Freitag, Oktober 23, 2020

231020 Ruhe vor dem Sturm

 Heute morgen dachte ich noch, mit mir und Istvan vom IT-Servicedesk würde es doch was längerfristiges werden, nachdem ich wieder FÜNF Push-Nachrichten pro Email bekam. Allerdings ist das zwischen uns scheints nichts Exklusives und es gibt noch "Many, many more colleagues with the same issue" und jetzt wurde mein Ticket dem Masterticket angehängt und der Ball ist im Siliconvalley-Feld (höhö, Wortspielsoll erfüllt). Naja, dann halt so.

Sonst: vor mich hin gearbeitet, ich merke immer wieder, dass ich, obwohl es sich immer noch ein bisschen neu anfühlt, doch mehr als nur Fuss gefasst habe im garnichtmehrsoneuen Job: Eins der Themen, die mich vor und während meiner Ferien echt an meine Grenzen gebracht hat, ist jetzt fast in trockenen Tüchern (das andere übrigens schon ganz. China ist nach wie vor mit einem Medikament, von dem Sie vermutlich noch nie gehört haben und das ist gut so, versorgt und keiner hat gemerkt, was wir dafür für Extraschichten geschoben haben. Ich bin viel schlechter im solche Erfolge Feiern, als im mir Sorgen um solche Sachen zu machen.), jetzt geht es um die vorvorletzte Unterschrift auf dem Weg zu den ganz trockenen Tüchern, die eine recht schwierige ist. Der Kollege, der sie einholen muss, macht das zum ersten Mal, ich habe ihm also (ungefragt) unter die Arme gegriffen bei der Formulierung des Dokuments und er hat dann heute gefragt, ob er mich als Referenz angeben darf, wenn es immer noch Fragen zum Thema an sich gibt. Ich hatte nicht mal kurz Adrenalin, als ich ihm das zusagte, ich kann das Thema mit allen Seitenästen und Verwicklungen (wenn man drinsteckt, ist ungefähr so spannend wie eine sehr verwickelte Telenovela, wenn nicht, eher so "Häh? Und DAS ist dein Job?! Oida......") auch dann (mittlerweile sogar mit Spannungsbogen und Spässle zwischendrin) aufdröseln und erklären, wenn man mich nachts um drei aus dem Tiefschlaf weckt (hahaha. Tiefschlaf.). Das ist ein sehr beruhigendes Gefühl. Auch, dass der Anruf mit den Fragen NICHT nachts um drei, sondern sogar noch vor dem Mittagessen kam. Die Wahrscheinlichkeit, dass der/die eine oder andere von Ihnen in den nächsten Monaten mit dem Medikament, um das es hier geht, in Berührung kommt, ist höher als für all die anderen, für die ich zuständig bin. Vielleicht denken Sie ja an mich, aber vermutlich nicht, wenn man es braucht, geht es einem ziemlich dreckig.

Sonst:

in L.s Klasse hat sich in den letzten Tagen etabliert, dass viele Kinder freiwillig, ohne Aufforderung, Bitte oder sonst was von Lehrern, Eltern etc. Maske tragen. Ich finde das eine starke Leistung von 11/12-jährigen und bin stolz auf L., der das jetzt auch macht.

Mit Q. habe ich heute auf dem Heimweg (Freitag hole ich ihn ja von der Schule ab) lange, weil ja Stau war, weil ALLE nochmal nach D zum Einkaufen wollten, bevor man morgen nur noch für 24h nach D darf, über die Situation an der Schule gesprochen (Sie haben jetzt auch einen positiven Fall im Kollegium, allerdings nicht an ihrer Schulform, also keine weiteren direkten Auswirkungen auf ihn). Er meinte: es fühlt sich an wie im März, als es am Freitag hiess: "Hier schon mal das und das und das und macht das fertig so schnell wie möglich, wer weiss, wie lang wir uns noch so sehen" und am Wochenende wurde die Schulschliessung verkündet. Ich war beeindruckt, wie reflektiert er die Zeit und die Auswirkungen des Lockdowns auf ihn, seine Klasse, seine Freunde, uns als Familie betrachtet. Fazit: wir tun ALLES, damit die Schulen offen bleiben können, aber wenn nicht, dann nicht. Wir haben es einmal nahezu unvorbereitet geschafft, wir schaffen es ein zweites Mal mit Ansage erst recht.

Es fühlt sich auch für mich an wie Ende Februar/Anfang März, wo man alles hinterfragt. Ich kam zu dem Schluss, dass L.s Volleyballtraining die im Moment .... risikoreichste, verzichtbarste Aktivität ist und musste etwas irritiert schmunzeln, als eine WA-Nachricht der Gruppe kam, allerdings nicht mit der Trainingsabsage, sondern der Einladung, ein Erwachsenenspiel zu besuchen. Ich habe aus dem gestrigen Kindergarten gelernt und NICHTS dazu gesagt, und als ich mich gerade mit dem Hübschen und L. darauf einigte, dass wir ihn da jetzt halt mal abmelden, plingte es wieder und das Training ist jetzt eh erstmal abgesagt. 

Dementsprechend bleiben an Aussenkontakten:

  • Einkaufen (einmal die Woche Wocheneinkauf, Samstag frische Semmeln und was wir vergessen haben. Jeweils einer von uns.)
  • Schule für Q. und L.
  • Pfadfinder für beide (Samstagsübungen draussen und Piohock drinnen, beides mit Maskenpflicht und mit Kindern, die sie jeden Tag in der Schule treffen.)
  • Ls. regelmässige Treffen mit seinen zwei besten Freunden, die er auch jeden Tag in der Schule sieht.
  • Unsere Putzhilfe, die einmal die Woche kommt, und der wir aus dem Weg gehen.
Es ist, was es ist. Und wenn noch mehr kommt, dann ist das so. (Shit, immer noch keinen Bürostuhl aus dem Lager geholt, mein Rücken wird jaulen, wenn Q. in den Fernunterricht wechselt)