Mittwoch, April 22, 2015

Ach, Kind

Little Q. hat sich ja im Herbst, als sein bester Freund sich beim Kampfsporttraining abgemeldet hatte, und seinen sportlichen Ehrgeiz aufs Unihockey (mit dem anderen besten Freund, wir haben da tatsächlich ein funktionierendes Dreiergespann) verlegte, dafür entschieden, diesen Wechsel mitzumachen und auch mit dem KiJuKa aufzuhören. Allerdings haben wir für ihn ja einen Jahresvertrag abgeschlossen und bezahlt ist bis Ende Mai.
Wir haben uns also darauf geeinigt, dass er schon gerne mit dem Unihockey anfangen kann, aber halt solange zweigleisig (haha, zwei. Unihockey, KiJuKa, Schwimmen, Pfadis) fährt, bis der Vertrag ausläuft.
 
Die Begeisterung für den Trainingsdienstagabend ohne besten Freund nahm stetig ab, in den Ferien war eh kein Training, und als dann gestern wieder gewesen wäre, empfing mich Little Q. mit dem Satz „Und ich will im Fall überhaupt nicht ins Training gehen jetzt dann“ an der Tür beim Heimkommen. Ich war erst ein bisschen stinkig, weil ich das ja über die Wochen immer wieder gehört habe und wir ja vereinbart hatten: es wird gegangen, solange gezahlt ist. Allerdings ist das gezahlte Geld auch nicht so viel, dass es jeden Dienstag (und in Vorbereitung darauf ab Samstag abend) Gemotze und Gestreite wert ist.
 
Wir haben also nochmal das Geldthema angesprochen und Committment und dass das ja ungefähr der Gegenwert eines halben Jahres Taschengeldes wäre. Was mich dann tatsächlich erschüttert hat, war der Tränenausbruch von Little Q. „Dann nehmt mir halt das Taschengeld weg bis Weihnachten, das ist mir egal, so lange ich da nicht mehr hin muss. Die lachen mich aus, weil sie meinen Scooter falsch finden, wann immer ich was falsch mache, werde ich vor allen anderen ausgelacht, und ausserdem will ich überhaupt nicht lernen, wie man jemanden k.o. schlägt.“
 
So sehr ich dann ein Prinzipienreiter aus Prinzip und überhaupt bin: das ist natürlich überhaupt nicht mein Ziel. Nicht für alles Geld der Welt will ich, dass mein Kind jeden Dienstag in einem Umfeld verbringt, wo er sich gemobbt fühlt, um etwas zu lernen, was ihm gegen die innersten Überzeugungen geht.
 
Also: Entschluss wurde gefasst: Kampfsport beendet ab sofort, Taschengeld wird natürlich nicht bis Weihnachten gestrichen, der Hübsche schreibt dem Trainer, dass und warum Little Q. ab sofort nicht mehr kommt (zum Thema „respektvoller Umgang“ passt das Auslachen und Runtermachen ja auch nicht so wirklich) und ich bin auch nicht gerade unglücklich über einen verplanten Abend pro Woche weniger.
 
Was ich aber für die Zukunft hoffe und das habe ich Little Q. auch gesagt, dass er uns eher sagt, wenn ihn etwas wirklich trifft/beschäftigt/ärgert/traurig macht. Aber auch das kenne ich von mir: erst solange in sich reinfressen („Ach, das war bestimmt nur einmal. Oder zweimal. Ich sollte mich nicht so anstellen.“), bis es einfach nicht mehr geht und zwar kein Stückchen mehr und dann explodieren. Nicht die gesündeste Art und Weise mit Konflikten umzugehen, aber das können Little Q. und ich ja gemeinsam üben.
 
Heute abend dann: Saisonabschluss bei den Hockeykindern beim Bowling und da freut er sich uneingeschränkt drauf. Geht doch.