Freitag, Februar 03, 2017

Hoch die Hände!

Heute hatten wir mit Little Q. Halbjahreslehrerelterngespräch. Alles super, unser und Q.s Bild von ihm und seinen Leistungen passt sehr gut mit der Lehrereinschätzung zusammen, das ist ja auch nicht selbstverständlich und viel wert. Ich war noch gar nicht darauf vorbereitet, dass es einen Grossteil des Gesprächs über den am Ende des nächsten Schuljahres anstehenden Übertritt gehen würde, aber es macht ja absolut Sinn, das nicht erst dann anzusprechen, wenn am nächsten Tag die Entscheidung fällig ist. Für uns ist das natürlich besonders spannend, weil wir beide das deutsche (bayerische :-)) System von vor drölfzig Jahren kennen, und wie es in der Schweiz so läuft, wissen wir nur von Hörensagen und Internetinformationen der verschiedenen Schulbehörden. Konkret wird das ja alles erst in einem Jahr, aber soweit das jetzt beurteilbar ist, sind sich alle drei Parteien einig, wo es wie hingehen wird. Hui, das wird spannend (ich musste ein bisschen an Rory Gilmore und Chilton denken).

Eigentlich wollte ich dieses Gespräch bzw. die Selbstverständlichkeit, Unaufgeregtheit, Normalität dieser Kommunikation zum Anlass für einen Rant nehmen, wie unglaublich übergriffig und mühsam ich die Art finde, wie über Lehrer (und Kindergärtner, Trainer, Kinder- und sonstige Ärzte) hergezogen wird. Wie im Internet und im realen Leben der Fehler NIE beim eigenen Kind oder, noch schlimmer, bei den Eltern liegt, sondern immer die Person schuld ist, die unangenehme Wahrheiten anspricht oder auf die Einhaltung von Regeln besteht. Wie ein aufgebrachter Twittermob, die sich aufgrund von 140 Zeichen ein Urteil über eine Person und eine Situation bilden, von der sie nicht einmal wissen, ob sie existiert geschweige denn, ob sie so passiert ist, angegoogeltes Halbwissen über eine Berufsausbildung inclusive Studium und Berufserfahrung stellt, und die Lehrer und Kinder von heute in einen Topf mit dem, was ihnen vor 30 Jahren in der Schule traumatisches angetan wurde, wirft. IMMER. Wie der Apothekenrundschau oder den Nachbarn der Kusine der Schwiegermutter oder jemandem, der eine Ausbildung in Irisauspendeln mit Katzenschädeln hat, mehr Fachkompetenz zugesprochen wird, als dem Arzt, der das Kind tatsächlich untersucht hat, weil Ärzte sind, anders als die Katzenschädelpendler, ja nur auf ihren eigenen Profit aus. Und wie froh ich bin, dass ich beruflich nichts mit Kindern (ausser meinen eigenen :-)) und noch besser: auch nichts mit ihren Eltern zu tun habe. Ich hätte dann noch einen Bogen gezogen zur Abgrenzung zwischen Obrigkeitshörigkeit und der Anerkennung von Autorität bzw. Sachkompetenz, aber irgendwie war der Tag dann schneller rum als gedacht, es gab Pizza, wir mussten mit den Kindern noch schnell die schon hochgeladenen "Everysecondcounts"-Videos anschauen ("Switzerland, twelve points"), erklären, was ein Hoax ist, es gab Rotwein, wir haben noch das Schweizer Sirenenschaf angeschaut und jetzt mag ich mich auch nicht mehr echauffieren.

In diesem Sinne: gute Nacht.