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Dienstag, Mai 03, 2016

Telefonscherz?

Gestern abend klingelt das Festnetztelefon, es ist eine deutsche Nummer. Eine junge Frau mit perfekt hochdeutscher Aussprache ist dran.
Junge Frau: "Schönen guten Abend, ich rufe im Auftrag der Stadt an, wir machen eine kurze Telefonumfrage zum Einkaufsverhalten unserer Bürger. Haben Sie zwei Minuten?"
Frau Brüllen: "Äh. Welche Stadt denn?"
JF: "Na, Rheinfelden* natürlich."
FB: "Ja. Also. Wir wohnen aber gar nicht in Rheinfelden."
JF: "Oh, dann entschuldigen Sie die Störung, schönen Abend noch."

Nach dem Anruf war ich etwas perplex, ich dachte mir: die muss doch gemerkt haben, dass sie in der Schweiz anruft. Zum Beispiel bei der 0041-Vorwahl. Komisch.

Eine Stunde später, ich bringe grade Little L. ins Bett, klingelt das Telefon wieder. Das habe ich ja immer noch gefressen ohne Ende. Auch wenn die Einschlafdramen hier vorbei sind, ich finde trotzdem, dass sich jeder hier einen Anruf zwischen halb acht und halb neun verkneifen kann. Entweder bin ich grad dabei, zu rotieren und die Kinder durchs Bad ins Bett zu schleusen und das Tageschaos aufzuräumen, oder jemand schläft gerade ein, ich möchte auf gar keinen Fall mit irgendjemandem sprechen. Gut, das konnte die neue junge Frau mit der deutschen Vorwahl ja nicht wissen.

Junge Frau: "Schönen guten Abend, ich rufe im Auftrag der Stadt Rheinfelden an, wir machen eine kurze Telefonumfrage zum Einkaufsverhalten unserer Bürger."
FB: "Wir haben doch grad vorher telefoniert?!"
JF: "Nein, das war dann wohl meine Kollegin. Also. Es wurde festgestellt, dass immer mehr Bürger aus der Region.."
FB: "Moment. Ich habe Ihrer Kollegin vorher gesagt, dass ich gar nicht in Rheinfelden wohne."
JF: "Ja, das macht nichts. Es geht auch schnell. Also. Es wurde festgestellt..."
FB: "Moment. Ich habe ehrlich gesagt weder Zeit noch Lust auf eine Telefonumfrage."
JF: "Es geht auch nur eine Minute."
FB: "Grad vorher hiess es schon zwei Minuten und ich mag überhaupt nicht, weder eine noch zwei, noch jemals. Könnten Sie das bitte so aufschreiben und hier nie wieder anrufen?"
JF: "Aber es geht doch ganz .."
 Und dann habe ich aufgelegt.

Heute beim Abendessen machen läutete das Telefon schon wieder, deutsche Nummer, junge Frau dran:
JF: "Schönen guten Abend, ich rufe im Auftrag der Stadt Rheinfelden an, wir machen eine kurze Telefonumfrage zum Einkaufsverhalten unserer Bürger."
FB: "Ja. Also. Ich habe gestern schon mit zwei Ihrer Kolleginnen gesprochen. Erstens: ich wohne nicht in Rheinfelden. Zweitens: ich wohne in der Schweiz. Drittens: ich habe keine Lust auf eine Telefonumfrage, auch nicht für eine Minute. Ich habe Ihrer Kollegin gestern gesagt, sie soll aufschreiben, dass hier nienienie mehr jemand von Ihnen anruft."
JF: "Ah, hier steht nichts."
FB: "Ja, schade. Dann schreiben Sie das doch jetzt bitte auf."
JF: "Okay, mache ich, entschuldigen Sie die Störung. Aber eine Sache hätte ich noch: wir rufen im Auftrag des Schweizer Rheinfelden an."
FB: "Okay, das erklärt immerhin, warum Sie sich bei der Ländervorwahl nicht wundern. Aber ich mag trotzdem nicht. SCHREIBEN SIE AUF: FRAU BRÜLLEN WILL KEINE UMFRAGE MACHEN!!!"

10 Minuten später: Telefon läutet, deutsche Nummer, junge Frau auf Hochdeutsch:
JF: "Schönen guten Abend, ich rufe im Auftrag der Stadt Rheinfelden in der Schweiz an, wir machen eine kurze Telefonumfrage zum Einkaufsverhalten unserer Bürger. Wir haben festgestellt, dass immer mehr Bürger der Region...
FB: "Moment. Ganz ehrlich, ich glaube langsam, Sie veräppeln mich. Sie sind jetzt die vierte, die mich mit dieser blöden Umfrage anruft. Ich habe von vornherein gesagt, dass ich nicht möchte und langsam finde ich das wirklich eine Unverschämtheit. Ich weiss, auch wenn Ihre Stimme genauso klingt, wie die der letzten drei, sind Sie vermutlich eine eigenständige Person und können nichts dafür, dass Ihre Kolleginnen das nicht aufgeschrieben haben, aber mir langts jetzt einfach."



Ich bin jetzt sehr gespannt, ob noch ein Anruf kommt, dann würde ich mir, glaube ich, mal den/die Vorgesetzte(n) geben lassen oder aber fragen, warum die Stadt Rheinfelden, die damit zu kämpfen hat, dass alle im deutschen Rheinfelden, die nur über den Rhein ist, und wo alles ungefähr 50% günstiger ist, einkaufen gehen, nun ein deutsches Callcenter/Meinungsumfragedings beauftragt, um rauszufinden, woran das liegt.
Oder aber, ob sich da einfach eine (die Stimmen klangen sehr gleich) junge Dame einfach einen Spass macht (immerhin hat sie alle meine Rückfragen beim nächsten Anruf in den ersten Satz mit eingebaut).

Und ja. Natürlich hätte ich ihr/ihnen längst Rede und Antwort stehen können und sagen, dass man in Rheinfelden /CH nicht gescheit parken kann, dass es nur überteuerte Chichi-Geschäfte oder altmodische Oberbekleidungsläden gibt, dass es keine Bäckerei/Cafe/Eisdiele in der Stadt gibt und dass eben 100 m weiter all das für einen Bruchteil des Geldes zu haben ist. Aber jetzt gehts ums Prinzip.

Es bleibt spannend. Mittelspannend.


*Achtung: Jetzt braucht es ein bisschen Erdkunde: wie Sie hier sehen, gibt es zwei Rheinfelden. Direkt nebeneinander, eines in der Schweiz (unten), eins in Deuschland (oben). Wir wohnen in keinem von beiden.

8 Kommentare:

  1. Ganz ehrlich, bei dem Wort Telefonumfrage hätte ich spätestens wortlos aufgelegt und die anderen Male nicht mehr abgehoben.

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  2. Ich mag ja Umfragen und mache eigentlich gern mit, wenn es zeitlich passt (auch wenn mich Forsa neulich erst kreuz und quer durch die Politik befragte und dann wissen wollte, welche Designer(marken) ich kenne. "Keine" war wohl nicht die erwartete Antwort ;-) )

    Aber wenn die Frau perfekt hochdeutsch sprach, kann sie ja nicht aus dem deutschen Rheinfelden kommen, denn dort kann man ja nach eigener Ansicht "alles, außer hochdeutsch". ;-)

    Auf jeden Fall ganz schön schräg.

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  3. Solche Nummern speichern wir nach dem ersten Mal ab unter Nicht ran gehen ... ;-)

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  4. Es gibt da einen Namensvetter-Optiker (mit dem wir nix zu tun haben).

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  5. Uh, und eine Nummer wird bei Anruf nicht angezeigt, Nein? Weil Google spuckt da immer recht Eindeutiges aus. - Aber ja, es gibt nichts Verhassteres als ebendiese Anrufe. Und ich glaube auch nicht, daß das nur einfach irgendeine "Umfrage" sein sollte.

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  6. Die sind vermutlich NICHT von der Stadt (welcher auch immer) beauftragt, sondern versuchen mit dieser Behauptung eine Beschwerde wegen Stern-Ignorierens zu umgehen. Vermutlich Krankenkassen- oder sonstige Makler.

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  7. Am liebsten sind mir dann immer die Call-Center von den Telefon und Internetprovidern, die mir entweder sagen, dass mein Telefon bald nicht mehr geht, wegen Analog Anschluss Umstellung, und ich deswegen den supertollen neuen Vertrag abschließen soll oder ich kriege sofort ein schnelles Internet, wenn ich den supertollen Vertrag.....
    Oder die von regionalen Verkehrsunternehmen, die mich über die Sauberkeit der Deutschen Bahn befragen?? (Ich fahre eigentlich nie Bahn)
    Meine Frage an alle: Woher haben die dann immer die Nummern, im Telefonbuch stehe ich nicht.

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  8. @Larissa: ich weiss, ich denke immer an euch, wenn ich an den Schildern vorbeifahre!

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