Dienstag, Februar 28, 2017

Equal Care Day

Morgen ist der Equal Care Day. Auf den Fragebogen gebracht hat uns Familie Rabe. Und weil einer der Grundpfeiler unserer Familie die Gleichberechtigung ist, haben wir heute die Denkanstossfragen zum Thema beide beantwortet. Das ist also sozusagen ein 50% Gastpost meines sonst eher bilderlastigen Co-Autors hier (Wir haben die Fragen übrigens unabhängig voneinander beantwortet, die leichten Unterschiede in der Wahrnehmung sind also nicht geplant, aber halt da).

Aktuelle Berufstätigkeit
Frau Brüllen: "Drug Substance Technical Leader" (aka verantwortlich für die technischen Aspekte der Herstellung verschiedener Wirkstoffe) bei einem grossen Schweizer Pharmaunternehmen
 
Herr Brüllen: "Innovation Project Director Personal Care" (wenn das Herstellen von Aktivsubstanzen in kosmetischen Produkten eine Baustelle ist, dann bin ich der Bauleiter, der neben der Grube steht, die Arbeit überwacht und dem Team hilfreiche Tipps gibt...)

Verhältnis der Erwerbstätigkeit und der Familienarbeit
Wir arbeiten beide Vollzeit aka 40 Stunden/Woche. Dazu kommen natürlich die verpflichtenden Pausen und bei mir die tägliche Fahrzeit von ca 1 Stunde dazu. Und die Überstunden, die im Prinzip aber wieder abgefeiert werden. Ich nutze die meist, um die Schulferien der Kinder wenigstens zum Teil abzudecken. Zur Unterstützung kommt einmal in der Woche eine Putzfrau für 3.5 Stunden und die Kinder werden nach der Schule von einer Nanny bis halb sechs betreut.

1. Wie ist die Care-Arbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?
Frau Brüllen: Das Ziel ist ganz klar 50:50. Feste, unverrückbare Zuständigkeiten gibt es nicht, im Prinzip kann jeder alles. Manche Sachen haben sich aber aus Organisationsgründen eingependelt. So geht Herr Brüllen an drei Abenden ausser Haus zum Sport, d.h. ich bin mit den Jungs abends allein beim Abendessen und ins Bett bringen. Aus dem gleichen Grund wirft Herr Brüllen aber auch an den Sportabenden direkt die Waschmaschine (natürlich nicht nur mit seinen Sportklamotten) an. Ausserdem ist er jeden Morgen dafür zuständig, die Kinder aus dem Bett und in die Schule zu bekommen. Essensplanung und das Kochen sind eher meine Baustelle, weil Herr Brüllen das nicht wirklich gern macht. Das heisst aber nicht, dass ich für die Kinder und ihn vorkoche oder so, wenn ich auf Geschäftsreise bin, es gibt dann halt einen eingeschränkteren Speiseplan. Die meisten "Zuständigkeiten" sind eher historisch gewachsen (Krankenkasse: ich, Autoversicherung: er, Bank: er, Hausrat: er, Unfall: ich), aber dank eines peniblen Ablagesystems kann auch der vermeintlich nicht Zuständige jederzeit alles finden. Alltagstätigkeiten werden fair geteilt. Jeder bügelt sein Zeug (oder organisiert aushäusiges Bügeln), jeder deckt den Tisch und räumt ab, jeder hängt Wäsche auf und legt zusammen, Steuererklärung machen wir immer gemeinsam.

Herr Brüllen: Ich habe den Eindruck, diverse Arbeiten haben sich von selbst verteilt, wo nur einer feste Zuständigkeiten hat (ohne dass das explizit besprochen worden wäre), andere werden von beiden ausgeführt, je nachdem wer gerade da ist. Meine Frau macht ungefähr so häufig das Auto sauber wie ich koche...

2. Warum teilt Ihr Euch anfallende Care-Arbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?
Frau Brüllen: Weil es einfach gerecht ist. Wir haben die identische Ausbildung, lohnarbeiten gleich viel, hassen beide Bügeln und Steuererklärung, finden Wäschesortieren nur mittelspannend, haben es beide lieber sehr ordentlich als nicht, warum in aller Welt sollte nur eine(r) dafür verantwortlich sein? Die Vorteile sind erstens ein befriedigter Gerechtigkeitssinn, keiner hat das Gefühl auf Kosten des Wohlbefindens des anderen zu leben, und wir leben unseren beiden Söhnen vor, dass gleichberechtigte Partnerschaft funktioniert.

Herr Brüllen: Manche Sachen findet einer von uns schrecklich, während es dem anderen nichts ausmacht. das sind dann die leicht aufteilbaren Aufgaben (Ich koche nicht gerne und mache es auch nicht wenn ich alleine bin; Frau Brüllen macht es, wenn sie genug Zeit hat und es neue Rezepte sind je nachdem sehr gerne). In anderen Fällen findet einer von uns die Arbeit schrecklich und der andere sehr schrecklich. Auch hier lässt sich dann durch Aufteilung noch etwas gewinnen.


3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?
Frau Brüllen: Ich finde, es gibt keine Nachteile. Man muss halt miteinander reden, reden, reden, sich an Absprachen halten und organisieren, aber das ist ja kein Nachteil. Was mir manchmal schwer fällt, ist darauf zu verzichten, etwas "schnell selber" zu machen, weil das einfacher und schneller ist. Das scheint auf den ersten Blick so, aber so zementiert man schnell Zuständigkeiten und Kompetenzen, die man gar nicht so möchte. Auch die Kinder haben schon gelernt (oder lernen das immer wieder), dass "Ich kann das nicht" oder extra langsam oder ungeschickt anstellen bei Haushaltstätigkeiten nicht dazu führt, dass man davon befreit wird, im Gegenteil. Das ist natürlich ein langer und zäher Prozess, aber ich bin überzeugt, dass es das wert ist.

Herr Brüllen: Wir haben wie gesagt nie ein "Room-Mate Agreement" gemacht oder änliche, wo wir explizit besprochen hätten, wer welche Aufgaben erledigt. Meistens hat sich das von alleine eingespielt. Aber natürlich gibt es dadurch dann auch hin und wieder Situationen, in denen sich einer von uns beiden übervorteilt fühlt und die Aufteilung ungerecht wird. In solchen Fällen spürt man entweder die Vibes, dass etwas nicht passt oder es kracht irgendwann, man streitet/diskutiert und passt die Aufteilung entsprechend an (bisher trotzdem noch immer ohne "Room-Mate Agreement"...) Eine andere Schwierigkeit ist, wenn keine Einigkeit über die Notwendigkeit bestimmter Arbeiten besteht. Das war bei uns eine Zeit lang der Fall als wir keine Putzfrau hatten. Meine Frau und ich legen unterschiedliche Schwerpunkte auf den Hausputz (und dessen Umfang). Aber auch dieses Problem ist im Moment gelöst nachdem eine Putzfrau diese Aufgabe einmal in der Woche übernimmt (und sowohl die Dinge macht, die meiner Frau wichtig sind ebenso wie jene die mir wichtig sind).


4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?
Frau Brüllen: Ungefähr so viel praktischer und einfacher, wie eine Diktatur es im Vergleich zu einer Demokratie ist. Klar würde irre viel Organisationsaufwand wegfallen, aber irgendwann klappt entweder der zusammen, der alles macht oder der, der nix macht, fühlt sich aussen vor und übergangen. Und dann ist nichts mehr praktisch und einfach.

Herr Brüllen: Ja wäre super praktisch. Ich möchte es nicht sein. Meine Frau auch nicht... ;-)


5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?
Frau Brüllen: Ich glaube, wenn noch externe Stressfaktoren dazu kommen. Und zwar viele. Wie zB Geschäftsreisen, Kinder oder Eltern werden krank, es gibt Stress und Extraarbeit bei der Arbeit, es geht irgendwas kaputt, Sack Reis in China fällt um, irgendwie sowas. Ich glaube, wir beide reagieren in solchen Stresssituationen unterschiedlich. Ich zB bin der Typ "Zähne zusammenbeissen um jeden Preis" oder auch "Soldiering through", d.h. ich lege auch noch nachts um zwei Wäsche zusammen, weil ich mir vorgenommen habe, nie mit einem vollen Wäschekorb ins Bett zu gehen, während Herr Brüllen eher sagen kann: "Ich geh jetzt schlafen, das ist wichtiger, da geht die Welt nicht von unter". Da fühle ich mich dann manchmal allein gelassen und lege stinkwütend nachts um zwei Wäsche zusammen. Aber solche Stresszeiten sind relativ selten. Und wir kennen uns auch schon so lang und gut, dass das keine allzugrossen Dramen mehr gibt.

Herr Brüllen: Manche Dinge (wie z.B. Bügeln) können wir beide überhaupt nicht leiden. Das hatte zur Folge, dass jeder, wenn unbedingt nötig nur sein eigenes Zeug gebügelt hat und wir schliesslich diesen Task irgendwann komplett "ausgesourct" haben zur externen Reinigung.

6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der Care-Arbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?
Frau Brüllen: Ja, zwei. Und eine Katze, aber die ist schon volljährig. Es wurde auf jeden Fall viel mehr Care-Arbeit und viel, viel weniger Schlaf :-). Als die Kinder noch klein waren, habe ich mein Arbeitspensum zunächst reduziert (aus verschiedenen Gründen, einer war sicher meine Prägung von zu Hause, wo meine Mutter voll und ganz für die Kinder da war und so etwas wie ausserfamiliäre Betreuung überhaupt nicht existierte. Zumindest in den Köpfen. Davon musste ich mich auch erst mal emanzipieren.) und in der Zeit vermutlich auch mehr zu Hause gemacht, ich war ja auch mehr daheim. Je mehr ich mein Pensum dann aber erhöht habe, desto näher kamen wir wieder an die 50/50, die wir auch vor den Kindern hatten.

Herr Brüllen:Ja, zwei Kinder. Und natürlich ändert sich alles mit Kindern. Die Verteilung hat sich insofern geändert, dass viele Aufgaben hinzugekommen sind, die ebenfalls wieder aufgeteilt werden mussten. Hinzu kam, dass meine Frau Ihren Job wieder sukzessive aufgestockt hat von 0% auf 60%, 80%, 90%, 100% und damit jedes mal eine Anpassung der Care-Arbeitsverteilung vorgenommen werden musste, inklusive dem Einspannen von "Third Parties" (Nanny, Putzfrau).

7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?
Frau Brüllen: S. oben.

Herr Brüllen: Mit dem Älterwerden der Kinder verändern sich natürlich auch deren Bedürfnisse und damit Anforderungen. Für mich fühlt sich diese Entwicklung aber graduell und subtil an, so dass es gefühlt nicht regelmäßig zu massiven Änderungen kommt.


8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann bzw. als Frau?
Frau Brüllen: Ich werde immer zu meinem Mann beglückwünscht, der so viel hilft (und beim Wort "helfen" würgt es mich dann schon ein bisschen). Ich werde regelmässig gefragt, wie ich das denn mit den Kindern mache, wenn ich auf Geschäftsreise bin oder Ferien sind. Ich glaube nicht, dass Herr Brüllen von Kollegen oder Eltern gefragt wird, wie ich das denn mit den Kindern hinkriege, wenn er für ein paar Tage auf einer Messe ist. Genausowenig werde ich von kernfamilienextern bejubelt, wenn ich es schaffe, die Kinder in Abwesenheit von Herrn Brüllen für drei Tage sauber, satt und ordentlich gekleidet zu halten.
 
Herr Brüllen: In meinem Umfeld wird das weniger diskutiert als z.B. in den sozialen Medien (wo ich manchmal verwundert bin, welche Probleme es gibt/ man sich machen kann). Ich sehe wie Kollegen und Freunde es machen und manche handhaben Dinge sehr ähnlich, andere komplett anders. Mich kümmert das ehrlich gesagt wenig (ich freue mich vor allem für sie, wenn es wie auch immer für beide Partner stimmt), weil ich der Meinung bin, es gibt da kein Patentrezept.


9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.
Frau Brüllen: Ehrlich gesagt war die positivste Reaktion, die ich bisher erlebt habe, die meines jetzigen Chefs seinerzeit in meinem Vorstellungsgespräch: es gab nämlich überhaupt gar keine. Die Kinder, die Betreuung, das "Wie wollen Sie denn diesesn Job UND Familie unter einen Hut bekommen?", das war einfach überhaupt kein Thema, es wurde als selbstverständlich angesehen, dass ich das ja wohl im Griff hätte, sonst wäre ich nicht hier. Negative Reaktionen habe ich so eigentlich wenig erlebt, was ich jedoch sehr mühsam finde, ist, wenn mir scheinbar wohlmeinend, tatsächlich aber dann doch sehr bevormundend (ungefragt) erklärt wird, was wie gehen würde und was nicht, weil die eigene Gattin das ja auch so oder so machen würde.
 
Herr Brüllen:Positiv finde ich, dass ich bei mir in der Firma noch nie Probleme hatte, wenn ich aufgrund von "Care-Arbeiten" (sei es Kinder zu Hause betreuen wegen krank, oder Elektriker betreuen wegen Elektroinstallation) zu Hause bleiben musste um von da aus zu Arbeiten. Das hilft extrem vor allem in außerordentlichen Situationen. Negative Reaktionen fallen mir in diesem Zusammenhang tatsächlich nicht ein. Ah, doch eine Sache nervt mich sehr: In der Schule scheint noch immer ein sehr konservatives Rollenbild zu herrschen, welches vorsieht, dass die Kinder einfach heimgehen, wenn der Unterricht aus welchem Grund auch immer, ausfällt. Es ist noch immer nicht in den Köpfen der Schulleitung, dass nicht ein Eltenteil den ganzen Tag zu Hause hockt und nur darauf wartet , dass die Kindelein, wann auch immer, nach Hause kommen.


10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?
Frau Brüllen: Such Dir einen Job, der dir Spass macht UND dich ernähren kann. Und eine Familie. Such dir einen Partner, der das mit dir gemeinsam trägt. Der keine Angst hat, den Mund aufzumachen und seinen Standpunkt eben auch vor seinen Kollegen und Chefs zu vertreten. Erwarte nicht, dass es von allein passiert. Sei bereit, damit anzuecken. Gib nicht auf und lass Dir nicht einreden, dass es nicht geht.
 
Herr Brüllen: "Mach Dir keine Sorgen. Du findest schlussendlich den perfekten Partner, mit dem Equal Care ganz wunderbar gelingen wirst (wenn Du ihr erstmal gebeichtet hast, dass Ihr nie gemeinsam in der Küche ein Festmahl zubereiten werdet, auch wenn sie davon eine romantische Vorstellung hat (die nichts mit der Realität zu tun hat, weil sie in der Küche lieber fest die Zügel in der Hand hält als dass da jemand "equally" mit rumpfuscht)). ;-)

11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?
Frau Brüllen: In der Schweiz wünsche ich mir, dass es zB nicht nur ein, zwei, drei Tage Vaterschaftsurlaub bei der Geburt eines Kindes gibt, sondern dass es irgendeine Art ELTERNzeit, nicht nur Mutterschaftsurlaub gibt. Und dass sich die in den Grossstädten (oder was in der Schweiz halt Grossstädte sind :-)) und teils in den Ballungsräumen sehr gute Betreuungssituation auch auf das (Um)Land ausbreitet. Ganztagsschulen oder wenigstens eine vernünftige Betreuung über die Mittagszeit wären auch toll. So gut die Betreuung für die Kleinsten abgedeckt ist, so dünn wird es am Kindergarten/Schuleintritt. Kantonal unterschiedlich natürlich.
 
Herr Brüllen:Nun, das übliche: Equal Care würde noch besser funktionieren wenn Equal Pay Realität werden würde. In unserem Fall Jammern auf sehr hohem Niveau, aber dennoch wahr und richtig.


12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?
Frau Brüllen: Ich wünsche mir, dass mehr Männer und Frauen sehen, dass es gar nicht nur mehr von der Gesellschaft, der Politik, vom Arbeitgeber braucht, sondern dass Entscheidungsträger zuallererst sie selber sind. Ich höre und lese so oft "50/50" wäre so super, aber bei uns geht das nicht, der Job von meinem Mann erlaubt das nicht. Das macht mich immer ganz kribbelig, weil erstens auch mein Chef nicht Hurra schreit, wenn ich wegen Kind krank oder Laternebasteln nicht im Büro erscheine, genausowenig wie der des Herrn Brüllen ihn vor die Tür stellt, weil er seinen (gesetztlich zugesicherten) Kind-krank Tag (oder zwei oder drei oder mehr) nimmt oder wegen eines Lehrergesprächs eher das Büro verlässt. Wenn man (und damit meine ich: Frau) schon nicht mal dem eigenen Partner, dem das Wohlergehen  und die gerechte Behandlung seiner geliebten Ehefrau doch viel mehr am Herzen liegen sollte, als jedem Chef oder Politiker, klarmachen kann, wie viel einem an einer gleichberechtigten Partnerschaft liegt, wie kann man dann erwarten, dass die Gesellschaft, Politik, Wirtschaft das bitte für einen richten soll?
Aber natürlich wünsche ich mir von den Entscheidungsträgern, dass sie sich von den tradierten Rollenbildern lösen, dass sie nicht ihr Modell oder das ihrer Eltern als das einzig wahre sehen. Ich finde es interessant zu sehen, dass oft die formalen Regelungen viel grosszügiger sind als sie tatsächlich gelebt und in Anspruch genommen werden. Ich weiss noch, wie ich neu bei meinem jetzigen Arbeitgeber angefangen habe und die ganzen Regularien lass wie "3 Tage bezahlter Kinderpflegeurlaub pro Krankheitsfall, Anzahl unbeschränkt" und die Abteilungssekretärin mirch dann bei der Einführung ins Zeiterfassungssystem warnte, bloss nie einen einzgien Tag kindkrank zu nehmen, weil da würde man dann gefeuert. Was übrigens nicht stimmt, aber das hindert sie nicht daran, das heute noch zu verbreiten. Ich wünsche mir weniger "Das geht nicht" und mehr "Haben Sie eine Idee, wie das klappen könnte?"
 
Herr Brüllen: Ich bevorzuge für mich selbst zu entscheiden innerhalb der mir gegebenen Möglichkeiten und nicht stets darauf zu hoffen das "irgendwer da oben" Dinge dahingehend verändert, dass für mich etwas positives dabei herauskommt.

13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?
Frau Brüllen: Ich wünsche mir, dass es eine Selbstverständlichkeit wird, dass sich Eltern die Carearbeit gleicberechtigt teilen. Ich wünsche mir, dass irgendwann nicht mehr mit grossen Augen geflüstert wird, wenn der Papa zum Räbeliechtlischnitzen in den Kindergarten kommt, dass niemand mehr Angst hat, dass Mann und Kinder verhungern und verwahrlosen, wenn die Frau und Mutter nicht da ist. Ich wünsche mir, dass niemand mehr mit den Augen rollt, wenn ein Vater sagt "Da kann ich nicht, da bin ich dran mit Kinder für die Schule fertig machen." Und dass alle im Haus endlich mal mein System zum Teller- und Besteckschubladeneinräumen erkennen und berücksichtigen.
 
Herr Brüllen: Ich wünsche mir, dass es irgendwann keinen Equal Care Day mehr braucht, weil Equal Care zu einer selbstverständlichen Sache geworden ist.

Montag, Februar 27, 2017

This time of the year

Es ist jedes Jahr im Februar und im Juli so: ich habe das Gefühl, ÜBERHAUPT gar keine Idee für die anstehende Geburtstagsparty zu haben. Die Kinder und ich hirnen hin und her, bis irgendeine Idee steht, dann müssen als erstes die Einladungskarten gemacht werden und dann ..... auf einmal .... flutscht es.
Little L. wünscht sich dieses Jahr eine "voll gechillte Kinoparty mit Übernachtung, okay, Mami?". Im März können wir nun niemanden in den Garten ins Zelt sperren, also werden wir auf dem Speicher ein Matratzenlager einrichten, dazu schauen wir einen Kinderfilm (aktueller Plan: "Pets"), es gibt Popcorn und am nächsten Morgen Pancakes.
Soweit der ursprüngliche Plan. Für die Einladungen fiel mir nix ein, was wir mit einer kreativen Einladungskarte mit Foto (und Photoshop) umsetzen könnten, also habe ich (ganz kurz nur :-)) Pinterest bemüht und die erste Idee nachgebastelt:



Den (gar nicht so) fiktiven Filmtitel habe ich bei einem kleinen Twittercasting zum Thema "Film mit 8, nicht "Hateful Eight"" bestimmt (bzw. Little L. hat entschieden),

das Popcorn haben wir mit der "total letztes Jahrtausend" am Samstag einfach so im Laden gekauften Heissluftmaschine gemacht (das ist mir für die Party lieber, da kann mir nix verbrennen und Karamell kriege ich auch nachträglich drüber).
Und als ich da gestern so drin war und bei Partyprincess nach Popcornbechern suchte, da fand ich unter dem Superheldenmotto noch Photobooth-Zubehör und vor meinem inneren Auge formierte sich ein Süssigkeitenbuffet wie im Kino, dann noch eine Ecke, wo man sich als sein Lieblingsfilmheld fotografieren lassen kann, dann waren ja gestern die Oskars und vor unserem Haus würde ein roter Teppich super aussehen (da habe ich dann kurz Little L. gefragt, ob das noch seiner Vorstellung von "total chillig" entsprechen würde: die Antwort: "So cool, Mami, und wir machen so einen roten Samtvorhang hin und Absperrgitter" sagt wohl alles) und jetzt überlege ich noch, ob wir auf dem Dach der Nachbarn ein "Hollywood"-Sign installieren könnten. Nur für einen Tag. Und ich brauche Goldfolie für den "VIP-Entrance" und muss mir das Wortspiel "Limo-Parking" für den Getränketisch merken. (Der Grosse flüstert mir was von Backstage-Pässen und Meet&Greet zu).

Seien Sie also live dabei, wenn mein Hirn partytechnisch total gechillt eskaliert.

Sonntag, Februar 26, 2017

Durchatmen

Heute haben wir zum ersten Mal in diesen Ferien ausgeschlafen :-). Immerhin ist Little Q., der gestern mit Fieber ins Bett ist, heute morgen normal temperiert und nur noch verrotzt aufgewacht.
Den Tag haben wir dann aber trotzdem sehr ruhig angehen lassen. Wir haben ausgiebig gefrühstückt, die Sendung mit der Maus geschaut, immer mal wieder eine Waschmaschine ein- oder ausgeräumt (ich habe beschlossen, dass der Winter für uns rum ist und deshalb mal alle Winter- und Skiklamotten gewaschen und wasch-imprägniert. Dementsprechend hängt jetzt alles voller trocknender Skihosen, -jacken und -handschuhe.), Little L.s Geburtstagseinladungen gebastelt, die neue Popcornmaschine ausprobiert, Mumseln gebacken und gegessen, mit den Kindern (Little Q. hat das Buch in zwei Tagen ausgelesen) "Der Marsianer" geschaut, abends Tacos gegessen, Arbeitsklamotten rausgelegt (fertig mit in Skiunterwäsche und Hoodie rumlaufen!), festgestellt, dass ich morgen nicht nur arbeiten muss, sondern zum gemütlichen Wiedereinstieg auch noch für zwei Wochen meine direkten Kollegen vertreten muss, weil einer in Lappland, der andere auf den Seychellen ist. Nun ja, wenigstens bin ich mangels Gelegenheit zum Schwatzen nicht von der Arbeit abgelenkt.
Abends gabs dann noch Tacos und schon ist unsere Ferienwoche wieder rum. Die Kinder haben noch eine Woche (und wir haben ein langes Wochenende vor uns, weil die Basler Fasnacht uns einen freien Montag beschert. Nächste Woche dann.)

Samstag, Februar 25, 2017

Oana ged no!

So, ein letzter Skifahrpost sei mir gestattet, auch wenn wir schon wieder daheim, die Wäsche grösstenteils gewaschen, die Skisachen verräumt, das grosse Kind brav krank geworden und hier daheim schon Frühling ist.

Anfahrt zum Klosterhotel

Im und ...

... um das Klosterhotel

Wichtige Aufgabe am Anreisetag: Helmschmuck besorgen.

Sonne, Schnee, Berge

Irre viele Holländer. Der Hübsche versucht sich zu tarnen.


Quality time zu zweit mit Kaffee Baileys. Sonne, Schnee, Bergen.


Gar nicht so viel Schnee, wie man sieht.

Mein Kollege hatte uns ja auf eine Art kulinarische Reise geschickt, ich hatte für jede Hütte Empfehlungen. Hier die Beweisfotos (Angeblich ist auf dem Herren-WC da irgendwas Bemerkenswertes, der Hübsche hat es nicht rausfinden können)
Wiener Schnitzel

Kaspressknödel

Auf der Frommes-Alp gibt es angeblich den ....
...besten Apfelstrudel des Skigebiets. Ich fand ihn .. okay.

Die Kinder waren

auch noch dabei.

In einer ehemaligen Seilbahnhalle hat ein neuer Indoorspielplatz aufgemacht.

Ich schaffe nach einem Skitag vielleicht noch einen Aperol Spritz, die Kinder gingen klettern.

Mehr Schnee

Es war so warm, dass Little L. regelmässig nassgeschwitzt war und deshalb beim Mittagessen draussen eine improviesierte Mütze tragen musste.

Heimat

Ich muss unbedingt mal eine Zusammenstellung "Little L. looking at maps" machen.

Seriöses Familienbild

Wenn es auf 2800m 10 Grad PLUS hat, ist es erstaunlich, dass es doch noch so viel Schnee hatte.

Während der Hübsche, Q. und sein Freund noch mit dem Serfauser Sauser ins Tal rauschten, 

Waren L. und ich nochmal im Indoorspielplatz.

Wie es sich für den Renntag dann gehört: Schneefall und

kaum noch Sonne.

Toll war es!




Freitag, Februar 24, 2017

Time to say goodbye

Ich muss gestehen, prinzipiell finde ich Orte mit Signature-Songs ... schwierig. Beim letzten Italien-Urlaub hat der "Paradu-Song" jeden Abend um 6 im Pool für nach oben schnellende Augenbrauen gesorgt.
Ganz sichere Zeichen, dass es Zeit zum Aufbruch ist, sind:
1. mitwippen
2. den Text auswendig können (Ich meine: "In die Schuh, auf die Ski, auf die Piste fertig los", das geht ins Ohr. Und nicht wieder raus.)
3. auch einfach so vor sich hinsummen.
4. Gänsehautkriegen, wenn der Song zB bei der Siegerehrung laut gespielt wird.
5. es braucht gar nicht viel Überredung der Jungmannschaft, dass Sie 5 € in eine CD mit dem Lied investieren.

Damit Sie aber auch wissen. wovon ich spreche: voila:


Ich empfehle, den Song ca. 28mal hintereinander sehr laut zu hören, gerne im Pulverschnee bei Sonnenschein im Freien.
* geht "Sehr schön, sehr cool, Serfaus...." -trällernd ab*

Donnerstag, Februar 23, 2017

Theorie und praxis

Gestern habe ich aus gegebenem anlass (ein kind ist in l.s skikurs verloren gegangen, d.h. nach einem toilettengang einfach verschwunden gewesen) gelernt, wie ausgereift das notfallsystem der skischule hier ist.
Sobald ein lehrer ein kind vermisst, schickt er eine sms an die zentrale. Die wird an alle skilehrer und das liftpersonal weitergeleitet. Zusätzlich wird die pistenrettung alarmiert. Ausserdem wird die liftkarte des kindes geflagged, d.h. sobald es an irgendeinem lesegerät auftaucht, gibt es alarm und die liftstation hat das kind. Wer das kind findet (erkennbar an einem grossen aufkleber mit namen, skilehrernamen, telefonnummer der eltern und unterkunft), meldet das der zentrale und liefert es ab.

Wenn das kind allerdings von einem skilehrer gegen dieses protokoll allein auf die talabfahrt geschickt wird ohne jede meldung, dann geht es eine zeitlang, bis die hölle für die eltern und die skilehrerin vorbei ist.

Mittwoch, Februar 22, 2017

Skiferien-Erkenntnisse

Skidepot am Lift ist sein Geld drölfzigmal wert. Jeden Morgen und jeden Abend, wenn wir in Skischuhen und mit FREIEN Händen den Hügel vom Haus zur Dorfbahn runter bzw rauflaufen und uns in die volle Bahn quetschen, feiere ich diese Ausgabe :-).

Mit grösseren Kindern ist es leichter. Ich kontrolliere nur noch kurz vor dem Zumachen der Schuhe auf Socken- oder Hosenfalten, den Rest kriegen sie ganz allein hin. Und trotz ausgepowert gab es noch kein einziges Mal Gemotze ob des wirklich steilen Fusswegs nach oben zurück.

Ach ja: auch Skischule ist mit grösseren Kindern viel einfacher. Es gibt kein Geheule, weil sie "bleiben müssen", sondern sie haben Spass mit jungen, coolen Skilehrerinnen (in unserem Fall, wobei  die Skilehrer natürlich genauso cool sind), sie knüpfen auch mal lockere Freundschaften für eine Woche. (es ist so lustig: Little L. redet mit Kindern, deren Dialekt er nicht einsortieren kann bzw als nicht als schweizerisch erkennt, so gestelzt hochdeutsch, viel preissischer als mit uns) Sie gehen sogar (abhängig vom Essenplan) manchmal lieber mit den Skischulkindern Essen als mit uns, was praktisch ist, weil wir nicht zweimal zu einer festen Zeit an einem festen Ort sein müssen und mal woanders essen können.

Ach ja: ein Tipp für die Miteltern: es wäre so super, wenn Sie einfach alle Ihre Kinder vor dem Skikurs nochmal auf die Toilette schicken könnten. Ab einem gewissen Alter schafft man schon zwei Stunden ohne Pinkelpause, wenn man sozusagen restentleert angefangen hat. Aber klar, es macht richtig viel Spass entweder alle 5 Minuten 9 andere Kinder warten zu lassen, weil einer auf den Topf muss, oder aber mit einem heulenden Kind die Eltern herzutelefonieren, weil das Kind nicht Bescheid gesagt hat, dass es muss und dann halt in die Hosen gemacht hat.

Österreich ist gar nicht so viel billiger, wenn überhaupt, als die Schweiz, wenigstens was die Unterkunft (Ferienwohnung) und den Skipass angeht. Was aber echt viel weniger kostet, ist die ganze Gastronomie. So lassen wir es uns essenstechnisch gut gehen auf der Piste und auch der Heimweg geht leichter nach einem Kaffee Baileys oder einem Aperol Spritz vor der letzten Abfahrt oder unten an der Talstation.

Ferienwohnung ist für mich der perfekte Urlaub. Selberkochen ist nun echt keine Hexerei, wenn man sich auf Nudeln mit Sosse. Spiegelei und arme Ritter oder aber Brotzeit, weil man ja mittags warm isst, beschränkt. Die Semmeln fürs Frühstück werden vom Lieferdienst der Bäckerei an die Haustür gebracht, auch das ist money well spent.

Den seltsamsten Moment heute erlebte ich bei der Gondelfahrt am Morgen, da stand vor uns eine Familie mit drei Kindern, zwei Skifahrkinder, der Vater in Skimontur, die Mutter mit dem kleinsten Kind auf dem Arm "nur" in Winterklamotten. Ich dachte erst, das Kleine wäre nur müde oder mittagsschlafbereit, weil es wie ein nasser Sack über der Mutterschulter hing, dann sah ich erst die verkrusteten Pustel im Gesicht, dann die glasigen Augen, dann die nässenden, zT eitrigen, zum Teil frisch flüssigkeitsgefüllten Windpockenpusteln auf dem Rest des Kindes. Ich war so perplex, wie man sich mit einem offensichtlich (nicht nur in Pustelhinsicht) echt kranken und noch dazu hochansteckenden Kind in eine Menschenmenge quetschen kann, die von der Dichte her dem morgendlichen Berufsverkehr in der U-Bahn einer mittleren Grossstadt entspricht, dass ich gar nichts sagen konnte. Ich hielt trotz strenger Blicke des Liftpersonals, die ja gerne alle Gondeln ganz voll machen, den Hübschen und die Jungs davon ab, zu dem Pustelkind miteinzusteigen; wir sind zwar entweder geimpft oder hatten sie schon oder beides, aber man muss ja nix riskieren. Und vermutlich hätte ich auf der Fahrt dann doch die Klappe nicht halten können, sondern was gesagt, und dann hätte sich rausgestellt, dass das Kleine keine aktiven Windpocken hat, sondern ..... eine unansteckende Tränendrüsenüberfunktion und frühkindliche Akne oder irgendwie sowas und das wäre ja dann auch eine komische Situation gewesen.



Dienstag, Februar 21, 2017

Little L. says

In den Wochen vor den Skiferien: "Boah, ich möchte eigentlich nicht in den Skikurs, da ist es immer entweder langweilig oder anstrengend. Ich würde lieber mit Euch fahren, da muss ich nicht dauernd Kurven machen."


Nach dem ersten Tag Skikurs dieses Jahr: "Mami, sei nicht traurig, aber ich muss dir was sagen: mit der Skilehrerin fahren macht schon echt mehr Spass als mit Dir."

Zum Thema "andere Kinder im Kurs und wie er die so findet": "Schade, dass meine Brille nicht so verspiegelt ist wie Deine. Bei mir sieht man meine Augen durch und erkennt am Rollen, wenn mich jemand nervt."

Zum Thema Wintersport (Biathlon fasziniert ihn, seitdem ich ihm mal erzählt habe, dass er jetzt ohne die Betablocker auch da wieder wettkampfmässig mitmachen könnte, weil er nicht mehr gedopt wäre): "Ich finde Biathlon schon super, aber das Langlaufen, das schaut mir fad aus. Ich fände es ja besser, wenn man Abfahrtsrennen und Schiessen kombinieren könnte. Oder Slalom und Schiessen. Oder gleichzeitig." Wir planen, das "Schweizer Kombination" zu nennen. Auszuführen mit dem Sturmgewehr. Vielleicht auch mit Skispringen kombinierbar.

Montag, Februar 20, 2017

Down memory lane

Gestern musste ich dreimal an meinen allerersten chef denken. 

Zum ersten mal, als der hübsche und ich die kinder bei der skischule abgegeben hatten und auf den nächsthöheren gipfel hinauffuhren und gemeinsam beschlossen, die schwarzen pisten dort nicht als allererstes runterzufahren. Mein chef hatte damals eine gruppe jungchemiker in seine wohnung im wallis eingeladen und uns zum skifahren im quatre vallees mitgenommen. Er fragte den kenntnisstand vorher ab und schleppte uns dann als allererstes auf den mont gele hinauf. Auf der, wie er es nannte, braunen Piste (weil man da vor angst die hosen voll hat) zeigte sich dann, wie wichtig der kulturelle Background zur Einschätzung von Aussagen ist. Der Chef hatte uns nämlich noch daheim nach unseren Skifähigkeiten gefragt. Die europäischen Kollegen meinten alle so mehr oder wenige "Joah, geht eigentlich, ich habe als Kind angefangen und gehe seitdem jedes Jahr, ich bin jetzt nicht super, aber ich fahr gern und komm den Berg runter. " Der amerikanische Kollege aus Alabama  meinte "I love skiing. I have been living in Wallis for a couple of years and I can do any slope you name." Es war ein interessanter Anblick, wie bleich ein erwachsener Mann werden kann und wie lang der Chef brauchte, um den Kollegen in einem Stück die Piste mehr oder weniger runter zu tragen.

Zum zweiten Mal dann beim Mittagessen und beim Kaffeetrinken, wo ich mir die ganze Zeit dachte: Maaaaaaan, wir haben den teuren Skipass gezahlt, die Kinder sind im Skikurs, wir müssen fahren, fahren, fahren, Pausen braucht kein Mensch. Dann dachte ich dran, wie stressig ich damals meinen Chef fand, der uns "junge Leute" (er war damals 60 oder so) augenrollend zum Mittagessen absetzte und dann eine Runde ohne uns Wussis fahren ging, ein Käsebrot im Sessellift musste reichen. Dann gings wieder, wobei man ja schon nicht ewig in eine leere Kaffeetasse starren muss, die Gegend und die frische Luft erlebt man auch während der Fahrt, nech?

Und zum dritten Mal abends, als alle müden Oberschenkel mit Lavendelöl oder Muskelwohlgel eingerieben wurden. Mein Chef war nämlich vor seiner Zeit als mein Chef (eine recht lange Zeit vorher) der Chef der Voltaren-Wirkstoffproduktion gewesen. Zum Abschied hat er (oder er hat es einfach mitgenommen, da bin ich mir nicht ganz sicher) das Rückstellmuster des letzten Batches Diclofenac, der unter seiner Aufsicht produziert wurde, geschenkt bekommen (ich persönlich glaube, er hat es einfach mitgenommen, diese Rückstellmuster werden nämlich eigentlich gehütet wie Augäpfel, und dienen als Referenz, wenn irgendwelche Behördenanfragen oder Kundenbeschwerden oder so etwas kommen). Dieses Rückstellmuster, eine braune Glasflasche mit ca 250g Wirkstoff drin, hat er unter der Spüle in seiner Ferienwohnung im Skigebiet gelagert. Am ersten Abend, als die Jungmannschaft erschöpft und schweigend im Käsefondue rührte, meinte er "So haltet ihr mir keine Woche durch, das geht nicht. Ihr nehmt jetzt alle Voltaren, ich habe das optimiert: ein Mokkalöffel voll, aufgeschlämmt in einem Schnapsglas voll Wasser und ihr seid morgen wie neu." Und naiv (und erschöpft) wie wir waren,  haben wir brav alle unser Stamperl weisse Brühe runtergetrunken, uns dann beim Rummy abzocken lassen und ja, am nächsten Morgen waren wir alle wieder topfit und nix hat wehgetan. Mit meinem heutigen Wissen schreit mein innerer Compliance und Drug Safety Officer natürlich Zeter und Mordio bei dem Gedanken, weil "unter der Spüle im Ferienhaus" sicher kein kontrollierter Lagerraum mit Temperaturmonitoring ist und weil nach Ablauf der Retest-Periode sicher keine Vollanalyse für eine erneute Freigabe gemacht wurde, ganz abgesehen davon, dass auch mein beschränktes galenisches Wissen dafür ausreicht, dass "ein Mokkalöffel pro Schnapsglas" nicht direkt eine validierte Dosiermethode ist. Geschadet hat es uns nicht und ehrlich gesagt, habe ich nie wieder so einen grossartigen Chef wie diesen gehabt.

Sonntag, Februar 19, 2017

Eigentlich

Alles super, traumwetter, traumschnee, traumgesellschaft beim fahren, einigkeit, dass uns die senkrechten schwarzen pisten zu steil sind (mal sehn, wir sind ja noch ein bisschen hier), kinder haben tolle skilehrerinnen erwischt und sind glücklich in ihren kursen.
Das morton neurom verhält sich beim fahren okay, beim skischuhe ausziehen habe ich eine halbe stunde gejault, aber kein vergleich zu letztem jahr.
Alles so super, dass ich es vielleicht ein bisschen übertrieben habe und als lohn kopfschmerzen aus der hölle mit schüttelfrost und übelkeit bekam. Gsd die von der sorte, die auf ibuprofen sofort ansprechen.

Samstag, Februar 18, 2017

Skurril

Gestern wären wir vermutlich fast in den Mautknast gekommen, der Hübsche hat nämlich nach der Durchfahrt durch den drölfzigtausend Kilometer langen Arlbergtunnel erst ganz, ganz knapp vor der Schranke realisiert, dass das eine echte Mautstation ist. Sein komplizenhaftes "Aber wir müssen ja sicher nix zahlen, wir haben ja ein Pickerl" war sehr niedlich, aber echt oskarreif war die trockene Antwort der Mautfrau: "Ja, das Pickerl ist für die Strasse, jetzt zahlen Sie für den Tunnel".  Ich schwör, vor dem Tunnel stand NIX von zahlungspflichtig, sonst hätte ich nicht erst auf den Rücksitz klettern müssen auf der Suche nach dem Geldbeutel.

Dann, weiter auf der Inntal(?)-Autobahn, leuchteten hoch oben über der Strasse mitten im Nichts auf einmal eine Burg und eine Kirche. Ich meinte im Spass: "Guck mal, da oben schlafen wir dann."
Und dann kam unsere Ausfahrt, dann die Abzweigung, dann wurde die Strasse einspurig, dann kam der Wald, und es ging in Serpentinen nach oben und dann, zack, waren wir bei Burg und Kirche. Little L. dachte "Gell, Mami, ein Kloster, das ist sowas wie eine Kirche. Ist das nicht megaunbequem zum Schlafen?"

War es dann natürlich nicht, wir kamen sogar noch rechtzeitig an, um im Speisesaal was zu essen zu bekommen (Schnitzel und Backhendl, so lecker!), die Jungs waren angemessen beindruckt von dem Habit der Barmherzigen Schwestern, nicht ganz so von dem Schild am Eingang zum Speisesaal.

Geschlafen haben wir alle zusammen unterirdisch schlecht, aber das war ja zu erwarten: zu viert in einem Raum, die Betten unbekannt (Eve versaut einen halt schon für alle anderen Matratzen), alle erkältet und dementsprechend schnarchend, nun ja.
Am Morgen haben wir dann noch einen kleinen Spaziergang gemacht, dann ging es wieder runter ins Tal und der Wechsel von dem verwunschenen Gasthof in der Mitte von Nix zum Skizirkus von Serfaus (wir waren irgendwie noch nie in einem so .... riesigen Skigebiet, oder mit so vielen Leuten (wir haben neben den Nachbarn, mit denen wir eh da sind, noch drei andere Familien von daheim getroffen) war schon eine Hausnummer.
Aber: Es gibt Schnee, wir haben direkt in den sauren Apfel gebissen und für 6 Tage Skipass und Kinderskikurs bezahlt, wir sind die ersten Abfahrten runtergesaust, die Ferienwohnung ist super, wir  haben den Bäcker für die frischen Semmeln morgen zum Frühstück gefunden (überhaupt: ich kann "Semmeln" sagen und kriegen), alles wunderbar hier.

Bilder gibt's leider erst daheim wieder, weil die Uploadgeschwindigkeit so ist, dass .. ach. Sad. True story.

Freitag, Februar 17, 2017

Bei Gott

Wir fahren ja dieses Jahr zum ersten Mal seit Urzeiten wieder anch Österreich zum Skifahren (aus verschiedenen Gründen, die hier nichts zur Sache tun) und zum allerersten Mal mit Freunden von hier. Also, wir werde am gleichen Ort sein und unsere Kinder ims selben Skikurs (vermutlich hoffentlich), aber nicht in der gleichen Wohnung, das wäre ein bisschen arg viel.
Unsere Freunde fahren da regelmässig hin und haben die Anreise optimiert und dankenswerterweise ihr Wissen mit uns geteilt (mein Kollege hat mir gestern noch eine Art kulinarischen Pistenplan gezeichnet, wo wir mit maximalem Fahrspass den besten Kaiserschmarrn mit dem besten Schnitzel und dem besten Kaffeekuchenkombiangebot verbinden können und so durchs Dorf zurücklaufen, dass wir direkt am besten Apresski-Laden vorbeikommen und dann noch im besten Restaurant für den Abend reservieren können. Ich habe den Eindruck, wir sind die letzten Menschen auf Erden, die noch nicht in Serfaus waren).
Und so werden wir uns nicht am Feriensamstag in den Bettenwechselstau stellen, sondern schon am Freitag vorher einen Grossteil der Strecke fahren und kurz vor Serfaus übernachten. Im gleichen Hotel haben wir kein Zimmer mehr bekommen, weil "Wir vermieten nur übers Wochenende"; was zwar nicht stimmt, weil unsere Freunde da auch nur für eine Nacht sind, aber ich streite ja nicht mit jedem am Telefon. Also habe ich bei Booking.com geschaut, was ich da noch so finde und das Angebot war im Sommer dann schon nur noch so mittelumfangreich. Man hätte Gipfelhütten wür 30 Leute mieten können, Appartements direkt an der Piste, aber ein normals Hotelzimmer: eher weniger. Ein einziges Hotel gab es in dem Ort noch, es sah auf der Karte ein bisschen ausserhalb aus, aber was solls: wir müssen da parken, schlafen und frühstücken. Die Bewertungen waren gut, teuer war es nicht, also, zack, gebucht.
Als ich dem Hübschen dann mein Schnäppchen zeigen wollte, rief ich die Homepage auf .... und .... ja. Es sieht so aus, als ob wir in einem Nonnenkloster oder einer einem Nonnenkloster angeschlossenen Herberge übernachten würden. Man kann da auch spirituelle Einkehr machen. Ich schwor dem Hübschen Stein und Bein, dass das bei Booking.com nicht erkennbar gewesen wäre (Ehrlich, die in den Bewertungen mehrfach als "grossartig" gelobte Schwester Barbara hielt ich ehrlich gesagt für einen Nachtisch...), und nun ja, es gibt nun mal keine andere (vernünftige) Herberge da in der Nähe (pun intended).
Die Kinder sind sehr gespannt (sie erwarten so etwas "Name der Rose"-artiges), ich auch, vermutlich ist es aber dann doch recht unspektakulär. Spektakulär wird höchstens die Anreise, die nur über ein Winzlingsdorf möglich ist und es soll ja nochmal ordentlich schneien. Halleluja.

Donnerstag, Februar 16, 2017

Herzschwere

Es ist soweit: gestern abend kam Little Q. und erzählte mir etwas, das ihn sehr, sehr traurig macht. Und zum allerersten Mal, seitdem ich Mutter bin, ist es etwas, das ich nicht wieder gut machen kann, etwas, wobei ich auch nicht helfen kann.
  • Es ist keine Schürfwunde am Knie, die mit Saubermachen, nachtleuchtendem Ritterpflaster, Kuscheln und Trostgummibärchen besser als vorher ist.
  • Es ist kein weggenommenes Sandförmchen oder zerstörte Legoburg oder Vordrängeln an der Rutschbahn, wo ich mit meinem Kind besprechen kann, dass es sowohl ok sein kann, so was zu akzeptieren und abzuhaken, als auch sich zu wehren, und wie man das macht.
  • Es ist kein zerbrochenes Spielzeug, das man entweder reparieren oder ersetzen kann.
  • Es ist kein Streit mit dem Bruder oder einem Freund, bei dem ich entweder als Schiedsrichter oder Mediator helfen kann.
  • Es ist kein Streit mit Kackbratzen auf dem Schulweg oder Schulhof, bei dem ich als Löwenmutter entweder bei den anderen Eltern oder den Lehrern auf den Tisch hauen und Konsequenzen fordern kann, oder aber meinem Kind beibringen, dass es im Unrecht ist und mit ihm eine Lösungsstrategie ausarbeiten kann.
  • Es ist keine Ungerechtigkeit von Kindergarten-, Schul-, Kindergarten-, Trainerseite, die ich durch Intervention und im Notfall Eskalation bereinigen kann.
  • Es ist kein Mobbing oder sonst arschiges Verhalten anderer Kinder, bei dem ich mit meinem Kind Argumentationsstrategien erarbeiten kann und ihm den Rücken stärken kann, und gleichzeitig mit Lehrernkindergärtnern, anderen Eltern Massnahmen fordern kann.

Es ist etwas anderes, etwas, wo ich nichts tun kann, um das zu reparieren. Es ist etwas, was er noch öfter erleben wird, was nie leichter wird, und wo ich nichts tun kann, als da sein und ihm zeigen, dass es okay ist, wenn man traurig ist. Ich kann mit ihm traurig sein (und innerlich ein ganz klein bisschen froh, dass mein eigentlich so grosser Sohn mir erzählt, was ihn traurig macht und in meinen Armen weint, anstatt das in sich reinzufressen.)

Mittwoch, Februar 15, 2017

Angsthase, Popelnase

Vielleicht bin ich gar nicht so cool und entspannt und extrovertiert und lustig, wie ich hier immer tue.
Heute zB ist einer meiner harmloseren Smalltalkversuche total in die Hose gegangen und das kam so:
Auf dem Weg zum Drucker habe ich gesehen, dass anscheinend die erste Welle Pflanzen ausgeliefert worden war. Und anstatt das einfach abzuhaken und mir in meinem Kopf zu überlegen, ob ich vielleicht doch eine haben wollen würde und jetzt doch eine bestellen könnte, jetzt wo ich weiss, wie die Hängetöpfe an den Cubicle-Wänden so aussehen, sagte ich zu der Pflanzenbesitzerin: "Hey, die Pflanzen sind ja da, die sieht ja echt schick aus."
Es folgte ein langer Sermon, dass das ja lang genug gedauert hätte und das sähe hier eh alle so langweilig aus, nur in weiss, und ich solle mir doch auch eine bestellen und hätte ich doch was gesagt, dass ich keine Zeit zum Präbestellbesichtigungstermin gehabt habe, sie hätte mir ja eine mitbestellen können und ob ich den Link noch hätte, und sie könne mir den schicken, aber sie wüsste nicht, ob man die noch anschauen könnte oder halt einfach bestellen, ihre wäre die Pflanze 4, nur für den Fall.
Und während ich schon langsam dachte, dass ich ja noch gar nicht sicher wüsste, ob ich wirklich eine Pflanze wollen würde und jetzt aber sicher eine bestellen müsste und zwar auf alle Fälle Pflanze 4, weil sonst könnte man ja meinen, ich wäre nicht ehrlich gewesen, als ich die Pflanze gelobt hätte, da kam die Pflanzenbesitzerin ganz nah an mich heran, starrte mir ins Gesicht und sagte (in der gleichen, für das gesamte Stockwerk und vermutlich auch eins nach oben und unten perfekt verständlichen Lautstärke): "Du, kleiner Tipp, von Frau zu Frau*, schau mal in den Spiegel und putz Dir die Nase. Am besten gleich hier, ich hab einen da."
Ich winkte dankend ab, wischte mir panisch über die Nase (das klang so dramatisch, als ob ich da einen Popel in Saubohnengrösse hängen hätte oder mir den Lippenstift bis auf den Nasenrücken geschmiert hätte oder aus Versehen ein Legomännchen in die Nase gesteckt hätte), mit keinem grossartigen Effekt und murmelte was wie "Ich wollte eh grad aufs Klo", wehrte zwei "Ne, komm, mach gleich hier" ab und flüchtete.
Im Damenwaschraum starrte ich panisch in meine Nase: nichts. Nasenhärchen, mit etwas Phantasie konnte man vielleicht ein minifuzziklanes Stückchen Popel kurz vor dem Kleinhirn erahnen, aber dafür musste man wirklich schon sehr genau schauen, während man gleichtzeitig mit einer kleinen LED-Lampe in die Nase reinleuchtete und das Nasenloch mit der anderen Hand auseinanderzog (ja, Sie wundern sich vielleicht, aber ich habe für den Notfall immer eine kleine Taschenlampe dabei). Lippenstift war an Ort und Stelle, nicht mal Hautschüppchen oder so was waren zu sehen.
Ich stand also eine Zeitlang vor dem Spiegel, unschlüssig, ob ich wieder rausgehen sollte (ich hatte keine Lust auf die musternden Blicke, noch weniger Lust, einen Umweg um den 3/4-Turm zu machen, um von  der anderen Seite an mein Cubicle heranzuschleichen, unsicher, ob ich vielleicht irgendwas total ekliges oder ätzendes an meiner Nase übersehen hätte, und ging irgendwann in einer Art Übersprungshandlung erst mal aufs Klo.
Ich weiss ja nicht, wie das bei Ihnen so ist, ich hab es ganz gern, wenn ich allein in so einem Klo bin (also: nicht nur in der Kabine, sondern auch überhaupt.). Es ist nicht unmöglich für mich, mit anderen Leuten in Hörweite aufs Klo zu gehen, aber lieber habe ich es schon, wenn ich mir keine Gedanken machen muss, ob ich zu laut oder zu leise oder zu lang oder kurz oder zu irgendwas pinkle. Oder noch schlimmer.
Dementsprechend perplex war ich, als sich auf einmal die Tür zur Damentoilette öffnete und jemand "Frau Brüllen?" reinrief. Und dann wurde mir mitgeteilt, dass man mir den Link zu der Pflanzenbestellmöglichkeit jetzt geschickt hätte und "nicht vergessen, Pflanze 4. Und Achtung: User-ID eingeben, nicht Name, sonst gehts nicht."

Und das war der skurrilste Moment des heutigen Tages für mich: schwer nasenverunsichert und gezwungen, aus der Klokabine raus mich für einen Blumenbestelllink zu bedanken.


*Bei "von Frau zu Frau" wird mir immer schon ganz anders. Meist kommen dann ganz schlimme Dinge, die ich gar nicht wissen möchte, wie die dritte Brustwarze am Knie der Sekretärin des Nachbarabteilungschefs seinerzeit oder eine "bis zum Knie rausgefallene Gebärmutter" oder sonst irgendwas unerfreuliches. Meist kommen solche unerwünschten Vertraulichkeiten auch von Vertreterinnen meines Geschlechts, mit denen ich etwa soviel gemeinsam habe wie mit der Schnittmenge aus Kati Karrenbauer und Victoria Beckham.

Dienstag, Februar 14, 2017

Ausgleich

Heute war ein irrer Tag bei der Arbeit:
7:30-8:00h: im Shuttle Mails beantworten
8:00h - 9:00: Meeting für Produkt A, dessen Produktion transferiert werden soll. Abstimmen der Antwort an den Lieferanten mit meinen Teamkolleginnen
9:00h - 11:00h: Groupmeeting mit Chef und Kollegen, wie immer sehr interessant, aber auch irre viel Meinung auf einem Haufen
11:00h - 12:00h: Die aufgelaufenen Mails beantworten, Nachmittagsmeetings vorbereiten.
12:00h - 12:30h: Mittagessen
12:30h - 13:00h: Recherchearbeiten
13:00h - 14:00h: Mein Unterteam für Produkt B trifft sich zur Risikoanalyse
14:00h - 15:00h: Transferteammeeting Produkt A incl Webex mit den Kollegen in Irland
15:00h - 16:30h: Abgleich meiner Risikoanalyse mit der der Quality-Kollegin für Produkt B.
16:30h - 17:00h: Emails beantworten im Shuttle.

Daheim angekommen ist mein Kopf gleichzeitig total voll und total leer und ich fühle mich so müde, dass ich am liebsten ins Bett gehen würde. Allerdings ist vor allem der Kopf müde, nicht so sehr der Rest des Körpers, auch wenn es sich so anfühlt und ich immerhin mit Sack und Pack den ganzen Tag von einem Sitzungszimmer zum nächsten gelaufen bin (nicht im Elfenbeinturm, also habe ich auch nicht den Lift benutzt, eine Distanz von maximal vier Stockwerken laufe ich mittlerweile auf einem Bein ab). Also schwinge ich mich nach dem Austausch mit den Kindern (gefühlt ist die halbe Schule krank. Ich hoffe, unsre halten durch bis in die Skiferien!) auf den Crosstrainer und renne so lange, bis die Beine so müde sind, wie mein Kopf beim Heimkommen. So symmetrisch müde fühlt sich das viel besser und nahezu topfit an, so dass ich heute abend sicher wieder nicht vernünftig früh ins Bett gehen werde. (Skiferien. Bald.)

Montag, Februar 13, 2017

Stranger things

Wie Sie ja wissen, besitzen wir seit geraumer Zeit einen Staubsaugerroboter. (den hier (Affiliatelink), falls Sie sich fragen) Tolle Sache, mindestens am Wochenende wird er einmal durch jedes Stockwerk geschickt. Dafür muss man den Boden total freiräumen, das ist erziehungstechnisch für alle eine gute Sache. Wenn man mal Kopfhörerkabel aus der Bürste gewickelt hat oder den Staubbehälter nach Lego-Schutzbrillen und Spritzen durchsucht hat, merkt man sich das.

Im offenen Wohn-/Ess-/Küchen-/Garderobenbereich im Erdgeschoss fährt er deutlich öfter, wegen Essengebrösel, Kochgebrösel und Rein-und-Rauslauf-Gebrösel gibt es da auch mehr zu tun.
Wir machen das meistens so, dass der Hübsche und ich als letzte Handlung vor dem Schlafengehen die Stühle auf den Esstisch stellen (das hat so was von „Freitagmittag in der Grundschule“, da mussten wir das auch immer machen), die Schuhe und die Mützenkisten in der Garderobe wegräumen und alle Taschen auf die Treppe stellen. Der Sauger fährt dann für ungefähr anderthalb Stunden leise brummend durchs Wohnzimmer, dazu kann man ganz gut einschlafen und am nächsten Morgen ist alles sauber.

Es gibt natürlich manchmal Probleme, entweder hat man doch eine Decke so vom Sofa hängen lassen, dass der Sauger sich eine Franse schnappt und sie so lang hinter sich herzieht, bis er ermattet aufgibt, oder er hat ein Kabel gefunden, das er sich so lang um die Bürsten wickelt, bis nichts mehr geht, oder er hat den Buckel über den Couchtischunterdings nicht dynamisch genug genommen, dass er schräg dranhängend verhungert, oder aber, er hat die Ladestation so verschoben, dass er nicht mehr einparken kann. In all diesen Fällen piepst er ein paar Mal ganz traurig und sagt: „Fehler. Bitte stellen Sie Roomba an einen sicheren Ort“ oder „Fehler. Bitte laden Sie Roomba auf“.

Wenn man das erst am nächsten Morgen hört, schickt man ihn halt nochmal los, bis alle Zähne geputzt haben, vergeht eh eine Zeitlang und das meiste hat er dann eh schon aufgesaugt, oder er muss halt am nächsten Abend noch mal ran.

Heute aber bin ich jedoch von dem traurigen „Bübelüp, bübelüp, Fehler, bitte laden Sie Roomba auf“ direkt aufgewacht (um 1:36h, aus einem sehr mühsamen Traum, deswegen war das gar nicht so schlimm) und bin direkt nach unten gegangen, um ihm zu helfen.

Ich sah im dunklen Wohnzimmer schon das traurige rote Blinken, das eben kein Strom, abgestürzt oder verfangen bedeutet. Der Roomba hatte sich in der Ecke neben dem Klavier an die Wand manövriert, geschafft, die Ladestation mit der falschen Seite gegen die Wand zu drehen und so lange versucht, trotzdem einzuparken, bis ihm der Saft ausgegangen war. So weit, so gut, das passiert. Was aber sehr seltsam war, war, dass er keinen Staubbehälter dran hatte. Das ist ein Teil von dem scheibenartigen Roboter, den man durch gleichzeitiges Knopfdrücken und Ziehen entfernen kann, um eben den gesammelten Dreck auszuleeren. Ich dachte (ich muss das nochmal prüfen), dass er ohne Staubbehälter überhaupt nicht fahren kann, aber anscheinend: doch. Man sah sogar noch seine letzte Spur, da hatte er nämlich in der Garderobe ein paar trockene Blätter eingesammelt, mit den verschiedenen Bürsten geschreddert und dann durch den keinen Auffangbehälter wie so ein kleines elektrisches Blumenkind verstreut. Ich machte mich also auf die Suche nach dem Auffangbehälter, legte mich erst flach auf den Boden, suchte unter dem Sofa, in der Küche, auf der schwierigen Sofatisch-Stufe, nichts. Erst im kleinen Gästebad, in der hintersten Ecke, wurde ich fündig. Ganz allein stand dort der Staubbehälter. Ich leerte ihn, befestigte ihn wieder am Roomba und stellte ihn in die Ladestation. Heute morgen war ich mir nicht ganz sicher, ob ich das vielleicht nur geträumt hatte (Genau so spannend sind aktuell meine Träume, es würde also schon fast passen), aber unten im Wohnzimmer stand nicht nur der Roomba in der Ladestation (das wäre ja auch ohne das nächtliche Intermezzo der zu erwartende Zustand gewesen), nein, die Strasse aus gehäckselten Blättern führte immer noch quer durchs Wohnzimmer....

Kein Drama, nichts, was sich nicht durch eine Extrarunde Saugen erledigen liessen, aber mysteriös ist es schon. Ich werde die restlichen Familienmitglieder mal nach ihren Träumen befragen müssen, vielleicht hatte jemand im Traum die dringende Aufgabe, den Staubbehälter im Bad zu verstecken, weil sonst ... keine Ahnung. Oder der Roomba entwickelt ein eigenes Bewusstsein und ist in der Autonomiephase angelangt. Oder es war jemand Fremdes im Haus. Oder die Katze....

Sonntag, Februar 12, 2017

#12von12 im Feburar

Heute ist wieder #12von12, was das ist, kann man bei Karo von "Draussen nur Kännchen" nachlesen und auch ganz viele andere Bilder verlinkt sehen.
Weil ich via Twittertimeline heute morgen im bett noch daran erinnert wurde, gibt es das obligatorische Bild des ersten Kaffees, ohne das man eh keine Street Credibility hat bei #12von12. (im Hintergrund meine gestern gewaschenen Blusen beim Trocknen)


Irgendwann dann Frühstück. Mit dem Hefezopf von gestern, Rezept findet sich hier)

Danach geht es eine Runde an die frische Luft, ein paar gelbe Arenen müssen wieder blau besetzt werden. Im Becher der Rest vom "Lady Grey"-Tee von Frühstück.

Wir haben letztes Wochenende nach langer Zeit mal wieder Fotoabzüge bestellt (seit Mai 2015), die ich dann im LAuf der Woche auf die verschiedenen Alben verteilt habe (Q., L., Familie, Urlaub, Katze). Bevor sie ins Regal geräumt wurde, wurde nochmal in Erinnerungen geschwelgt.

Little L. ist erkältet und bekam deshalb (und auch überhaupt) ein paar Extrakuscheleinheiten.
Sonntag machen die Jungs mit dem Hübschen immer ein bisschen Workout auf dem Dachboden. Mit Bauchroller und Klimmzügen am Kletterbrett.
Ich habe währenddessen Little L.s Geburtstagspulli zugeschnitten. Er hat sich einen Faultierstoff gewünscht. Krass, oder? Ich habe die Stickdatei von Karo zu Little L.s erstem Geburtstag gekauft und mittlerweile unzählige Male verstickt.

Zimtschnecken aus dem Waffeleisen. Unglaublich lecker!

Endlich haben wir unsere Rauchmelder anmontiert.

Little L. wird wegen Schnupfen und Heiserkeit noch in die warme Wanne verfrachtet.
In der Zwischenzeit schmurgelt Fisch mit Spinat und Käsesahnesosse im Ofen (als Ausgleich gibt es Kartoffeln und Romanesco einfach nur aus dem Dampfgarer).

Vor dem Schlafengehen kommt noch ein Rundtelefon: Little Q.s Lehrer ist krank, d.h.. wir planen ein bisschen um, dann geht es ins Bett und der Hübsche und ich machen es uns mit der Babydecke fürs Berlinbaby und "Travellers" auf dem Sofa gemütlich.

Samstag, Februar 11, 2017

Auftanken bis Hummeln im Hintern

Heute: nix vor. Ausser Pfadfinder für die Kinder, was ja nur bedeutet, dass sie um 14:00 in Outdoormontur und mit grillbarer Brotzeit versehen am Antritts-Platz stehen.
Wir haben also erstmal ausgeschlafen (Little L. bis 6:00h, Q. bis 8:00, ich bis 8:30h, der Hübsche bis Kaffee.), uns dann aufgeteilt: die Kinder gingen in die Bücherei, der Hübsche Semmeln holen, ich Eier kochen, Smoothie pürieren und Tisch decken.
Nach dem Frühstück: Rumgeräume, ich habe meinen Faultierrock fertig genäht.
Kinder --> Pfadfinder, wir haben uns auf die Suche nach einem Fütterdienst für die Katze in der Skiferienwoche gemacht und das war spannender als gedacht. Dieses Jahr sind die Fasnachts/Skiferien zwischen Basel, Basel-Land und Aargau und dem Fricktal, einem Teil des Aargaus extrem entkoppelt und anscheinend nutzen alle Nachbarn genau wie wir aus, dass in unserer ersten Ferienwoche sonst noch keiner frei hat und es vielleicht günstiger (vielleicht auch nicht), auf jeden Fall aber mehr freie Appartments, Hotelzimmer oder was auch immer in den Skigebieten gab, wir mussten nämlich viel länger rumfragen als sonst, bis wir unsere Katze versorgt wussten. Jetzt aber ist alles erledigt.
Zwischendrin haben wir dann noch an der Haustür läutenden Pfadfindern Kekse abgekauft (ich kam mir so amerikanisch vor ;-)), die sie für die Lagerkasse gebacken hatten.
Sonst: Ruhiges Gewusel, will heissen, mal wieder was Neues zum Abendessen, Hefezopfteig für morgen zum Frühstück, Hefeteig und Gewürzbutter für Zimtschnecken aus dem Waffeleisen für morgen und dann, damit es nicht ganz so unaufgeregt wird, erst mit meinem Vater seinen Besuch hier bei uns terminiert ("Ich wollte mal fragen, wann es Euch so ungefähr passen würde." "Unser Jahresplan hat einen Lücke vom 29. April bis 1. Mai, sonst erst wieder im Herbst." "Okay. Deal.") und dann uns der Planung des potentiellen Besuchs des Berlinbabys irgendwann auch dieses Jahr angenähert. Mein ursprünglich wegen "Da sehe ich ein verlängertes Wochenende ohne Unihockey oder Pfadfinder oder Arbeitstermin oder Randale in Berlin" ausgewähltes Wochenende um Auffahrt herum scheint schwierig, weil einerseits vielleicht die zu besuchenden Berliner gar nicht in Berlin sind zu dem Zeitpunkt, was aber andererseits wieder praktisch wäre, weil dieses Wochenende anscheinden DFB-Pokalfinale in Berlin ist und deswegen alle Hotels ausgebucht UND unendlich teuer sind, und wir ja dann in der leerstehenden Wohnung schlafen könnten. Nicht ernsthaft, aber man wird sehen. Vielleicht doch in den Herbstferien. Oder so.
(Morgen haben wir schon wieder nix vor, das wird langsam zur Gewohnheit hier.)

Freitag, Februar 10, 2017

So sad.

Manchmal, da kommen Sätze aus dem Mund meiner Kinder, da denke ich mir “Whaaaaaaat? Wo hast Du das denn her? Was kann ich Dir vorgelebt oder erklärt oder erzählt haben, dass das bei Dir zu dieser Schlussfolgerung geführt hat?“

Bei Little L. war das damals die „Gell, wir essen regelmässig Menschenfleisch“-Geschichte und vorgestern und gestern war es (nicht ganz so unmittelbar gruselig) wieder einmal der Fall.

Little L. kam also aus der Schule und erzählte, dass sie in der Pause (oder so) jetzt „Kaufladen“ spielen würden, jeder würde verschiedene Dinge verkaufen, die hätten sie gebastelt, sie hätten auch Geld gebastelt und das wäre alles super. In seiner Mappe fand ich sein recht hochpreisiges Portfolio: ein Elfenbeinturm für 10000000000000 Geld, eine Insel für 987000000 Geld, den besten Fernseher der Welt für schlappe 600000 Geld und das Teslapaket für alle Strassenverhältnisse (ein Model 3, ein Model S und ein Model X) im Bundle für nur 1000000000 Geld.

Ich fragte also: „Und, wie läuft das so mit dem Laden? Machst Du Werbung oder kommen die Leute von allein?“
Little L.: „Also, Mami, das ist so. Das Zeug, was ich verkaufe, ist nur ein Bruchteil von meinem Plan. Hauptsächlich werde ich ein skrupelloser Geldkrieger. Also nicht wie Ninja oder Ritter, sondern „kriegen“ wie „bekommen“.“
FB (*aaaaaaw, das Kind hat einen tollen Wortschatz*): „Oh, und wie machst Du das?“
LL: „Also. Ich werde meine Freunde fragen, ob wir uns nicht zusammentun wollen. Wir tun unser ganzes Geld und unsere Sachen zusammen, damit haben wir einen viel grösseren Laden und können uns viel mehr kaufen.“
FB (*aaaaaaw, er hat das Prinzip „kritische Masse“ und Investitionsvolumen und Synergien erfasst.*)
LL: „Und dann, wenn sie ihre Sachen und ihr Geld auf meinen Tisch gelegt haben, dann sage ich „Du bist gefeuert, aber dein Zeug bleibt hier. Und das Geld auch. Das nennt man „skrupellos“, Mami.“
FB (*waaaaaaaah, mein Kind ist ein ..... skrupelloser Geldkrieger!*): „Aha. Und Du meinst, die machen das mit?“
LL: „Ja, klar, das muss man so sagen, als ob das ganz logisch wäre. Dann machen die das.“
FB (*waaaaaaaaah, manipulativ auch noch*): „Und was meinst Du, wie die das finden? Sind die hinterher noch deine Freunde?“
LL: „Klar wollen die meine Freunde sein, ich hab ja das ganze Geld.“
FB (*wimmert innerlich leise*): „Da bin ich ja mal gespannt, ob der Plan aufgeht.

Heute also: es wurde in der Pause wieder Laden gespielt.

FB: „Und, wie lief dein Plan? Wieviele Leute hast Du um ihr Geld gebracht?“
LL: „Ich hab mich mit L. zusammengetan, genau nach Plan. Als ich gesagt habe „Du bist gefeuert!“, hat er gemeint: „Spinnst Du?“ und einfach weitergemacht. Und irgendwann hat er gemeint, er tut sich jetzt doch nicht mit mir, sondern mit dem J. Zusammen. Da hab ich ihm dann schnell hinterher gerufen „Du bist eh gefeuert“, aber das hat nicht soooo toll geklappt.“
Little Q. fand das alles eh schon interessant und meinte: „Ich weiss was fürs nächste Mal. Du machst einen Vertrag für die Zusammenarbeit mit ihm und da schreibst du dann mit megakleinen Buchstaben rein: „Auch wenn Du dich mit jemand anderem zusammentust oder ich Dich feuere, gehören alle Deine Einnahmen immer noch mir.“
Little L. nickte mit leuchtenden Augen, ich dachte mir: „Jetzt ist der Moment, den Erklärbär zu machen.“
FB: „Das kannst Du natürlich schon reinschreiben, aber es gibt die Regel, das Klauseln in Verträgen, die sittenwidrig sind, unwirksam sind. Das heisst, dass auch wenn Dein „Freund“ das unterschreibt, das nicht gilt. Er muss das trotzdem nicht machen. Zum Beispiel war das mit „Du musst mir Dein Erstgeborenes geben“ in „Rumpelstilzchen“ auch sittenwidrig und deshalb unwirksam. Vor Gericht wäre Rumpelstilzchen damit niemals durchgekommen.“
FB (*lehnt sich zurück mit dem wohligen Gefühl, ihr Kind, das kurz als „skrupelloser Geldkrieger“ auf dem schiefen Pfad war, zurück zu Recht und Ordnung gebracht zu haben.*).
LL (ganz trocken): „Das mag ja sein, Mami. Das weisst Du, das weiss jetzt auch ich, aber meine Freunde, die wissen das nicht.
LQ: „Genau, du musst nur schauen, dass zB Eure Lehrerin den Vertrag nicht genauer zu Gesicht bekommt. Oder Du hältst den beim Unterschreiben so, dass sie das Kleingeschriebene gar nicht lesen können. Ich hab noch eine bessere Idee: Du machst lauter so Gerichtszeichen, wie heissen die, Mami? Wie schreibt man die?“
FB (*mit schwacher Stimme*): „Paragraph. Wie zwei ineinandergehakte „S“.“
LQ: „Genau. Paragraph. Die malst Du an jeden Absatz und dann sagst Du, das heisst, dass ein Richter das schon so bestätigt hat, das glauben die sofort.“
LL (*aufgeregt, mit roten Backen*): „Genau, ich mach noch einen Stempel drunter, das wird super. Mit dem Siegellack, den wir in Wien gekauft haben.

Was soll ich sagen.... weltfremd, naiv in das Gute im Menschen glaubend habe ich die Kinder anscheinend nicht erzogen. Und sie kennen das Wort „skrupellos.“ Und „Paragraph“. Und "Siegellack". Immerhin etwas.