Freitag, Februar 07, 2014

Einschränkung durch Selbständigkeit

Sie wissen ja mittlerweile: Freitag = frei-Tag = Grosseinkauf und -erledingungsvormittag im Hause Brüllen. Little L. übernimmt jetzt auch immer mehr Aufgaben in Eigenregie, so zum Beispiel den Backwareneinkauf nach dem Lebensmittelgrosseinkauf. Während ich in einem Affenzahn Waren aus Band schichte, marschiert er mit Geld los und kauft an der Backtheke in Sichtweite für sich einen Vormittagssnack und für den Rest der Familie frisches Brot für das Abendessen. Das Restgeld darf er eigentlich behalten, wenn ich allerdings frisch vom Geldautomat komme und ihn mit einem 50€-Schein losschicke, dann werden das danach harte Verhandlungen (Zusatzregel: Münzgeld darf er behalten, Scheine bekomme ich zurück. Noch kam er nicht auf den Trick, an der Theke das gesamte Restgeld in kleinen, unmarkierten Münzen zu verlangen).
Für die erwarteten Herausforderungen wie "Oh, ich muss mit fremden Menschen reden. Was, wenn die mich nicht verstehen? Was, wenn es das nicht gibt, was ich will? Was, wenn ich die Menschen nicht verstehe? Was, wenn die mich gar nicht sehen? Woher weiss ich, wann ich dran bin? Wo ist das Ende der Schlange?" haben wir schon Verhaltensregeln erarbeitet. (Wenn man nicht sicher ist, wo das Ende der Schlange ist, fragt man mal einen, der recht weit von der Theke weg steht: "Tschuldigung, stehen Sie für Brot an?" und dann klappt der Rest. Meistens sagt Little L. natürlich "Stehst Du für Brot an, Tschuldigung, hallo, wollte ich auch noch sagen." und schaut dann so, wie er halt schaut und die meisten Leute nehmen ihn dann an der Hand, bringen ihn direkt vor zur Theke und sagen der Backthekenfrau: "Dieser junge Mann hier hat so höflich gefragt, ich denke, der sollte gar nicht warten müssen." Das ist zwar nicht genau das, was ich ihm beibringen will, aber eben: das Kindchenschema wird ihm auch nicht ewig bleiben , "Tschuldigung, stehen Sie für Brot an?" hoffentlich schon.)
Was ich ja auch eigentlich erwartet habe, ist, dass sich manche Snacks irgendwie leichter kaufen als andere. So scheint es mundmotorisch viel einfacher zu sein "Einen Krapfen" oder gar "Fünf Quarkini, bitte" zu sagen, als "Eine Vollkornsemmel, bitte". Auch gut, das haben wir mit einem fixen Auswahlmenü geregelt, je nach Lust und Launte darf Little L. sich ein Milchhörnchen, ein Rosinenweckle oder eine Breze kaufen. Oder natürlich eine Vollkornsemmel, wenn es mal hart auf hart kommt.
Womit ich aber nicht gerechnet habe, war, dass wir in Zukunft brottechnisch etwas eingeschränkt leben werden müssen. Man denkt zwar, Deutschland (oder auch die Schweiz ;-)), da gibt es Millionen Brotsorten, da hat man die freie Auswahl, alles was das Herz begehrt, aber wenn Little L. einkauft, ist das nicht so. Heute habe ich ihn gebeten, ein Wurzelbrot zu kaufen. Er schaut mich an, als hätte ich von ihm verlangt, einen ganzen Sack rohe Kartoffeln auf der Stelle zu verdrücken. "Ein Wurzelbrot? Was soll denn das sein?" "Das ist ein Brot, das ist so verdreht, dass es aussieht wie eine Wurzel, das ist ganz knusprig und echt lecker." Er schaut mich mit ganz mitleidigem Blick an und sagt "Mami, ich kann nicht an die Theke gehen und der Frau sagen, dass ich sowas kaufen will. Da muss ich lachen, wenn ich das sage, und die Frau auch, weil: Wurzelbrot, sowas gibts ja gar nicht. Ich kauf das gleiche Brot wie letzte Woche*." Nun denn. Mal sehen, ob wir nächste Woche ein anderes Brot bekommen können. "Kandertaler Halbweissbrot", "Schwarzwälder Holzofenlaib", klingen die realistisch?

*Das heisst übrigens "Balou" und das zweifelt er nicht an.