Dienstag, Juni 03, 2014

Blut, wenig Schweiss, keine Tränen

Es ist ja jetzt Juni und Juni ist "Bike to Work"-Monat und irgendwie habe ich zugesagt, bei einem unserer beiden Abteilungsteams mitzufahren.*
Wir haben uns also verpflichtet, im Juni mindestens an der Hälfte unserer Arbeitstage mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Ich habe mich als letze Aktion vor meiner re-publica-Reise im Mai kurzerhand angemeldet und jetzt bin ich also dabei. Die Radstrecke von mir daheim zur Arbeit ist echt super, das Ziel auf Hin- und Rückweg durch jeweils weithin sichtbare Hochhäuser gut zu erkennen, ich fahre am Rhein entlang, über den Rhein drüber (und zweimal über EU-Aussengrenzen), durch die Felder und dann noch ein Stückchen durch die Stadt und noch ein kleineres Stückchen übers Werksareal.
Alles in allem sind das einfach 12.34 km (sagt Runtastic Roadbike), morgens schaffe ich es in 36 Minuten von Tür zu Tür (da gehts auch viel bergab), abends gehts ein bisschen länger, weil da gehts bergauf und ich vergesse daheim immer, bei der App auf Stopp zu drücken.
Heute bin ich also zum zweiten Mal gefahren (ich wäre ja nicht ich, wenn ich jetzt sagen würde: "50% der Tage, d.h. ich fahre nur jeden zweiten Tag", ich sage natürlich: "Wer weiss, was ist, vielleicht regnet es Ende Juni voll viel oder mein Rad geht kaputt oder ich werde halb krank, ich fahre jetzt mal jeden Tag, was man hat, hat man und es würde ja auch nicht schaden, wenn ich dann Ende Juni jeden Tag gefahren wäre. Ausserdem ist eines unserer Teammitlieder, ironischerweise wegen Fahrradunfall, erstmal ausser Gefecht gesetzt, wir brauchen also Kilometer.") und bin schon bereit, ein paar Profitipps zu teilen (also: meine Art von Profitipps):
1. Ich habe ja aus meiner Jungend ein Radfahrbekleidungstrauma. Wir haben seinerzeit gefühlte 1000km lange Touren an der Donau und der Altmühl entlang gefahren und dazu wurden auch wir Kinder/Jugendliche mit Profiradlerhosen, Trikots und Handschuhen ausgestattet. Nun ja. Einem pubertierenden Mädchen, das mit seinem Körper und Aussehen eh schon am Hadern ist, kann nicht viel schlimmeres passieren (doch. Der F.K.K-Urlaub mit der Familie), als über Tage hinweg in hautenge, unvorteilhafte (dieser Radlhosenhintern, der vom "Sitzleder" in einen Windelpopo verwandelt wird. "Sitzleder" und "nix drunter, nur Melkfett", das sind ganz grosse Bestandteile dieses Radlkleidungstraumas, das mag zwar vielleicht professionell sein, aber ich finde es eklig und habe es auch damals schon boykottiert) Radlkleidung gesteckt werden. Und deshalb fahre ich jetzt in meiner eigenen Variante von Radlkleidung, nämlich Caprileggins, darüber ein Baumwollrock, Chucks (die werden noch wichtig) und T-Shirt.


Hier noch vom ersten Tag mit Fleecejacke: Anfängerfehler (ergibt Rückenschweiss)

2. Eins meiner Hauptziele ist es beim "Bike to Work", auf dem Hinweg nicht zu schwitzen. Ich habe nämlich keine Lust, auch noch Duschzeug mit- und quer übers Areal zu schleppen, in klatschnass geschwitzen Sachen im Büro anzukommen, dann noch ewig rummachen zu müssen, bis ich präsentabel bin, nein danke.
Auch dafür ist die Kleidung perfekt, weil morgens ist es im Moment, sagen wir mal, noch ordentlich frisch, auf dem Weg zum Rhein runter tränen mir die Augen und wenn ich auf der deutschen Seite angekommen bin, habe ich Gänsehaut und verfärbe mich hellblau. So komme ich definitiv nicht ins Schwitzen.

3. Diese leichte Unterkühlung wiederum ist sehr praktisch, wenn man sich zB mit einem nur mangelhaft gebundenen Chucks-Schnürsenkel in der Kette so verfängt, dass man zwar noch anhalten kann, beim Versuch abzusteigen aber kläglich scheitert und mitsamt dem Rad aus dem Stand auf den Gehweg knallt. Durch die gute Durchkühlung der halbnackten Beine spürt man den Schmerz kaum und erst durch das noch grössere Kühlgefühl durch die nassgeblutete Hose wird man darauf aufmerksam, dass man sich das Knie ordentlich aufgeschlagen hat und lustig vor sich hinblutet. Dummerweise taut man dann im Büro recht schnell auf und dann schmerzt das schon. Aber hey: wir wären ja kein Labor- und Chemiebetrieb, wenn wir keine Verbandskästen hätten.
Hier schon am Abend daheim, ausgeblutet sozusagen.

In diesem Sinne: weiterstrampeln!

*Das kommt davon, wenn man seinen Projektleiterjob im "Wir arbeiten jetzt nur miteinander statt gegeneinander, Schluss mit Silodenken, wir haben uns alle voll lieb"-Projekt ernst nimmt. Man ist ja Vorbild und darf nicht mehr lästern, muss voll sozial jetzt auch noch sportlich sein.