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Donnerstag, November 23, 2017

Heimwärts

So, ich habe meine irischen Kollegen mit jeweils drei Küsschen (mental bin ich schon wieder in der Schweiz) verabschiedet, habe das Auto (ich alle hätte schwören können, wir hätten ein schwarzes gemietet, aber zack am zweiten Tag war es silbern, die anderen behaupten, es ware von Anfang an so gewesen) zurückgegeben, für Ostia Antica hat es nicht gereicht, weil es schon stockdunkel ist, jetzt werde ich gleich ganz allein im Hotelrestaurant was essen gehen und mit einem Aperol Spritz an der Hotelbar (das klingt jetzt verruchter als es ist :-)) mit mir ganz allein auf die fast schon erfolgreich zu nennende Reise anzustossen.
Auch wenn ich das Produkt nämlich nicht aus dem Trockner habe rieseln sehen, habe ich es live kristallisieren sehen und das ist auch etwas sehr schönes.
(Netter Nebeneffekt: als wir uns dann da vor dem Kessel alle ganz fest auf die Schultern geklopft haben und ich einen kleinen Freudentanz gemacht habe, da sagt der italienische Plant Manager: "Ah, one thing, I forgot to mention: our operators, engineers and all of us are not used to women in the plant, so I hope you forgive them stopping by all the time and starring at you." Und ich dachte mir die ganze Zeit noch "Aaaaaalter, laufen da viele Leute rum. Und ja , das Projekt ist für mich ein riesiggigantischunglaublich wichtiges, für unsere Firma auch nicht zu vernachässigen, aber soooooo spannend, dass die alle Ingenieure, Fremdhandwerker, sämtliche Operator und Schichtleiter in den Kessel  gucken müssen und mir alle mal ihre Taschenlampe leihen, hätte ich es jetzt für unsere Partner nicht eingeschätzt. Tja.
Wir haben dann also irgendwann dem Batch Arrividerci gesagt, uns versichern lassen, dass mir Analsenresultate sofort getextet werden und uns diesmal bei der Routenplanung gleich nur auf Google Maps und, ganz verrückt, Strassenschilder verlassen. So schwer ist das nämlich nicht: Gradeaus bis Pescara, dann links, wenn da "Roma" steht und dann irgendwann, wenn man glaubt, man ist fast da, weil man schon 3456 Schilder zum Flughafen gesehen hat, sind es nur noch 50km.
 
Ich habe versucht, auf die Bedürfnisse meiner introvertierten irischen Kollegen Rücksicht zu nehmen (das und dass sie gefühlt tagelang ohne Essen aushalten können, macht Reisen mit meiner anderen Kollegin ein bisschen angenehmer :-), ich musste irgendwann sagen: "Sorry guys, but I have to get something to eat RIGHT NOW or I will pass out.") und auch mal nix zu sagen und habe irre viele Geschichten nicht erzählt, obwohl sie thematisch, landschaftlich oder sonst irgendwie echt gut gepasst hätten
  • Dass es durchaus möglich ist, mit ein bisschen Vorarbeit (zB Merkblätter lessen) binnen 30 Minuten zwei Pässe beim Konsulat zu beantragen (danke, Hübscher!).
  • Dass uns irgendein Arschkrampen einen Nagel in den Tesla-Reifen gedrückt hat.
  • Wie wir damals in Island auf einmal gemerkt haben, dass es einspurige Tunnel mit Gegenverkehr gibt.
  • Wie oft es Erdbeben in Basel hat.
  • Dass es einen Vogelknopf am Elfenbeinturm gibt (das habe ich dann doch irgendwann erzählt)
  • Welches Buch (Affiliatelink) ich gerade lese und dass es der Hammer ist und ich mir die ganzen Netflixsachen umsonst runtergeladen habe, weil ich NUR LESEN WILL!
  • Wie ich mir mit zwei den Kopf aufgeschlagen habe.
  • Wie mal ein abber Finger im Dormicum gelandet ist (das habe ich vor allem nicht erzählt, weil ich glaube, dass ich es auf der Hinfahrt schon erzählt habe).
  • Wie mein erster Chef das Wildschwein mit dem Hornbachlaster überfahren hat (oh, das habe ich hier auch noch nicht erzählt, merke ich bei der Suche)
  • Wie L. dachte, dass wir Menschenfleisch essen würden (das habe ich gestern und vorgestern beim Abendessen schon nicht erzählt).
 
Das war nicht leicht, ich sags Euch....

1 Kommentar:

  1. Heftiger Schulterklopfer fürs Nichterzählen (meine Mutter und ich sind uns einig, dass es sehr ungerecht ist, uns nur für die Sachen zu rügen, die wir sagen - nicht nur Geschichten, ahem -, aber dass wir nie gelobt werden für die Sachen, die wir NICHT sagen).

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