Dienstag, Januar 06, 2015

Trotttinette-Fan

Als Kind hätte ich ja schon immer gern einen Tretroller gehabt. In einem Bilderbuch hatte ein Mädchen, das sich auch ein Loch in den Kopf geschlagen hatte und genäht wurde, so wie ich damals (vermutlich habe ich das Buch genau deswegen bekommen) einen und die hatte auch so eine Latzhose und Frisur wie ich (naja, es waren die 70er, das hatten damals wohl alle Kinder) und deswegen dachte ich sowieso, dass mir so ein Roller gehören müsste.

Ich hatte aber trotzdem nie einen, ich hatte ein erst ein Dreirad, dann ein Fahrrad, Rollschuhe, aber ein Tretroller gehörte nie zu unserem Fuhrpark.

In meinen kindlichen Vorstellungen wäre es ein grossartiges Fahrgefühl gewesen, ich wäre mit wehendem Topfschnitt und flatternden Latz-Schlaghosen durch die Neubausiedlung gebraust, wie das Mädchen im Buch, das übrigens auf der Seite nach dem Roller sich bei der Oma aus einem Lolliglas bedienen durfte.

Naja, war nix. Irgendwann dann, später, da war ich schon an der Uni, da kamen die Kickboards auf, wie die zusammenklappbaren Cityroller damals hiessen. Das war ja angeblich superhip, total praktisch, in der U-Bahn klein zusammenfaltbar, und dann, nach der Rolltreppe, zack, ist man total schnell. Damals hatte ich dann irgendwie kein Bedürfnis mehr danach, ich weiss gar nicht wieso. Den Latzhosen war ich damals noch nicht vollends entwachsen, die trug ich als Statement durchaus ab und an noch, es könnte daran liegen, dass eine die am BWL-studentinnenartigsten aussehende Kommilitonin sich mit ihrem Freund zusammen zwei identische Kickboards gekauft hat und damit auf dem Radweg in die Uni (die Chemiefakultät liegt total in der Pampa) gerollert ist und am nächsten Tag vor Muskelkater nicht mehr grad im Labor stehen konnte und das nicht so richtig ... cool war. Oder dass ich mir beim ersten Mal ihren Roller in der Eingangshalle testen das Ding so gegen mein Schienbein gedonnert habe, dass auch ich nicht mehr grad im Labor stehen konnte.
Also: kein Kickboard für mich.

Die Jungs haben sich vor zwei oder drei Jahren (ich glaube drei) Trottinettes, wie Roller hier in der Schweiz heissen, gewünscht und auch bekommen. So standard-zusammenklappbare Dinger, die man mit einem Riemen über der Schulter tragen kann, nichts berühmtes, aber für den Nutzungszweck genau richtig. Ich bin ein paarmal damit gefahren, so cool, wie ich mir das seinerzeit vorgestellt habe, fand ich es nicht, aber sie sind ja auch nicht für mich.
Dieses Weihnachten wurden auf der Suche nach an die Verwandtschaft weitergebbaren Wünschen ebensolche nach neuen Trottinettes geäussert. Und zwar altersgemäss: Little Q hätte gern einen "Stunt Scooter" gehabt und Little L. "so eines wie die Y, mit leuchtigen Rädern".
Also. Stuntscooter war einfach (Ja, Little Q. ist jetzt in dem Alter, wo man sich mit Freunden entweder zum Gamen oder zum Stunten auf dem Skaterplatz verabredet). "Leuchtige Räder" nicht so. Weil, wenn man nicht genau aufpasst, findet man nur Roller, die wie Autos in "Fast and furious" unten so LED-Leisten haben, was hier im Kindergartenbereich noch nicht als cool gilt, und die mit den Rädern, die eben beim Fahren bunte Blitze leuchten, die gab es wohl vor ein paar Jahren in den einschlägigen Kinderkatalogen, jetzt aber nicht mehr. Man könnte bei Skateboard- und Waveboard-Händlern einzeln solche Räder bestellen und bestehende Trottinettes damit umrüsten, aber man erinnere sich: Wünsche für Verwandte. Also habe ich weiter gesucht und bin fündig geworden: es gibt "Leuchtige Räder", allerdings nur in der Kombination mit einer "Razor Spark"-Einheit. Das ist eine Bremse, die beim Drücken eine Funkenspur auf dem Boden hinterherzieht. Und auch wenn das im Kindergarten bisher niemand hat: das kann niemand uncool finden. Also habe ich meinem Vater erklärt, was sich seine Enkel wünschen und was soll ich sagen: der Stuntscooter ist bestimmt sehr cool, also, zumindest sagen das Little Q. und seine Freunde, aber der Razor Spark-Scooter mit den leuchtigen Rädern, der ist der Hammer. Echt jetzt. Das funkt und blitzt, ganz grosses Kino.
Da sieht man: Ich bin innerlich auf dem Entwicklungsstand eines Fünfjährigen stehengeblieben. Manchmal muss man nur warten und dann kommt das schon gut.