Mittwoch, März 12, 2014

"Was tun?" sprach Zeus

Lassen Sie mich ein wenig ausholen (ich müsste mal nachschauen, wie viele meiner Blogposts so beginnen): als ich mein Arbeitspensum vor zwei Jahren auf 80% aufgestockt habe, war eine Bedingung dafür für mich: wir brauchen eine Putzfrau. Vier volle Arbeitstage incl. 24/7h Rufbereitschaft und zwei Kindern, da ist mir meine freie Zeit ganz einfach zu schade, um sie für das Putzen eines Hauses mit insg. 3 Etagen zu verwenden.
Nach dem ersten desaströsen Versuch mit einer Agentur (selber schuld, wenn man aufs Kindchenschema reinfällt. Der dämliche Text hätte mich schon in die Flucht schlagen sollen) bekanen wir von einer Bekannten eine wunderbare Frau vermittelt. Das Anmelden bei der SVA und die Vertragssache, vor der ich so einen Heidenrespekt hatte, war ein Klacks, und die Frau ist einfach grossartig: sie hat nicht nur den Sauberkeitsstandard bei uns auf einen neuen Level gehoben, kleine liebevolle Details wie Kaputzenhandtücher so falten, dass sie wie Tiere aussehen, ein System entwickeln, wie die Handtücher einheitlich gefaltet in den kleinen Badschrank passen, andauernde Erziehungsversuche, doch bitte die Bücher neben dem Bett der Grösse nach zu sortieren etc., machen das Ganze perfekt.
Vereinbart haben wir ca. 3-4h (je nach Bedarf), einmal die Woche, wenn Extrasachen sind wie Fensterputzen oder so, wird das angemeldet und extra geplant. Am Abend vorher räumen wir auf, d.h. der Kinderzimmerboden wird von sämtlichen Legobauten und v.a.-Kleinteilen befreit, Wäsche wird vom Wäscheständer abgehängt, die Küchenarbeitsflächen werden freigeräumt, evtl. sich angehäufte Post wird abgelegt, Rechnungen gezahlt und abgeheftet, Schuhe werden sortiert, Jacken ordentlich aufgehängt, Leergut weggebracht, damit man gut an die Putzsachen kommt, sowas. Und wenn man dann abends heimkommt und die Kinder ehrfürchtig vor dem Garderobenspiegel stehen "Schau mal, wie das blitzt, gell, die Frau C. war da!" und alles aussieht, wie aus einer Schöner Wohnen-Ausgabe, dann ist das das Geld 5mal wert.
So weit, so gut. Unsere Wunderfrau ist eine alleinerziehende Mutter, sie hat schon beim Vorgespräch angekündigt, dass es in den Schulferien und wenn die Kinder krank sind, mal zu Terminausfällen kommen könnte. Das ist für mich natürlich überhaupt kein Problem, ich weiss, wie es ist, wenn man Arbeit und Kinder jongliert, ohne Partner, der seinen Teil übernimmt, ist das natürlich noch eine Runde schwieriger, das ist für mich kein Thema. Ich kann ja durchaus auch selber im Notfall den Staubsauger in die Hand nehmen, Spontandreck putze ich* sowieso weg, wenn mal ein Termin ausfällt, geht davon die Welt nicht unter.
Das lief also alles erst mal super, dann häuften sich die ausgefallenen Termine und leider auch die, die gar nicht erst abgesagt wurden. Und ja, mich nervt es, wenn ich am Abend vorher die Kinder zum Aufräumen nötige, selber klar Schiff mache und dann kommt niemand. Auf Rückfrage hiess es immer "Sorry, Kind krank," in verschiedenen (wirklich schlimmen) Varianten, manchmal auch "selber krank". Manchmal gab es Ersatztermine, manchmal nicht.
Über die Bekannte, die uns die Dame vermittelt hatte, erfuhren wir irgendwann, dass sie an Krebs erkrankt ist, und das ändert natürlich alles. Ich meine: wer bin ich, mich über ausgefallene Termine und fehlende Absagen aufzuregen, wenn da eine Mutter gegen so eine Krankheit kämpft? Alleine? Mit zwei Kindern, für die sie verantwortlich ist?
Andererseits: ja, es stört mich, wenn von den an sich ca 12 Terminen, die im aktuellen Jahr schon stattfinden hätten sollen, bisher genau 3 stattfanden, von den ausgefallenen ca. 70% eben nicht abgesagt wurden, sondern erst auf Nachfrage etwas kam, mich stört es, wenn ich immer wieder alles parat mache und dann war es für die Katz, mich stört es, wenn dann irgendwann kommt: "Keine Sorge, ich komme dann morgen" und ich wieder alles parat mache und dann doch nicht nachts selber putze und dann kommt am nächsten Tag vielleicht wieder "Oh, heute doch nicht, aber sicher vielleicht übermorgen" und das Haus versinkt im Dreck. Also: nicht wirklich, und es ist auch nicht so, dass wir normal nicht aufräumen, aber wir räumen anders auf, wenn am nächsten Tag Putztermin ist. Wenn ich damit rechne, dass am nächsten Tag alles perfekt geputzt wird, dann poliere ich nicht das Bad auf Hochglanz und lasse am Abend den Staubsauger auch mal stehen, weil: so perfekt wie die Putzfrau mache ich es eh nicht. Und dann ..... nix.
Und bei all dem, worüber ich mich aufrege, habe ich dann ein unendlich schlechtes Gewissen, weil "Krebs! Allein! Die Kinder!"
Und ich denke mir dann wieder: aber wenigstens absagen könnte man.
Und dann denke ich mir wieder: "Du Korinthenkacker, KREBS!ALLEIN!DIE KINDER!"
Und mittlerweile freue ich mich an den vermeintlichen Putztagen schon gar nicht mehr, in  das blitzende Haus zu kommen, sondern ich ärgere mich schon den halben Nachmittag im Voraus, dass es bestimmt wieder nicht geklappt hat und ich wieder nachfragen muss und ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich mich ärgere, weil...eben.

Ich bin echt in einer Zwickmühle, weil, wenn sie kommt, ist sie grossartig, ich habe, ehrlich gesagt, auch keine Lust, nach jemand anderem zu suchen, ein Ersatz oder sowas für die Ausfälle wäre vermutlich auch schwierig, weil: ich krieg ja kaum Absagen, weder im Voraus noch am Tag selber, und dann eben: ich habe ein superschlechtes Gewissen, dass ich mich über Aufräumabende und ein nicht geputztes Haus aufrege, wenn es auf der andere Seite um Krebs geht. Aber auf der anderen Seite merke ich, dass mich die ganze Sache belastet, zwanghaft wie ich bin und das ist ja auch doof.

Aktuell haben wir den fest abgemachten Tag von Mittwoch auf Montag geschoben und den Mittwoch als Alternativtermin vereinbart, falls der Montag nicht klappt. Mal sehen. (Auch mal sehen, ob der Ersatztermin morgen klappt. Oder abgesagt wird. Oder keins von beidem)

*Wenn im Text von "ich" die Rede ist, sind natürlich auch sämtliche männliche Mitglieder des Haushalts gemeint. Es gilt die Regel, dass der den Dreck wegputzt, der ihn entweder verursacht oder als erster bemerkt. (Raten Sie mal, wer da öfter von selektiver Blindheit geschlagen ist...) Aber das ist jetzt ein anderes Thema. Wegen leichterer Lesbarkeit und so weiter, Sie wissen Bescheid.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Puh, das ist wirklich eine üble Zwickmühle (in der ich in ähnlicher Form auch schon mal gesteckt habe). Das mit dem prophylaktischen Ärgern kenne ich nur zu gut. Sehr ungesund...
Putzhilfe suchen (und finden!) ist nervig und nicht ganz einfach, aber ich glaube, ich würde mir, sofern irgendwie im Budget, in dieser Situation eine Zweitfrau für das andere Ende der Woche zulegen. Dann kommt hoffentlich zumindest eine, und falls beide kommen, werden halt Extras wie Fenster, Bügeln etc. erledigt. Wenn dann (hoffentlich) alles irgendwann wieder im Lot ist, könnt ihr ja immer noch entscheiden, wer bleiben soll. So wird das Haus sauber und das Gewissen bleibt auch rein...

Cata

Elawen hat gesagt…

hmm.. ein enges Familienmitglied bekommt grad Chemo. Von daher weiß ich, dass es einem den einen Tag blendend gehen kann und den nächsten steht man besser grad gar nicht auf. Manchmal gibt es das auch innerhalb eines Tages. Und dass dann die Kraft nicht reicht, ein Telefon zu bedienen, um Bescheid zu geben, ist leider einfach so.
Und dann kann es trotzdem passieren, dass ein Handschlag zuviel einen umhaut, denn ich gehe mal davon aus, dass die Gute auch noch ihren eigenen Haushalt packen muss.
Besteht denn die Möglichkeit, dass sie sich den Job teilt mit jemandem, der also einspringen kann, wenn es ihr schlecht geht? Rede mal mit ihr, denn deinen Frust kann ich auch verstehen. Und sie ist garantiert auch nicht glücklich mit der Situation. Aber so steckt ihr beide fest.
Und ja, Krebs ist oberscheiße, sowas braucht kein Mensch! Niemand.

VG Sandra

Anonym hat gesagt…

Ganz ehrlich in dem Fall:

Krebs! Alleine! Die Kinder! Punkt.

Haben Sie tatsächlich mal versucht, sich das vorzustellen. Krebs zu haben und womöglich zu sterben? Ganz echt vielleicht zu sterben? Zum einen. Die Kinder allein zu lassen? Mit einem Vater, der sich nicht kümmert, den es gar nicht gibt, was auch immer? Alleine zu lassen? Ihre Kinder? Zu allem was sonst so ist.

Zu allem was eine Chemotherapie zusätzlich zur Angst noch so mit sich bringt, dazu ist oben schon alles gesagt. Genau so ist es.

Vielleicht ist das eine der Gelegenheiten, wo es darum geht, mitmenschlich/sozial zu sein. Zu verstehen, dass wir in einer Gemeinschaft leben, wo sie in dieser Situation eins wirklich tun können: ihr den Job zu erhalten und sich halt gelegentlich oder auch für eine längere Zeit wöchentlich zu ärgern. So what.

Ja, Sie ärgern sich. Absolut verständlich, dass das nervt. Auch Ihr Leben ist ja nicht gerade ohne Herausforderung. Aber ehrlich. So what. Wenn wir nicht in einer Gesellschaft leben wollen, in der nur mit dem Maß "was bringt es mir oder was bringt es mir nicht" gemessen wird, muss man sich vll. auch manchmal ärgern, etwas in Kauf nehmen. Weil es halt so ist.

Was ist denn das Leben? Nur ständige Selbstoptimierung? Das ist zwar super, aber ist das der Sinne des Lebens, auch des Zusammenlebens mit anderen Menschen?

Und bitte verstehen Sie es nicht falsch. Ich lese Ihren Blog seit Jahren mit großem Vergnügen und großer Sympathie. Und ich bewundere Sie für Ihre Strukturiertheit in allen Dingen wirklich uneingeschränkt. Ohne Ironie.

Sorry, dass ich heute so moralisch werde: ein mir gut bekannter Rechtsanwalt, mit Anfang 40 an Krebs erkrankt, wurde gerade - noch im Krankenhaus - von seinen zwei Sozien besucht - mit einem Aufhebungsvertrag. Sie wüssten ja nicht, ob er noch mal wiederkommt. Sie hätten ja Stress, sie müssten ja seine Fälle mitbearbeiten.... Klar da haben die beiden in der Sache natürlich auch recht. Aber ihm zieht es dermassen den Boden unter den Füssen weg, dass das auch noch wegbricht.

Wer nicht so funktioniert, warum auch immer, dass er in unseren Tagesablauf passt, wird entsorgt.

Puh. Ich will echt nicht besserwisserisch den Zeigefinger heben und ich weiss, dass das da oben so klingt. So meine ich es gar nicht. Besser kann ich es leider nicht formulieren.

Vll. als Kurzfassung: Manchmal ärgert man sich halt. Und hat Gründe, warum man es dennoch akzeptiert.

Liebe Grüße

Die Toni

Frau Brüllen hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Frau Brüllen hat gesagt…

@Toni: okay, ich möchte mich nicht rechtfertigen, weil: muss ich nicht, ich habe nichts falsch gemacht. Ich habe durchaus auch in allernächstem Umfeld mitbekommen, was Leute mit Krebs durchleiden, was Chemo aus Menschen macht, wie es ist, wenn Kinder die Eltern verlieren.
Ganz ehrlich? Wenn das Ganze nicht so einen Hintergrund hätte, hätte ich die Gute längstengs gefeuert und überhaupt kein schlechtes Gewissen dabei.
Unter dem aktuellen Hintergrund geht es mir gar nicht darum, sie zu feuern, das sowieso nicht, oder zu bestrafen oder was weiss ich, mir geht es in dem Fall nur darum, was ich tun kann, um das ganze für mich (weil: ihr kann ich nicht helfen) besser zu regeln (=ich nicht jede Woche eine zusätzliche Stressquelle habe).
Für mich ist es nämlich keine Option, sich über Dinge zu ärgern und das zu akzeptieren. Entweder kann ich es nicht ändern, dann brauche ich mich auch nicht drüber zu ärgern, oder aber (und das ist viel öfter der Fall, als man so glaubt) ich kann was dran ändern und dann sollte ich auch den Hintern hoch kriegen und was dran tun. Und wenn es in meinem Fall jetzt zB nur ist, die Tage von mir aus flexibler zu gestalten und halt Ersatztermine von vornherein einzuplanen, ohne im Quadrat zu springen.


Anonym hat gesagt…

Hmm, das ist echt eine blöde Situation - ich hatte mit meiner alten Putzhilfe eine ähnliche (wenn auch nicht ganz so krasse): Sie hatte von Woche zu Woche mehr Probleme mit ihrer Schulter, konnte teilweise den Arm nicht mehr bewegen. Dementsprechend hat sie hier in der gleichen Zeit weniger gemacht, sich aber immer sehr bemüht. Dazu ist sie auch noch eine Seele von Mensch. Ich war dann irgendwann sehr offen und habe ihr gesagt, dass ich sie unglaublich gerne mag und sie gerne hier arbeiten lasse, aber dass das so doch keine für uns beide gute Lösung ist, schließlich baut ja der "Putzdruck" hier bei uns auch nur weiter Stress für sie auf. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ich mir jemand neues suche (und auch gefunden habe), und wenn es ihr wieder besser geht, dass sie sich meldet und ich sie dann wieder beschäftige. Zur Not eben zusätzlich zu meiner aktuellen Putzhilfe für "Sonderaufgaben" wie Fenster/Terrasse/Balkon putzen, Bügeln oder so. Ich bin da also sehr bei Cata. Weil ganz ehrlich: Ich kann mir vorstellen, dass Deine Putzhilfe auch nicht glücklich damit ist, Dich ständig zu versetzen - vielleicht ist das so auch eine Erleichterung, wenn sie weiß, die Arbeit wird gemacht, und sie kann wieder zurück, wenn es ihr besser geht?

Ach so, was mir jetzt irgendwie nicht ganz klar ist: Weißt Du denn auch von ihr, dass sie an Krebs erkrankt ist oder nur von der Bekannten? Weil so fände ich ein Gespräch noch schwieriger, wenn das nur auf "Ich habe da gehört, dass..." basiert.

Hach, echt blöde so. Aber ich kann Dich so verstehen, mir geht's ganz genauso bei solchen Themen.

LG
Bianka

Malcesine hat gesagt…

Puh ... echt doofe Situation. Erstmal die Frage (nicht falsch verstehen, sondern bitte ganz emotionslos), stimmt das denn wirklich mit dem Krebs. Ich habe schon erlebt, dass mir Bekannte was über den Gesundheitszustand anderer erzählt haben und dann war es am Ende ganz anders ...
Wir hatten auch eine ganz tolle Putzfrau, aber gleiche Situation. Wenn sie da war, alles paletti. Aber sie nutzte unsere Freundlichkeit aus und verschob ständig Termine, sagte manchmal auch gar nicht ab, hatte ständig Probleme mit dem Chef (gleichzeitig Mann) und hat rund um die Uhr geputzt, für uns war dann im Zweifel keine Zeit mehr, weil wir ja so viel Verständnis hatten ...
Am Ende war das für uns nicht mehr tragbar. Wir haben ihr klipp und klar gesagt, dass es nicht an ihr persönlich liegt, aber so geht das nicht.

Ich würde an deiner Stelle mit der Dame reden. Aufrichtig fragen, wie es ihr gesundheitlich geht und ob es evtl. derzeit nicht besser wäre, auch in ihrem Interesse, erstmal zu pausieren. Sie kann jederzeit wieder bei euch anfangen, wenn es ihr besser geht. Du kannst ihre Situation verstehen, aber sie muss auch für dich Verständnis haben. Wer weiß, wie lange sich die Rekonvaleszenz noch hinzieht, womöglich über Jahre ... Du brauchst keinen Stressor und sie auch nicht. Du hast ihr lange genug die Chance gegeben, ob sie Krankheit und Beruf vereinbaren kann, wenn es nicht geht, dann musst du die Konsequenzen ziehen --- ganz ohne schlechtes Gewissen!
Sorry, ich bin kein gefühlloses Monster aber manchmal ist es für alle Beteiligten besser, mal Klartext zu reden. Vielleicht würde sie ja auch gerne erstmal nicht bei euch putzen und traut sich nur nicht, es zu sagen ... Denn Geld bekommt sie doch nur, wenn sie auch da war, oder?!

Frau Brüllen hat gesagt…

@bianka/malcesine: wir haben es erst von der Bekannten, dann in einem lapidaren Nebensatz ("Da und da kann ich nicht, werde operiert wegen Krebs") von der Frau selber. ich glaube ihr das schon, ich will ihr nix böses, ganz oft kommen aber schon Kindersachen (Sportunfall, krankenhaus, kinderarzt, irgendwas) als Begründungen, eher selten, dass sie krank ist. nachdem sie jetzt gerade für heute schon wieder abgesagt hat, weil es ihr schlecht geht, habe ich die Gelegenheit genutzt und gefragt, ob sie die termine bei uns noch extra stressen und ob sie pausieren möchte.... ma sehen.

Ines hat gesagt…

Hallo, ich würde in dem Fall einfach mal um ein Gespräch bitten, reden hilft da am allerbesten. Es findet sich sicherlich eine Lösung bis sie wieder gesund ist. Vieleicht traut sie sich auch nix zu sagen. Ich bin der Meinung auch mit schlimmer Erkrankung kann man seine Termine absagen, ist man da nicht krank geschrieben? Darf sie da überhaupt arbeiten? Alles solche Fragen. Und falls mir jetzt jemand mit Belehrungen kommt, meine Mutter hat auch gerade Chemo und will eigentlich ganz normal behandelt werden. Alles Gute.

Anonym hat gesagt…

Hallo und nur als Möglichkeit und Beispiel, auch wenn die ja immer hinken.
Meine Tochter mit sehr umfangreichem Job an unendlichen Stellen in D und Riesenverantwortung für ca.46 000 Leute eines Großkonzerns hatte eine supertolle Kinderfrau für den jetzt 4-jährigen Sohn, sehr geliebt von allen. Die erkankte letztes Jahr urplötzlich an 12-Fingerdarmkrebs mit OP, jetzt sind Metastasen in der Lunge aufgetaucht. Mehr muss man nicht wissen, trotz allem noch Chemo und wieder Chemo und eben allenfalls stundenweise noch einsetzbar, aber immer dazu bereit, wenn es nur irgend geht, da EUrente 345€, ja, genau, so viel....Und das zur Todesangst als kleine Zugabe.
Meine Tochter brauchte aber unbedingt zuverlässig eine Kinderfrau, siehe oben, täglich für die Stunden außer Kiga...Wir fanden eine, sehr zuverlässig, wunderbar, per betreut.de. Und da meine Tochter meinte und meint, sie kann auf keinen Fall die erste in ihrem Unglück allein lassen, so gibt es eine lockere Übereinkunft:Sie ruft an,wenn sie kann und dadurch hat die andere auch mal einen Tag frei. Außerdem zahlt meine Tochter ihr monatlich 2/3 dessen, was sie sonst bekam, weil sie sonst gleich von der nächsten Brücke springen kann mit all dem Herzeleid.Wenn es also nicht so super eng ist mit dem Geld, was bei Leitungspostionen nicht anzunehmen ist, vielleicht sollte man über eine ähnliche Lösung nachdenken. Bei einmal pro Woche 3-4 Stunden kann das ja so viel nicht sein. Ja, ich weiß, Mutter Theresagedanken..., aber in einem der oberen Posts las ich ähnliches: Es gibt Stellen im Leben, da kann man etwas für jemanden tun, der einem gut tut/tat oder dem man sich irgendwie verbunden fühlt.Vielleicht ergibt sich solch eine Zweipersonenlösung, zumindest eine Zeit lang? Ich drücke die Daumen.Sunni

Anonym hat gesagt…

Wenn wir ganz ehrlich sind: Bei einem "normalen" Anstellungsverhältnis wäre die gute Frau entweder aktuell au geschrieben (wenn sie einen vernünftigen Onkologen hat zumindest) oder vermutlich schon gefeuert.
Und bevor mir hier jetzt was auch immer vorgeworfen wird: Ich arbeite jeden Tag mit Krebspatienten, habe also alles Verständnis der Welt. Aber es gibt schließlich auch immer noch die andere Seite.

Die Lösung, wie Bianca und Malcesine sie vorschlagen, nämlich offen ansprechen, dass es so aktuell für alle Beteiligten keine gute Lösung ist (ich kann mir nicht vorstellen, dass sie leichten Herzens immer wieder Termine absagt) und ihr letztenendes auch eine verlässliche Kraft braucht, ist sicherlich die beste. Ggf. wirklich mit dem Angebot einer Pause und späteren Wiederanstellung bei besserem Befinden. Und das dann auch ganz ohne schlechtes Gewissen, denn dass man Verlässlichkeit und Leistung haben will, wenn man jemanden anstellt, das halte ich für normal und vollkommen okay. Und dann lieber pausieren oder beenden, bevor es sich aufs persönliche Verhältnis auswirkt...
LG,
Barbara

sabigleinchen hat gesagt…

Das ist ganz schlimm was deine Putzfrau da erleben muss. Aber: Euch informieren wäre nicht zu viel verlangt gewesen. Sagen was Sache ist, dass man krank ist, nicht weiss wann und ob man arbeiten kann. Bei einem "richtigen" Arbeitgeber, einer Firma, könnte sie sich leider auch nicht so verhalten.
Ich würde sie zu einem Gespräch einladen und ihr sagen, dass ihr wisst was sie hat. Und dann sagen, dass ihr sehr zurieden mit ihr seid, sie nicht "verlieren" möchtet, aber auch wissen müsst was sie sich zutraut, ob sie jemanden kennt der einspringen kann etc.