Freitag, Dezember 12, 2014

Aus. Vorbei. Und stinksauer. Und traurig.

Am nächsten Montag bricht für Little L. und Q. ihre letzte Woche in der Kinderkrippe an.
Dieses Ende kam nicht etwa, weil Little Q. langsam aus der Krippenstruktur rauswächst und wir für ihn eine andere Lösung finden, nein, zu diesem Ende wurden wir zwar nicht gezwungen, aber wir sahen keine andere Lösung.
Auf der einen Seite Gottseidank, auf der anderen Seite umso trauriger, hat diese Entscheidung überhaupt nichts mit der Qualität der Betreuung oder irgendeinem unschönen Vorfall zu tun, nein, es liegt einzig und allein an der Übernahme durch einen neuen Träger.
Dazu muss man folgendes wissen: für ein schweizer Schlafdorf extrem fortschrittlich wurde in unserem Wohnort schon in den 70ern ein Elternverein gegründet, der wiederum eine Kinderkrippe gründete. Dieser Elternverein bestand all die Jahre, die Krippe wechselte die Örtlichkeiten, wuchs und wuchs, wurde von der Gemeinde bezuschusst (in der Form, dass Eltern mit einem Einkommen unterhalb eines gewissen Limits Rabatt auf den Krippenbeitrag bekamen.)
Irgendwann entstand auch noch ein Verein, in dem sich die Tagesfamilien organisierten, und noch später wurden von der Gemeinde die Tagesstrukturen (eine Art Frühbetreuung und Mittagstisch zu Schulzeiten) gegründet.
Letztes Jahr wurde dann beschlossen, diese drei Organisationen unter dem Dach einer nonprofit GmbH zusammenzulegen, um die Gemeindezuschüsse besser zu kontrollieren, um Synergien zu nutzen, um nicht mehr auf freiwillige Vereinsarbeit angewiesen zu sein. Wenn Sie wie der Hübsche und ich im Job schon das eine oder andere Mal von Synergien gehört haben, dann sind Sie vielleicht auch darauf gepolt, das nicht unbedingt mit was positivem zu verbinden.
Naja, in diesem Fall kam es noch schlimmer. Ich werde jetzt nicht die ganze traurige Geschichte hier ausbreiten, es sei nur gesagt: die Informationspolitik den Eltern gegenüber war unterirdisch, die neue Beitragsstruktur wurde in Nebensätzen hinter "Eigentlich ändert sich nix" versteckt, das Geschwister- und Schulkindrabattsystem wurde abeschafft bzw. einkommensabhängig gemacht, Einkommensgrenzen wurden als unverhandelbar verkauft, andererseits stillschweigend in den letzten 9 Monaten mindestens dreimal ohne Kommentar geändert, Baby- und Eingewöhnungsaufschläge wurden annähernd verdoppelt, eine definitive Berechnung der auf uns zukommenden Beiträge für eine Fortführung der Betreuung ab dem 1. Januar haben wir gestern bekommen. GESTERN. Am 11. Dezember, für Januar.
Nun ja. Synergieeffekte sehen in den Augen des neuen Trägers so aus, dass man ab einer gewissen Einkommensgrenze den Vollsatz von 100 CHF/Tag/Kind bezahlt, egal wieviele Kinder man hat, egal wie viel das Kind aufgrund zB von Schule oder Kindergarten tatsächlich in der Kinderkrippe ist. Auf der anderen Seite wird bei den Kosten für die Betreuung für Babies mit dem Mehraufwand argumentiert, wenn man dann aber ins Feld führt, dass ein Drittklässler an manchen Tagen der Woche für 3 Stunden am Tag in der Kinderkrippe ist und dafür genausoviel bezahlen soll wie ein wuseliger 2Jähriger, der zB 10 Stunden lang durchgehend betreut werden muss, damit er weder sich noch andere gefährdet, und dass das ja nicht ganz ernst gemeint sein kann, tja, dann kommt als Antwort "Der Platz muss reserviert werden, egal, ob das Kind da ist oder nicht". Flexible Arbeitszeitregelung, anyone?
In Zahlen würde das für uns bedeuten, dass wir 25% mehr für exakt die gleiche Betreuung bezahlen müssten. Das sind roundabout 8000CHF mehr (nein, nicht insgesamt, zusätzlich zu den 33.000 CHF, die wir jetzt schon für beide Kinder bezahlen*), dazu kommt viel weniger Flexibilität und natürlich meine über die letzten neun Monate gewachsene mittlerweile unüberwindbare Abneigung gegen den Träger, was nicht direkt die beste Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist.
(Ich habe mal eine Beispielrechnung gemacht, wie das zB genau an der Einkommensgrenze aussehen würde, die einen von sämtlichen Rabatten abschneidet. Man würde als Familie mit zwei Kindern, die voll betreut würden, 48% des Familieneinkommens VOR Steuern für die Kinderbetreuung bezahlen. Bei 3 Kindern wären es dann dementsprechend noch mehr. Da hat man dann noch keinen Franken für die Steuern gezahlt, kein Haus, kein Essen, nichts! Das kann einfach nicht sein!)
Wir haben also, nachdem die ersten Zahlen irgendwann mal aufgetaucht sind, angefangen, uns umzuschauen. Von dem Ausbau der anderen Angebote, mit denen ja ursprünglich die Gründung der neuen Träger-GmbH begründet und der Elternverein zur Auflösung gedrängt wurde, ist bisher weit und breit nichts zu sehen. Das will der neue Träger angehen, irgendwann, wenn sich zeigt, dass dafür überhaupt Bedarf ist. (Ich habe die "Tagesstrukturen" hier mal kurz erklärt, es gibt nach wie vor nichts für nach halb zwei und überhaupt gar nichts für die Ferien). Dementsprechend hiess es für uns: entweder in den sauren Apfel beissen und in der Krippe bleiben (NEIN!) oder..... ja, was? Tagesfamilie kommt für mich aus verschiedenen Gründen (einer ist: der selbe Träger, wie die Kinderkrippe, Danke, aber nein danke) nicht in Frage. Ich habe das Problem also mit den Childcare Services meines Arbeitgebers besprochen und die sind gsd Mitglied bei erin Organisation, die unter anderem Nannies vermittelt. Dort wurden unsere Bedürfnisse (während der Schulzeiten erst ab Mittag, während der Schulferien den ganzen Tag) in eine Datenbank aufgenommen, uns erst mal nicht superviel Mut gemacht, dass man damit jemand finden würde, aber was soll ich sagen: es ging nur ein paar Tage und wir hatten insg. drei Damen für Vorstellungsgespräche. Es war gar nicht so leicht, überhaupt solche Bewerbungsgespräche zu führen, ich meine: es war schon schwierig, eine Putzfrau zu finden, und Kinderbetreuung braucht schon noch mal mehr Vertrauen als Dusche entkalten.
Gottseidank haben wir jemanden gefunden, den sowohl die Jungs als auch wir uns gut vorstellen können, wir haben uns finanziell einigen können (und ja, wir zahlen für das Pensum, auf das wir uns geeinigt haben, viel weniger als die neuen Krippenbeiträge, take this, Träger-GmbH!), wir haben uns durch den Dschungel von Unfall- und Nichtberufsunfall-, Krankentaggeldversicherung, Anmeldung bei der Ausgleichskasse, Pensionskasse, AHV, IV etc. gekämpft (genau das, was ich gerne mache, wenn ich gegen Ende Jahr in der Arbeit eh nicht weiss, wo oben und unten ist, weil so viel zu tun ist, nur weil so sture, verbohrte, .... aber gut, jetzt ist es ja erledigt)-
Wir haben uns parallel natürlich für Krippenplätze unter dem neuen Träger vormerken lassen, weil: was machen wir, wenn wir keine Nanny finden? Ich kann die Kinder nicht ab Januar mit zur Arbeit nehmen. Gottseidank fast schon hat die Nanny den Vertrag Wochen, bevor die neuen Verträge (GESTERN!!!!!!!!) für die Kinderkrippe kamen, unterschrieben, so dass wir dem ganzen relativ gelassen entgegen sehen konnten. Relativ, weil: das ganze Vorgehen war so unprofessionell, das macht mich aus Prinzip schon wütend.
Ich habe dann gestern abend einen zweiseitigen Brandbrief an den neuen Träger geschrieben, warum wir die Verträge sicher nicht unterzeichnen werden, mich dann aber heute für folgende Mail entschieden "Sehr geehrter Herr xy, hiermit setzen wir Sie davon in Kenntnis, dass wir die Betreuungsverträge für unsere beiden Söhne nicht unterzeichnen werden. Die Gründe sollten Ihnen hinlänglich bekannt sein", weil: mehr ist mir das nicht mehr wert. Es gab einen 4 seitigen Brandbrief von ungefähr 70% der Krippeneltern, auf den bisher (es ist jetzt 8 Wochen her) als Antwort nur kam "Hiermit bestätien wir den Eingang des Schreibens, Sie werden zu gegebener Zeit eine Antwort erhalten". Also: da sage nicht mal ich mehr was.

Mir tut es unendlich leid, dass wir die Kinderkrippe auf diese Art und Weise verlassen. Nicht, weil wir rausgewachsen sind, sondern weil wir uns dazu gezwungen fühlen. Genauso leid tut es mir für die Einrichtung als solche, die, so wie es sich für mich darstellt, davor steht, zu zerbrechen, weil weder Eltern/Kinder noch Angestellte sich dort noch wohlfühlen. Wenn etwas über fast 40 Jahre so grossartig Gewachsenes so mit Füssen getreten wird, dann können das die grossartigsten Synergien nicht rechtfertigen, das ist einfach nur ein Trauerspiel.

So. Ab Januar in diesem Theater: "Nannycam? Können Sie eine empfehlen?" und solche Sachen.

* nicht, dass hier ein falsches bild entsteht: mir geht es nicht um die absoluten kosten. Man kann einkommen, steuern, lebenshaltungskosten in der schweiz absolut nicht mit deutschland vergleichen. Und während in d darüber gejammert wird, dass soziale berufe so schlecht bezahlt werden, zahlt man hier halt. Was mich aufregt, ist die erhöhung, die argumentation und das vorgehen.