Mittwoch, August 24, 2005

Der Tag, an dem wir aufhörten, “nur“ ein Paar zu sein....

So, das folgende ist, wie Ute seinerzeit so schön sagte, „mainly for myself“, d.h. wer keine expliziten Details lesen mag und weiterhin dran glauben möchte, dass kleine Kinder vom Storch gebracht werden, sollte hier besser aufhören.

Kurz zum Resümieren: ich hatte insgesamt ja ungefähr drei verschiedene Entbindungstermine: den 9. August (anhand Ultraschall, dieser Termin war auch der „offizielle“, mit dem meine Ärztin rechnete), den 11. August (anhand Drehscheibe der Ärztin) und den 16. August (da wir dank Persona ja genau wissen, wann Little Q. gezeugt wurde, ergeben die berühmten 40 Wochen diesen Termin). Insofern war ich am 15. August, als es denn ernst wurde, „offiziell“ ET +6, nach unserer eigenen Rechnung just in time....
Am Morgen zuvor hatte ich den Schleimpfropf verloren (ja, das sieht so gruslig aus, wie es klingt...), deswegen bin ich relativ zuversichtlich zu meinem CTG-Termin am Montag morgen gedackelt. Ich hatte ja auch den Eindruck gehabt, in der Nacht schon relativ schmerzhafte Wehen gehabt zu haben (wenn ich gewusst hätte.....). Auf dem CTG hat man dann natürlich wie immer keine einzige Wehe gesehen, allerdings meinte meine Ärztin, dass wir wohl auf die geplante Einleitung am Donnerstag verzichten könnten.
Im Nachhinein ziemlich cool ist ihr Vorschlag, doch noch gemütlich shoppen oder am abend ins Kino zu gehen (naja, eine Kindervorstellung um zwei hätte ich wohl noch bis zu Ende sehen können).
So bin ich also guter Dinge die drei Stockwerke nach unten getrappelt, als auf einmal ein bisschen Flüssigkeit aus mir herausschwappte. Tja, unter einem Blasensprung habe ich mir immer etwas Filmreifes vorgestellt (erinnert sich jemand an NipTuck:“Hey Arschloch, meine Fruchtblase ist geplatzt“, wo sie pitschnass bis zu den Knien ist?). Dementsprechend bin ich also brav nach Hause spaziert, habe so vor mich hin getröpfelt, zu Hause noch Wäsche gewaschen, Mittagsschlaf gemacht, hier verkündet, dass es „ganz langsam vorangehen würde“.... Als das Tröpfeln immer mehr wurde und auch nun wirklich beim besten Willen einfach nur noch flüssig war, habe ich um drei meine Ärztin noch einmal angerufen, die mich dann prompt herbestellt hat.
Ich habe bis zum Ende ja nicht geglaubt, dass es nun wirklich losgehen würde, bis sie bestätigen konnte:“Blasensprung, ab ins Krankenhaus“. Mein Hübscher, den ich am Morgen ja supernervös zur Arbeit geschickt habe, wurde also alarmiert und ich habe mir für den Heimweg zum ersten Mal an diesem Tag eine Tram gegönnt.
Zu Hause habe ich dann meinen Krankenhauskoffer gecheckt (im Nachhinein war das meiste zwar gut gemeint, aber doch recht nutzlos), die Katze gefüttert, mich wieder mal über den 7. Sinn meiner Mutter gewundert, die ca. 10 Sekunden vor unserem geplanten Aufbruch angerufen hat, der Hübsche hat noch schnell die Coldplay-CD eingesteckt, die ich ihm vor ein paar Tagen geschenkt hatte (ja, wir haben drauf gehört, was wir auf der Besichtigungstour gelernt haben, obwohl ich mir in dem Moment gar nicht vorstellen konnte, wann ich wohl die Nerven auf Musik haben würde)...tja, und dann ging’s los.
Wir Helden haben es ja tatsächlich geschafft, uns trotz vorherigen Übens und einer Weglänge von 1.3 km zum Krankenhaus zu verfahren..... Gottseidank tat mir immer noch nichts weh, so dass wir superguter Dinge waren, als wir um kurz nach vier im Frauenspital ankamen.
Little Q. hat sich einen hochdramatischen Tag dort ausgesucht (ca. 4 Geburten gleichzeitig und 12 gynäkologische Notfälle, während wir da waren), so dass wir uns glücklich schätzen konnten, als so ziemlich die letzten an diesem Tag noch ein Zimmer zu bekommen.
Das erste CTG (und für lange Zeit erst auch mal das letzte) zeigte, wie könnte es auch anders sein, keine einzige Wehe, obwohl ich den Eindruck hatte, dass es schon ganz schön zieht.
So gegen viertel vor sechs wurden wir in ein Aufnahmezimmer verlegt, d.h. ein Zimmer mit Bett, CTG und einem Stuhl. Da haben wir dann alles in allem die nächsten 5 bis 6 Stundenmehr oder weniger auf uns selbst gestellt verbracht, auf dem Gang rasten immer wieder notfallmässig Leute vorbei und ich bekam erst Abendessen (ich hasse Thunfischsalat....) und dann Wehen. Alles in allem keine gute Combo, so dass es nur gut war, dass ich dem Hübschen die Hälfte des Essens abgegeben hatte, da mein Teil nach gefühlten 10 Minuten den Rückweg nach oben antrat. Mit Wehen zunächst alle fünf Minuten, mit fiesem Dünnpfiff andauernd aufs Klo zwei Türen weiter Rasen und ab und zu mal wieder Spucken war ich eigentlich gut beschäftigt.
Mit der Zeit revoltierte mein Magen schon nach Traubenzucker und Wasser, so dass sich eine Hebamme erbarmte und mir eine Kochsalzinfusion anhängte (leider hat sie mir dabei meine linke Armvene so zerstochen, dass mein Arm heute, eine Woche später, immer noch von einem riesigen blauen Fleck geziert wird). Perverserweise fand ich die Schmerzen beim Stechen fast angenehm, hatte ich doch während dieser Zeit keine Wehen.
Ein Wort noch zu den Schmerzen: ich hatte ja bis zum Ende kein bisschen Angst vor der Geburt und war dann doch überrascht bis überwältigt davon, wie weh Wehen tun. Mein Hübscher hat es gut auf den Punkt gebracht:“Was hast du denn gedacht, dass die anderen Frauen alles Weicheier sind?“ Naja, ich muss gestehen, das habe ich wohl, gehofft zumindestens. Leider ist das nicht so und so wurde es mit der Zeit richtig hart. Während der Wehen konnte ich nicht sitzen oder liegen bleiben, bin also zunächst noch rumgewandert, dann irgendwann habe ich mich nur noch an meinen Hübschen drangehängt und gegen Ende bin ich nur noch halb aufgestanden, um mich am unteren Bettende festzuhalten. Das berühmte Atmen habe ich zwar tapfer versucht, ob es wirklich was geholfen hat, weiss ich nicht. Vielleicht wäre es ja ohne Atmen (natürlich nicht ganz ohne ;-)) noch schlimmer gewesen. Es war einfach unglaublich anstrengend, und so bin ich in den Wehenpausen (waren ja nicht lang, wenn man rechnet, dass alle zwei Minuten eine Wehe kommt, die ca. 1 Minute dauert.....) auf dem Bett sitzend mehrfach eingeschlafen, während der Hübsche im Halbschlaf auf seinem Stuhl hing, immer wieder meinen Rücken massierte und „immer schön atmen“ murmelte...
Während unserer Wartezeit wurde in einem benachbarten Gebärsaal ein Kind zur Welt gebracht und irgendjemand hatte vergessen, die Vorhänge zuzuziehen. So kamen wir beide in den Genuss einer Vorschau, wie so etwas ohne PDA aussieht bzw. sich anhört..... Trotz der beängstigend lauten Schreie fand ich es echt süss, wie mein Hübscher am Fenster stand und für mich alles kommentierte:“Oh, wow, da kann man ja reinschauen. Uhh, ich glaube, da kommt gleich ein Baby......wow, tatsächlich! Jetzt ist es draussen! Und jetzt hat sie es auf dem Bauch..... okay, der Vater hat die Nabelschnur durchgeschnitten, jetzt sind sie wohl gleich fertig“.
Wofür ich ihm echt unglaublich dankbar bin, ist, dass er meinen Respekt vor der Schwesternklingel für mich überwunden hat (mich kann man anscheinend in einen Raum stecken, sagen, man käme gleich wieder und ich würde ohne auch nur ans Klingeln zu denken vor mich hin leiden, bis....naja, vermutlich das Kind da ist). Irgendwie hat er es also gegen halb zehn geschafft, eine Hebamme zur Untersuchung organisieren. Der Muttermund war mittlerweile auf 3-4 cm geöffnet, d.h. es ging immerhin etwas vorwärts, von Gebärmutterhals noch 1 cm lang um fünf Uhr nachmittags. Da ich der Meinung war, die Schmerzen nun nicht mehr ungedämpft auszuhalten, bestellte ich, wie im Geburtsvorbereitungkurs gelernt, Buscopan, das mir auch versprochen wurde
Gegen halb elf endlich erschien die Hebamme (wieder herbeigeklingelt vom Hübschen) mit den beiden Zäpfchen. Ich hatte einerseits im Hinterkopf, dass die Zäpfchen die Schmerzspitzen etwas dämpfen sollten, was mir ja nur willkommen war, allerdings auch, dass es im Schnitt ca 1 Stunde dauern würde vom Satz „Ich hätte gerne eine PDA“ bis zur Schmerzfreiheit. Da mir in dem Moment schon klar war, dass ich das Ganze ohne PDA nicht durchstehen würde, habe ich also noch gefragt, wie lange die Zäpfchen denn bis zum Wirken brauchen würden, um ihnen wenigstens eine Chance zu geben. Zur Ehrenrettung des Buscopans muss ich sagen, dass es tatsächlich die Intensität der Schmerzen etwas gedämpft hat, allerdings war mir das in dem Moment nicht mehr genug.
Ich werde nie vergessen, wie ich (ohne Brille, dementsprechend blind) versucht habe, auf der kleinen Digitaluhr die Zeit abzulesen, bis ich guten Gewissens wieder klingeln könnte, um endgültig die PDA zu bestellen. Um zwanzig nach elf war es dann soweit, Schichtwechsel bei den Hebammen. Die schöne Überraschung war, dass die Hebamme, bei der ich auch im Vorbereitungskurs war, Dienst hatte. Ich hatte mittlerweile allerdings solche Schmerzen, dass ich mir nicht mal sicher bin, ob ich noch hallo gesagt habe oder ohne Begrüssung nach der PDA verlangt habe. Mir wurde also zugesichert, dass der nächste freiwerdende Gebärsaal meiner werden würde.
In der Zwischenzeit wurden mir mal wieder CTG-Gurte angelegt. Oh Wunder, jetzt wusste ich endlich auch, wie Wehen auf einem CTG aussehen! Das „Vergnügen“ war allerdings ein kurzes, denn sehr bald wurde ich mit meinem Bett in den Gebärsaal gefahren. Während der Fahrt hörte ich noch, wie die Hebamme (Französin) „une peridurale pour salle deux“ bestellte, in demselben Ton, in dem unsereiner vielleicht ein BigMac-Sparmenü bestellt....
Der Gebärsaal, in dem wir dann gelandet sind, hatte an Gimmicks das ominöse Romarad, von dem ich immer noch nicht weiss, wie es funktioniert, und leider keine Badewanne, wobei ich mir zu dieser Zeit eh nicht mehr vorstellen hätte können, nass zu sein.
Ich wurde also in einen schicken hinten offenen Kittel gesteckt und musste nur noch auf den Anästhesisten warten. Während dieser Zeit stellte sich (dummerweise bei meiner dringenden Bitte, das Bett doch in der Höhe zu verstellen) heraus, dass die Praktikantin, die die Hebamme bei uns gelassen hatte, nur Französisch spricht und kein Wort deutsch. Mein Hübscher behauptet ja immer noch, ich hätte mit einem genervten „Och nöööö“ reagiert, was ich mir eigentlich gar nicht vorstellen kann ;-).
Die Anästhesistin, die Gottseidank sehr bald kam, hatte ein Einsehen und fing sofort mit den Vorbereitungen für die PDA an, ohne mir erst noch lang die offiziellen Belehrungen, Einverständniserklärungen etc. vorzulegen. Ich bekam also ein wehenhemmendes Mittel gespritzt, da ich mich ja während der Wehen nicht still halten konnte. Dummerweise kam während der Vorbereitungen ein dringender Anruf und der Wehenhemmer war anscheinend recht knapp kalkuliert, so dass ich in der kritischen Phase (= Reinfummeln des Drahtes/Schlauchs) dann doch was von den Wehen spürte. Ganz brav habe ich mich mit allerletzter Kraft aber doch still halten können, so dass das Ding an Ort und Stelle gebracht werden konnte. Die örtliche Betäubung hat nicht sonderlich weh getan (ganz besonders nicht im Vergleich zum Wehenschmerz), danach kam ein komisches Druckgefühl, als der Schlauch eingeführt wurde (ich hatte noch eine ganz seltsame elektrische Geschichte im Bein, das seltsam gezuckt hat, das war aber wohl nicht schlimm). Als Test, ob die PDA richtig sitzt, wurde dann eine Dosis Lidocain (mir als ER-Fan natürlich wohlbekannt ;-) ) gespritzt. Auf die Frage, ob ich denn nun einen komischen Geschmack im Mund hätte, konnte ich nur bedingt mit nein antworten, aber was will man auch erwarten, nach einem halben grusligen Abendessen, ein paar Milky Ways und 3, 4 mal Spucken?
Die Schmerzen wurden sehr schnell erträglich, allerdings hätte ich nie damit gerechnet, dass das richtige Schmerzmittel sie so vollständig ausschalten würde. Dieses Erlösungsgefühl werde ich so schnell nicht vergessen. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass da Fentanyl gespritzt wird, mir bisher nur bekannt als Pflaster, die der Vater meines Hübschen als mehr oder weniger letzte Erleichterung bekommen hat, und natürlich vom unvergesslichen Kommentar von Schwester Nummer drei, der angehenden Tierärztin:“ Ach ja, das kriegt jedes Karnickel vor dem Kastrieren“. So kam ich also in den Genuss meines ersten (und hoffentlich einzigen) Opiats, gerade für mich als Fan der Naturstoffchemie ein ganz spezielles Erlebnis ;-).
Nach dem Erledigen des offiziellen Papierkrams begann für meinen Hübschen und mich so gegen viertel nach zwölf der gemütliche Teil der Geburt: der Raum wurde abgedunkelt, nur noch erleuchtet durch eine raumhohe Wolkenfotographie, wir kamen endlich dazu, die Coldplay-CD einzulegen (das hatte zur Folge, dass dieses Album für uns nun auf immer mit der Geburt unseres Sohnes verbunden bleiben wird und wir tatsächlich beim Anhören jederzeit vor Rührung, Erinnerung, Freude etc. in Tränen ausbrechen können; ausserdem schläft Little Q. dazu richtig gut ;-)) und mein Hübscher konnte es sich auf der gepolsterten Fensterbank ein bisschen gemütlich machen. Nach einer weiteren Untersuchung meinte die Hebamme zwar, er bräuchte es sich gar nicht zu gemütlich machen, da der Muttermund schon 8 cm offen sei und es wohl nicht mehr allzu lange dauern würde, bis unser Baby da wäre. Sie wusste natürlich nicht, dass für meinen Hübschen wahlweise 2 Minuten Autofahrt oder 5 Minuten Bus oder Bahn zum Erreichen des Tiefschlafs reichen ;-).
Wir waren sogar so entspannt, dass wir der französischen Praktikantin auf Französisch (ja, der Hübsche hat mit unserem Kurs geprotzt) erklären konnten, was bisher so alles passiert war. Naja, sie hat auf jeden Fall so getan, als ob sie verstanden hätte ;-).
Es dauerte dann noch ziemlich genau zwei Coldplay-Längen, bis der Muttermund ganz offen war. Trotz PDA gingen die Wehen munter weiter, zur Beschleunigung bekam ich trotzdem einen Wehentropf angehängt, ich habe allerdings bis auf ein Hartwerden des Bauches nichts mehr gespürt. (Nicht ganz richtig: während einer PDA wird automatisch alle 10 Minuten der Blutdruck überprüft. Die Manschette wurde an meinem zugangsfreien Arm befestigt. Den hatte jedoch die Hebamme am Abend auf der Suche nach einer Vene ziemlich zerstochen. Alle 10 Minuten wurde er also nun zusammengedrückt und die zerstochene Stelle tat einerseits weh, andererseits habe ich als Andenken einen fiesen blauen Fleck bekommen, der mittlerweile um den ganzen Unterarm herumgeht und mich wie einen Junkie aussehen lässt).
Da die Herztöne von Little Q. mit der Zeit während der Wehen deutlich langsamer wurden und er sich auch zwischendrin nicht unbedingt wieder sofort erholte, wurde dann so gegen drei der Wehentropf voll aufgedreht und es ging in die Schlussphase: da ich genau an dem Tag, als es ums Pressen ging, im Geburtsvorbereitungskurs gefehlt habe, bekam ich noch eine kurze Anweisung und dann ging es auch schon los.
Ich spürte nun ziemlich gut, wann eine Wehe kam und so presste ich pro Wehe so 2-3 mal mit voller Kraft. Unterstützt wurde ich dabei von der Hebamme auf der einen Seite und meinem Hübschen auf der anderen Seite. Obwohl die anfeuernden Worte vermutlich dieselben waren, wie in jedem schnulzigen Film, waren sie in dem Fall doch eben nur für mich bestimmt und genau wie das Luftanhalten und Mitdrücken meines Hübschen haben sie mir letztendlich geholfen, unseren Little Q. nach draussen zu befördern. Dank der PDA konnte ich mich wirklich auf den anstrengenden Teil konzentrieren und musste mir sozusagen nicht selbst durch das Pressen Schmerzen zufügen.
Ein Wort noch zum Thema Scham etc.: ich hatte mir ja im Voraus weiss Gott was für Gedanken gemacht, wie das wohl sein würde, total entblösst vor wildfremden Leuten zu liegen, die einem an, in und um die intimsten Körperteile rumfingern etc.. Nicht, dass man im Laufe einer Schwangerschaft nicht daran gewöhnt wäre, bei jeder sich bietenden Gelegenheit „mal kurz untersucht“ zu werden, aber trotzdem hat es mir in dem Fall sehr geholfen, dass ich sowieso nicht genau gespürt habe, wer da was mit mir gemacht hat.
Im Nachhinein können wir beide uns nicht mehr genau daran erinnern, wie viele Presswehen es dann tatsächlich waren, ich schätze mal so ca. 10. Little Q. hat diese Wehen deutlich besser verkraftet als die zuvor. Relativ bald durfte der Hübsche dann mal einen Blick in die „Höhle des Löwen“ (hach, tolles Wortspiel bei einem Augustbaby) werfen und war sehr überrascht, den Kopf des Kleinen schon so nah vor dem Ausgang zu sehen.
Irgendwann spürte dann auch ich, dass sich da was Neues tat. Ich durfte dann mal hinfassen und spürte ganz weich einen Teil des Kopfes von Little Q. schon draussen. Zu diesem Zeitpunkt meinte die Hebamme dann, dass evtl. der Damm doch nicht genug Platz bieten würde und holte schon die Schere vom Instrumententisch. Da ich ja einen Superhorror vor einem Dammschnitt (und dem Geräusch, den das wohl machen würde) hatte, habe ich mal lieber die Augen bei den folgenden Wehen zugemacht. Gottseidank kam ich dann aber doch drumrum.
Mulmig wurde mir dann doch noch einmal, als es hiess: “Das dauert jetzt aber arg lang, wenn es nicht bald vorwärts geht, müssen wir doch nachhelfen, um den Kleinen nicht zu sehr anzustrengen“. Da ich unbedingt auf eine Saugglocken-/Zangengeburt verzichten wollte, legte ich mich noch mal richtig ins Zeug und wurde auch bald belohnt. Die Anweisungen der Hebamme wurden detaillierter und auf einmal war der Kopf draussen. Es war so ein seltsames Gefühl, da auf einmal zu spüren, wie sich da halb drinnen, halb draussen ein neuer Mensch bewegt..... Der Hübsche hat übrigens sofort Entwarnung gegeben: “Alles okay, er hat Haare“...
Mit der nächsten Wehe kamen dann zunächst die Schultern, dann der erste Schrei und dann um 4:02h der ganze Little Q.
Sobald ich das nasse, klebrige, warme Bündel in einem Handtuch auf der Brust hatte, war mir klar, dass alle Bedenken, die ich in den letzten Tagen der Schwangerschaft hatte (wie zum Beispiel: was mache ich, wenn mein Kind total komisch aussieht?), total gegenstandslos waren: wir haben das hübscheste Baby der Welt! Die ersten Blicke aus diesen dunklen erstaunten Augen werde ich nie vergessen. Auch nicht, dass der Greifreflex Little Q. neben Papas Finger auch sehr schnell zu Mamas Infusion führte und er mir erst mal die Zufuhr zumindest an Flüssigkeit unterbrach ;-).
Mein Hübscher war so gerührt, dass er beim Abnabeln gar nicht genau schauen konnte (die Hebamme kann froh sein, dass er ihr nicht den Finger abgeschnitten hat, er war nämlich sehr verwundert, wie wenig Platz man zum Zielen mit der Schere bekam.
Für die Nachgeburt bekam ich dann noch Oxytocin gespritzt, und damit ging das ganz problemlos. Mein Hübscher hat kurz hingeschaut und mich dann Gottseidank erfolgreich davon ab abgehalten, das Ding anzuschauen, muss ja nicht sein.
Ein bisschen makaber ist, dass wir auf den ersten Videoaufnahmen von unserem Kleinen entweder (wir sind uns da nicht ganz einig) die Geräusche, die die Ärztin beim Nähen meines Minivaginalrisses (tat danach praktisch überhaupt nicht weh) machte oder die von der Untersuchung der Plazenta (incl. Aufreissen dieser Haut aussen rum) haben... naja, muss man ja niemandem sagen.
Während die beiden Damen also mit meinem Unterleib beschäftigt waren, hatten wir Zeit, unseren kleinen Engel zu begutachten. Er hat richtig lange hellbraune Haare, die ihm schon über die Ohren und den Kragen hängen (ich darf ihn nicht mehr „Günther Netzer“ nennen), einen süssen Knutschmund, den er ganz klein und spitz machen kann und ganz weiche knuddlige Ohren (er schläft übrigens wie ich auf abgeknickten Ohren).
Relativ bald wurde er dann auch an meine Brust gelegt und hat das Saugen erstmal gar nicht so schlecht gemacht (das kleine Stilldebakel, das mittlerweile aber auch Geschichte ist, begann erst am nächsten Tag).
Gegen fünf wurde der kleine Mann dann gewogen, gemessen, (4120g, 52 cm, 36.5 cm Kopfumfang) abgetrocknet und dem Papa zum Anziehen überreicht. Nachdem er ihn mühsam in einen Body gefummelt hatte, wollte er ihn stolz wie Bolle wieder zu mir bringen, musste sich allerdings noch belehren lassen, dass zu einem vollständig bekleideten Kind auch ein Strampler gehört ;-).
Währenddessen wurde ich auch wieder ein bisschen aufgemöbelt, d.h. ich wurde von den meisten Kabeln und Schläuchen befreit (der PDA-Schlauch war so gut festgeklebt, dass ich trotz täglicher Duschen noch zwei Tage später das Nachthemd am Rücken kleben hatte), ein bisschen abgewaschen, meine Socken entsorgt und ich durfte in ein richtiges Bett umziehen.
Die Hebamme meinte dann noch, dass eine andere Frau aus dem Geburtsvorbereitungskurs auch hier wäre, allerdings noch mehr oder weniger am Anfang der Geburt (im Nachhinein zeigte sich, dass es bei ihr noch ganze 19 Stunden dauern sollte) und ob sie uns besuchen könne. Mein Hübscher hat sie also geholt, wir haben unseren Little Q. das erste Mal vorgestellt und nachdem mein Hübscher sich gegen kurz nach sechs auf den Heimweg machte, um noch ein bisschen zu schlafen, haben wir noch gemütlich zusammen Tee getrunken, bis ich auf die Mutter-Kind-Station umzog.

Tja, das war jetzt eine unglaublich ausführliche Schilderung, aber wie gesagt: mainly for myself, d.h es war halt ein langer Tag und meiner Meinung nach mehr als wert, in jedem Detail in Erinnerung behalten zu werden.

Abschliessend bleibt mir zu sagen, dass ich unglaublich dankbar bin, die Geburt von Little Q. auf diese für mich einfach perfekte Art erleben zu dürfen und dieses Erlebnis mit dem Menschen zu teilen, dem ich dieses Glück erstens überhaupt verdanke und ohne den ich diesen Tag sicher nicht so überstanden hätte. Danke, Hübscher, du bist der beste Ehemann und Vater der Welt für mich und Little Q.!

Kommentare:

Katrin hat gesagt…

Hallo,

das war ein SUPERKLASSE Bericht, echt ganz toll !!!

Ich wünsche euch alles alles Liebe und gute mit Little Q.

Liebe Grüße,
Katrin

janusch hat gesagt…

ein wunderbarer bericht!
ein wunderbares baby!
alles gute euch dreien!

Anonym hat gesagt…

Hallo,

wow, was für ein toller Bericht!
Und sooo ein süßes Baby!

LG, Claudia

Anonym hat gesagt…

ein wunderschöner Bericht, der mich gerade eine Träne hat verdrücken lassen ;-)

Geniesst die erste Zeit zu dritt.

Liebe Grüße
Daniela

Anonym hat gesagt…

HejKarin
welcome back :-)
und danke für den Bericht . echt klasse geschrieben ...

Lg
Bine

Tina977 hat gesagt…

Super! Bin gespannt wie es bei uns MAL wird!!! Bin aber nicht schwanger. Aber wer weiß......das richtige Alter hätte ich bereits......aber ein wenig Angst habe ich nach dem Bericht schon. Ist echt kein Zuckeschlecken. Viel Glück euch 3!!!!

Anonym hat gesagt…

Wirklich ein toller Bericht...

Auch ich wünsche Euch alles alles Liebe und Gute und eine schöne Eingewöhnungszeit!

Liebe Grüße
Martina (der beim Lesen doch die ein oder andere Erinnerung und auch ein Tränchen gekommen sind)

Sorella hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch nochmal zu Eurem Kleinen. Der Bericht ist klasse geschrieben, man hat richtig mitgefiebert und herzlich lachen konnte ich auch :-)
Wünsche Euch eine schöne Eingwöhnungszeit und viel Spaß mit Eurem Baby!
LG
Birgit

Bianka hat gesagt…

Hallo Karin,

das ist ein wunderschöner Bericht - und Euer Kleiner ist ja ein ganz schön "strammes Kerlchen" ;-). Ich gratuliere noch mal gaaaanz herzlich und wünsche Euch dreien eine tolle Eingewöhnungszeit. Genießt die Zeit zu dritt!

Ganz lieben Gruß,
Bianka

Susanne ( Bueromaus) hat gesagt…

Hallo liebe Karin,
willkommen im Kreis der *ich-habe-es-auch-erlebt-und-ein-Baby-bekommen*. Alles Liebe für euch 3 und viel Glück für die Zukunft.

Denke, es ist ein besonderes Ereignis ein Baby auf die Welt zu bringen und du wirst mir nun auch zustimmen: Frau und Mann müssen es erleben. Was andere Eltern erzählen, kann nur in Ansätzen von dem sein, was man dabei erlebt und fühlt.

Auch wenn die Schmerzen vom Feinsten sind, wir haben unsere Söhne auf die Welt gebracht. Ein Wunderwerk der Natur.

Habt eine wunderschöne Zeit zusammen.
Liebe Grüsse aus Westfalen,
Susanne

creatific hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch und danke für den tollen Bericht, ich mußte auch mal kräftig schmunzeln (bei der "Big Mäc Bestellung" auf französisch!) - herrlich! Es war sehr ergreifend zu lesen wie Little Q es auf die Welt geschafft hat. Alles Gute für eure kleine hübsche Familie! Alles Liebe, Silvia

Aloni hat gesagt…

Wow, was für ein Bericht!!!

Lieben Dank dafür, daß wir ihn lesen dürfen und alles Gute für die kleine Familie!!

LG, Ilona

P.S.: Ihr habt wirklich einen ganz besonders hübschen Sohn!

heupferd hat gesagt…

wahnsinn - es reisst mich zwischen gänsehaut und tränen hin und her! super habt ihr das gemacht!!! welcome little q.!
wüsste nur allzugern wie er nun wirklich heißt!

Das kleine Brüllen hat gesagt…

@Heupferd: Quentin, steht bei dem ersten Foto. Wie geht's euch denn so? Ist ja auch nicht mehr lang, oder? Ich weiss, ich habe diese Fragen auch gehasst :-)....
LG
Karin

heupferd hat gesagt…

das ist ja ein süsser name - hab ich nur total überlesen!!!!! habe den namen aber schon vermutet, soviele q.-namen gibts ja nicht ;-)

bei uns wirds langsam immer enger...E.T. ist zwei wochen grösser als er sein müsste und die hebamme meinte am samstag, dass wir noch maximal 1-2wochen (anstatt 4) zeit hätten. mir solls recht sein-meine gastfreundschaft in meinem bauch entdeckt seine grenzen...aber das brauch ich dir ja nicht zu erzählen! ausserdem bin ich ein bisserl enttäuscht: habe in drei wochen vier kilo zugenommen ohne zu sündigen oder unmengen zu essen - das wasser staut sich in füssen und händen, so dass ich nur mehr meine wanderschuhe anziehen kann & den ehering ablegen musste- und nun meldet sich in wien der sommer zurück-bravo!

aber für mich ist es ein lichtblick jeden tag nun wieder deinen weblog zu lesen und mich auf E.T. extern zu freuen!!!! ...mit quark, pipi im gesicht & bademantel, dem babyschreien und den zwischenbeziehugnstechnischen erfahrungen zwischen baby&katze!

alles gute euch 3en bzw 5en (inkl den 2? katzen)
bab
caro