Mittwoch, September 24, 2014

Kater frei Haus

Kinder sind ja schon ziemlich toll. Nehmen Sie den heutigen Tag: für so ein verkatertes Gefühl (und das auch noch unter der Woche!) hätte ich früher lange, sehr lange in verrauchten (ja, ich bin so alt, dass das verrauchte Gefühl, die stinkenden Klamotten und die Dusche nachts um vier vor dem Schlafengehen zum Feiern dazu gehörten) lauten Clubs abhängen müssen und sehr, sehr viel trinken.
Heutzutage bekommt man so einen Katertag praktisch frei Haus geliefert. Gestern um fünf läutete mein Telefon (bzw. mein Smartphone dudelte die "Big Bang Theory"-Melodie) und auf dem Display stand "Krippe". Da kriegt man als Eltern ja immer direkt Puls, weil das kann heissen "Ups, wir haben ihr Kind verloren", "Ähm, wir sind heute noch ein bisschen länger unterwegs", "Öhm, ihr Kind hat sich ein Loch in den Kopf geschlagen" oder auch: "Little L. hat gerade auf dem Spielplatz gekotzt". Und ja, auch wenn man immer verzweifelt hofft, dass es nur das viele Rennen und Springen oder das viele Essen war: das ist es nie nur. Und so hat Little L. bis heute nacht um 4 nicht den kleinsten Schluck Wasser bei sich behalten, sondern sich, wie der Betriebschemiker sagt, sozusagen restentleert. Und wie bei so einer Anlage: auch wenn man wirklich glaubt, dass jetzt alles raus ist, den einen oder anderen Schluck findet man dann doch noch.
Auf der positiven Seite: Little L. ist ein sehr disziplinierter "In die Schüssel oder ins Klo-Spucker", auf der negativen Seite: Little L. hat meine leichte mit mittlere Emetophobie geerbt und so hat er immer wieder panisch "Ich hab Angst, ich ersticke,ich krieg keine Luft" gewimmert.
Geschlafen haben wir praktisch beide nicht, ich habe nämlich auch immer noch auf etwaige  komische Geräusche aus dem anderen Kinderbett gelauscht, aber was will man machen,
Mit Mann und Chef und Terminkalender wurde geklärt, dass heute ich und im Fall der Mann morgen daheimbleiben würden. Gottseidank war Little L. heute dann wieder fit, der Tee mit Traubenzucker und die Banane zum Frühstück blieben erstmal drin. Auf unserer Einkaufsrunde dann war er sogar schon wieder so fit, dass er mich auf einmal mit dicken Backen und panischen Augen anstarrte, als ich ihn dann unter den Arm klemmen und wenigstens zum nächsten Mülleimer schleppen wollte, lachte er sich tot und meinten "War nur ein Witz, ich hab nur so getan, als ob ich nochmal spucken müsste"
Nun denn, jetzt ist alles wieder okay, früher war ich allerdings in so Katertagen besser drin, mal einfach Pause zu machen. Heute habe ich per Firmenlaptop das Geschehen in der Arbeit verfolgt, Wäsche gewaschen und zusammengelegt, das Haus putzfrauentauglich gemacht, aus Gründen über Alternativen zu unserer aktuellen Kinderbetreuungsituation recherchiert, gesportelt, mit Little L. Angelspiel gespielt, Bilder gemalt, vorgelesen, Mittagessen gekocht und immerhin versucht, einen Mittagsschlaf zu machen. Ging aber nicht, weil erst Little L. mit seinem Finger nicht mein fingerabdruckgesichtertes Handy zum Angry Bird spielen entsperren konnte, dann weil eine Frau mit mir unbekanntem Namen den Mann sprechen, mir aber nix ausrichten wollte, dann ein Krankenkassenwerbefuzzi mich erst über brutale Einsparmöglichkeiten sprechen wollte, sich dann aber unhöflicherweise nicht meine ganze Tirade über Telefonmarketing im Allgemeinen, verbotene Krankenkassentelefonwerbung, Anrufe zu den unmöglichsten Zeiten, nicht ansatzweise korrektes Aussprechen des potentiellen Kundennamens, zurück zu meiner internen schwarzen Liste von Firmen, mit denen ich im Leben nie wieder Geschäfte machen werde, weil sie mich anrufen, anhören wollte, sondern einfach mitten in einem Satz auflegte und dann schliesslich, weil Little Q. aus der Krippe anrief, er wäre jetzt mit Hausaufgaben fertig und wenn sein kleiner Bruder wieder fit sei, würde er jetzt heimkommen und ihm beim ganz Gesundwerden helfen.
Nun denn. Jetzt noch Pfannkuchen für alle (Wunschessen des Rekonvaleszenten) und dann gehe ich meinen Kater wegschlafen..