100226
Katastrophal schlecht geschlafen, der Stresslevel geht durch die Decke, trotz allem. Naja. Ich glaube, neben dem emotionalen Stress (s. letzter Absatz gestern) kämpft mein Körper gegen irgendetwas, passt damit zusammen, dass ich kleine Herpesbläschen habe (relativ klein, da früh genug behandelt). Ausserdem bin ich vorfreudig aufgeregt wegen Urlaub, das ist dem tresslevel ja egal, woher er kommt. Naja.
Radeln war gut, ich habe erst auf der halben Strecke gemerkt, dass es leicht regnete. Es war total angenehm zu fahren, Temperatur genau richtig, Kleider dicht, Füsse warm und trocken.
Schwimmen war: superst, also wirklich!
Dann: Gemütliches Arbeiten, spannende Gespräche mit Kollegen und Chef, ich habe heute richtig, richtig viel gelernt.
Zwischendrin rief der Hübsche an, ich telefonierte mit ihm in dem Sessel im Kaffeebereich, der genau an der Ecke des Gebäudes steht, der Regen prasselte gegen die Scheiben und ich hatte es richtig gemütlich. Good news ausserdem, dass die LED-Lichter wieder gehen im Wohnzimmer. (Allegedly waren irgendwelche Drähte vom Originaleinbauer zu kurz abisoliert gewesen, es scheint die Handwerkerehre zu gebieten, dass man die Arbeit der Vorgänger erstmal schlecht macht. Später stellte sich raus, dass bei den anderen Arbeiten ein Kabel geknickt worden war, naja, kann ja passieren...)
Es ist jetzt alles installiert, morgen wird in Betrieb genommen. Wir müssen noch über die Boilersteuerung sprechen (ist auf Nacht programmiert, nicht sicher, wieviel Sinn das macht) und die Saunasteuerung (geht nicht. Auch hier wurde ungefragt schon mitgeteilt, wie doof die Vorgängerelektriker das installiert hätten).
Mittags bin ich mit ienem Kollegen essen gegangen, ich hatte, weil ich auf ein gemeinsames Spazierründchen hoffte, die Jacke mitgenommen, obwohl wir nur kurz über die Strasse mussten. Aber: es wurde so übers Wetter gelästert (und mir war auch kalt, viel kälter als morgens), dass ich nicht protestiert habe, als wir Kaffee trinken gegangen sind und dann hatte ich auch keine Lust mehr auf im Regen rumlaufen. (Hatte kurz vergessen, dass ich danach noch ein Kaffeedate hatte, aber da hatten wir gar keine Zeit für Kaffee, weil wir so viel über den Job diskutiert haben. Immerhin nicht meinen, sondern die Auswirkung MEINER neuen Rolle (also: unserer ganzen Gruppe) auf die Jöbli-Truppe. Bisschen lustig....
Dann, als ich zwischendrin an meinem Bildschirm vorbei nach draussen in den Regen und auf den Rhein und die Schwarzwaldbrücke runterschaute, wo grad ein Krankenwagen vorbeisauste, wurde ich ein bisschen sentimental (weil ich immer bei Krankenwägen, die über Brücken fahren, an das eine Mal denken musste, in dem ich mit Baby-L in einem drin sass), und musste zurückdenken, wie mir früher (zu Studienzeiten, zu Doktorarbeitszeiten, zu Ciba-Zeiten) ich Ziele in meinem Leben an Örtlichkeiten festmachte. Anders als in Kindergarten und Grundschule, da war mein erstes Ziel 8 Jahre alt zu werden, weil mir 8 irre cool erschien. Mit acht dann, immer noch recht uncool, wechselte ich das Ziel auf "8. Klasse", auch das war nur mittelcool, aber schon ziemlich, weil wir damals ab der 8. aus dem EG in die höheren Gefilde der Schule umgezogen sind.
Dann, während des Studiums, war ja total unklar, wo wir später mal landen würden, Einstellungsraten waren mittel, das (vermeintliche) Ziel aller ambitionierten Kommilitoninnen waren die Forschungsabteilungen der grossen deutschen Chemieunternehmen. Als wir dann in einer Exkursion ("Die chemische Industrie im Rhein-Main-Gebiet") über Akzo (lieber Gulag als das!), Schott (das war ehr skurril und hatte was von den Minen von Moria) bei Degussa und Höchst rumgestiefelt sind, dachte ich mir noch "joah, ok, vllt.....". Bei einer Exkursion zu "Die chemische Industrie in der Schweiz" haben wir im Nestle-Forschungszentrum Nespressokapseln kennengelernt (wir hatten so keinen Plan und dachten, die müsse man aufreissen), ich war total begeistert, dass man SO arbeiten könnte (leider: französisch), bei Roche-Vitamins und Degussa und so auf der deutschen Seite war ich einerseits beeindruckt von all den Giveaways (Vitamine satt! Das war noch vor dem Sündenfall) und dem Wasserturm und bei Degussa von der Ernsthaftigkeit, mit der halt (jaja ignorant, ich weiss) Siliziumdioxid feinst verteilt werden kann, weil meine Güte, ist halt Sand. Bei Ciba-Geigy sind wir durch die Voltaren-Produktionsanlage gelaufen und ich weiss noch, wie ich mir dachte: "Meine Güte, wie soll man sich da je zurecht finden?!" (Little did I know).
Naja. Während der Doktorarbeit hatte ich dann eine Kooperation mit Bayer und skurrilerweise weiss ich noch, dass ich (zwar irritiert von den getrennten Klos für Doktoren und das Fussvolk und dem strkten Verwenden des Doktortitels auch unter Kollegen) auf dem Rückweg von der Kantine ins Labor durch einen japanischen Garten oder so dachte: irgendwann arbeite ich auch irgendwo, wo es dann einen fancy Weg von der Kantine zurück gibt und mir wird es ganz normal vorkommen. (yes, it does.) Bei meiner Zusammenarbeit mit den Leuten von der Ciba-Zentralforschung damals (oder war das schon Solvias?) weiss ich noch, wie ich die Vorstellung, dass ich irgendwann einen Badge haben würde, mit dem ich selber allein überall reinkommen würde, und nicht warten müsste, dass mich jemand abholt.
Als ich dann bei der Ciba anfing, weiss ich noch, wie ich mich sehr lang jedesmal freute, wenn ich in den vierten Stock auf dem relativ schraddeligen Fliesenboden im Flur einbog und mir dachte: "Guck, kein japanischer Garten, aber ich arbeite jetzt hier. So richtig in echt!" (Und dann kannte ich auch noch alle Kessel im Pilotbetrieb und den Anlagen, in denen ich sonst noch so arbeitete).
Ich erinnere mich auch noch an den Moment, wo ich in einem der damals dann zwischen Novartis und Ciba aufgeteilten Gebäude durch eine falsche Tür gegangen bin und auf einmal von dem schraddeligen Linoleumboden mit alten Holztüren im fancy Pharmabereich (und das war "nur" animal health) mit Teppich und hellem Licht und neuen Möbeln und so gelandet bin. Tja.
Der Mann einer Kollegin damals (der jetzt mein Kollege ist) war damals schon bei meinem jetzigen Arbeitgeber und ich weiss noch, wie faszinierend ich es fand, als er erzählte, dass die Einfahrt ins grosse Parkhaus in der Mitte der grossen Strasse, die das Werksgelände in Nord- und Südareal teilt, einfach nach unten geht. Das war für mich lange der Inbegriff der Dekadenz von Big Pharma. Eine öffentliche Strasse in der Mitte teilen mit einer Einfahrt ins Parkhaus! Und jetzt bin ich auch da und die Einfahrt ins Parkhaus ist mittlerweile das am wenigsten Spektakuläre meines Arbeitsumfelds.
Aber eben: ich weiss noch sehr, wie ich mich darüber gefreut habe, endlich 8 zu sein über "meinen" Plättli-Flur zu laufen, ich denke, ich bin noch nicht total abgehoben, auch wenn ich mich manchmal über die Unbequemlichkeit von durchaus einigen der Vitra-Stühle und -Bänke bei uns beschwere.
So. Jetzt nochmal auf die Liste für die Elektriker morgen nehmen: "Bevor ihr da wart, ging unser W-LAN"...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen