Freitag, April 20, 2012

Rentner's Paradise

Über sechseinhalb Jahre Muttersein hat es bei mir gedauert, bis ich mir von einer wohlmeinenden älteren Dame sagen lassen musste, ich hätte mein Kind nicht im Griff. Und das kam so:
Little L. lebt im Moment gerne seinen inneren Klingonen aus, da können bei nächtlichen Wachstumsschmerzen schon mal Stofftiere fliegen und Fusstritte ausgeteilt werden, bis man ein Zäpfchen intus hat.
Dementsprechend unausgeschlafen ist Little L. heute pünktlich um kurz vor sechs in den Tag gestartet. Zum grossen Showdown kam es dann an der Kasse unseres Supermarktes beim Bezahlen des Wochengrosseinkaufs. Das übliche "Ich will einen Banane, ich will dass die Mami mir die Banane gibt, nicht Little Q., ich will, dass die Bananen wieder zusammen sind, ich will dass die Banane wieder zu ist, ich will die Banane wieder am Stück, ich will überhaupt keine Banane, wer kommt auf die saublöde Idee, mir eine Banane zu geben, ich will mit dem Einkaufswagen noch eine Runde durch den Markt laufen, das ist mein Einkaufswagen, mir ist egal, dass die Mami da grade die Einkäufe drin verstaut, dass ich nicht mal bis zur Schiebestange schauen kann, dass mir Leute und Regale im Weg sind, DASISTMEINWAGENDASISTMEINWAGENDASISTMEINWAGEN". Und ungefähr bei 4598. "DASISTMEINWAGEN" kam die alte Dame zu mir, starrte mich böse an und zischte: "Wann bekommen Sie endlich das Kind zum Scheweigen?" Ich muss sagen, ich habe relativ unsouverän reagiert, erstens weil ich sie kaum verstanden habe und zweitens weil ich leicht gestresst war. Nicht unbedingt wegen der Situation "Mein Kind tobt und brüllt und alle starren mich an", das war eh nicht zu ändern, ich wollte nur so schnell wie möglich raus aus der Situation. Und dazu musste ich einerseits eine Riesenmenge Einkäufe auf das Band und wieder in den WAgen bekommen, mit dBankkarte und Mehrwertsteuerzettel hantieren, mit einem Fuss den tonnenschweren Einkaufswagen daran hindern, von einem tobenden Little L. als Amokfahrzeug in die Gemüseabteilung gesteuert zu werden und so. Ich habe ihr also gesagt, dass sie das einen Scheissdreck angehe, worauf sie gekonnt retournierte, dass sie sich schon geraume Zeit gestört fühle. Tja, "Glauben Sie, dass es auch nur eine Sekunde schneller geht, wenn Sie hier mit Ihren saublöden Kommentaren dazwischenfunken?" mag nicht die gekonnteste Antwort sein, aber ich nehme an, in dem Gebrüll hat das eh niemand verstanden.
Little Q. brachte den besten Kommentar im Auto, als ich mich dann noch ausführlich über die Schnepfe aufregte: "Ja, Mami, da hast du schon recht, aber jetzt ist es auch wieder gut, oder? Da müssen wir jetzt nicht den Rest des Tages drauf rumreiten, oder?"
In diesem Sinne: Zen. Jetzt. Und Mittagsschlaf.