Dienstag, September 20, 2016

Weltuntergangsstimmung

Little L. denkt. Zur Zeit besonders abends vor dem Einschlafen und meistens an nicht so schöne Dinge. Und so so sehr ich meinen Feierabend mag und froh drum bin, dass stundenlange Einschlafbegleitung längstens Geschichte sind, so sehr bricht es mir das Herz, wenn er beim Kuscheln anfängt zu seufzen, zu weinen und irgendwann dann damit rausrückt „Ich muss grad drüber nachdenken, wie es wohl ist, wenn man tot ist. Und dass ich das nicht will. Auch nicht dass Du stirbst. Oder der Papi. Oder der Q. oder die Dax.“ Ich persönlich muss sagen, dass ich das schon mal besser finde, als die Diskussionen, die wir auch schon hatten „Ich wäre gerne tot. Es ist bestimmt total cool, ein Engel zu sein und auf Euch aufzupassen.“. Das fand ich wirklich schlimm.
Andererseits: viel kann ich ihm zu der Angst vor dem eigenen oder dem Tod überhaupt nicht sagen. Ich will das auch nicht, ich hoffe, es passiert sehr, sehr lange nicht. Ich weiss aber auch, dass es definitiv passieren wird. Und das ist nicht die richtige Antwort für ein müdes, weinendes Kind. Es hilft übrigens meistens dann, dass wir kurz gemeinsam überlegen, dass wir alle gesund sind und dass wir gut aufeinander aufpassen und dass das Einschlafen sicher im Elternbett, wo der grosse Bruder mit der Leselampe noch ewig liest, viel besser geht.

Gestern aber kam Little L. nach dem Kuscheln nach oben, wo ich gerade am Rechnungen bezahlen war und hatte diesmal nicht Angst vor dem Sterben, sondern vor dem Weltuntergang. Seine Angst konnte er auch relativ genau erklären (es gibt da ein "Was ist Was"-Buch zum Thema (Affilate-Link), das die Jungs auswendig können, Little L. hat das Sonnensystem grad als Realienthema in der Schule und hat einen Vortrag zum Thema: "Wie lange gibt es die Erde noch?" vorbereitet, ich habe so eine Ahnung, woher das alles kommt). Wir haben uns dann ausgiebig über Zeit ("Wie lange sind mehrere Milliarden Jahre?") und Zukunftsvisionen unterhalten. Die Aussicht, dass unsere Ururururururururururur(...)enkel wie Captan Kirk mit der Enterprise aufbrechen, um neue Galaxien zu entdecken, wohin sie dann auswandern können (und dazu, das war Little L. wichtig, bitte auch alle Tiere auf der Erde mitnehmen sollen), und weit ab von der verglühenden Sonne im Deltaquadranten eine neue Heimat finden werden, das fanden wir beide gut. (Und nein, ich habe nicht erwähnt, dass es eine Meisterleistung der Menschheit wäre, sich weit vor bis in 8 Milliarden Jahren nicht entweder selber auszurotten oder unseren Planeten so zu Schanden zu richten, dass ein Verglühen in ferner Zukunft unser aller geringstes Problem sein würde). Die Aussicht auf eine neue Heimat und viel Wissenschaft und Forschergeist bis dahin hat Little L. sogar so beruhigt, dass er in seinem eigenen Bett weiter einschlafen konnte.