Samstag, April 12, 2008

Lauter Schäublis

Nach 10 Jahren Stadtleben bin ich die ... Intimität des Landlebens gar nicht mehr gewohnt. Wir kennen (und uns kennen noch viel) mehr Leute hier aus der Nachbarschaft, als wir in den fünf Jahren in Basel und den fünf Jahren in München kennengelernt haben.
Wir (besonders Quentin) werden beim Einkaufen im lokalen Grossverteiler mit Namen begrüsst, man erinnert sich an die letzten Einkäufe ("Und, wie gings mit den Seifenblasen?"), man ist nirgends unbeobachtet:

  • Wenn ich, einem spontanen Zucker- und Fettmangel nachgebe und mit dem Doppelpack ("Angebot"!) Cremeschnitten an der Kasse stehe, kennt mich der Kassierer natürlich aus dem Fitness-Studio und scannt mit ganz hochgezogenen Augenbrauen ("Und, Sunntig wieder trainiere?")
  • Wenn ich der Nachbarin, die ich spontan an der Käsetheke getroffen habe, von nervigen Kollegen vorjammere, spaziert gerne mal einer davon an uns vorbei.
  • Wenn ich mit halbfeuchten, ungeföhnten Haaren mit noch ganz rotem Gesicht vom "Sunntig, wieder trainiere" schnell nach Hause gehen will, begegne ich dem Chef vom Chef auf dem Parkplatz.
  • Wir begegnen den Nachbarn von nebendran Samstag vormittag im Baumarkt, wo wir eine neue Gartenschlauchpistole kaufen (und Little Q. allen Anwesenden lautstark verkündet, dass "Wir all uns daheim nackig machen und denn nass spritze."
  • Der Nachbar von gegenüber überrascht mich, als ich im Babymarkt gedankenverloren Kinderzimmerbuchstaben (keiner davon in Little Q.s Vornamen) durchsuche. Ich kann mir vorstellen, dass die Gerüchteküche brodelt. (Ich musste an der Kasse warten. Gekauft haben wir nur ein Moltontuch, damit solche Ereignisse in Zukunft nicht mehr eine ganz so hohe Tragweite haben).

Gottseidank haben wir ja (fast) nix zu verbergen ;-)