Dienstag, September 30, 2014

Hockey-Mum

Wie ja schon mal erwähnt, ist Little L. seit dreieinhalb Wochen Mitglied der Unihockey-Schulmannschaft Kindergarten bis 2. Klasse. (es gibt noch eine grössere und ab 8 oder 9 Jahren, also D-Junioren, kann man in dern Verein wechseln, ist dann lizensierter Spieler und spielt um die Schweizer-D-Unihockey-Meisterschaft oder in irgendeiner Liga oder was weiss ich, Little L. ist ja erst 5.). Er findet es grossartig und war deshalb auch total angetan, als es hiess: es gibt ein BESJ-Turnier im Ort und da dürfen auch unlizensierte Spieler spielen und klar das Little L. mitmachen.
Nun denn, das mit dem BESJ habe ich übrigens erst erfahren, als Little L. sich schon begeistert angemeldet hatte und ich schon zugesagt hatte, einen Kuchen zu backen, sonst hätte mich das christliche daran vielleicht abgeschreckt. Bei unseren Pfadis bin ich zB sehr davon angetan, dass das Ganze unkonfessionell ist, und ja, mit "biblischem Input" in der Turnierpause habe ich meine Probleme.... anyway, zugesagt ist zugesagt, also ging es am Samstag bei strahlendem Sonnenschein in die Turnhalle.


Little L. war etwas überwältigt, was Turnier bedeutet. In der Schulmannschaft spielen in einer abgetrennten Halle der Dreifachhalle zwischen 6 und 8 Kinder, jetzt waren die Trennvorhänge hochgezogen und es waren insgesamt 12 Teams mit je 7 Spielern angetreten. Die Jüngsten waren U11 und das heisst, dass unsere 5-6 jährigen "Gladiatoren 2" (das kommt daher, wenn man auf einer Römersiedlung wohnt. Es gab Gladiatoren und Centurios von unserer Mannschaft) mit ihrer zum Teil (Little L. zB) sehr begrenzten Trainingserfahrung gegen 10.5-jährige antraten.
Nun denn, erst gab es Trikots, an denen man schon sah, dass die Gladiatoren eher zu den kürzeren Turnierteilnehmern gehörten. Little L. war heilfroh, dass seine Sporthose unten noch vorblitzte.

Weiter gings mit Aufwärmen und Einspielen und der nächsten Neuigkeit: es gab Schiedsrichter und einen Goalie in Goalie-Ausrüstung.
Es waren aber nicht nur unsere kleinen Gladiatoren, die mit den Schiedsrichtern und den Regeln ein bisschen überfordert waren (Little L.s Mannschaft hatte gerade am Freitag mit ein paar Regeln begonnen, aber Schiedsrichter-Handzeichen und Feinheiten, wie wer wann wo Abstoss hat, das war noch nicht dran. ) Aber die Schiedsrichter nahmen es gsd locker und nahmen auch gerne mal einen kleinen Spieler an die Hand und stellten ihn oder sie (überhaupt: auch in den älteren Klassen wurde jungs/mädchengemischt gespielt und sie haben sich nichts geschenkt ;-)) auf die richtige Seite des Spielfelds oder liessen die Mannschaft sich zB erst mal noch über das lang nach dem Abpfiff erzielte Tor freuen, bevor alle wieder zurückgepfiffen wurden.


Little L. schlug sich wacker, nur einmal ist er rückwärts über den eigenen Goalie ins eigene Tor gepurzelt, aber was solls: erstens hat er mitgemacht und insgesamt 6 Matches durchgehalten, zweitens hat er sich getraut,obwohl sehr viele unbekannte Menschen um ihn rum waren, der Hübsche und ich nur von der Galerie zu schauen konnten, er also "allein" mittendrin war, drittens sind er und seine Kollegen tapferst gegen Mannschaften angetreten, bei denen zum Teil ein einziger Spieler so gross und schwer war, wie die ganze Gladiatorenmannschaft zusammen, und sie haben immerhin ein (oder zwei, man weiss es nicht genau) Spiel sogar gewonnen, viertens haben sie 4 (oder 5) Spiele verloren und zwar haushoch und sind trotzdem weitergelaufen und das ist eine ganz wichtige Sache, die man lernen muss, finde ich.
Ach ja: ich weiss nicht genau, wer sich den "biblischen Input" in der Turnierpause angehört hat, die Römerteams haben die Pause geschlossen am Brunnen verbracht.

Also: alles in allen könnte man sagen: super Sache, wenn, ja  wenn die anderen Eltern nicht wären. Und natürlich meine ich da nicht alle, die meisten haben das ähnlich entspannt wie der Hübsche und ich gesehen, ich meine: unsere Kinder sind zwischen 5 und 6, es ist doch toll, wenn sie durchhalten, zusammenhalten, sogar ein Mindestmass an Taktik und Traineranweisungen umsetzen können, wenn sie aufs richtige Tor schiessen und einfach Spass haben. Und ja, es ist sehr niedlich, wenn die Kleinen die von den Grossen abgeschauten Gesten wie Abklatschen und Schulterklopfen beim Auswechseln und mit der gegnerischen Mannschaft am Schluss kopieren. Ach ja. Und Torjubel.
Und in dieser heilen Welt verstehe ich dann einfach nicht, wie Eltern (und da dann Mütter, Väter, sogar Grosseltern zu gleichen Teilen) mit einer unglaublichen Verbissenheit ihr Kind anfeuern, Fehler ihrer Kinder und deren Mannschaftskollegen in unglaublicher Lautstärke und einer Wortwahl über das ganze Spielfeld brüllen, die ungelogen unseren Goalie tatsächlich dazu brachten, den Helm abzunehmen, in Tränen auszubrechen und das Spielfeld zu verlassen.
Es ist mir echt schwer gefallen, nicht ausfällig zu werden, und auch wenn Little L. von einem dieser Aushilfsbundestrainer immerhin attestiert bekam, er wäre der geborene Verteidiger, finde ich: die Kinder sind fünf!