Dienstag, Januar 21, 2014

Upper / Downer

Ich bin Ihnen ja noch den Einsatzbericht der Mohnmühle schuldig.
Also. Ich hatte ja in weiser Voraussicht für dieses Rezept zwei 250g-Säcke Blaumohn von der lokalen Mühle gekauft. Noch vor der ersten Testmahlung noch am Kaufabend zeigte sich jedoch, dass das eine Säckchen mit Lebensmittelmottenmaden voll war und demenstprechend nicht in die Mühle durfte. Das zweite waren dann natürlich nur noch 250g und nicht 375g, weswegen der Hübsche beim Samstagseinkauf im lokalen Supermarkt noch Mohn auf den Zettel geschrieben bekam. Während auf dem deutschen Mohn übrigens steht "Wegen des natürlichen Morphingehalts nur gekocht verzehren, roh höchstens 20g pro Person und Tag", steht auf dem Schweizer Mohn nichts, dafür gibt es nur 40g-Päckchen.
Falls also das Schweizer oder deutsche Äquivalent zur DEA aufgrund unsere Mohnkäufe auf uns aufmerksam geworden sein sollte, bitte bedenken Sie vor einer Razzia: so viel haben wir gar nicht verwendet, ein Teil war vermottet!

Als Nächstes ging es also daran, den mottenfreien Mohn zu mahlen. Ich hatte das ja aus Kindertagen als eine grossartige, prestigeträchtige Tätigkeit in Erinnerung und sie den Jungs auch so kommuniziert. Ganz kurz zog das auch, aber nur solange, bis sich beide drängelnd und schubsend zur am Esstisch festgeschraubten Mühle durgekämpft hatten, ein paar Umdrehungen später hiess es dann: "Ach, jetzt darfst Du auch mal" und auf einmal wollte keiner mehr.
Man muss dazusagen, dass das Wochenende ja für meine Hände verletzungstechnisch ein bisschen anstrengend war. Dementsprechend gesellten sich die Blasen vom Mohnmahlen zu den Blasen vom Besenschnitzen und den Schnitten von der störrischen Konservendose. So toll die Mohnmühle auch funktioniert, 375 g sind ein bisschen zu viel, um sie in einem Rutsch zu mahlen. Das wird dann heiss, das Mohnmus backt an der Schnecke an, der an der Mühle angeschraubte Tisch fährt durchs Wohnzimmer, irgendwann kippt dann die Mühle trotz Anschraubens, so Mohn verteilt sich super im ganzen Zimmer... naja, aber ca 350 g reichen auch dicke.

Ich habe mich diesmal genau (ah, nein, ich habe die Rosinenmenge erhöht, weil 50g Rosinen? Wir sind doch keine Homöopathen!, und die Mohnfüllung noch mit Weichselmarmelade von meiner Tante bestrichen) an die Rezepte gehalten, auch wenn Little L. es schade fand, dass in der Nussfüllung keine Rosinen sind.

Und auch wenn wir eine sehr verfressene Familie sind, wir haben die beiden Zöpfe nicht ansatzweise geschafft, so dass ich noch zwei Hälften am Montag zur Arbeit mitgenommen habe.

Und da merkt man dann wieder, wie schön es ist, mit Profis Mohnkuchen zu essen. Erstens wurde die Mohnmenge lobend hervorgeboben, dann wurde kurz sichergestellt, dass wir mit diesem Kuchen kein Talibanregime unterstützen, weil "Quelle: EU", dann wurde die Problematik "Morphinzersetzung durch Hitze" diskutiert (Unterlagen, wobei ... naja.), dann mittels Dreisatz (das wichtigste Rechentool für Chemiker überhaupt) kurz abgeschätzt, ob wir pro Nase unterhalb der 20g bleiben würden und dann wurden diejenige, die diese Woche zur turnusmässigen SUVA-Untersuchung beim Werksarzt dran sind, prophylaktisch auf Nusskuchendiät gesetzt.

Für den Rest des Tages waren wir eigentlich alle ziemlich gechillt, wann immer eine Diskussion Anstalten machte, auszuarten oder sich jemand ganz schlimm aufregen musste, boten wir ein ordentliches Stück Mohnstrudel an und alles war wieder friedlich. Klar, um eine gewisse mentale Präsenz vorzutäuschen, mussten wir mit ordentlich Kaffee dagegenhalten, aber alles in allem war das ein sehr friedlicher Montag.


Sobald die Blasen wieder abgeheilt sind, wird weitergemahlen. Für Mohntipps jenseits von Strudel wäre ich durchaus empfänglich!