Samstag, Juni 04, 2016

So not cool

Ich merke, dass ich, je näher der Jahrestag des kombinierten Nieren- und Fahrraddramas letztes Jahr kommt, desto unruhiger werde ich. Ich bin unendlich genervt von mir selber, weil ich normalerweise eben nicht jahrestagsfixiert bin (okay, jeden 17. Dezember bin ich heilfroh, dass L. fertig mit Herzuntersuchungen ist), weil ich überhaupt nicht abergläubisch bin, weil ich genau weiss, dass es natürlich überhaupt total unabhängig von Monat und Jahreszeit ist, ob und ob überhaupt sich das Nierenaneurysma noch einmal meldet oder nicht. Trotzdem erwische ich mich dabei, in mich hineinzuhorchen, jedes Ziepen imrechten Flankenbereich in meinem virtuellen schwarzen Büchlein zu notieren und nachzuverfolgen. Ich träume jede zweite Nacht davon, dass ich wieder rotweinfarben pinkle (und nein, normalerweise träume ich nicht so WC-fixiert). In einer noch unlogischeren Kombination probiere ich jeden Tag, ob ich die Ringe an der rechten Hand im Notfall schnell über die Finger abkriegen würde, und bin echt unentspannt, was das Fahrradfahren und Trambahnschienen und Trottoirkanten und potentielle Hindernisse angeht. Ich ertappe mich dabei, wie ich überlege, wie ich in den paar Tagen unseres USA-Roadtrips, den wir zwar nicht fernab der Zivilisation, aber doch ausser Reichweite des Handynetzes und sagen wir mal so, in grösserer Entfernung eines Universitätskrankenhauses als sonst verbringen werden, im Notfall wohl mein Aneurysma flicken lassen könnte. Das nervt mich so unendlich, weil damit die dringend nötige Entspannung nach einem langen und anstrengenden Arbeitsjahr schon im Vorfeld zum Deibel geht und die Vorfreude, die eigentlich unendlich sein müsste und auf der rationalen Ebene auch ist, und es erstens total unwahrscheinlich ist, dass überhaupt was passiert (vor letztem Jahr war 6 Jahre gar nix!), dass genau dann was passiert, warum auch, und sogar wenn, es sich alles regeln lassen würde. Ausserdem: was wäre denn die Alternative? Im Wartezimmer der Urologie/Angiologie zu campieren, bis das blöde Dinge platzt und wenn es nochmal 6 Jahre dauert oder noch länger? So sehr ich gespannt bin auf die Entwicklungen der letzten 12 Monate in der Prostata-Prophylaxe, was ja so ziemlich die einzige Literatur im Urologenwartezinmmer ist, so wenig ansprechend klingt diese Idee.

Ach. Und gestern habe ich dem Hübschen auch noch von meinen Sorgen erzählt und meinem Ärger über diese Sorgen und jetzt macht er sich auch Sorgen und will mir aber nicht zeigen, dass er sich Sorgen macht, weil ich mir dann vielleicht noch mehr Sorgen mache, und EIGENTLICH GIBT ES JA KEINEN GRUND DAZU, und irgendwie denkt man aber trotzdem die ganze Zeit dran und ich bin dann genervt, wenn ich komisch schaue und er mich fragt: "Alles okay mit der Niere?", weil ich ja die ganze Zeit versuche eben nicht dran zu denken, ES GIBT JA KEINEN GRUND DAZU, und dann muss ich doch dran denken, was ich eh die ganze Zeit tue und ach, es ist sehr kompliziert. Und doof.