Sonntag, November 02, 2014

Buh!

Am Freitag haben sich ja auf Twitter, Instagram und der Bloggerwelt wieder die "Yeah, Halloween" und "Boah, es ist aber Reformationstag und diese Amerikanisierung, furchtbar"-Artikel, Tweets und Bilder in allen Ausprägungen gekreuzt.
Ich sehe das relativ pragmatisch: hier bei uns in der Siedlung ist das ein Riesenevent für die grosse Kinderschar. Also: machen wir mit. (Wobei: Nicht-Mitmachen auch ginge, sogar sehr leicht, wenn man keine Kinder hat, und sonst muss man es "nur" seinen Kindern erklären. Wenn man ein Tuch an die Klinke bindet oder, wenn man dem nicht traut, ein Schild an die Tür hängt "Bitte nicht läuten" oder, wenn man dem auch nicht traut, eine Gartenbank quer vor die Haustür stellt, dann wird man auch nicht rausgeläutet.)
Wir haben also schon am Mittwoch abend einen Batman-Kürbis geschnitzt (auf die Idee kam ich, als ich den Artikel vom Nuf über den schönen Hipster gelesen hatte, aber leider wirft unser Kürbis keinen Fledermausschatten, dazu ist es hier zu gut beleuchtet).

Die Kinder waren auf einmal ganz grosse Fans von Scream-Masken (einmal im Original und einmal in freundlich ;-)), da ich aber schon ahnte, dass das Maskentragen bei Little L. keine ganz grosse Liebe werden würde, nahm ich statt des Umhangs das genauso teure (aka billige) Zauberlehrling-Set mit Brille und Hut zus. zum Umhang mit.


Wer hätte das gedacht: als es dann mit der Klingelei hier bei uns losging, wollte er tatsächlich lieber erst mal als Harry losziehen, mit der Maske als Backup dabei. (Ich hätte zum Aufmalen der Blitznarbe mal besser nicht meinen Urban-Decay-Kajal genommen, weil erstens war der "Schwarz? Mami? Hast du schon mal eine schwarze Narbe gesehen?" und zweitens geht der praktisch nicht mehr ab). Mit Hogwarts-Schal und Original-Leuchtzauberstab, tja, da sieht er schon sehr niedlich aus.

Zusammen mit einem Nachbarsjungen klingelte das Dreiergespann also an all den Türen, die mit Kürbissen, Gruselkulisse, Spinnweben, Totenköpfen und ähnlichem dekoriert waren.
Nachdem wir die letzten paar Jahre immer total genervt waren, weil ob des Overkills an "So spät noch draussen! Süssigkeiten! Waaaaah!" die elementaren Regeln der Höflichkeit (Hallo, tschüss, bitte, danke) auf der Strecke geblieben waren, hatten sie sich dieses Jahr ein Sprüchlein gemerkt, dass zwar nicht unbedingt das originellste der Welt ist "Wir sind drei kleine Geister und essen gerne Kleister. Wenn Sie uns nichts geben, bleiben wir hier kleben", aber im Chor von drei U10-Gruselgestalten aufgesagt, ist das schon süss und wenn dann noch "danke" und "Ciaociao" gesagt wird, ist alles superst.

Ich muss sagen, den Rumlaufteil von Halloween finde ich sehr toll. Die Häuser sind hier grossartig dekoriert, es gibt Minigeisterbahn-Installationen, man trifft alle Nachbarn, Kollegen, Kindergarten- und Schulfreunde, meist super kostümiert. Das Daheimsitzen und andauernd Rausgeklingeltwerden ist nur so mittel, aber das haben wir dieses Jahr nicht mal erlebt, weil der Hübsche einen Sporttermin* hatte und so keiner das Haus hüten konnte. Und als wir dann nach 2h durchgefroren heimkamen, kamen nur noch ein paar Nachzügler, die grosszügig von den Jungs aus unserer bereitgestellten Schüssel versorgt wurden. Ach ja: wir haben jetzt übrigens erst mal genug an Süsskram.

Die "Streiche" halten sich nach meiner Erfahrung hier in unserer Schlafstadtidylle echt in Grenzen, irgendwie ist anscheinend ein Ei von wo auch immer auf unserem Balkon gelandet, aber das hat grösstenteils die Katze entsorgt.






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