Freitag, Oktober 23, 2015

Zen-Meister-Challenge

Kennen Sie das? "Mama*, ich find's nicht!"
Das kann die Milch, Butter, Senf in Kühlschrank sein, das kann die Lieblings- (oder überhaupt irgendeine) Mütze sein, das kann der zweite Socken sein, die Badehose, das Federmäppchen, you name it.
Normalerweise sind die "verlorenen" Sachen gar nicht so schwer zu finden. Milch, Butter, Senf sind meist im schon geöffneten Kühlschrank, nicht immer steht etwas davor, was sie verdeckt. Die Badehose ist in der Kiste mit den Badesachen, das Federmäppchen auf dem Schreibtisch oder im Schulranzen. Trotzdem scheinen diese Gegenstände ein Eigenleben zu führen und nur für erwachsene weibliche Augen sichtbar zu sein.

Für mich ist es harte Arbeit, zB die jeden Freitag für die Schulbibliothek fälligen Bücher nicht selbst zu suchen und mit den "Mami, ich find die Bücher/CDs aber nicht"-Klagerufen umzugehen. Wir haben (Erfahrung und so) einen Ort definiert, wo diese Bücher, die eh spätestens Freitag mittag ausgelesen sind und eine Woche warten müssen, zu liegen haben. Immer (auf dem Klavier, falls Sie mal suchen sollten oder eine "???-Kids"-CD hören möchten). Das wiederhole ich die ganze Woche über mantraartig, wann immer ich eine Bücherei-CD oder ein LeihBuch auf Abwegen entdecke. "Little L./Q., räum das dahin, wo es hingehört, Donnerstag abend findest Du dann wieder nix!"

Und ich muss sagen, langsam wird es besser, es fehlt eigentlich meist nur eine CD und auch da verfalle ich nicht mehr in die "Oh, mein Gott, wir werden diese CD nie wieder finden und aus Erziehungsgründen muss ich das dem Kind vom Taschengeld abziehen und das spart schon so lang auf dieses Lego-Tralalala, da ist das Geheule dann riesengross, ausserdem kriegt es dann schlechte Noten in "Kümmert sich um sein Zeug" und er wird nie ein selbständiger Erwachsener werden"-Panik, sondern frage nur kurz die neuralgischen Alternativlagerplätze ab "Playstation? Hinter dem Fernseher? Im CD-Regal?" und da ist es dann immer.
Am meisten nervt mich, dass mich das Ganze so nervt. Kennen Sie die "Big Bang Theory"-Folge, wo Sheldon Leonard klar machen will, wie es sich für ihn anfühlt, wenn etwas nicht nach seinen Standards korrekt erledigt ist, und ihn diesen kratzigen Wollpulli tragen lässt, bis er fertig ist? Genau so ist das. Zu meinen schlimmsten (okay, nicht allerschlimmsten, aber häufigsten und anstrengendsten) Alpträumen gehören solche, wo ich Sachen suche. Letzte Woche bin ich einmal total ausgelaugt aufgestanden, weil ich die halbe Nacht im Traum meine schwarzen Wildleder Desigual-Ankleboots gesucht und nicht gefunden habe (sie standen übrigens auf dem Schrank, wo sie hingehören). Hat ja auch kaum einer Verständnis dafür, wenn man das erzählt....

Und deswegen tue ich mich auch so schwer, nicht selber zu suchen, auch wenn ich weiss, dass es erstens kein Drama ist, mal was nicht zu finden und zweitens es ja nicht mal mein Zeug ist, das fehlt, aber eben: es fehlt, es ist nicht am richtigen Ort, DAS MUSS DOCH IRGENDWO SEIN, VERDAMMTE AXT!

Ich habe das Gefühl, die Kinder wissen sehr gut, dass ich nur ganz schwer beim Suchen zuschauen kann und laufen nur planlos "Da auch nicht, es muss doch da sein, ich hätte schwören können...." -murmelnd durchs Haus, was mich noch verrückter macht, weil so sucht man nicht, kein Wunder, dass sie nix finden und zack, habe ich es doch gesucht/gefunden, Sache erledigt.**

Diesen langen Post habe ich übrigens sehr schnell und hektisch und innerlich "lalalalalala"-singend getippt, Little Q. findet nämlich seinen Kindle nicht. "Er ist nicht da, wo ich ihn gestern hingelegt habe, nein, in der Schule, hatte ich ihn auch nicht dabei, Freitag ist Bibliothek, da nehme ich ihn nie mit, er ist nicht da, dabei habe ich ihn sicher warhscheinlich da ins Regal gelegt". Mittlerweile schlurft er mit glasigen Augen durchs Haus, "sucht" an den unwahrscheinlichsten (weil schon auf Kindle-freiheit überprüft. 20mal) Orten und ist schlimm verzweifelt.

.....



EDIT: Sorry, ich musste kurz.... einen Kindle finden. (habe dem Kind mit der zitternden Unterlippe schnell sein Buch auf meinen Kindle geladen, das reichte aber nicht für meinen Seelenfrieden, aber es ging schnell: Er war Little Q. wohl gestern beim "Beim Lesen Einschlafen" aus der Hand und in das untere Stockbett gefallen. Ach ach ach.)

* Man kann übrigens "Mama" auch durch "Schatz" ersetzen, das wäre dann die Erwachsenenversion.
** Ganz schlimme Ausnahme war ja mein Kindle, der ohne Witz mal einen ganzen Monat verschwunden war und sich dann auf sehr mysteriöse Weise im Duschgelregal im Bad materialisierte. Und das blöde Nokia-Handy mit fast leerem Akku.

Kommentare:

Anne hat gesagt…

uuuuralt-non-PC-Witz:
"Papa, wo liegen die Bermudas?"
"Frag Mama, die räumt immer auf."

"Der Hübsche" hat gesagt…

"Schatz, ich finds nicht." passiert übrigens nur wenn ich Dich im Verdacht habe etwas veräumt zu haben. Ich behaupte mal frech der rationalste Sucher in diesem Haus zu sein und wenn man die wahrscheinlichen Möglichkeiten abgegrast hat, denkt man an die weniger wahrscheinlichen ("wahrscheinlich hat Frau Brüllen meine Kopfhörer zu ihrem Kindle ins Duschgelregal gepackt...")

Karin hat gesagt…

Ich sag ja nicht, dass ich der coolste sucher bin, nur der, der nienienie iaufhört. Und hallo? Senf, lätta, salami verräume ich nicht, deren angestammtes habitat ist nun mal der kühlschrank!

KaTe hat gesagt…

*lach* Ich erkenne mich hier wieder...
Ich habe auf der Suche nach einem verlorenen Autoschlüssel sogar Schränke von der Wand gezogen.
Im übrigen tauchte der Schlüssel wieder auf. NACHDEM ein Neuer gekauft war.
Er steckte in der Jackentasche des Mannes, ABER diese Jacke hin merkwürdigerweise im Schrank des ältesten Sohnes und zu allem Überfluß war es die Jacke, die eigentlich schon längst weg sollte, weil Brandlöcher drin usw.
Also in etwa wie der kindle...

Der Autoschlüssel ist nach 6 Monaten übrigens wieder da gewesen. Nun haben wir eben drei Schlüssel für EIN Auto mit ZWEI Fahrern.

LG KaTe

alasKAgirl hat gesagt…

Auch ganz schlimm: jemand kippt Legokleinteile im Wohnzimmer vors Regal. Ich probier's immer mit: "Heb das gleich auf, nachher findest Du das nie wieder!" und krieche am Ende doch selbst auf dem Boden rum, bevor die Miniteile unterm Regal oder im Mund des jüngsten Sohns verschwinden und nie wieder auftauchen. Ich bin nämlich am Ende auch die, die fluchend die Legokisten nach dem fehlenden Teil absucht, weil "Mama, ich hab schon ÜBERALL geschaut!".

Meeresrauschen hat gesagt…

Und so ein Kindle kann man ja nicht mal anrufen. Ich bekomme öfter kurz Schnellatmung, wenn ich weiß, dass man das Gesuchte eben auch ganz wirklich nicht anrufen kann und dann findet es sich... siehe Schlüssel oder so
Grüße,
Kathrin