Sonntag, April 20, 2008

1300 km später

die Erkenntnisse des verlängerten Mutter-Sohnwochenendes:


  • Little Q. ist ein 1A-Beifahrer (also auf der Rückbank). Ich bin zwar mittwochs extra erst abends losgefahren, damit er möglichst viel verschläft, er fand es aber wohl unhöflich, einfach wegzuknacken. Wir haben uns also drei Stunden über Gott und die Welt unterhalten: wann endlich der Bodensee kommt, dass Länder keine Türen haben, dass die Polizisten an der Grenze aufpassen, dass keine bösen Menschen ins Land kommen (und nix kaputtgeht, das war Little Q. wichtig), wann endlich der Bodensee kommt, dass man die Grenze zwischen Österreich und Deutschland gar nicht bemerken würde, wenn die Mutter nicht "Aaaaaaaachtung, jetzt ..... GRENZE!!!!" schreien würde, wann wir wieder an den Bodensee kommen, dass es viel Deutschland und wenig Schweiz gibt, wer sonst noch am Bodensee wohnt (btw: Glückwunsch, Schwesterlein 4 zum Aufstieg in die 1. Bundesliga), dass wir jetzt sicher nicht mehr umdrehen, dass wir erst auf dem Heimweg wieder am Bodensee vorbeikommen, dass wir jetzt nicht mit Absicht einen Unfall bauen, auch wenn dann sicher die Polizei käme, dass der vermaledeite Bodensee wirklich gross ist, aber so gross dann auch wieder nicht etc.. Eine Stunde hat er dann geschlafen und bei meiner Mutter angekommen (22:18h, d.h. knapp vier Stunden Fahrt) hiess es dann sofort: "Oma, wir erst mal spielen" (bis halb 12)


  • Ich habe auf der weiten Fahrt wirklich brav im Geiste allen Bloggern meiner Blogroll, an denen wir vorbeigefahren sind, gewunken: Familie Rage, Vreni, Frau Limmatquai, Britta, Kassiopeia, Sandy, Stilkes Eltern (ich war mir nicht sicher, ob -hofen oder-biburg, also habe ich insgesamt viermal an sie gedacht).


  • Ich bin in der alten Heimat nicht mehr wirklich heimisch. Sonst hätte ich mich beim Einbiegen in die Zielstrasse nicht so sehr über ein Freisinger Kennzeichen gewundert (und noch eins, und noch eins...). Sonst wären mir beim Versuch, mich dem ländlichen Idiom anzupassen nicht als allererstes baseldytsche Ausdrücke eingefallen. Sonst wäre ich nicht dem Irrglauben aufgesessen, in meinem Heimatdorf bekäme man die Zutaten für die Ragesche Lasagne ("Naaaaaa, Lasagneblätter hamma koane. Aber a Domadnmark kannt i Eahna obiatn."). Sonst hätte mich die herrliche Aussage der Nachbarin auch nicht irritiert "Und so gross is a worn, dea Kloane. Wann homm mia zwoa uns as letzte Mol gseng?" "Öhm, ihn haben Sie noch nie gesehen, mich das letzte Mal mit 17".


  • Für Little Q. war es das Schönste, ein paar Nächte mit mir in einem Bett zuv erbringen (für mich auch, das nutzloseseste Gepäckstück hiermit: das Reisebett).


  • Achteinhalb Stück Schokoladenkuchen an einem Tag sind zuviel für ein Kind. Mahnendes Beispiel für alle Zeiten: die Bauchwehnacht. Sätze zum Ausflippen: "Ach komm, ihm schmeckts doch so." und "Aber da ist nur Biozucker drin". Ich habe mich die ganze Nacht dafür verflucht, selber wieder wie ein Kind zu agieren und nicht wie eine erwachsene Mutter.


  • Meine Eltern wissen schon, auf welche Knöpfe sie drücken müssen: Esterhazy-Torte, Lauchsuppe, Käsespätzle, Kaffee rund um die Uhr (und Prosecco und Weisswein).


  • Westernfans sind gute Menschen. Zum Beispiel die Ponyreitfrau, die uns nach Little Q.s 0.15sekündigem Gastspiel auf einem Pferderücken das gesamte Geld wiedergegeben hat. Und ganz besonders die beiden, die meinen Geldbeutel, den ich auf dem Autodach liegengelassen hatte, in Verwahrung genommen haben, uns mehrfach ausrufen liessen und hoffentlich bei der "internationalen deutschen Schnauzbartmeisterschaft" am Samstag gut abgeschnitten haben.

  • 400 bzw. 600 km sind gar nicht so schlecht.





In Bildern:


Little Q. mit dem neuen Lieblingsspielzeug

Bei den Indianern ("Gell, Mami, wir sitzen dann in der Kutsche und die Indianer ziehen die Kutsche.")

Bei der "Dreiflüsserundfahrt"

Beim vierten Honigbrot zum Frühstück mit dem zweiten neuen Lieblingsspielzeug