Donnerstag, Januar 19, 2017

Betreutes Shoppen

Über die Weihnachtsferien kamen zwei Sachen zusammen: wir haben die 7. und letzte Staffel von "The Good Wife" (Affiliatelink) angeschaut (ich kann die Serie uneingeschränkt empfehlen. Die 6. Staffel fand ich alles in allem mittel, die 7. wieder super und ich freue mich auf den Start des SpinOffs) und ich habe mich wieder einmal in die Kleidung von Alicia und noch viel mehr in die von Lucca Quinn verliebt. Ein (klitzekleiner, aber doch immer wieder für Freude sorgender) positiver Aspekt meines gar nicht mehr so neuen Jobs ist, dass ich nicht mehr jeden Tag lange Hosen tragen muss und jederzeit bereit sein muss, in Sicherheitsschuhen in den Produktionsbetrieb zu stiefeln, sondern Röcke, Kleider und unpraktisches Schuhwerk tragen kann, wann und wie ich mag.
Ich habe Strickkleider und mittelkurze Röcke für mich entdeckt, trage gern hohe Schuhe und mittlerweile auch (es hilft ja nix, ich hoffe, meine innere Anpassung an Modetrends macht vor Schulterpolstern und Highwaist-Hosen Halt) gerne skinny-Hosen mit lockeren Oberteilen drüber.

Das zweite, was passiert ist: Frau Ringelmiez und Shelynx haben beide ihre Zalon-Bestellungen vorgestellt.

Und als drittes kam dazu: es waren Ferien und ich hatte Zeit.

Also habe ich Silverster beschlossen, das auch mal zu probieren (und damit meine ich auch probieren, nicht "sich dafür bezahlen lassen oder es kostenlos probieren und dann Werbung dafür machen" Nur falls Sie sich das gerade fragten).

Zalon ist ein Service von Zalando (und funktioniert in allen Ländern, wo Zalando funktioniert) und so etwas wie betreutes Einkaufen. Ich erinnere mich an früher, als meine Mutter mit mir Kleider kaufen ging, da ging man in einen Laden, hat der Verkäuferin, die einen im Zweifelsfalle schon kannte, seit sich bei der Mutter eine Rundung des Bauches gezeigt hatte, gesagt, was man ungefähr möchte („Ein Kleid für das Schulkonzert“ oder (traumatisches Erlebnis) „was Flottes für die Konfirmation“), die Dame schätzte die Grösse ab, wieselte los und brachte eine Auswahl an mehr oder weniger guten Sachen, empfahl mehr oder weniger gute andere Ideen („Oversized Blazer mit aufgekrempelten Ärmeln und kontrastfarbigem Futter: das wäre was Freches.“) und so ging man dann gut versorgt nach Hause.

Wenn ich heute für mich Kleider einkaufe, mache ich das heutzutage meistens online, ich kaufe fast alles bei Esprit oder via Aktionen bei Limango. Das praktische ist: ich kenne da meine Grössen, ich weiss, welche Schnitte mir wie gut passen, welche Materialien ich mag etc.. Das Langweilige daran ist: ich kaufe eigentlich immer das Gleiche. Blau, dunkelblau, graublau, türkis, petrol, dunkelrot und rose. Klassische Schnitte, die Kleider nicht zu kurz, die Ausschnitte nicht zu tief. Und dann sehe ich in einem Projektmeeting die Finanzkollegin in einem knallroten Etuikleid oder die Qualitätskollegin mit einem glitzrigen Dingens und denke mir: „Warum trägst Du so was eigentlich nicht?!“ (Und ja, manchmal bestelle ich dann was in feuerrot, kurz oder glitzerig und dann probiere ich es an, lache herzhaft und schicke es wieder zurück. Oder behalte es sogar und ziehe es nie an.). Sie sehen das Dilemma?

Also. Ich habe bei Zalon brav eingegeben, was ich gerne mag (Blau, dunkelblau, graublau, türkis, petrol, dunkelrot und rose, Baumwolle, Viskose), was ich gar nicht mag (Peeptoes, Wedges, Plateauschuhe, Animal Print, Ballerinas mit Schleifchen, wilde Muster, Empire-Stil, Highwaist)), welche Styles mir gefallen (Ich habe Bilder mitgeschickt von Claire Underwood, Alicia Florrick und Lucca Quinn), Fotos von mir hochgeladen, meine Grösse, bevorzugte Rocklänge (Knie) angegeben, und Bildchen von zwei Paar Schuhen, zu denen ich gerne was kombinieren würde (die silbernen Pumps habe ich für meine Geburtstagsfeier gedacht und mit dem Rest vom Outfit sahen die total beknackt aus).
Dann habe ich, meine kleine Schwester ist Zeugin, wie ein Rohrspatz geflucht, weil mein Zalando-Login für Zalon nicht funktionierte, obwohl der das sollte und man auch keine Chance hatte, einen reinen Zalon-Account zu eröffnen. Nach 4mal Passwort-Neuanfordern, Aufstampfen und Wutgebrüll ging es dann doch und tadaaaa, all die in mühsamer Kleinarbeit hochgeladenen Dinge waren alle noch da. Phew.

Nach den allgemeinen Daten konnte man dann noch eingeben, ob man für einen speziellen Anlass oder Dresscode eine Kiste zusammengestellt haben möchte und sich eben einen Stylisten aussuchen. Da muss ich sagen, setzt bei mir ein wenig die Verwunderung ein. Sie haben da Steckbriefe und Pinterestaccounts von zig verschiedenen Personen mit Hintergrund und Tralalala (und nur Vornamen) angegeben und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. Ist das ein echter Job für dieses Leute? Arbeiten die Verkäuferinnen, die im Einzelhandel früher die „frechen Blazer“ vorgeschlagen haben jetzt als Zalon-Stylisten, weil eh alle online bestellen? Und wie werden diese Leute bezahlt, weil der Zalon Service an sich ist ja kostenlos (d.h. man bstellt die Kiste auf Rechnung und bezahlt nur das, was man behalten möchte und dafür die normalen Zalandopreise, also nicht mehr, als wenn man sich das selber rausgesucht hätte)? Oder sind das Stockfotos von Stylisten und die eigentliche Auswahl wird von ein oder zwei Praktikanten erledigt? Oder einem Bot oder Algorithmus, der aus den Vorlieben die entsprechend verschlagworteten Kleider raussucht? Ich fände das übrigens nicht mal schlimm. Nun ja. Ich habe mir eine Frau aus Hamburg ausgesucht, weil ... einfach halt.

Kurz vor Abschlicken kann man dann noch anklicken, ob man mit dem ausgewählten Stylisten noch ein Telefongespräch führen möchte (spricht gegen den Bot oder Praktikanten, bzw. dann müssten sie wenigstens männliche UND weibliche Praktikanten/Bot-Stimmen haben oder aber das wählt eh niemand jemals aus), was ich natürlich nicht möchte, ich habe ja erst stundenlang alles eingegeben, was ich möchte, da muss ich das nicht nochmal erklären und wenn ich mit jemand sprechen hätte wollen, wäre ich gleich in einen Laden gegangen.

Nach zwei Wochen in etwa (meine Stylistin/Praktikantin/Bot war eine sehr beliebte und deshalb sehr beschäftigt. Angeblich.) bekomme ich per Mail eine Vorschau der Teile, die in meiner Kiste drin sein werden und kann 24h auswählen, ob mir davon etwas nicht gefällt und bei den anderen Sachen angeben, was und warum es mir gut gefällt. Ich habe meine Vorlieben wohl recht gut beschrieben, denn in der Kiste finden sich ein Rock und eine Jeans, die genau so schon in meinem Kleiderschrank hängen. Allerdings war die Aussage: „Ich trage nichts quietschbunt gemustertes und gerne uni“ wohl nicht ganz so klar, es ist nämlich eine Desigual-Strickjacke drin, die sich in einem Disneyfilm als fliegender Teppich in allen Regenbogenfarben hervorragend machen würde und ein Hoodie (yay, aber nicht für den angegebenen Zweck: Office/Kostüm) in grossem Blumenprint (nay never). Diese beiden Sachen lasse ich rausnehmen und harre der Dinge.

Gestern dann kam meine Zalon-Box an, nett mit Henkel und gar nicht mal so einfach zu öffnen.
Innen drin waren zwei Stapel mit Band versschnürte Kleider, eine Mappe mit Fotos aller Teile und Kombinationsvorschlägen und einer Notiz, die sinngemäss sagte: "Die silbernen Schuhe passen ja praktisch zu allem, was man eh in seinem Schrank hat, dafür habe ich Dir keine Vorschläge geschickt." Das finde ich jetzt schon ein bisschen seltsam, weil ich ja immerhin ein Outfit rausgefunden habe, wo sie überhaupt nicht passen, obwohl ich das dachte. Aber gut. Konnte sich die Praktikantenbotstylistin scheints nicht vorstellen.

Bei der Anprobe zeigt sich folgendes:

„Ich trage nichts aus Polyester“ kann man anscheinend unterschiedlich interpretieren. Anscheinend auch den Dresscode „Office“, weil das eigentlich auf der Vorschau nett aussehende weisse Oberteil ist eben nicht nur aus 100% Polyester, sondern auch noch ca 75% durchsichtig. Das geht also zurück.


Die dunkelrote Strickjacke, die auf dem Foto total raffiniert aussah, sah angezogen total komisch aus --> zurück.

Die "Stylist's Choice" Bluse, die mir als Petrol-Fan empfohlen wurde, sah auf dem Papier super aus, angezogen sah ich aus wie schwanger im 6. Monat. Das hatte ich zweimal, war nett, aber ist vorbei ---> zurück.

Der Bleistiftrock, der auf der Vorschau pastellrosadunkelrot gemustert aussah und damit wunderbar zu dem hellrosa und weinroten Oberteil, die auch dabei waren, passen hätte sollen, hat in echt ein Omateppichmuster und einen wenig vertrauenserweckenden Reissverschluss. Und ist vom Schnitt her eher high waist. Also: auf den Zurück-Stapel.

Ansonsten habe ich drei Oberteile in verschiedener Wickeloptik eben in dunkelblau, dunkelrot und hellrosa, die perfekt passen. Das Dunkelblaue hat eine Kragen/Ausschnittlösung, bei der ich tatsächlich Claire Underwood vor mir sehe. Sie passen super zu schmalen Hosen, die ich habe oder auch zur Röcken, die schon in meinem Schrank hängen. Die sind super. Alle drei.






Anders als in der Vorschau war noch ein gemusterter Strickrock in der Kiste, den ich erst sehr skeptisch beäugte, weil: Strickrock? Das fand ich zu Teeniezeiten super, habe aber nie einen bekommen, weil.. ach, kompliziert. Dann: Muster! (Was ich nicht trage: "Bunt gemustertes"). Angezogen passt er aber super und sieht echt, echt gut aus (sagt der Mann und der hat auch die Rosen auf dem berockten Hinterteil gesehen.)

Besonders gespannt war ich dann auf die drei Kleider, die in der Kiste waren. Schon beim ersten Blick erkannte ich, welche Bilder sich die Praktikantenbotstylistin sich als Vorlage ausgewählt hatte, nämlich das rote Kleid von Alicia und das bunte Kleid und das Sternenflottenkleid von Lucca Quinn.

Das bunte Strickkleid war DIE positive Überraschung in dem Ganzen, Sie erinnern sich: "Was ich nicht trage: bunt", aber dieses Muster und der Schnitt passen wie eine zweite Haut. Das bleibt auf jeden Fall.

Das grüne Kleid war leider nix, die sehr praktisch erscheinenden Taschen und die hoch angesetzte Taille ("Was ich nicht trage: Empire-Stil") lassen mich sehr unvorteilhaft aussehen.

Das rote Kleid hat zwar auch eine recht hoch angesetzte Taille, aber durch den Fall des Stoffs wirkt es nicht ganz so schwangerschaftsvortäuschend, das bleibt auch!


Besonders interessant finde ich, dass die Kleider für mich auf den Bildern an den Models eher so mittellang wirken, und wenn ich sie dann anhabe, enden sie in der Mitte des Oberschenkels und ich habe das Gefühl, ich muss die ganze Zeit nach unten zuppeln. Ich frage mich wirklich, ob ich so viel grösser bin als die Frauen auf den Bildern oder aber ob das eine reine Wahrnehmungssache ist. Der Hübsche ist nun nicht wirklich eine supergrosse Hilfe, der fragt schon bei Longshirts, ob ich mir sicher bin, dass das kein Kleid wäre und das würde super gehen :-). Ich probier das jetzt mal und mit den Stiefeln und blickdichter Strumpfhose geht das schon.

Alles in allem geht ungefähr die Hälfte zurück (was ganz gut ist, weil eigentlich brauche ich ja nix Neues :-)), das blaue Shirt habe ich heute grad angezogen und ungefragtes Lob dafür eingeheimst.
Ich finde es alles in allem eine nette Spielerei, das Eintöckeln braucht schon einiges an Zeit und wenn dann einige der Ausschlusskriterien und Anfragen überhaupt nicht beachtet werden (BUNT! POLYESTER! DIE SILBERNEN SCHUHE!), dann ist das natürlich schon ein bisschen schade. Ich habe zwei Teile, die ich sonst niemals gekauft oder auch nur probiert hätte (den Wollrock und das bunte Kleid) und einige, die perfekt in mein normales Beuteschema fallen, aber immerhin mal von anderen Marken sind :-). Vielleicht habe ich einfach meinen Stil gefunden. Blau, petrol, türkis, rosa, einfarbig. (und jetzt manchmal ein bisschen bunt)
Da ich jetzt ja alles schon eingegeben habe, könnte ich mir durchaus vorstellen, das nochmal zu probieren und zB für einen speziellen Anlass zu bestellen. Man vergibt sich ja nix, weil man weder mehr noch im Voraus zahlt.

Falls Sie das auch mal probieren wollen,klicken Sie doch einfach hier, dann bekommen Sie einen "Freundschaftslink" und wir beide bekommen dann 25€ Rabatt auf unsere nächste Box.

Sibylle hat übrigens gerade gestern auch über ihre Zalon-Erfahrungen gebloggt, die Erfolgsquote entspricht etwa der meinen :-).