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Montag, September 16, 2013

"Haben Sie diese Pille auch in Grün?"

Die meisten Leute wissen es eh schon: Pharmama hat ein Buch geschrieben, nämlich "Haben Sie diese Pille auch in Grün?" und ich hatte die Ehre, es vorab zu lesen und darf eine Rezension darüber schreiben. Ich habe mich riesig darüber gefreut, auch wenn ich kein Fan von Bloggerbüchern bin. (Das hat Pharmama vorher nicht gewusst und vermutlich hätte ich auch kein Exemplar bekommen, wenn).
Weil es hier aber jetzt nicht um meine Befindlichkeiten gehen soll, sondern um Pharmamas Buch, habe ich gerade beschlossen, das in einen separatem Post loszuwerden.
Also: das Buch. Wer Pharmamas Blog kennt (und mag, so wie ich. Sie ist neben dem Kinderdoc das einzige "Berufsblog", das ich lese, die anderen sind mir entweder zu langweilig, zu betont witzig oder dramatisch oder so weit von meiner Realität entfernt), der weiss, was ihn erwartet: Anekdoten aus der Apotheke, die in dieser Häufung den Beruf der Apothekerin sehr skurril erscheinen lassen, auch wenn sich die meisten Kunden Gottseidank wohl nicht so benehmen.

Als langjährige Blogleserin kannte ich natürlich die eine oder andere Geschichte (und jetzt muss ich es doch loswerden: das ist was, was mich bei Bloggerbüchern ganz irre macht: ich hassehassehasse es bei 99.9% aller Bücher dieser Welt, sie mehr als einmal zu lesen, und wenn dann beim Lesen immer wieder Textabschnitte kommen, die ich vor Wochen, Monaten oder Jahren schon mal gelesen habe, dann ...... mag ich das gar nicht. Aber da mag ich speziell sein und vielleicht stört das niemanden ausser mir.), aber ich fand es sehr schön, wie einen einige Spezialfälle (Frau Ennui zB) durch das ganze Buch begleiten.

Ich persönlich fand natürlich aus beruflicher Sicht zwei Abschnitte besonders interessant, nämlich den über den Kontakt zu den Pharmafirmen bzw. -vertretern, wobei ich ja noch keinen live in action gesehen habe, allerdings ein paar Präsentationen zur Ausbildung und ja, bunt rulez ;-) und den über die Herstellung von Mischungen/Rezepturen etc.. All die Dokumentation, die dort angesprochen wird, ist für mich mein täglich Brot (und ja: ich musste auch an die Zeit denken, in der wir resp. Little L. mit seiner Betablockerkinderdosierung unseren Apotheker auf Trab gehalten haben.....).

Das Buch liest sich ratzfatz weg, leider sind keine von Pharmamas Cartoons drin gelandet, die hätten wirklich gut gepasst. Wie schon beim Bloglesen musste ich immer wieder mein eigenes Apothekenkundenverhalten überdenken (Ja, ich bin auch schon mal wegen Pille aus in der Notfallapotheke gestanden, ich habe auch schon mal vier Nasenspray aufs Mal gekauft, allerdings nicht aus Abhängigkeitsgründen, sondern weil jedes Familienmitglied ein eigenes bekommen sollte, und der Hübsche ist ganz gross drin, ganz plötzlich keine Schilddrüsenmedikamente mehr zu haben, genau dann, wenn das Dauerrezept seit einer Woche abgelaufen ist....öhem.)

Ein paar Kleinigkeiten finde ich Sprachmonk persönlich allerdings echt störend in dem Buch, die sind aber ziemlich sicher nicht Pharmama anzulasten, sondern ihrem deutschen Verlag. Seit ich "Lila, Lila" von Martin Suter gelesen habe, weiss ich, dass deutsche Verlage bei Schweizer Autoren "Helvetismen" ausmerzen wollen, um das Buch für den (viel grösseren) deutschen Markt tauglich zu machen. Aber warum, warum, warum muss ich das Wort "Quartierapotheke" mit "Kiezapotheke" übersetzen? Es gibt in keiner einzigen Schweizer Stadt ein(en?) Kiez, nicht mal in den allerallermeisten deutschen Städten ausserhalb von Berlin (und Hamburg?) redet man von "Kiez", wenn man einen Stadtteil meint. Genauso seltsam finde ich es, einerseits (zu Recht) immer wieder die Besonderheiten des Schweizer Apothekentums (Dauerrezepte, Vorbezug etc.) zu erklären, aber sämtliche Preisangaben in Euro zu machen. Klar kann ich vermutlich in jeder Schweizer Apotheke in Euro (oder Dollar oder Peseten oder Goldbarren und Krügerrand) bezahlen, ausgezeichnet ist aber trotzdem alles in der Schweizer Währung, dem Franken. Soviel Intelligenz und Transferdenken kann man durchaus auch dem deutschen Durchschnittsleser unterstellen. (Das wäre ja grade so, als liese man Carrie Bradshaw in der deutschen Synchronisation von SATC in Euro anstatt Dollar für ihre Manolos bezahlen). Ach ja. Und als langjährige Anorganik-Praktikum-für-Nichtchemiker-Betreuuerin muss ich noch kurz loswerden, dass eine Suspension eine "Aufschlämmung", keine "Aufschwemmung" ist ;-) (Sorry, beim Batch Record Reviewen wird man zum Korinthenkacker ;-))


Also, auch wenn der Schluss jetzt vielleicht nicht so klang: mir hat "Haben Sie diese Pille auch in Grün?" wirklich gut gefallen und jedem, der nicht ganz so anstrengend und kompliziert in der Auswahl seines Lesestoffs ist, wie ich, dem kann ich das Buch ohne Einschränkung empfehlen ;-). Danke, dass ich es vorab schon haben durfte!