Samstag, Oktober 13, 2018

Oder halt anders

Heute durften die Katzen wieder raus und morgens (wir haben kurzärmlig und barfuss auf der Terrasse gefrühstückt) war das Gras noch taufeucht. Das hat dafür gereicht, dass Sansa nach dem Hoppeln durchs Gras aussah, wie durch den Schlamm gezogen. (naja. Langhaar und weisse Pfoten. Wer hätte das ahnen können?). Das machte ihr aber nix, sie galoppierte munter herum und jagte Mücken und auch grösseres. Sie hat schmerzhaft erfahren, dass Bienen vielleicht keine guten Jadgobjekte sind und sich einen Stich in die Vorderpfote eingefangen*. War aber nicht schlimm, sondern alles sehr aufregend.
Jon hat seit der Hundebegegnung gestern (was besseres hätte vermutlich gar nicht passieren können am ersten Tag) einen rechten Respekt vor "dem Draussen", d.h. er hat sich vor allem auf der Terrasse aufgehalten, mit vertrockneten Blättern geraschelt, sich auf den warmen Steinen geräkelt und später dann mit Sansa in unserem Gebüsch gespielt.
Sansa ist übrigens an Tag zwei draussen schon weiter gekommen als Dax jemals, nämlich über den Zaun in den Nachbarsgarten rechts. Aufs Trampolin. Ja, Sie stellen sich das ganz richtig vor.





Wir anderen haben heute einen spontanen Ausflug in die Nachbarsstadt gemacht, einmal wollte ich Pakete holen und retournieren (unter anderem mit 2 Paar Winterschuhen für Q., der mit Grösse 41 und sehr breiten Füssen und einem sehr ausgeprägten Sinn für "Mag ich" und "Mag ich nicht" es nicht mehr ganz leicht in der Kinderschuhabteilun hat), zum anderen eben vor Ort nach Winterschuhe für ihn schauen und nach einer Fussmatte für die Dreckhudelkatzen direkt vor der Katzenklappe.
Gabs btw beides nicht (hab ich jetzt bei LImango und Zalando bestellt), aber dafür waren wir dann noch im Highend-Spirituosenladen und der Hübsche hat sich seinen Lieblingswhiskey aus dem vorletzten Adventskalender gekauft und ich noch einen Rum für meinen Dad zum Geburtstag. Das war ein bisschen lustig, weil ich kenne mich nullkommanull aus mit Rum, ich mag Rum auch nicht, das hängt vermutlich zusammen. Ich hatte aber auch nicht unbedingt Lust, mit Spirituosenafficionados darüber zu diskutieren, weil ich denke, dass die sich dann über mich lustig machen, wenn ich sage: "Ich brauch einen Rum für meinen Dad, der mag Rum, aber ich hab keine Ahnung welchen, ich find Rum voll ätzend, was können Sie da empfehlen?".
Ich habe also nach Flaschenschönheit (und ein bisschen nach Preis, weil holla die Waldfee, 3stellig muss es dann vielleicht doch nicht sein für einen halben Liter) geschaut und einen sehr schönen "Navy Strength" irgendwas (was DAS heist, weiss ich seit unserem Gin-Tasting) ausgewählt und auf dei Theke gestellt, an der der Hübsche sich durch Whiskeys probiert hat. Ich wurde gefragt, ob ich auch einen probieren will und meinte so: "Ach, ne, danke, ich muss ja noch fahren und ausserdem bin ich nicht der Whiskeytyp, ich brauch ja nur einen Rum für meinen Dad und hab schon einen."
Da sah die Frau, was ich ausgewählt hatte und kriegte grosse Augen und meinte: "Oh, wenn Ihnen der gefällt, dann hab ich was für Sie" und holte eine funklig glitzernde Flasche mit irgendwas, das wie "non plus ultra" oder so hiess, und naja, halt ein unglaublich süsser Rum war. Schon irgendwie gut, vermutlich super, wenn man Rum mag, wenn nicht: nicht so. Ich probierte also, meinte: hmmm, mhmmm, und machte anscheinend ein Rumkennergesicht, weil die Frau meinte: "Also, ich hol Ihnen mal was von dem, den Sie ausgesucht haben und noch einen, der ist echt auch toll" und zack, hatte ich drei Rumprobiergläser vor mir und hui, das war eine gute Idee, weil der in der schönen Flasche war anscheinend irgendeine abgefahrene Spezialität und schmeckte ... naja, eher schaurig! Ich beichtete also, dass ich überhaupt gar keine Ahnung von Rum, sondern nur nach dem Flaschendesign gegangen wäre, und so wurde mir ein anderer rausgesucht, der "Gentleman" unter den Rums (Rumen?), in einer auch schönen Flasche. (ich habe ihn probiert. Schmeckt nach Rum.) Ich kann Ihnen nicht mal sagen, welcher es ist, weil die Flasche schon als Geschenk verpackt wurde.


Sonst so: Garten aufgeräumt, Nudeln gemacht, spontan einen Berlintrip gebucht, weil der Schwager im November auch spontan heiratet.


Stressleveldurchschnitt gestern: 35
Selbstbeweihräucherung: es war lustig, aber ich fand gut, dass ich ehrlich war, was meine Rumkenntnisse angeht.






*bitte keine Tipps, wie mit Bienenstichen bei Katzen umgehen. Wir haben Google und eine Tierarztschwester. Überhaupt: bitte keine Sorgen um die Katzen machen. Es geht ihnen gut, wir kümmern uns gut um sie, wir machen das nicht erst seit gestern, und auch wenn Sie vielleicht das Gefühl haben, uns alle schon ewig zu kennen: wir kennen Sie gar nicht (ausser wir kennen Sie, dann gilt das natürlich nicht) und deshalb können besorgte Mails durchaus befremdlich wirken, auch wenn sie bestimmt nicht so gemeint sind.

Freitag, Oktober 12, 2018

Ihr seid jetzt frei!

Nachdem auch Sansa mittlerweile schon zur Tür gesaust kommt, sobald jemand nur die Schuhe anzieht oder einen Schlüssel bewegt, und unbedingt raus will, haben wir alle her auf den heutigen Tag hingefiebert: die Katzentür wurde eingebaut.
Es war übrigens überhaupt nicht so eine kleine Sache, wie der Glaser, der zum Ausmessen gekommen war, meinte, weil erstens das neu vorgeschriebene Sicherheitsglas dicker als das bisherige ist und nur knapp in den Rahmen paste und sich zweitens beim Einbau der Tür in das Loch rausstellte, dass das Glas vermutlich beim Schneiden gesprungen war und tja, halt nochmal ausgetauscht werden muss. Aber der Sprung ist nur klein, birgt kein Sicherheitsrisiko und es ist ja noch sehr warm draussen, also ist die Scheibe mit Türchen (Amazonaffiliatelink) jetzt mal drin.
Wir haben problemlos die Katzen "einprogrammiert", dann war etwas Verwirrung angesagt, wie genau man denn da jetzt rauskommen soll, aber sie hatten es sehr schnell raus.


Wir waren durchaus erstaunt, wie schnell (also: praktisch sofort) sie aus unserem Garten raus und unter der Hecke durch in den Nachbarsgarten marschiert sind. (also: Marschiert: Sansa springt wie ein Geissbock, Jonny schleicht) Es stimmt sogar, dass das Gras dort grüner ist.







Nachdem Trampolin, Fusballtor und Kinderspielzeug beschnuppert waren, waren sie bereit für den nächsten Garten. Sie waren schon ein wenig verwundert, dass dort nach der Hecke ein kleiner Zaun kam, der aber auch einen Grund hat: dort lebt nämlich neben zwei Katzen ein Schäferhund (ich habe die Besitzer heute morgen in der Garage getroffen und erzählt, dass sie bald Besuch bekommen werden und scho gehört, dass der Hund mit Katzen gern spielt und sie scheucht.). Der Hund lag also auf der Terrasse und unsere beiden standen wie die neugierigen Nachbarskinder am Zaun.
Es ging natürlich nicht lang, da bemerkte der Hund sie, sprang auf und sauste bellend auf sie zu. Beide rasten davon, Sansa auf dem direkten Weg nach Hause, Jonny vor lauter Panik einmal ums Nachbarshaus rum und das Halsband hat er dabei auch verloren. (Dass der Hund sich beim Losstürmen auf den Steinen irgendwas entweder eingetreten oder den Fuss verstaucht hat, dafür kann keiner von uns was, oder?

Wie erwartet (man kennt sie ja nach einem halben Jahr doch ein bisschen) war Jonnys Mut ab dann ein wenig weg, d.h. er beschränkte sich erstmal darauf, auf unserer Terrasse auf und ab zu stolzieren, das Türchen zigmal zu testen, während Sansa sich auf den Weg durch unser Gestrüpp machte, ein paar Mücken fing, das Schilf in unserem Garten jagte und dann...... kam der Nachbarskater. Der hatte ja bisher jahrelang unbehelligt unseren Garten als erweitertes Revier angesehen, aber das scheint jetzt vorbei. Sansa hat ihn mit Riesenpuschelschwanz aus dem Garten gejagt, beim folgenden Mexican Standoff mit wild schauen, fauchen, aufplustern irgendwann kurzen Prozess gemacht und ihm eine auf die Nase gehauen. Als er sich trollte, setzte sie zum Sprung an und wollte ihm auf den Rücken springen, aber da hat der Hübsche sie erstmal eingefangen und ein bisschen was für den felinen Nachbarschafsfrieden ge
tan.

Auch der Balkon ist spannend, das Dach des Wintergartens der Nachbarn ist auch schon annektiert, das ist alles sehr spannend.





Stresseleveldurchschnitt gestern: 41 (bald ist damit erstmal Pause, weil das Band sich total auflöst und auf Garantie eingeschickt werden muss)
Selbstbeweihräucherung: viel geschafft und relative cool geblieben, als die kleinen Katzen flügge wurden.

Donnerstag, Oktober 11, 2018

My favourite glue factory

Erst wollte ich heute ja drüber schreiben, wie grossartig ich Urlaub machen finde und wie wenig ich das mir manchmal als allgemeiner Konsens erscheinende "Urlaub mit Kindern ist alles ausser Erholung, alles voll schrecklich" nachvollziehen kann, aber erstens habe ich das ja schon mal (schlimmes Island-Vermissen gerade), und könnte es nur noch durch "Auch mit frischen Teenagern und deren manchmal hormonell herausfordernder Stimmungslage ist Urlaub grossartig." ergänzen, und zweitens hat uns volle Kanne (naja, halbvoll, die Kinder haben immer noch Ferien) der Alltag wieder und das ist auch grossartig.


Heute morgen um acht waren erst nochmal Reparaturtermine angesagt, der Hübsche fuhr das Auto in die Werkstatt, weil es doch bittedanke meinen Schlüssel wieder erkennen soll und ausserdem eine neue SIM-Karte bekommt, weil der Vertrag beim bisherigen Mobilfunkanbieter ausgelaufen ist. Wir wollen doch auf gar keinen Fall, dass Elon Musk uns das Auto auf einmal nicht mehr aus Jux und Tollerei stilllegen kann (meine Güte, wie sehr mich das nervt. Die vernünftigsten Menschen glauben und verbreiten Verschwörungstheorien und Katastrophenszenarien aufgrund einer unbestägtigen Anekdote eines "Konkurrenten"?), weil die Swisscom gemerkt hat, dass Tesla ihnen nix mehr zahlt!
Wir fahren jetzt ein weisses Model S mit Zürcher Kennzeichen und passendem Namen, durchaus schwierig in der hiesigen Gegend, auch was Zollkontrollen und so angeht.




Ich hatte dafür ein Date mit dem Backofen-Mensch, weil unser niegelnagelneuer SuperduperKombisteamer bei allem mit Umluft ganz laut klirrt, weil das Ventilationsrad irgendwo anschlägt. Wurde wegen Garantie und überhaupt högscht professionell repariert und ist ein Fehler, der vielleciht bei 2 Promille der Geräte auftritt, sich aber trotz eingehender Prüfungen (jeder Ofen heist zwei Tage lang durch zB, bevor er rausdarf) nicht ganz vermeiden lässt. Das Rad klackerte nämlich an die Heizschlange, die sich minimal verformt beim Erhitzen. Also wurden ca 2mm vom Rad abgesschliffen, jetzt ist alles wieder muckmäuschenstill.


Ich musste dabei direkt an zwei Fälle denken, wo wir was ähnliches bei der Arbeit hatten, das ist schon cool, so Transferwissen, das glaubt man ja auch erstmal nicht, dass es einem was bringt, wenn man zB weiss, wie Kessel emailliert werden*.


und dass dieser archaische Prozess für Hightechequipment natürlich nicht millimeter genau passt, sondern, das fand ich damals erstaunlich, als dann alles krumm und schief aussah, recht grosse Toleranzen hat, die man dann beim Einbau ausgleichen muss, damit doch alles in der Waage und die Verrohrung nicht unter Spannung ist.
Der andere Fall war ein Schneckenkonustrockner, das sieht so aus (war aber von einem anderen Hersteller).


Wie man sieht, hat die Schnecke den Job, das zu trocknende Pulver einerseits durch die Schraubenbewegung von unten nach oben zu durchmischen, andererseits durch die Rotation des gesamten Arms wie ein Kochlöffel. Damit sich keine Schicht am Rand bildet, sollte der Abstand der Schnecke von der Behälterwand natürlich so klein wie möglich sein. Und auch wenn das alles gar nicht so kompliziert aussieht, ist es nicht leicht, das so auszurichten, dass es einerseits so nah wie möglich dran ist, andererseits aber auch nicht an der Wand kratzt, kein Mensch möchte Metallspäne in den Tabletten haben oder aber allein schon einen Motor, der heissläuft, weil die Schnecke an der Wand kratzt. Man muss wissen, dass solche Trockner gerne mal 4000L fassen und das ganze Gewicht an der Rührwerksdichtung hängt. Dann werden auch noch über 2 Tonnen anfangs feuchtes Produkt bewegt, das sind enorme Kräfte und dann soll alles so passen, dass nur 2mm zwischen Schnecke und Wand sind? Auch da muss man dann schon mal in den Trockner einsteigen und die Schnecke abschleifen. So wie unser Lüfterrad im Backofen. Jon wollte übrigens in den Backofen einsteigen, durfte aber nicht.


Dann haben wir heute bei der Arbeit tatsächlich mal viel über Wissenschaft diskutiert, nämlich einmal über Tribolumineszenz


(da war ich ein bisschen traurig, dass keiner meiner Kollegen meine Rambo-Referenz verstand)


und einmal über den Mode of action eines unsere neuen Medikamente, da wurde nämlich ein schöner Erklärbär-Film produziert. Das hast mal wieder richtig Spass gemacht!


Sonst so: den ersten Adventskalender von der Post abgeholt (meinen. Von Lookfantastic), mit den Katzensittern geschwatzt, Wäsche, Einkaufsliste.


Stressleveldurchschnitt gestern: 35
Selbsteweihräucherung: spontan ein Angebot für Twitterhilfe gemacht und auch noch nicht bereut. Ich glaube, das wird lustig.


*Es gibt hauptsächlich zwei Sorten Reaktoren in der Chemieproduktion**, nämlich Stahl rostfrei und Stahl emailliert. Die Küchenäquivalente wären eine Edelstahlschüssel und eine Glasschüssel. Aber weil zB ein 25-Kubikmeter Reaktor nur aus Glas nicht wirklich stabil ist, werden diese grossen Reaktoren aus Stahl gefertigt und dann innen mit einer Glasschicht überzogen, also emailliert. Auf englisch heist das "glass lined", der Chemiker/Ingenieur unterscheidet zwischen Stem und Stnr.


** es gibt natürlich noch mehr, Schwarzstahl (ganz selten), Hastelloy, Kautschuk etc

Mittwoch, Oktober 10, 2018

und wieder daheim

so, das Appartment wurde regelkonform um 10:50h geräumt, nach fertig packen (trotz aufgetrunkener notfallmilch und Kaffee, aufgegessenem Notfallsmacks, die ich ja in jeden Urlaub für zumindest das erste Frühstück mitnehme, weil: ortsunkundig Frühstück suchen ohne Kaffee ist Stoff für Alpträume für mich, und praktisch keinen Einkäufen gingen die Koffer gar nicht mal so locker zu), frühstücken und dem Besitzer das zerdepperte Glas beichten.
Falls Sie ein zentrales, bezahlbares Appartment in Sliema suchen: voila (es hat halt nur noch 3 grosse Gläser).
Mein ursprünglich letzter Stresspunkt auf meiner Liste war ja schon lang keiner mehr, auf Malta ist das Taxisystem nämlich zentralisiert, dh es gibt zentrale Taxistände, dort kauft man einen Coupon zum je nach Ziel festgelegten Preis (gilt für max 4 Personen incl Gepäck), das Taxi ist auch grad festgelegt, fertig. man kann natürlich immer noch telefonisch oder per App eins bestellen, aber mit ohne Auslandsdaten und überhaupt Mobilfunknetz  (Hallo, Salt, Malta ist in unserem Vertrag mit drin, wäre toll, wenn das geklappt hätte) und der Wohnung direkt in der Nähe von allem war das gar nicht nötig/möglich.
Wir waren natürlich viel zu früh am Flughafen, aber W-Lan und Kaffee reichen uns ja zum friedlich sein.
ich habe dann zur Eingewöhnung für morgen grade noch mit einer Kollegin telefoniert, die gerade auf einer Messe in Madrid ist und eine Einschätzung für eine Lieferantenidee brauchte (falls Sie meinen, ein Logikloch aufgedeckt zu haben: das geschäftshandy mit dem Swisscomvertrag hat nicht seinen Dienst verweigert).
Heimflug mit Swiss erfreulich unspektakulär, der Blick von oben auf Malta war spektakulär. wir sahen nochmal die blaue grotte und lagune, die Kuppeln über hagar qim und mnajdra und eindrücklich, wie winzig und wie dicht besiedelt Malta ist.
in Zürich am Flughafen war es etwas ungewohnt, das ankommen mit den Jungs anstatt einer wechselnden kollegenschar zu teilen.
die Tradition, den Blogpost im Zug zu beginnen, behalte ich jedoch mal bei.
So, viel länger wirds auch nicht mehr: den Katzen geht es gut, nicht nur Jon, auch Sansa will jetzt ins Freie. Gottseidank kommt die Katzentür am Freitag. Sie wurden sehr, sehr gut versorgt, haben ganz schön randaliert (neben zwei grossen Legosets, die sie vom Schrank geworfen haben, habe sie Kuscheltiere aus L.s Bett und seine Puzzlematte im ganzen Haus verteilt. Ich dachte zuerst, Sansa ware auf einmal sehr dick geworden, aber nein: es ist nur Winterfell. Richtig viel davon. 
Jetzt sind alle Koffer ausgepackt, die erste Waschmaschine programmiert, die Arbeitssachen für morgen parat gelegt, alle geduscht, phew.

Stressleveldurchschnitt gestern: 34
Selbstbeweihräucherung: habe ich alles ganz gut organisiert, finde ich.

Dienstag, Oktober 09, 2018

Letzte Runde

Nach dem Tag gestern (meine Kollegin, die mich ja auch mit einer liebevoll handkuratierten Maltakarte versorgt hatte, wies mich darauf hin, dass es ein "Cat Village" in Spinola Bay gibt, vielleicht waren das gestern Bewohner der Bungalowanlage oder so :-)) waren wir alle wieder bereit für eine letzte Runde Sightseeing, heute der Süden der Insel.
Wir starteten wieder mit dem ersten Bus und fuhren durch bis Marsaxlokk. Das ist ein Fischerdörfchen mit Hafen (ach.) und Markt und so, man hätte mit dem Taxi noch zu dem berühmten St. Peter's Pool fahren können, aber uns Grossen war nicht soooo nach Baden (und dann salzig weiterfahren), die Kinder hatten Bauchweh.

Exkurs:
Kinderbeschwerden: Als Neumutter wird man ja von erfahrenen Müttern im Internet immer darauf eingeschworen, dass man als Mutter sein Kind am allerbesten einschätzen kann, Kinderärzte zB haben ja nie Ahnung, wer immer behauptet, "das Kind wäre defizitär", ist halt nicht seine Mutter. 
Ich ... nun ja. 
Ich habe mit all meinem Mutterinstinkt bei L. (also: zweites Kind. Das ist ja praktisch schwarzer Gürtel in Muttersein) mit 6 Monaten auf "der Arme kriegt Zähne" getippt. Zwei Stunden später waren wir in der Notaufnahme mit Lungenentzündung
Als L. mit 18 Monaten dann wieder mal leicht fiebrig und matschig war, sagte mir mein Mutterherz wieder: "Zähne. Maximal grippaler Infekt". Drei Stunden später wurden wir mit den Krankenwagen von der Notaufnahme des Kinderspitals auf die Kinderintensivstation gefahren: Vorhofflattern und Elektrokonversion, Betablocker und Kinderkardiologiepatient für die nächsten Jahre.
Ein paar Jahre später hatten beide Kinder Fieber gehabt, dann einen Tag fieberfrei und es lag traumhafter Schnee, deswegen sind wir Schlittenfahren gegangen und als die Kinder jammerten, ihnen wäre so schrecklich kalt und überhaupt könnten sie keinen Schritt mehr machen, haben wir sie mit unserem ganzen Elterngefühl angemotzt, dass es überhaupt nicht sein könne, es wäre nur mittelkalt, sie wären warm angezogen und meine Güte, wenn es hier EINMAL Schnee hat. Am nächsten Tag lagen nicht nur die Kinder wieder mit 40 Fieber flach, nein auch wir beide, der "vorbeie grippale Infekt" war nämlich nur die erste Runde echte Grippe.

Langer Rede, kurzer Sinn: gehen Sie mir weg mit Mutterinstinkt.

Mittlerweile sind die Kinder ja nicht mehr sechs Monate oder anderthalb, sondern 9 und 13 JAHRE und ich bin manchmal skeptisch, wenn genau dann unklare Bauchschmerzen auftreten, wenn man etwas tun soll, worauf man nicht so wirklich Lust hat. Und 2 Sekunden vorher noch munter rumgesprungen ist, auch wenn "ich schwör" der Bauch da anscheinend auch schon schrecklich weh tat. Ich fände es halt viel einfacher (und ehrlicher und überhaupt), wenn man sagen würde, ich habe NULLKOMMANULL Bock auf Training heute oder überhaupt oder Besichtigungstour, aber ich kenne auch meine Antwort darauf (nämlich: "Du hast dich für die Saison verpflichtet, also gehst Du" oder "Wir sind 1419km gereist und zwar nicht dafür, dass Du Youtube von hirnerweichendem Mist in einer kleinen Ferienwohnung bingst") und verstehe das "Uh, krass, Bauchweh, gar nicht gut" als "Begründung" ganz gut.
Womit ich aus Gründen überhaupt gar nicht umgehen kann, ist das total hypochondrische überdramatische Zusammenbrechen wegen eines Kratzers oder eines verklemmten Pups, da fehlt mir einfach die Empathie, wenn jemand da nur noch wimmert und nahezu zusammenbricht, dann einmal rülpst und gut isses.
Dann möchte ich aber natürlich auf gar keinen Fall die Mutter sein, die ihr Kind mit nahe zu rupturiertem Appendix auf eine rumpelige Sightseeingtour gezwungen hat (man erinnere sich an Grippelungenentzündungherzflattern), es ist also kompliziert. (ich sage mir dann immer: man hat nur einen Appendix, so oft wie hier schon fast jemand spontan wegen Bauchschmerzen gestorben wäre, geht das nicht zusammen)

So, Exkurs Ende (mal wieder sehr froh um keine Kommentarfunktion).

Ich habe dann (Mutterinstinkt :-) respektive Lebenserfahrung) differentialdiagnostiziert, dass das grosse Kind unterzuckert ist und das kleine ... naja, sagen wir so, es hat sich von allein gelöst, und ausnahmsweise gab es schon vor 11 ein Mittagssandwich und eine Cola dazu und zack, alles wieder gut (phew.)






Weiter ging es dann nach Ghar Dalam, zur "Höhle der Finsternis", besonders für L. interessant, der gerade Steinzeit als Realienthema in der Schule hat.

Ich musste erstmal an Frau Mutti und die Bienen denken

Die Jungs haben Johannisbrotbaumkerne mitgenommen und wollen die daheim anzüchten. Schaumamal









Nach der blauen Lagune war ich ein wenig skeptisch, was die Blaue Grotte angeht, und nicht ganz so heiss auf einen Bootstrip dorthin. Aber: es war schön! Zwar nullkommanull individuell oder liebevoll, eher so fliessbandmässig abgespult, aber immerhin nur ein kleines Boot und es war schon schön!

Das kleine Boot fuhr ungefähr 5m vom Ufer entfernt dahin. Schwimmwestern waren für alle obligatorisch. Das liess mich schon schlucken.










Das ist ein bisschen lustig: das berühmte "Azure Window" ist ja letztes Jahr eingestürzt. Jetzt heisst dieses kleine Fensterchen in der Höhle (0.5x1m) "Blue Window". Kaum ein Unterschied :-)


Letzter Stop auf unserem Trip waren die megalithischen Tempelanlagen von Hagar Qim und Mnajdra. Sie gehören zum UNESCO Weltkulturerbe und stehen dort seit ca 5000 Jahren. Es ist wirklich beeindruckend, wenn man sich vorstellt, wie diese Riesensteine damals bewegt und aufgerichtet wurden.
L. möchte jetzt übrigens Archäologe werden und ich kann ihn sehr gut verstehen.








Ein Abschlussessen in Valletta incl Verpassen der letzten Fähre vor der Fährpause bis 22:00 und Fahrt mit einem leicht shady Minibus rundeten das Ganze noch ab und morgen geht es zurück nun hoffentlich wirklich in den Herbst!





L. und Essen ist im Moment kompliziert. Wir konnten uns auf einen Teller Butterspaghetti und Probieren von allen anderen Tellern einigen. Fand er übrigens alles super. Nur entscheiden kann er sich für nix.


Stressleveldurchschnitt gestern 22
Selbstbeweihräucherung: unabgesprochen mit dem Hübschen drölzig unauffällige Sicherheitschecks in Sachen Minibus erledigt und niemanden verrückt gemacht.