Dienstag, Dezember 22, 2015

Weil ich ein Mähähädchen bin

Mich regen Verallgemeinerungen ja per se unglaublich auf. Der Hübsche erinnert sich (aus leidvoller Erfahrung ;-)) sicher noch daran, dass ich zu Unizeiten schon extrem ungehalten auf gerade gendertypische Verallgemeinerungen reagiert habe: "Ja, die Karin sagt jetzt wieder, das wäre hilflos und frauenfeindlich, ich weiss!"
Mich nervt aber nicht nur mehr oder weniger offen zur Schau gestellter Sexismus, sondern auch die viel subtileren Spielarten, sei es "Frauen können das viel besser, deswegen solltest Du Kaffee holen, am Flipchart schreiben, Weihnachtskarten schreiben" oder eben gewisse Vorlieben zu gendern, wie zB die Werkzeugecke im Spielzeugladen mit "Für Jungs" und die Ecke mit Haushaltsgeräten "Für Mädchen" zu betiteln.
Ich bemühe mich nach allen Kräften, meinen Söhnen (Töchter habe ich ja keine, das heisst, ich habe nicht die Chance, selbstbestimmte, emanzipierte junge Frauen zu erziehen, sondern "nur" die, meine Söhne zu jungen Männern zu erziehen, für die Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit ist) mitzugeben, dass jeder alles können kann und toll finden kann, was er oder sie toll finden möchte, egal, ob es rosa, hellblau, orange oder grün ist, egal ob es ein Bügeleisen oder eine Laserpistole ist, egal ob es ein Little Pony oder ein BB8 ist.
 
Andersrum finde ich die Aussagen "Klar gefällt dir das als Bub/Mädchen besonders gut" oder "Das ist nix für dich, du bist doch ein Bub/Mädchen" unglaublich traurig.
Ich kann doch Sachen einfach gut finden, weil ich sie gut finde, oder doof, weil ich sie doof finde. Ich habe sogar das Recht, diese Meinung zu ändern.
 
Wenn ich zum Beispiel in Freundebüchern solche Einträge lese, dann stellen sich bei mir die Nackenhaare auf:

 


Little L. hat auch keine Ahnung von Little Ponies, aber ein kurzes Durchblättern des Buches gibt einen kurzen Überblick und, meine Güte, so schwer ist das ja nicht ;-)


Ich zum Beispiel
  • bin eine Frau
  • bin mit Leib und Seele Naturwissenschaftlerin (nicht "obwohl ich eine Frau bin", sondern "und")
  • mag Nagellack und Make-up (Achtung: nicht WEIL ich eine Frau bin und nicht OBWOHL ich eine Naturwissenschaftlerin bin, sondern einfach UND)
  • mag gern Kleider und hochhackige Schuhe,
  • kann nicht zeichnen (nicht OBWOHL)
  • mag "Pretty Woman"
  • finde "Dirty Dancing" doof
  • mag "Star Wars"
  • mag "Star Trek" noch viel lieber
  • mag nähen und stricken,
  • koche gerne,
  • plane gerne,
  • schraube gerne,
  • kann gut mit Menschen,
  • arbeite aber trotzdem lieber mit Zahlen, Fakten und Maschinen,
  • fahre gern schnelle Autos,
  • trinke gerne Champagner,
  • mag keine süssen Cocktails,
  • lese lieber blutige Thriller als Liebesschnulzen,
  • mag die "Gilmore Girls",
  • mag "Sons of Anarchy",
  • mag keinen Zucker in den Kaffee,
  • finde "Frozen: die Eiskönigin" einen saublöden Film (wegen dem ganzen Gesinge vor allem),
  • schlafe gern mit Socken,
  • fahre gern verrückte Achterbahnen,
  • habe als Kind begeistert meine Puppen frisiert (und mich mit meiner Schwester mit der Haarbürste verkloppt)
  • habe als Kind begeistert "Räuber und Gendarm" gespielt und bin mit zerrissenen Hosen nach Hause gekommen,
  • habe mit 10 einen Chemiekasten bekommen und im Keller experimentiert (Notiz an meine Eltern: offenes Feuer neben den Öltanks war okay, ja? Aber mit 17 bis Mitternacht bei Freunden bleiben nicht...)
  • etc.

Ich fände es so grossartig, wenn wir alle weniger "obwohl" und "weil" sagen oder denken würden, sondern viel mehr "und".

Das perfekte Beispiel für "und" war übrigens in der StarWars-Vorstellung am Sonntag ein kleines blondes Mädchen, das eine Elsa-Mütze und eine glitzernde Elsa-Jacke anhatte, sich dann zwischen seine Eltern in den Kinosessel setzte, die Elsa-Jacke auszog und drunter war ein Hoodie mit nachtleuchtendem "StarWars"-Schriftzug.