Freitag, Januar 01, 2010

Hellride to 2010

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Eintrag darüber stehen, wie eine Silvesterparty bei Freunden mit Kindern (mit unseren 5 zwischen 9 Monaten und 7 Jahren) eine für mich recht stressige Ferienwoche mit familieninternem (wie sind Sie da bloss drauf gekommen?) Knatsch (mal euphemistisch ausgedrückt), wenig Schlaf (wenn wir nicht andauernd zwischen verschiedenen Besuchsstationen hin und her gefahren wären, hätte Little L. wohl den Schlaf zwischen fünf Uhr morgens und acht Uhr abends vollends abgeschafft), viel(sehr leckerem) Essen und so weiter zu einem fulminant entspannten Abschluss verhalf (hallo? Wir Erwachsenen haben zwei Runden "Zug um Zug" gespielt, Little L. hat fast ein bisschen geschlafen, wir haben zum ersten Mal in unserem Leben Knallbonbons und Tischfeuerwerk abgefeuert, wir haben gelernt, wie lange Kindern die Zeit bis Mitternacht vorkommt etc.).

Eigentlich. Dieser superentspannte Start ins Jahr 2010 wurde von einer zweistündigen Irrfahrt durch den Nebel des Grauens auf einmal ein bisschen in den Hintergrund gerückt. Ich als immer noch stillende Mutter (nächstes Jahr. Ich sags Ihnen. Da geb ich mir sooooo die Kante, dass ich schon das Tischfeuerwerk nur noch lallend erlebe) war ganz klar die Fahrerin. Die Kinder schliefen mit Anlassen des Motors tief und fest, der Hübsche war Gottseidank alkoholtechnisch nur beschwöngt und nicht zu sehr tiefenentspannt. Schon beim Losfahren um 0:45h in Nymphenburg/Obermenzing dachte ich mir "Wow, ich bin doch ein Landei, bei uns auf dem Dorf ist nach der Knallerei nicht alles so verraucht." Ich hatte echt Schwierigkeiten, die Strasse und die parkenden Autos zu erkennen. Der beschwöngte Mann an meiner Seite meinte zunächst noch: "Jaja, stell dich mal nicht so an, das geht doch, alles super", lotste mich dann aber doch zu Fuss in Richtung grössere Strasse. Dort fanden wir einen ungarischen Reisebuss, der praktischerweise wie wir Richtung Autobahn wollte. Bei einer Sichtweite (kein Witz) von deutlich unter 10 Metern fährt es sich mit Vordermann entspannter. Wir beteten also unser Mantra runter: "Auf der Autobahn wird es sicher besser."

Wurde es nicht. Wir zuckelten also dem Bus hinterher, wo wir waren und wohin wir fuhren konnten wir nur dem Navigationssystem entnehmen. Ohne Witz, man sah Ampeln erst, wenn man direkt davor stand, wir mussten uns richtig anstrengen, den Mittelstreifen (ich) und den Seitenstreifen (der Hübsche) zu entdecken. Und ja, ich wurde leicht hysterisch. Wären Sie auch geworden, oder? Mit der ganzen Familie ein einem niegelnagelneuen Auto, in der Nacht, in der die meisten Besoffenen unterwegs sind und Sie sehen nichts..... Auf der Autobahnauffahrt dann der erste Unfall: die Polizei haben wir nur dank Martinshorn bemerkt. Wir wurden also über den Pannenstreifen an einem Dreierhaufen Autos vorbeigeleitet. Hätte ich nicht die Tachoanzeige gehabt, ich hätte nicht sagen können, ob ich stehe oder fahre. Ich hab nur versucht, den Abstand zu den Lichtern des Vordermanns kosntant zu halten. Ausserdem habe ich immer drauf geachtet, ob wir einen Hintermann haben, der uns bemerkt hat. Zu diesem Zeitpunkt durfte der Hübsche dann ein Foto schiessen (es sieht undramatischer aus, als es war, so viel wie auf dem Bild habe ich nicht gesehen.)


Bei dem ganzen "Bloss den Anschluss nicht verlieren" haben wir dann unsere Ausfahrt verpasst. Auf einmal waren die Autos der Spur rechts verschwunden und nicht mehr zu entdecken. Wir folgten also mittlerweile brav einem Feuerwehr- oder Polizeiauto, auf dessen Dach ganz motivierend "Gefahr" aufblinkte. (Verkehrsfunk alle zwei Minuten, Vollsperrungen, Geisterfahrer, man soll bloss das Auto stehen lassen. Hätte ich ja gerne, aber mitten auf der Stuttgarter Autobahn.....) Die nächste Ausfahrt fanden wir dank Navi "Soooo, jetzt müsste sie langsam kommen, genau, da kommt die gestrichelte Linie, ein bisschen rechts, mehr, vorsichtig...... siehst du was?" So ganz ohne Vordermann begann dann für mich die allerschrecklichste Strecke. Ich sah einfach... nichts. Irgendwann gabelten wir wieder einen Vordermann auf, der, ganz grosses Kino, nur mit Standlicht vorne und Nebelschlussleuchte fuhr. Beim Einbiegen auf eine grössere Strasse (weiss ich nur dank Navi, ich sah immer noch.... nichts) auch schön auf die Gegenfahrbahn. Haben wir nur dank Gegenverkehr gemerkt. Der Hübsche hat mich dann mit Warnweste zu Fuss (er war fast zu schnell für mich) wieder auf die richtige Spur gebracht, wir haben uns mit dem Gegenverkehr kurz unterhalten (Ja, Autobahn die Richtung, da ist es aber auch scheisse, Parkplatz haben wir keinen gefunden) und weiter ging es. Irgendwann erkannten halbwegs wo wir waren (mittlerweile schon eine gute Stunde unterwegs) und hatten ein Ziel: einen Gasthof, v.a. dessen Parkplatz nicht verpassen und dort den Nebel aussitzen. Die Kinder, toitoitoi, schliefen tief und fest. (Es ist übrigens ein Erlebnis, bei dieser keiner Sicht und wenn alle nur mit ca 5km/h dahinschleichen, auf einmal einen Taxler die ganze Kolonne überholen zu sehen..... Nicht nur einen übrigens). Wir riefen meine Schwiegermutter an, die, Müttergenen entkommt man nicht, mehr oder weniger schlaflos auf uns gewartet hatte und erfuhren, dass dort, keine 14km weiter, mehr oder weniger sternklare Nacht war.... Kaum erreichten wir den Ort mit dem Gasthof, klarte es tatsächlich ein wenig auf. Wir sind also brav dem Navi gefolgt, ahnten allerdings nicht, dass uns das brav wieder zurück zur Autobahn lotste, obwohl wir längstens beschlossen hatten, die Automassen dort zu meiden. Nun ja, kaum wurde uns das klar, kam auch der Nebel zurück. Wir suchten also einen Platz zum Wenden, fanden erstaunlicherweise einen Feldweg und in diesem wunderbar passenden Moment wachte Little L. auf. Wir beschlossen also, eine Pinkel- und Stillpause einzulegen. Hat was, wenn man direkt neben der Strasse ganz ungehemmt pinkeln kann, weil einen eh keiner sieht. Little L. jammerte allerdings nicht primär, weil er Hunger hatte, sondern weil er bis zu den Ohren verk.ackt war. Also, im Dunkeln, Kalten ein zu recht jammerndes Baby, das mittags sein erstes fischhaltiges Gläschen verspeist hat, in einem niegelnagelneuen Auto aus einem triefenden Schlafanzug schälen, reinigen und in Wechselklamotten stecken. Schön! Nach der wohlverdienten Stillpause ging es also 180° zurück.

Die Skala unten links bezieht sich auf die Geschwindigkeit für den jeweiligen Streckenabschnitt (unter 20 km/h auf der Autobahn...)

Gottseidank zog sich der Nebel dann tatsächlich zurück und so kamen wir nach 1h 37 Minuten (für 25 km, also 15 km/h Durchschnitt) tatsächlich heil bei meiner Schwiegermutter an. Dort war es tatsächlich sternklar und ich kam mir echt vor, als wäre ich aus einem Alptraum aufgewacht......

Ich bin zwar durchaus das eine oder ander Mal hysterisch geworden, der Hübsche hat es allerdings immer wieder geschafft, mich auf dem Boden zu halten ("Dann fahr halt ich" war nicht sooooo der Brüller). Ich habe auch wieder gemerkt, dass ich ganz gut im Verdrängen bin: über die extrem eingeschränkten Möglichkeiten der Einsatz-/Rettungskräfte bei diesem Wetter und denn Horrorfilm "The Fog" habe ich nur ganz kurz nachgedacht.