Samstag, August 26, 2017

Kratzikratzi

Es ist ja so: ich liebe es, meine Nägel zu lackieren (also vor allem die lackierten Nägel hinterher). Meine Nägel: lieben das nicht so. (Und ne, danke, ich brauche keine Tipps, auch nicht die, die Sie probiert haben, nachdem Sie schon alles anderer probiert haben, nix über Vitamine, Biotin, Siliziumdoxid, Microcell-Kuren oder Öl, auch ich habe alles probiert, hilft hier alles nix.)
Sie splittern, sind dünn, brechen ab, spalten sich, sind rissig und gerillt. Joah, wäre ich auch, wenn ich zweimal die Woche mit Lösungsmitteln eingeweicht und abgerieben würde und dann wieder mit Lösungsmitteln und Polymeren und Zeug eingepinselt würde. Sie schauen einfach scheusslich aus, weswegen ich dann halt drüber lackiere, wegen Brüchigkeit hält dann nix und dann mache ich das noch öfter neu und wieviel das der Nagelgesundheit hilft, kann man sich ja vorstellen.
Ich habe es natürlich auch ausprobiert, das Kaputte alles rauswachsen zu lassen, das geht ungefähr ein halbes Jahr, in dem ich mit unlackierten, rissigen, scheusslichen Nägeln rumlaufe, und erst dann wieder zu lackieren. Nach zwei, drei Wochen schaut wieder alles scheusslich aus. Meine Schlussfolgerung: dann kann ich auch gleich drübermalen, dann sieht das wenigstens immer halbwegs okay aus.


Vor ein paar Wochen aber war meine kleine Schwester zu Besuch und hatte auf einmal total tolle Fingernägel und .... es waren Acrylnägel. Jajajajaja, ich habe die gleichen Kopfkinobilder wie Sie, von langen Krallen mit Glitzersteinchen drin, von gebogenen Pornoschaufeln und dicken Gelklopsen und Nagelpiercings, oder voll "natürlich" im French-Look, was aber so aussieht, als ob man beim Zahnbleichen aus Versehen die Fingerspitzen erwischt hätte, und ja, ne, danke, das möchte ich nicht.
Meine kleine Schwester hatte aber irgendwas anderes, und das sah wirklich gut aus. Glatt, nicht eingerissen, einfach naturfarbig, auch vorne an dern Spitzen nicht dieses gebleichte Weiss und anscheinend heisst das "Nagelverstärkung natur" und man muss aufpassen wie ein Haftlmacher, dass man nicht aus Versehen einmal den Kopf bewegt, wenn einem der Sermon "GlitzerfarbefrenchwenigstensbisschenMuster?" entgegengeschleudert wird, und wenn man das schafft, dann hat man schöne Fingernägel, die man dann selber lackieren kann und es sieht nicht mehr aus, als wäre man ein nervöser 12jähriger, der seine Nägel abknabbert und aus wissenschaftlicher Neugier schaut, wie weit runter das geht, bevor man auf den Knochen kommt.


Ich habe mich dann auf die Suche nach lokalen Nageletablissements gemacht und hahahaha, in der Schweiz kostet das schon mit ohne "GlitzerfarbefrenchwenigstensbisschenMuster?" schon im Schnitt 60CHF und das alle drei Wochen? Ne, danke, da lasse ich das lieber abgeknabbert.
Meine kleine Schwester allerdings meinte, das könne ja wohl nicht der Ernst der Schweizer Nagelcommunity sein und in Deutschland wäre das viel günstiger.
So ist es auch und dazu kommt, dass im Nachbardörfchen auf der anderen Seite der Grenze ein Preiskampf zwischen "USA-Nails" und "Euro-Nails-American-Style" ausgebrochen scheint, wenn ich den Flyern in unserem "Bitte keine Werbung"-markierten Briefkasten glauben darf.
Und hey, was soll bei 50% Rabatt auf 28Euro für Neumodellage schon schief gehen? (Wenn man Bilder von Gelnägeln googelt: einiges.) Allerdings schauen aktuell die Nägel so aus:





Viel schlimmer geht es nicht, und so habe ich heute nachmittag um 15:00h einen Termin. Ich bin sehr gespannt, wie das so ist (Nagelstudios sind für mich bisher terra incognita), ob ich stark bleibe bei "GlitzerfarbefrenchwenigstensbisschenMuster?" und ob das im Nachhinein eine total beknackte Idee war.
Was sehr praktisch ist: wenn es schief geht, ist meine Schwester schuld (ja, ich bin total erwachsen).