Zum Thema Ökostrom fand ich dieses Interview ganz erhellend: http://www.geo.de/GEO/technik/58226.html

Mein Anbieter ist übrigens kein Öko-Anbieter. Vielleicht ändert sich das beim nächsten Wechsel, vielleicht aber auch nicht. Kommt auf die Konditionen an. Bis Dezember bin ich eh noch an den aktuellen Vertrag gebunden.

Katja hat gesagt…

Vielleicht gehen uns die Ereignisse in Japan auch einfach deshalb so nah, weil man tatsächlich ständig damit konfrontiert wird? Egal wann ich das Radio einschalte, es dauert nicht lange und die aktuelle Lage wird erörtert. Schalte ich im Fernseher die Kanäle durch, läuft auch auf gefühlt der Hälfte der Sender entweder eine Berichterstattung aus Japan oder es geht um Kernenergie und den Umgang damit generell.

Auch die Wahl von Ökostromtarife der Großkonzerne halte ich für sinnvoll, letzten Endes werden die dort investieren, wo sie verkaufen können. Ein solcher Tarif ist allemal besser als der Normaltarif.

Ich spende weiter an die Stellen, die ich auch bisher für unterstützungswürdig befunden habe. Nicht speziell für Japan, obwohl die Organisation dort auch aktiv ist, die anderen Projekte laufen weiter und müssen entsprechend finanziert werden.
Grüße von Katja

Sunni Schmidt hat gesagt…

Auf die hier gestellte Frage nach dem Ökostrom und den Mehrparteienhäusern gibt es folgende Antwort:Keiner, der den sogenannten Ökostrom bezieht, bekommt anderen Strom als der Normalverbraucher, er bezieht also Strom aus einem Kraftwerk, der entsprechend transformiert ist, damit die Geräte arbeiten können. Das Kraftwerk ist entweder Kohle, Öl oder Atom, ganz selten in D Wasser. fertig. Die Ökostromerzeuger speisen "ihren" Strom irgendwo, also aus den Windkrafträdern, Solaranlagen, Erdwärmesystemen, in das normale System ein. Und das auch nur, wenn a) Wind ist und/oder die Sonne scheint(aller Strom der sonst verbraucht wird, muss also sowieso anders produziert werden)Außerdem ist Strom eine Sache, die man nicht lagern oder aufbewahren kann, ist sie erzeugt, muss sie sofort abgenommen werden, oder sie ist futschi. Daher verkauft ja auch D Strom an andere Länder, weil wir jetzt schon viel zu viel davon haben, der hier nicht abgenommen wird. Ankommen beim Verbraucher tut natürlich immer der Strom des örtlichen Anbieters, also des nächsten Kraftwerkes, und nicht etwa in einer Leitung auf einmal grüner, in der anderen roter Strom...die einzige Sache ist die Bezahlung. Man zahlt also an den Ökostromanbieter, der führt das, was man verbraucht hat(also sehr wohl genauso Atomstrom wie alle anderen) an den örtlichen Versorger ab - mit dem er Verträge über Einspeisung hat) und mit dem Rest installiert er neue Anlagen oder lässt es bleiben, weil wie gesagt, wir im Moment ja schon erhebliche Übermengen an Strom erzeugen. Einzige Ausnahme sind die SELBSTERZEUGER. Also wenn man eine Phovoltaikanlage hat oder Solarzellen oder eine Wärmepumpe(die dann aber wieder mit dem Atomstrom gespeist wird um überhaupt zu arbeiten!)hat. Aber selbst dann kann ich nur einen kleinen Teil eben sofort nutzen, speise den Rest wieder in das Gesamtsystem und erhalte es bezahlt oder anderweitig gut geschrieben. Zu dieser Nutzung benötige ich immer auch einen Anteil Normalstrom, der -wie schon gesagt -aus dem Kraftwerk stammt...So ist also alles mit allem verquickt und nicht so einfach, wie man das sich simpel vorstellen könnte. Sonst müsste ja zu jedem Verbraucher eine 2. Leitung vom Erzeuger UND dessen eigenem Kraftwerk gelegt werden, was gar nicht möglich ist, da diese Ökostromanbieter gar keine eigenen Kraftwerke zur Transformation besitzen. Ebenso müsste es also parallele Hochspannungsleitungen über Land geben(neben den normalen), damit dieser andere Strom befördert wird. Da beißt sich der Wurm in den Schwanz...
Ich musst wirklich bis heute Morgen darüber nachdenken, wie einfältig doch manch ein Verbraucher an solche Sachen geht.
Was man dafür tut, sich selbst gut zu fühlen, ist eine andere Sache.Was man dabei für andere tut, kann keiner kontrollieren.
Auf jeden Fall muss man das alles bedenken.
Spenden gebe ich generell sehr zweckgebunden, am besten an direkte Personen, von denen man Verlässlichkeit erwarten kann.(Kinderhospiz, z.B.) Im Falle Japan bin ich auch bisher ohne Idee, was das Beste ist.Sunni

Anonym hat gesagt…

Das Wissen um die Not der Menschen in Japan liegt auch hier wie eine Wolke auf Schritt und Tritt über uns. Wir haben uns schon vor lägerer Zeit dazu entschieden, ein Hilfsprojekt, dem wir vertrauen, durch kleine, aber regelmäßige Spenden zu unterstützen. Für die Organisation ist es Geld, auf das sie zählen kann - also auch bei langfristigen Projekten einplanen kann - ohne auf eine Region eingeschränkt zu sein. Häufig ist das ja ein großes Problem der Organisationen: das Geld ist gebunden, da bei den Spenden eine bestimmte Region angegeben ist, und wird dort nicht gebraucht; dort, wo es gebraucht würde, darf es aber nicht eingesetzt werden. Gegebenenfalls legen wir dann im konkreten Katastrophenfall noch etwas drauf. Im Blog eines Deutschen, der in Japan lebt, wird berichtet, dass die Verfügbarkeit (und Finanzierung) von Hilfsmitteln im Augenblick nicht so sehr das Problem ist, alleine der Transport in die zerstörten Gebiete ist schwierig umzusetzen, daher wird es von uns zunächst keine Sonderspende geben.
Auch bei uns gab es vor einigen Jahren den Wechsel zu Ökostrom (dabei haben wir auf die Zertifizierung geachtet, damit auch wirklich drin ist, was drauf steht), wenn es sogar eine regionale Quelle gibt, umso besser, da wird die regionale Wirtschaft unterstützt. Bei uns hat diese Wechselentscheidung zu einem bewussteren Umgang mit Energie geführt; wir konnten unseren Verbrauch so weit drosseln, dass uns der eigentlich teurere Ökostrom heute nicht mehr kostet als zuvor der "Normalstrom". Die Vorstellung, dass genau aus meiner Steckdose der Ökostrom kommt den ich bezahle, ist natürlich verdreht; der Strom wird eingespeist und man hat keine Kontrolle, welche Energie konkret aus der eigenen Steckdose kommt. Hier geht es nicht um den einzelnen kleinen Beitrag (und darum, 1:1 zu bekommen, was man bestellt; meinem Kühlschrank ist es egal, ob die Energie, die ihn am Leben erhält, aus Windkraft, Sonnenenergie oder Atomkraftwerk kommt), sondern um das große Ganze, das entstehen kann, wenn viele ihren kleinen Beitrag leisten.
Lieben Gruß aus dem tiefsten Westen Deutschlands in die schöne Schweiz,
Alexandra

Ute hat gesagt…

Ein Deutscher in Japan vor Ort schreibt: http://www.tabibito.de/japan_blog/blogs/index.php/2011/03/17/sanriku_kanta_erdbeben_update_viii

Offenbar machen manche Europäer, insbesondere aber die Deutschen, sich gerade schwer lächerlich bis hin zur Verärgerung.

katharina hat gesagt…

Ich bin auch ratlos. Und schockiert. Wir haben bisher noch nichts gespendet, ich wüsste auch gar nicht, wohin am besten. Wir sind aber auch Fördermitglied bei Ärzte ohne Grenzen und auch bei ein paar anderen Sachen, die ich ganz sinnvoll halte, die allerdings andere Bereiche betreffen (wwf, greenpeace...).

Ich muss mich jetzt auch dringend mal umhören, wie man auf Ökostrom umstellen kann, ich hab nur erst kürzlich gehört, dass hier in Deutschland ja ohnehin viel mehr Atomstrom produziert und dann verkauft wird, als selbst im Land benötigt. Das macht mich ein bisschen skeptisch in puncto Nachfrage regelt das Angebot.

Ach Herrje.
Ich mag gar nicht über all das nachdenken. Hier in D sind die Atomkraftwerke ja wohl relativ sicher und die Erdbebenwahrscheinlichkeit ohnehin gering. Aber was ist denn z.B. mit Tschechien? Polen?.....

ichbindiegute hat gesagt…

Liebe Frau Brüllen. Ich fühle genauso wie sie's beschreiben. Wie mache ich das? Ich habe vor 2 Jahren den Stromanbieter gewechselt: www.naturstrom.de

Dort bin ich mir sicher, dass das Geld in regenerative Energien fließt, die nicht sowieso schon im Netz sind und dass in Neuanlagen in Deutschland investiert wird. (Das hilft Ihnen jetzt erstmal nüscht. Aber vielleicht Ihren Lesern aus Deutschland. Ich weiß nicht, ob es in der Schweiz auch gute Ökostromanbieter gibt. Erkundigen Sie sich doch mal z.B. bei greenpeace.)

'Echte' andere Ökostromanbieter sind www.greenpeace-energy.de, www.ews-schoenau.de, www.lichtblick.de. Diese sind nicht in irgeneiner Weise mit den großen Stromkonzernen verflochten und beziehen das 'Öko' in ihrem Namen nicht nur aus dubiosen Ökostromzertifikaten. Sie werden von allen deutschen Umweltverbänden empfohlen. Und noch dazu ist www.naturstrom.de mit 21,25 Cent/kWh brutto meist sogar billiger als konventionelle Anbieter. (Schauen Sie doch mal auf Ihrer Stromabrechnung nach, lieber Brüllen-Leser aus Deutschland.)

So mache ich das: Ich erzähle möglichst vielen Leuten, dass man nicht von der Regierung den Atomausstieg verlangen und gleichzeitig weiter Atomstrom finanzieren kann. Ich erzähle, wie einfach der Wechsel funktioniert: Vertrag ausfüllen, abschicken, fertig. Die Kündigung beim alten Anbieter übernimmt der neue Anbieter. Ich erzähle, dass es keine Mindestvertragslaufzeit gibt und man jederzeit kündigen kann.

Man kann nicht immer nur auf die Regierung warten und die Hände in den Schoß legen. Ich glaube, dass die Marktmacht der Verbraucher viel mehr wiegt als vielen bewusst ist. Wechseln, jetzt!

ichbindiegute hat gesagt…

@katharina: Vermutlich wird es in Deutschland kein Erdbeben dieser Stärke geben (aber kommen unsere Kraftwerke mit den hier üblichen Erdbebenstärken zurecht? Und was, wenn es doch mal ein stärkeres Beben gibt?). Und natürlich keine Flutwelle. Aber wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit menschlichen Versagens?

Die zweite ungelöste Frage ist ja die nach dem Umgang mit dem entstehenden radioaktiven Abfall. Wie kann man so unverantwortlich sein auf zehn- oder hunderttausende von Jahren unkontrollierbaren Müll zu produzieren? Und wie kann es sein, dass diese Kosten nicht in den Strompreis einfließen?

Die dritte Frage ist die nach der Behauptung Atomstrom sei CO2-frei. Ist der Uranerzabbau CO2-frei? Ist die Verarbeitung des Uranerzes und des Urans CO2-frei? Sind die Transportwege zwischen den Verarbeitungsschritten CO2-frei? (Uran aus Australien braucht zum Beispiel etwa 22.000 km bis zu uns.) Sind die Transportwege des Atommülls CO2 frei? Ist die ungelöste Endlagerung CO2 frei?

@ Maike:
Du bekommst natürlich effektiv denselben Strom wie Deine Nachbarn, unabhängig vom Stromanbieter. Der Unterschied ist aber, welcher Strom ins Netz eingespeist wird. Der Anbieter verpflichtet sich, das was Du abnimmst auch einzuspeisen. Und entscheidend ist auch die Frage, wohin vom Stromanbieter investiert wird. In Kohlekraftwerke? In AKWs? Oder in regenerative Neuanlagen? Daher ist es sehr wohl entscheidend, welchen Abieter man wählt.

Das kleine Brüllen hat gesagt…

Danke, blogspot. Da schreibe ich eine megalange Antwort und ftsch..... weg.
Also nochmal:
Mir ist schon klar, dass ich nicht genau die Kilowattstunden aus dem Windrad bekomme, für das ich bezahlt habe. Da ich aber das Gefühl habe (werde ich überprüfen), dass der Strommarkt in CH ganz anders aufgestellt ist als in D., dass man also gar nicht wechseln kann, sondern nur von den gegebenen Anbietern eben Ökopakete dazunehmen kann, muss ich da noch mal genau nachbohren. (Bei uns käme der angebotene Wasserstrom direkt von vor der Haustür. Hat was, finde ich)
Zum Thema Japanhilfe: ich denke, wir werden aus den von Ute genannten Gründen für das Rote Kreuz oder die Ärzte ohne Grenzen spenden. Einfach aus dem Grund, weil die für solche Aktionen standardmässig ausgerüstet sind. Bei vielen kleinen von privat aufgezogenen Aktionen frage ich mich oft nach dem Nutzen (Für Haiti wurden hier vor ORt von einem halbprivaten Windellieferservice Windelspenden gesammelt und dann per Post (!) an ein Kinderheim in Haiti geschickt. Sicher gut gemeint, aber ob eine einzige Windel dort angekommen ist?)
Zur Sache mit Greenpeace und alle Grosskonzerne sind böse: da bin ich wohl von Berufs wegen auf der anderen Seite. Gehlat einstreichen und auf der anderen Seite boykottieren geht ja wohl nicht. AUsserdem habe ich prinzipiell ein Problem damit, wenn es dogmatisch und fanatisch wird und das ist es in meinen Augen bei Greenpeace (nicht dass ich in meiner Freizeit jetzt Robbenbabies töte oder so, aber in Sachen Chemie etc., da ist das so gar nicht meins.)

Bianka hat gesagt…

Vielen Dank für diese sehr gute Diskussion. Wir möchten jetzt auch wechseln, und ich gehe das am Wochenende mal an.

Ansonsten: Was die Sicherheit von Atomkraftwerken in der "zivilisierten Welt" angeht, wo es relativ wenig Gefahr von Tsunami und Erdbeben gibt, hat man ja vor ein paar Jahren in Schweden gesehen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Forsmark

ichbindiegute hat gesagt…

Sie haben natürlich Recht, Frau Brüllen: Nicht alle großen Unternehmen sind automatisch böse (ich habe selbst schon bei zweien gearbeitet). Und Greeenpeace wirkt auf viele Leute dogamatisch. (Ich habe Greenpeace genannt, weil die auf jeden Fall unabhängig die Situation beurteilen würden. Wären Sie in Deutschland, hätte ich 'Verbraucherzentrale' geschrieben. Aber gibt es sowas in der Schweiz?)

Auch die vier großen Energiekonzerne sind nich böse.
Was aber doch offensichtlich ist, ist dass sie den erneuerbaren Energien eher zögerlich gegenüberstehen. (Achtung, jetzt kommt ein Zitat:) 'Schließlich haben im vergangenen Jahr (2009) allein die Bürger in Deutschland mehr Geld in Anlagen zur Stromerzeugung investiert als die vier großen Energiekonzerne zusammen.' (Quelle: http://www.klimaretter.info/meinungen/kommentare/6273-enbw-droht-wie-laecherlich)

Deshalb sollte man beim Wechsel darauf achten, dass das Geld eben nicht diesen Unternehmen in die Hände fällt. Mehr wollte ich gar nicht sagen :-)

(Und falls Sie wechseln wollen und Ihr alter Anbieter Sie anruft und versucht zum Bleiben zu überreden, lassen Sie sich bitte nicht beirren. Die ganzen 'Öko'-Tarife, die die großen Anbieter anbieten, bedienen sich nur des Zertifikatehandels. So wie ich das verstanden habe (ich bin ja auch kein Experte), wird dabei der Strom aus erneuerbaren Quellen, der sowieso ins Netz eingespeist wird, mit einem neuen Label versehen und einfach teurer verkauft. Das hilft niemandem, nur dem jeweiligen Konzern.)

P.S. gegen das Problem mit dem verschwundenen Formularinhalt beim Absenden habe ich mir angewöhnt, vorm Absenden immer alles in den Cache zu kopieren. Man muss nur dran denken :-)

Anonym hat gesagt…

Liebe Frau Brüllen,
hier mal eine eher unkonventionelle Idee zum Unterstützen der Arbeit in Japan - mit der Garantie, dass jeder Cent garantiert ankommt. Eine bekannte deutsche Familie von uns lebt und arbeitet in Japan, seit 8 Jahren. Frau und die drei Kinder sind vorgestern Hals über Kopf aus dem Land ausgereist, um die Kinder vor dem schlimmsten zu schützen. Der Familienpapa, der dort als eine Art Pastor eine Gemeinde leitet, sagt, dass er die Menschen doch in dieser Situation nun nicht allein lassen kann. Ungeachtet seiner eigenen Risiken wie Verstrahlung etc bleibt er weiter in Japan, möchte in die Auffanglager der Tsunami etc. Opfer und den Menschen dort beistehen. Vielleicht kann er auch finanzielle Untesrtützung brauchen, um den Menschen unter die Arme zu greifen? Die web Adresse ist: messer-family.de

Was ich absolut schockierend finde: Die Fluggesellschaften scheinen den totalen Profit aus dieser Situation herausschlagen zu wollen. Statt zu versuchen, so viele Menschen wie möglich schnellstmöglich zu evakuieren, verlangen sie zum Teil den bis zu 15-fachen Preis für ein Ticket. So können sich selbst viele Menschen die fliehen möchten selbiges gar nicht leisten. Profit over People. Zum K...
Gruß, A.nonym