Dienstag, August 18, 2015

Raus-Rein

Die Parkplatzsituation an unserem kleinen Autobahnzoll lässt mich regelmässig an der Überlegenheit der menschlichen Rasse zweifeln.
Stellen Sie sich das mal vor:

Äh. Nein. Ich habe mir das überlegt, die Situation ist zwar an sich sehr enfach, deswegen die Zweifel, aber ich neige zu weitschweifigen Erklärungen, deswegen habe ich ganz "Use what you have"-like die Radiergummis auf dem Kinderschreibtisch, an dem ich gerade sitze, eine Metallbox von der Schweizer Post und einen Ninja-Leuchtmarker in blau eingesetzt.
Also:


Sie sehen einen kleinen Parkplatz (jeder Radiergummi markiert einen Parkplatz und ein Auto. Auch der blaue Krümel. Der grüne Spitzer ist ein Auto mit jemand drin, der gerne einen dieser Parkplätze hätte, ich bin der pinke Totenkopf und beim einen Pfeil gehts rein, beim andern raus. Die Verweildauer der Autos auf den Parkplätzen ist sehr gering und sehr homogen. Je nach Papiervorarbeit und Laune des Zöllners zwischen 2 und 5 Minuten)

Soviel zur Vorgeschichte.

Das Szenario sieht so aus:

der grüne Spitzer möchte den nächsten freien Parkplatz, der pinke Totenkopf ist der erste, der rausfahren würde. Die Situation liesse sich ganz einfach in Sekundenschnelle lösen:
Der grüne Spitzer wartet an der Einfahrt des Parkplatzes


 bis der nächste Totenkopf rausfährt,

 fährt in den Parkplatz, fertig.
 

Oder aber: der grüne Spitzer stellt sich wahllos so schräg in den "Mittelgang", dass eigentlich nur noch der grüne und der gelbe Totenkopf rauskönnen und auch kein anderes Auto mehr auf den Parkplatz.


Der pinke Totenkopf ist also zurück vom Abstempeln und möchte raus. Anstatt ein bisschen beschämt aber froh, weil endlich ein Parkplatz frei wird und die Fahrerin des pinken Totenkopfs auch nicht schimpft oder flucht, sondern nur leicht beide (eine wäre cooler, kann sie aber nicht) Augenbrauen hochzieht, ein Stückchen nach hinten zu fahren, macht der Fahrer des grünen Spitzers ein grimmiges Gesicht, lässt den Motor aufheulen und fährt noch ein bisschen näher an den pinken Totenkopf.

Die Fahrerin des pinken Totenkopfs steigt also ein, legt den Rückwärtsgang ein, d.h. der grüne Spitzer sieht spätestens jetzt, dass da sein zukünftiger Parkplatz frei wird, rührt sich aber kein Stück. Er macht noch wilde Gesten, schaut grimmig und bleibt an Ort und Stelle.

Und weil die Fahrerin des pinken Totenkopfs zwar im Prinzip schon gerne mal streitet, aber heute nicht, steigt sie nicht auch und erklärt dem grünen Spitzer mal, wie es läuft, nämlich, dass er den Parkplatz nur bekommt, wenn er mich rauslässt, sondern sie seufzt laut, rollt die Augen, verzieht den Mund und fängt an, zu kurbeln. Mit dem Rückwärtsfahrgepiepse und Augenmass nach vorne geht das recht gut, auch wenn der Fahrer des grünen Spitzers immer grimmiger schaut, als sich das Heck des pinken Totenkopfs immer wieder bis auf Dauertonnähe der Stossstange seines getunten BMWs Spitzers nähert.







Ca 5 unnötige Wendezüge später ist der pinke Totenkopf also raus aus dem Parkplatz und der grüne Spitzer drin. Mit aufheulendem Motor, vermutlich weil für einen Powerslide in die Parklücke der Anlauf nicht gereicht hat.


Aber hey: was weiss ich schon. Vielleicht war der Rückwärtsgang kaputt und die Laune deshalb im Keller. Oder der grüne Spitzerfahrer hat eine Art Gelübde abgelegt: "Niemals rückwärtsfahren, egal was passiert."

Man weiss es nicht.  (Und kürzer ist es mit Bildern auch nicht geworden, aber jetzt habe ich sie schon gemacht.)