Sonntag, April 30, 2017

Resilienz

Mittlerweile ist es fast 10 Jahre her, dass wir hier nach Suburbia gezogen sind. Nach unserem Umzug Mitte Mai haben wir interessiert beobachtet, was die Vorbesitzer im Garten so alles angepflanzt hatten: sehr viel verschiedene Sorten Minze, von denen nur eine gut schmeckt, Schilf, Bambus, Kletterrosen in rot und Weiss, Geissblatt in gelb, eine Zaubernuss, das alles im hinteren Teil des Gartens und Veilchen, einen protzig-kitschigen Rosenstock in pfirsichfarbenpink und einen Kletterrosenstrauch in weiss, der ungefähr 1 Tag lang blüht, aber unserem Eingangsbereich eine gewisse Dornräschenschloss-Optik verleiht.
Wir haben die scheussliche Minze ausgerupft, durch Salbei, Rosmarin (stimmt gar nicht, der war schon drin, aber auf den Originalstock ist uns beim Umzug das Sofa draufgefallen, deswegen mussten wir da Ersatz beschaffen. Für den Rosmarin. Das Sofa hat überlebt), Lavendel, Zitronenmelisse und ein paar Wurzelknollen der unglaublich schönen, schlichten dunkelroten Pfingstrosen aus dem Garten meines Elternhauses ersetzt.
Im Vorgarten haben wir den protzigen Rosenstrauch durch Ignorieren, despektierliche Äusserungen, inkompetenten Zuschnitt ("Ach, das geht schon noch weg, der packt das. Ups.") im Laufe einiger Jahre getötet, die Veilchen gehegt und gepflegt, durch wild gemischte Krokusse, Schneeglöckchen, Glockenblumen, Himmelsschlüssel, Tulpen in ... interessanten Farben, Zierlauch und Taglilien ergänzt. Was mir bei nahezu jedem Haustüröffnen ein Lächeln auf die Lippen zaubert, sind die Schwertlilien, die ich mit einer Uralt-Forenbekanntschaft gegen selbstgesiedete Seife getauscht habe. All das wird durch die Dornröschenrose und den grossen Fliederbusch eingerahmt und es klingt eigentlich wunder-, wunderschön.
Allerdings kämpfe ich seit eben diesen 10 Jahren gegen Windmühlen in Form von Legionen an .... in dieser Hinsicht erziehungsresistenen Nachbarskindern und -enkeln aus der ganzen Siedlung, die mit Stockkämpfen, Schwerthieben, Rollerrennen (DURCH MEIN BEET!), Ringkämpfen (IN MEINEM BEET!) seit 10 Jahren verhindern, dass auch nur eine einzige Schwertlilienknospe zum Blühen kommt. Ich bin beeindruckt, dass die Pflanze sich überhaupt noch die Mühe macht, Knospen zu treiben (der zickige Rosenstock hätte schon lang aufgegeben), wo doch jede einzelne (und auch die Tulpen, Taglilien und Zierlauchdinger) spätestens an dem Tag, wo sich die ersten Blütenblätter aus dem grünen Schutzmantel hervorwagen und ich mich den ganzen Arbeitstag insgeheim darauf freue, beim Heimkommen von einer wunerschönen Blüte begrüsst zu werden, abgeschlagen oder zermatscht werden.
Ich bin ... echt ratlos. Ich will ja weder (ich habe auch die Zeit dazu gar nicht) eine alte keifende Vettel sein, die hinter dem Küchenvorhang auf der Lauer liegt und die Übeltäter schimpfend und mit dem Wasserschlauch drohend vertreibt, noch möchte ich MEIN Beet mit einem hässlichen Stacheldrahtzaun oder Elektrozaun oder sonst irgendwas schützen, ich finde auch, dass Kinder ihre Kräfte ausprobieren müssen und Schwertkämpfe und Rollerrennen austragen können dürfen müssen. Wenn dabei einer mal in mein Beet fällt (und dummerweise auf die Tulpen anstatt den zickigen Rosenstock), dann bin ich die erste, die mit Pflaster und Trostgummibärchen zur Hilfe eilt. Aber wenn jedes Jahr eine neue Generation von Dreikäsehochs mit Schwung und mutwillig ihre Roller IN MEIN BEET wirft und die mit etwas Glück überlebenden Schwertlilienknospen dann mit dem Holzschwert abschlägt und auf dem Boden zertrampelt, dann bin ich wütend. Und ratlos.


Und so ertappe ich mich dabei, wie ich in der Küche Grillspiesse vorbereite und mit schmalen Augen die zwei Kinder, die vor unserem Küchenfenster auf dem Weg spielen, beobachte. Als der eine rückwärts Richtung Schwertlilie läuft und anfängt, die Blätter abzurupfen, hole ich tief Luft, reisse die Haustür auf und schreie aus vollem Hals: "Verschwindet, ihr Kackbratzen, es reicht jetzt, ich habe euch letzte Woche erst gesagt, dass ihr euren Roller nicht ins Beet schmeissen soll, jetzt lass Deine Dreckpfoten von meinen Pflanzen! Wenn Du was ausrupfen must, dann mach das in DEINEM GARTEN!" öffne ich behutsam die Haustür, gehe auf das Kind zu, gehe in die Hocke, löse seine kleinen verkrampften Hände von der Schwertlilienknospe und sage mit ruhiger Stimme: "Könntest Du bitte aufhören, die Pflanzen abzurupfen? Die würden superschön blühen, aber nur, wenn Du sie, wie ich Dir letzte Woche schon gesagt habe, in Ruhe lässt. Nicht abrupfen, nichts reinschmeissen, einfach in Ruhe lassen. Meinst Du, das klappt?"  Grosse Augen starren mich mit leerem Blick an, ich seufze, gehe zurück in die Küche und verabschiede mich innerlich auch für dieses Jahr von Schwertlilienblüten.

Samstag, April 29, 2017

OOO: Private reasons

Wegen (und mit) Familienbesuch geniessen wir das Traumwetter, besuchen die lokalen Römerausgrabungsstätten, essen den besten Rhabarberkuchen von der ganzen Welt mit Vanilleeis, ausserdem Unmengen Spargel, wissen, was ich mit den Kindern am freien Montag machen werde, und habe leider, leider zu viel zu leben und so, um hier viel zu erzählen. Alle heilige Zeit muss das sein, ab morgen Mittag bin ich wieder ganz die Ihre. (also: nicht ganz, aber normal).

Freitag, April 28, 2017

Aus .... Gründen.

Vielen, vielen Dank für dieses wundervolle Stück:





Donnerstag, April 27, 2017

En Guete!

Als ich gestern kurz unschlüssig war, was ich denn bloggen sollte und die Frage auf Twitter stellte (während der eintrudelnden Antworten schrieb ich den gestrigen Post, also hat der nix mit den Themenideen zu tun), kam neben vielen skurrilen Ideen („Eiersalat“? Really?) auch die Frage, welche Speisen wir vor unserem Umzug in die Schweiz noch nicht kannten und jetzt halt schon.
Meine reflexhafte erste Antwort wäre gewesen: „ääääh, nix? So besonders ist das Essen hier auch nicht und Raclette und Käsefondue kannte ich vorher auch schon.“

Dann aber wurden Älplermagronen und Chäschüechli in den Ring geworfen, ich musste an den Sonntagszopf denken und dann wurde mir klar: mein Denkfehler war: nicht das Essen in der Schweiz ist so unspeziell, sondern wir sind schon so lange da, dass wir uns kaum noch an die Zeit erinnern, in der Gerichte wie Fleischvogel, Tessiner Bratwurstschnecke, Fotzelschnitte, Ziebeliwaie etc. böhmische Dörfer für uns waren.

Ich denke, man kann die Schweizer Spezialitäten ganz gut so charaktierisieren: wie in Österreich und Bayern sind die typischen Gerichte darauf ausgelegt, relativ günstig mit dem, was man hat, satt zu machen. Sehr satt. Für sehr, sehr lang. Da ist viel Milch, Sahne, Käse, Butter, Fleisch im Spiel.

Ich will das gar nicht werten, das ist denke ich landesunabhängig mit der klassichen „Hausmacherkost“ fast überall so. Man zelebriert es oder findet „zeitgemässere Interpretationen“ davon. Bevor ich aber zu foodphilosophisch werde, mal Butter bei dei Fische:

Die Standarddinge, die einem zum Thema Schweiz und Essen einfallen, sind natürlich Schokolade und Käse. Ich muss gestehen, ich bin kein besonders grosser Schokoladenfan, aber wenn ich Schokolade esse, dann muss es echt gute sein. In der Schweiz habe ich gelernt, dass es noch mindestens einen Level jenseits von Lindt gibt. Wenn Sie mal in der Schweiz unterwegs sind, denken Sie an Cailler, Sprüngli, Läderach und kleinere lokale Confiserien.

In Sachen Käse fallen einem ja schnell Gruyere, Emmentaler und Appenzeller ein, wobei ich persönlich Emmentaler halt so unglaublich fad finde.... Wir leben hier im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz natürlich im Käsehimmel, da findet sich immer was. Was ich besonders mag, sind neben Käsefondue (klassisch Moitie-Moitie, auf gar keinen Fall das fertige von Gerber, und immer mit Weisswein und Kirsch) der Mont dÔr, aus dem man einen Keil rausschneidet, das Loch mit Weisswein füllt und dann im Ofen schmilzt (und nein, das ist nicht das gleiche wie Ofenkäse) und der Tete de Moine, von dem man mit dem entsprechen den Hobel, der Girolle, die typischen Röschen ab..... dingst. Ach, und Sbrinz in hauchdünnen Rollen!

Die restlichen Gerüchte (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) liste ich jetzt einfach mal so auf:


Älplermagronen: das sind Nudeln (bzw Teigwaren, weil Nudeln heissen in der Schweiz nur Bandnudeln), die mit Kartoffelwürfeln in einer Sahnemilchmischung und Käse gegart/überbacken werden. Serviert werden sie klassisch mit Röstzwiebeln und Apfelmus (das ich dankend ablehne, die in der Schweiz aufgewachsenen Kinder können es nur mit Apfelmus essen).

Rösti: der Klassiker aus entweder rohen oder gekochten („Gschwellti“) Kartoffeln, die dann eben geraffelt und gebraten werden (gröber als Reiberdatschi-Raspeln). Es gibt zig Abwandlungen, alle machen unglaublich satt und müde, ich versuche sie also in der Kantine zu vermeiden („Röstipizza“, „Fricktaler Gemüserösti“ etc.....)

Eglifilets:Das sind kleine Fischfilets vom Egli (Flussbarsch), die im Bierteig ausgebacken werden und mit Tartarsauce und entweder Salzkartoffeln oder halt grad Pommes serviert werden. Lecker, aber halt frittiert. (die klassischen Fischstäbchen sind hier eher kürzer und heissen Fischknusperli)


Fotzelschnitten:heissen nur lustig, sind aber eigentlich halt auch nur arme Ritter.


Chässchnittensind mit Weisswein getränkte Brotschnitten, die mit einer Käsemischung überbacken werden (dafür wird auch in der Kantine die Nullpromille-Regel ignoriert).


Fleischvogel ist übrigens nicht, wie ich mal dachte, ein besonders fleischiges Hühnchen (Poulet, Entschuldigung), sondern eine Roulade.

Wähen: Die gibt es sowohl in süss als auch salzig, das Prinzip ist aber das gleiche: man hat einen neutralen Teig (kein Mürbteig, kein Blätterteig, man kann ihn fertig ausgerollt sogar im Supermarkt kaufen, da heisst er „Kuchenteig“), den man in einer runden Form mit entweder Obst (ich liebe sie mit Rhabarber, Aprikosen oder Zwetschgen) oder Gemüse oder eine Käsemischung oder Zwiebeln belegt, dann kommt ein reichhaltiger Guss aus Eiern und Sahne (und oder Milch) drüber, das ganze kommt in den Ofen, fertig. Es ist Quiche-ähnlich, aber halt nicht ganz. Kleine Käsewähen (man sagt übrigens nicht „Wähe“, sondern „Waie“) sind dann „Chäschüechli“, ein unverzichtbarer Bestandteil vom warmen Teil von Aperobuffets (was mei mir dazu führt, dass sie mir praktisch zu den Ohren rauskommen :-)). Wie auch „Wurstweggen“, was nicht schnöde Wurstsemmeln sind, sondern eher Würschtl im Schlafrock, wobei das Würschtl kein Wienerli ist, sondern so eine Art Bratwurscht ohne Haut.


Das war jetzt ja (ohne den Wurscht-Käs—Exkurs) eine wunderbare Überleitung zum Süssen!


DAS klassische Dessert sind vermutlich Vermicelles. Das ist so eine pappsüsse, unglaubich sättigende Maronenmasse, die durch eine Spaghettieeis – Vermicelles-Presse gedrückt wird, so dass es aussieht, wie ein Haufen mattbrauner Würmer. Die werden serviert mit Schlagrahm und zerbröckelten Meringues. Mit der Kombination (und auch den Einzelkomponenten) kann man mich jagen, ich erwähne sie nur der Vollständigkeit halber.


Ansonsten heisst Eis hier Glace (und zwar „die Glace“ und man spricht das „e“ mit). Und das Schweizer Mövenpick ist ein anderes Mövenpick als das deutsch.



Weihnachtsplätzchen sind ja sowieso sehr lokal und ich glaube, auch in Deutschland hat jede Region eigene Sorten.
Die Standard-Plätzchen bzw. „Gutzi“ oder „Guetsli“ oder „Chrömli“ hier sind Mailänderli, Brunsli, Zimtsterne, Chräbeli, Anisbrötli und Totenbeinli (die ich natürlich allein aufgrund des Namens super finde).


Zu den sonstigen „interessanten“ Lebensmitteln gehören neben dem von Hans Rudolf Merz unsterblich gemachten Bündnerfleisch (lecker) natürlich Rivella, ein Getränk auf der Basis von Milchserum (aus den Zeiten, wo echt nix weggeschmissen wurde), mittlerweile gibt es neben dem klassischen Rivella rot nicht nur blau (zuckerfrei) und grün (mit Grüntee) und gelb (Sojairgendwas), sondern auch abenteuerliche Dinge wie Rhabarber und Pfirsich und sowas. Vom Geschmack her ein bissche säuerlich, erinnert an Bionade, an Almdudler und gehört hier so so sehr zum Standard, dass man zB im Krankenhaus nur zwischen Wasser und Rivella als Getränk zum Essen wählen kann.


Am Anfang verwunderlich fand ich, dass Pferd als Fleischsorte überall ganz normal verfügbar ist, wie man in D SchweinRindhühnchen kennt.



Was ich in der Schweiz übrigens bisher noch nicht gefunden habe (aber ich habe seit ungefähr 10 Jahre auch nicht mehr gesucht, weil ich nach dem letzten Schweinebratennotfall die Knödel halt immer in Deutschland besorge), sind ... Knödel. Und gescheites Bier (also: in der Schweiz gebrautes. Die internationalen, auch bayerischen Standardsorten kriegt man hier natürlich schon). Aber da spricht natürlich mein bayerisch geprägter Gaumen, das mögen andere Leute anders sehen.

So, jetzt habe ich Hunger :-).

Mittwoch, April 26, 2017

Ereignisse und Schatten

Mir war ja von vornherein klar, dass dieses Jahr ein anspruchsvolles Arbeitsjahr wird. Dank der aus Gründen zeitlich schon über zwei Jahre im Voraus detailliert festgelegten Meilensteine ist auch klar, dass es für mich besonders ab Herbst echt spannend wird. Dass des dafür viel Vorbereitung braucht, ist auch klar und ab Ende des Jahres können wir nix mehr dran ändern und entweder alles ist super und wir können uns entspannt zurücklegen, durchschnaufen, Silvester einzweidrei Flaschen Champagner auf ein geglücktes Projekt trinken und in den Folgemonaten den Kollegen aus der Galenik zusehen, wie sie ihren Teil erledigen und uns allen die Daumen drücken, dass auch alles so klappt, wie geplant, weil ändern können wir dann nix mehr.
Dass dieses Projekt mittlerweile firmenpolitisch für so viel Aufregung und Wirbel sorgt, hat mir erst Angst gemacht, mittlerweile sehe ich es aber so: wir hätten es eh so gut und super gemacht, wie uns nur irgendwie möglich und niemand hätte es gemerkt und am Ende, wenn alles gut gegangen ware, hätten wir eine "Congratulations to the team"-Mail verschickt, fertig.
Genaus warden wir jetzt arbeiten, dazu lernen wir politisches Navigieren und sind mittlerweile in der Lage, in jeder Situation eine dem Ansprechpartner angepasste Rede zum Thema "Was läuft bei Euch da eigentlich Krasses? Ich habe die wildesten Geschichten gehört" zu halten, aufzuzeigen, wo Fehler passiert sind und den Aktionsplan zur Behebung derselben und der Massnahmen, dass so etwas nicht wieder passiert, vorzustellen.
Hat auch was. Wenigstens sehen sehr wichtige Leute jetzt mal unsere gute Arbeit (und wenn es in die Hose geht, dann wenigstens vor hochkarätigem Publikum) und man darf in stillen Momenten davon träumen, dass wir dass alles super gut hinkriegen, die Begeisterung darüber so gross ist wie die Aufregung jetzt und es könnte sein, dass meine  Kollegin und ich heute über unsere Einmarschmusik zur Medaillenverleihung philosophiert haben, bevor wir ganz schnell gesagt haben, dass das natürlich Quatsch ist. Leider.

Dienstag, April 25, 2017

Anfang vom Ende

Heute haben wir die Einladung zum Elternabend für Little Q.s Klassenstufe bekommen. Ein sehr spannender, weil es v.a. um den Übertritt nach dem nächsten Schuljahr gehen wird.
Das ist ja in der Schweiz anders als in Deutschland, da gehen man bis zur 6. Klasse alle gemeinsam in die Primarschule und danach wird aufgeteilt. Ich weiss, ganz viele finden das grossartig, aber ich muss sagen, ehrlich gesagt ware mir eine Differenzierung nach der 4. Klasse lieber gewesen. Aber: hattitatiwari, darum geht's jetzt gar nicht :-).
Ich bin schon sehr gespannt auf die Informationen, was ich mir bisher so zusammengereimt habe, ist: der Entscheid, auf welche weiterführende Schule ein Kind gehen kann, wird anhand des Notenschnitts von der Klassenlehrperson bestimmt. Die Eltern haben zwar die Möglichkeit, Einspruch einzulegen, aber der Entscheid liegt bei der Schule. Auch die Zuteilung, in welcher Schule des entsprechenden Typs man landet, liegt in den Händen des Schuldepartements, was in meinen Augen das Ganze viel einfacher macht. Wir werden sehen, wieviel ich davon falsch verstanden habe und wie es tatsächlich laufen wird.
Ich weiss noch, ich habe mich damals so sehr aufs Gymnasium gefreut! Die Entscheidung, auf welches der drei in der Nachbarstadt ich gehen würde, war eigentlich sehr schnell getroffen: meine Eltern fanden Latein als Anfangssprache super (ich auch, ich war damals im Arcäologiefieber, finde ich auch immer noch gut), damit fiel das neusprachlich-naturwissenschaftliche raus, von Musik/Kunst als Schwerpunkt hielten sie (besonders im Hinblick darauf, dass das auf Kosten einer dritten Fremdsprache gehen würde) nicht besonders viel und so bin ich auf dem neusprachlich-humanistischen Gymnasium gelandet, das noch dazu am nächsten am Bahnhof lag und auf dem die beiden Nachbarsmädchen auch waren. Ich weiss noch, wie ich mit meinem Vater dann in den Sommerferien Zugfahren geübt habe: damals gab es bei uns im Dorf keinen richtigen Bahnsteig, um in den Zug zu kommen, der in die Stadt fuhr, musste man über die Gleise der Gegenrichtung laufen, auf einen Kieswall klettern und hoffen, dass an der Tür, in die man reinwollte, auch jemand aussstieg, sonst ware es für eine 9 jährige schwierig geworden, zum Griff hochzukommen. (In der ersten Woche habe ich schon von den grösseren Fahrschülern gelernt, wie und wann man den roten Hebel runterhalten muss, damit man die Tür auch während voller Fahrt aufmachen kann). Meine Mutter hat mich also zum Bahnhof im Dorf begleitet, mein Vater ist mit dem Auto in die Stadt vorgefahren und ich bin dann zwischen den beiden mit dem Zug hin- und hergefahren. Ich habe gelernt, wie und wo ich rausfinde, welcher Zug auf welchem Gleis abfährt (in der Stadt gab es ja mehr als zwei), welche Züge auch bei uns im Dorf halten und wie früh ich aus dem Haus gehen muss, um noch über die Schranke zu kommen. Ungefähr 5 Minuten vor dem Morgenzug in die Schule fuhr nämlich ein Güterzug vorbei und der Bahnhofsvorsteher hatte keine Lust, danach die Schranke nochmal hochzukurbeln. Und so musste man immer schon 10 MInuten vor Zugabfahrt am Bahnsteig stehen, weil man sonst vor geschlossener Schranke wartend der Einfahrt und Abfahrt des eigenen Zuges hätte zuschauen können. Man  hätte natürlich auch dem von vielen knapp kommenden Pendlerfüssen ausgetretenen Pfad entlang der Friedhofsmauer und dann durchs Gestrüpp und bei der toten Katze (die lag dort meine gesamte Gymnasialzeit, mumifiziert durch Flugrost) direkt über die Gleise folgen können, aber das habe ich mich die ganzen 8 Jahre Gymnasium nicht getraut.


Wenn ich mich an diese Geschichten erinnere, wird mir ein bisschen mulmig, welchen Quatsch Little Q. auf dem Weg in die Nachbarsstadt dann wohl anstellen wird, aber er ist ja nicht mehr 9, sondern dann schon 13. Total vernünftig also.

Montag, April 24, 2017

Montag

Um den mittelspannenden Bogen als allererstes zu schliessen: es waren Ringelröteln. Die Kinderärztin hat uns heute abend noch angerufen und die Diagnose anhand von Laborwerten bestätigt. Das ist jetzt rein wissenschaftlich interessant (ich habe so eine Ahnung, dass es dem Hübschen und mir deshalb die Woche vorher auch so mies ging. Vermutlich hat unser Immunsystem die lang verschütteten Syntheseanleitungen für die Paroviren-Antikörper ausgraben müssen.)

Sonst: ich kämpfe hart, um an meiner vor zwei Wochen gezogenen Lehre festzuhalten: Arbeit ist Arbeit und irgendwann ist Schluss. Schwierig, wenn man das Gefühl hat, dass an allen Ecken und Enden Brände (auch wenn es manchmal nur Strohfeuer sind) zu löschen sind und einem dann noch beiläufig im Flur mitgeteilt wurde, wie hoch hinauf das eine Projekt im Moment Wellen schläft und verfolgt wird. Ich sags mal so: bei uns gehts nicht weiter rauf. Ja nu.

Ansonsten freue ich mich sehr, dass mein Vater und seine Frau uns am Wochenende besuchen kommen (ein langes Wochende noch dazu, zumindest für die Kinder und mich, der Hübsche muss ja arbeiten am Montag. Ein Hoch auf die kantonal unterschiedlichen Feiertage, bei mir ist der 1. November keiner und ein ganz grosses Hoch auf die Schule, die einfach alle Feiertage der angrenzenden Kantone einfach mal freimacht.). Ich bin nur noch am Überlegen, was wir so machen können, die beiden kommen nämlich ohne Auto und alle zusammen passen wir in unsere Wunderkiste nicht rein. Ausser wir setzen Little L. in den Frunk, aber das will ja auch keiner.

Sonntag, April 23, 2017

Sunday Funday

Little L. ist wieder punktefrei, rein der Vollständigkeit halber bin ich immer noch gespannt auf das Testresultat morgen nachmittag.

Ansonsten ein typischer Sonntag mit nix vor hier. Die beginnen immer mit grosser Herausforderung für mich, weil der Rest der Familie irre gut im "Chill mal" ist. Das geht bei mir nach dem Aufwachen normal etwa drei Minuten, mit Kaffee und Internet vielleicht eine halbe Stunde, dann ist der Kaffee und Timeline und Feedreader leer, dann will ich zackizacki frühstücken. Die Familie: chillaxed. Little Q. schläft (ich habe ihn heute um viertel nach 10 geweckt, weil ich dachte, er wäre tot.), der Hübsche schaut UFC-Kämpfe, Little Q. hat schon eine Banane gegessen, zwei Hörspiele und ein ganzes Coldplay-Album gehört und seinem Meow-Kuscheltier mit "Urmel und die Schweinefee" Lesen beigebracht.
Ich ziehe mich an, schminke mich, wasche meine Schminkpinsel der letzten Woche, rufe ein paar Mal "So, jetzt aber, ihr Schätzchen, frühhhhhstücken!", die Familie antwortet: "Glahaaaaaaich" (oder chrchrchr ---> Q.). Ich füttere die Katze, räume das Bad saugroboterbereit und starte ihn. Unten rufe ich "Ich frühstücke jetzt!", keiner reagiert, also decke ich den Tisch, koche mir eine Kanne Tee, schneide Obst für Little L, mein Granola und den Smoothie für Q. und den Hübschen, brate für Little L. den "Eierlappen", das ist eine Sonntagstradition: das verquirlte Ei, das vom Butterzopfbepinseln am Vorabend übrig ist, wird in etwas Butter zu einem ... Eierlappen gebraten, den L. dann auf einem Stück von ebendiesem Butterzopf verdrückt. Ich stelle Hummus, Marmelade, Honig, Butter und Senf auf den Tisch, rufe nach oben, immerhin bewegt sich was (vermutlich lockt der Eierlappengeruch), ich bin grummeliger, als ich es lieber wäre, weil wir ja eigentlich echt nix vorhaben, und ich mich ja nicht anstellen müsste, ich könnte ja gegen die schlechte Laune schon ein Stück Zopf essen, aber ich mag es doch, wenn wir alle gemeinsam frühstücken, aber ALLE chillen ja.
Ich rühre den Teig für den ersten Rhabarberkuchen des Jahres an und schiebe ihn in den Ofen. Die Geräusche der Familie nähern sich, der Staubsauger ist fertig, ich setze ihn in unser Schlafzimmer. Der Hübsche ist immerhin beim allerletzten UFC-Kampf, "Nur noch ein paar Minuten, Schatz!", da sollte ihn das Sauggeräusch immerhin von einem Best-of abhalten. Little Q. ist aufgewacht, ins Elternbett zu Katze und Hübschem getorkelt und "ah, cool, Boxen und Kuscheln, das ist so gechillt..."
Ich koche ungefähr eine Tonne Sushireis für unser geplantes Abendessen und kurz bevor der Rhabarberkuchen fertig ist, sind alle am Tisch versammelt und meinen "Oh, so schön, so ein gechilltes Sonntagsfrühstück"
Ich bestreiche mir mein erstes Stück Zopf mit Erdbeermarmelade und nachdem ich gierig die ersten Bissen runtergeschluckt habe, legt sich der innere Grant und ich denke mir: "Ja, schon."

Samstag, April 22, 2017

Ringel, ringel...

Der Tag heute startete etwas anders als geplant, nämlich durch das Geräusch einer Steinsäge vor unserem offenen Schlafzimmerfenster um 7:30h. Jajajaja, ich habe gegoogelt, Nachtruhe ist in der Schweiz anscheinend so ca zwischen 6 und 7 vorbei, allerdings finde ich 7:30h am Samstag für dieses durch Mark und Bein gehende Geräusch halt schon nur so mittel. Nun ja. Das Ganze scheint ein grösseres Projekt zu werden, gestern wurde das ganze Gras aus dem Garten entfernt und Tonnen an Stein angeliefert, der jetzt zurechtgeschnitten wird. Den ganzen Tag. Voll schön für die Nachbarn, dass es nicht mehr kalt ist, sondern total schön angenehm zum draussen sein. Halt nicht mehr für die, die keine Steine schneiden. Nun ja, gehen wir heute halt noch nach Basel, bummeln gehen.


Das frühe Aufstehen hatte auch sein Gutes, so konnten wir Little L.s Ausschlag begutachten und dann direkt einen Termin bei unserer Kinderarztpraxis machen (die haben jeden Samstag morgen offen für Fälle, die sich nicht bis Montag schieben lassen. Und wir hatten gestern abgemacht, dass wir kommen können, wenn es kein "Er hatte einen Virus und das ist jetzt die Nachwirkung"-Ausschlag war.), er war nämlich am ganzen Körper rot mit wenigen weissen Flecken und es began auch zu jucken.



Beim Arzt dann wurde mir kurz ein wenig mulmig, als in der Differentialdiagnose neben "War er viel in der Sonne, haben Sie eine neue Sonnencreme, Weichspüler, Bodylotion?" auch das Wort "Masern" fiel. Aber: bei aller Awareness für potentielles Impfversagen: dass ein total durchgeimpftes Kind ohne bekannt Masernfälle in der Gegend spontan Masern bekommt, es ihm aber total gut geht dabei bis auf den roten Ausschlag, das ware ja schon arg unwahrscheinlich. Hufgetrappel, Zebras und so. Was aber durchaus sein kann, sind Ringelröteln, auch wenn er gar nicht viel ringelt, sondern eher ganz knallrot ist. Wir warden sehen, was das Blutergebnis am Montag aussagt. Immerhin ist er nullkommanull eingeschränkt, wenn es eine allergische Reaktion ist, ist er eh nicht anteckend, wenn es Ringelröteln sind, ab dem Ausschlag auch nicht mehr. Einem Schulstart am Montag (und ihm noch viel wichtiger: dem ersten Turntraining nach den Ferien) steht also nichts im Weg, gegen das Jucken bekommt er Feniallerg. Und alle wollen mit ihm kuscheln, weil er so schön warme Haut hat :-).


Am Nachmittag machen wir uns also auf den Weg nach Basel und wie es so ist: wenn man absolut gar nichts vorhat ausser kein Steinsägengeräusch hören, dann passieren die coolsten Dinge. Während wir auf dem Barfüsserplatz stehen und Little L. beim Melken der Kuhfigur, die dort wegen des "Tag der Schweizer Milch" steht, zuschauen, sehen wir, dass in der Barfüsserkirche eine Ausstellung ist, die mich schon lang interessiert. (Also: ich wusste von dieser Ausstellung schon eine Zeitlang und wollte sie immer schon anschauen, war aber immer am falschen Museum, weil ich aus irgendeinem Grund die Barfüsserkirche überhaupt nicht auf dem Radar habe).


Und während Little. L. so vor sich hin melkt, fragen wir schnell, was der Eintritt kostet und: juhuuu, die letzte Stunde von 16-17h ist auch umsonst. Also stöbern wir noch schnell durch den lokalen Buchladen (Little Q. fachsimpelt mit der Buchhändlerin über die Beschaffungsmöglichkeiten von den original Lemony-Snicket-Bänden. Es scheint schwierig zu sein. Falls jemand also gebrauchte Exemplare überhat: wir wären sehr dankbar dafür!) und kehren um 16:00h zurück. Die Ausstellung ist unglaublich gut gemacht. Der Hübsche und ich finden sie aus Ausbildungs- und Jobgründen eh ganz grossartig.


Q. ist begeistert, diskutiert das Produktionsbaumodell mit mir (er sagt doch glatt: "Woher weisst Du, was das alles ist, Mami? Das ist ja echt cool!") und beantwortet alle Meinungsfragen.


 Die Auswertung am Schluss ist interessant und einerseits beängstigend, andererseits sicher dem BigPharma-Standort und dem damit verbundenen Publikum geschuldet.







 L. findet das alles nur so mittelspannend, aber neben der zeitlich begrenzten Ausstellung gibt es auch die Ausstellung des Münsterschatzes und das ist mal Schatzkammer nach L.s Geschmack, nicht nur "schimmlige Decken" wie in der Wiener Hofburg :-).

Um fünf verlassen wir total begeistert die Ausstellung und sind damit gerade rechtzeitig für die "3 für 2"-Aktion bei "Cupcake Affair". Der Hübsche kennt den Laden als einziger noch nicht, ist aber angemessen beeindruckt. Die Kinder und ich sind alte Hasen (der Laden liegt ein paar Schritte von meiner Gyn-Praxis entfernt und ich habe mir vor einiger Zeit angewöhnt, mir die Besuche dort mit einem Cupcake danach zu versüssen, mit den Kids war ich auch irgendwann mal da) und wählen praktisch blind "Peanut butter chocolate", "red velvet", "das dings mit den Smarties" und "chai salted caramel".


So gestärkt sind wir dann eigentlich bereit, die Steinsäge daheim zu ignorieren, aber: bei Regen scheint es nur noch halb so viel Spass machen, Steine zu sägen, es ist himmlische Ruhe. Im Kühlschrank mariniert seit gestern abend das "Butter chicken" und sorgt für Aufwärmung von innen. (beide Erwachsenen und das grosse Kind lieben es, das kleine sagt immerhin: "Man stirbt nicht dran.")


So war das dann trotz blödem Start ein wunderbarer Tag.

Freitag, April 21, 2017

Frei-Tag

Die Kinder hatten ja heute letzten Osterferientag und mit Blick auf mein Überstunden- und Urlaubszeitkonto (mit 3 Wochen Sommerurlaub abgezogen habe ich immerhin NUR noch 54h Urlaub aus dem letzten Jahr und 120 Überstunden oder so) und die freundlichen Hinweise meines Chefs ("MACH WAS!") im Hinterkopf habe ich den heutigen eigentlichen Homeoffice-Freitag mit Arbeitsbeginn um 6:00h und viel "jajaja, ich komm gleich, ich muss nur noch schnell" zu einem Urlaubstag erklärt (46h Resturlaub aus 2016!) und erstmal ausgeschlafen*, Kaffeegetrunken, mit Little L. gekuschelt, beim Warten, dass die Kinder zum Frühstücken fertig sind, meinen Unterwäschenstrumpfhosenhalstücherschrank ausgemistet und sortiert (ich habe genug Socken. Und auch sonst alles genug. Und die Quetschunterwäsche habe ich auch wieder gefunden und bei den Unterhosen einsortiert, für den Fall dass ich mal wieder suchen sollte. Und der schwarze schmale Rock mit dem silbernen Gürtel war runtergerutscht und hängt jetzt wieder. Er ist NICHT im Altkleidersack und passst noch super). Nach dem Frühstück habe ich beim Warten auf "Die zwei fehlenden Pakete kommen beim Hermesladen an" und "Die Kinder sind losgehfertig" ein bisschen gelesen, Wäsche abgehängt, aufgehängt, ein Arbeitstelefonat weggedrückt (und dann doch die Combox-Nachricht abgehört), einer Kollegin via Hangouts erklärt, das ich ihr am Montag gern weiterhelfe, Abfall weggebracht.
Dann war es auch schon mittags und wir sind erst zum Hermesladen gefahren (ich hatte neben zwei Limangopaketen mit Sandalen, Badeschaum und einer Ersatzlieferung in einer Nummer kleiner für mich mit Hermesvollmacht, ich bin ja kein Anfänger, ein Amazon-Paket für den Hübschen abzuholen. Mit Profi-Autowaschzeugt. Der Hübsche hatte biem Winterreifienaufziehenundminimängelbeseitigungstermin in der Teslawerkstatt nämlich gefragt, wo die Telseristas der Hood ihre Autos waschen lassen würden. Und dafür entgeisterte Blicke und "Unsere Kunden waschen ihr Auto von Hand" geerntet. Und so haben wir bzw der Hübsche, weil trotz equalcare ist Autocare jenseits von einmal Waschstrasse/Jahr eher sein Job sich kundig gemacht, wie "man" von Hand wäscht und das Paket mit Zeug war also heute da. Ich sah es schon direkt im Regal und erwartete einen Homerun, aber ach, keiner der 3 Barcodes auf dem Paket konnte gelesen warden und so wurde meine Supvervollmacht einfach in eine Kiste gelegt und ich bekam das Putzpaket ohne Unterschrift. Hmmmmmmm), dann Kühlschrank füllen, dann Mägen füllen (falsche Reihenfolge, wir haben jetzt Essen für 3 Wochen und irre viel Osterschokolade für 50%), dann heim und ausräumen.
Die Kinder waren draussen unterwegs, ich röstete neues Granola (mit Ahornsirup und Pecannüssen) legte Butterchicken ein, legte getrocknete Wäsche zusammen, mass Fieber bei einem Ausschlagkind (gsd hat unser Kinderarzt morgen offen), knetete Pizzateig, wir assen alle gemeinsam mitgebrachten Kuchen und dann weihten der Hübsche und Little Q. das Putzzeug ein. Wie der Anleitungszettel sagte: "The car then would look like brand new". Ist jetzt nicht der allerschwierigste Task, aber hey. FOAM GUN!


Dann wie immer Freitag: Pizza, Rotwein, Bett.


*um 4:30h geschreckt: "phew, noch lang schlafen". Um 5:10h wieder: "so lang aber auch nicht mehr" um 5:20h: "doch, ich hab doch freigenommen." um 5:40h: "Wie geil, so lang ich will!", um 6:00h: "Jetzt müsste ich eigentlich raus.", um 6:10h: "Wie sicher bin ich mir, dass nicht?", um 6:30h: "doch, das war heute. Aber aufs Klo geh ich trotzdem." umd 7:20h: "Hey, Mann, Du hast heute aber nicht freigenommen? Aufstehen?"

Donnerstag, April 20, 2017

Aprilessen

Bisher waren wir hier am Oberrhein ja noch vom .... ich nenne es mal nicht "Wintereinbruch", weil Kinners... "April, April, der macht doch was er will", da ist Kälte und Schnee nun eigentlich nicht überraschend, verschont geblieben, aber gestern hat es dann erst geschüttet und abends dann geschneeregnet. So habe ich heute morgen dann nach einem Blick aufs Thermometer (-2°C) die Winterjacke wieder vom Dachboden geholt und es nochmal ausgenutzt, dass ich das bunte Wollkleid und die Lieblingsstiefel nochmal anziehen kann, ohne zu zerlaufen.

Mittags habe ich mich dann (eine halbe Stunde später, als ich sonst essen gehe, da hätte der Hübsche sich schon denken können, dass das ein bisschen wie mit einer entsicherten Handgranate ist) mit dem Hübschen zum Mittagessen in der Markthalle (Basel macht auf Kreuzberg. Sehr lecker, kleiner, und viel teuerer :-)) verabredet und weil der Hübsche mich erst herbestellte (oder wie würden Sie "kannst mich ja mit der App tracken" verstehen? ich bin losgelaufen, als das Auto "geparkt" verkündete) und dann wegen "Das neue Handy ist doch jetzt sofort schon abholbereit" im Food-Bereich versetzte, hatte ich die Zeit, wutschnaubend  erst mal alle Stände zu begutachten anstatt wie sonst am Standard-Thai-Stand direkt das Vegi-Pad-Thai zu nehmen. Als der gnädige Herr dann samt neuem Speilzeug auftauchte, hatte ich mich für einen libanesischen Vegi-Mezze-Teller entschieden, der zwar sehr, sehr lecker war, aber mit den mittelgemütlichen Aussentemperaturen nicht das perfekte Soulfood für heute. 
Auf dem Heimweg fiel mir dann ein, dass ich mit vagen Grillplänen fürs Wochenende Bratwurstschnecken eingekauft hatte und mir lief schon das Wasser im Mund zusammen ob des geplanten Abendessens "Bratwürschtl, Kartoffelbrei (mit Milch, Butter, Muskat und confiertem Knoblauch) und Salat". Alle heilige Zeit habe ich Lust auf Bratwürschtl und Fleischpflanzerl, aber dann muss es mit Kartoffelbrei sein.
Nun ja. Eins unserer Kinder isst ja keine Kartoffeln, nicht mal als Pommes, also habe ich als Alternativbeilage den Rest vom Schwarzwälder Brot vom Vortag in Streifen geschnitten, mit etwas Olivenöl beträufelt, mit Salz, Kreuzkümmel und Paprika gewürzt und im Ofen geröstet. "Knusperbrotsticks" klingt (und schmeckt) halt schon besser als "Brot von gestern, schon ein bissl hart."
Und weil ich dann schon so drin war, habe ich den Spitzkohl im Kühlschrank zu diesem Salat hier verarbeitet (die Kinder bekamen wie immer Gurken- und Karottensticks) und schon war das April-Essen fertig: warmes Soulfood für Winterabende mit frischem Salat für sommerliches Grillen...
nuja. (Ich muss jetzt mal runterschauen, ich glaube, es hat noch Salat. Der Hübsche möchte zwar nach dem Sport noch was essen, aber vielleicht fülle ich den Rest in so ein kleines Schälchen, dann merkt er gar nicht, dass ich die doppelte Rezeptmenge praktisch ganz allein weggefuttert habe)

Mittwoch, April 19, 2017

CSI Switzerland

Es ist ja schon ein bisschen grossartig, das Internet.
Der Hübsche bekam letztens eine Email von jemandem, den er auf Flickr kennt (für die Jüngeren unter Ihnen: das ist eine Plattform, auf der man vor Instagram Fotos geteilt hat. Gehört zu Yahoo, das ist, für die Jüngeren unter Ihnen, das Google, das es nicht geschafft hat, Google zu werden), und zwar ging es da um ein Bild von ihm, nämlich das hier:

Orchid X-Ray
Das ist schon relativ alt, es stammt noch aus unserer alten Wohnung in Basel und da wohnen wir ja seit fast 10 Jahren nicht mehr. Die Orchidee ist noch älter, die habe ich damals gekauft, als der Hübsche in Indien war, aber auch die lebt immer noch. Der Hübsche auch, aber das wissen Sie ja.

Also. Und dieser Flickr-Kontakt hatte das Bild des Hübschen auf der Facebookseite einer Galerie in La Jolla entdeckt. Das klingt erstmal toll, Ruhm, Ehre und so. Allerdings hat der Kontakt es da entdeckt, als er Bilder, die er gemacht hat, dort gefunden hat, die der "Künstler" ohne Fragen, ohne Erlaubnis und einfach so als seine eigenen ausgab und als grosse Kunst verkauft (jaja, nachkoloriert, herzlichen Glückwunsch zu dieser grossartigen Leistung).

Der Hübsche war also auf 180, aber anscheinend (die Leute im Internet reden miteinander!) ist dieser "Künstler" ziemlich ... situationselastisch was Copyright angeht und bisher hat er sämtliche Forderungen einfach ignoriert.
Der Hübsche war kurz vor Zähneknirschen, den Typ doof finden, die Galerie für den nächsten San Diego Trip in drei Jahren oder so dann eventuell besuchen und ihnen vor die Tür spucken, aber dann bekam ich doch die Erlaubnis, in Kontakt zu treten, um rauszufinden, wieviel Geld die mit den geklauten Bildern denn machen (wollen), anhand dessen kann man ja dann abschätzen, wie fest man vor die Tür spuckt..
Und so schrieb ich eine, wie ich finde, einem Undercoveragenten zur Ehre gereichende Anfrage:

"Dear sales team,
I saw your "PURE" collection of Flower-Prints and am totally stunned by "Exotic intentions".
Could you help me out with a price for the available sizes and mediums?
Does the mounted plexi need additional framing?
Are there any shipping restrictions (I live in Europe, but have friends in California, who might be able to pick it up, if needed).?

Best regards and thanks a lot
Frau Bruellen"

Der Hübsche fand die Geschichte mit den "Freunden, die vorbeikommen" und den Rahmungen ein bisschen over the top, aber erstens ist es wahr und ich wollte ja auch ein bisschen interessiert wirken.

Verkaufen wollen sie dort auf jeden Fall und so ging es keine 24h und ich hatte eine Antwort:


"Hello Frau,

Thank you so much for your email and interest in these beautiful works by Shane Bowden . Please see pricing below : All Plexi are mounted and ready to hang requiring no additional framing!


The cost of printing for the flowers are as follows:

30x40 Plexi $750.00
60 x40 Plexi $1000.00

30x40 paper $500.00 framed in black or white box mount
60 x40 $750 framed in black or white box mount

We also have no shipping restrictions we ship worldwide! The cost depends on the size we are shipping but if you have friends that can pink it up form the gallery that’s great too!

What size are medium would work for you ?"

Das ist mal ein ordentlicher Preis und ich kann Ihnen jetzt schon sagen, dass Sie da natürlich gern bestellen können, allerdings habe ich eine total legale Quelle für Plexi- oder Aludruckmöglichkeiten (sogar NOCH GRÖSSER) an der Hand und praktischerweise bin ich mit dem Fotografen verheiratet, ich könnten Ihnen die Bilder total legal und für weniger als 10% des Preises organisieren.

Naja, zurück zur Story. Das war eigentlich erstmal genug und der Hübsche fand, das wäre einen ordentlichen Spuckeklumpen wert, aber mehr eigentlich auch nicht.

Er hatte allerdings nicht mit der Geschäftstüchtigkeit des "Künstlers" und seiner Salesforce gerechnet, die schickten mir nämlich im Wochenrhythmus Follow-up-Mails, ob ich mich denn endlich entschieden hätte, und vielleicht doch kaufen wollen würde, und Blumenbilder zum Valentinstag und ach, Frühling, man hätte ja lang nichts mehr von mir gehört blablabla. Das habe ich so lang ignoriert, bis dann irgendwann eine Mail kam, in der mir Rabatt angeboten wurde:

"Hi,
Just a quick follow up to see if the pricing came in OK ? We are starting a new promo with an additional 10% off .

Please let me know if this is something you are interested in ."

Und da konnte mein innerer Schwabe dann nicht anders, als doch zu antworten:

"Dear XY,
To be honest i was mainly wondering how much you respectively shane dare to charge for these pictures. I am pretty impressed, especially considering the fact, that the picture itself was just taken without permission or even compensation from my husband's flickr account
Best regards
K."

Und was soll ich sagen: wir haben es zwar nicht geschafft, eine Entschuldigung zu bekommen oder Geld oder irgendwas, aber immerhin, von der blöden Verteilerliste für Sonderangebote für die Galerie runter zu fliegen. Es sind die kleinen Erfolge!

Und falls jemand von Ihnen mal nach La Jolla kommt: schauen Sie ruhig mal vorbei, geigen Sie den Leuten die Meinung und gehen dann lieber in diese Galerie hier, da gibt es wundervolle Fotos zu sehen und man kann auch einfach nur schauen und die Leute sind sehr freundlich!

Dienstag, April 18, 2017

Bettwäsche, Sushi, Nagellack und Waffen

Das war ja mal ein skurriler Abend gestern. Der Hübsche und ich hatten einen Abend mit "The Blacklist" geplant und, zack, er kommt vom Vorlesen aus dem Kinderzimmer, sagt: "Ich hab Fieber, ich geh schlafen. Jetzt" und legt sich mit über 39° Fieber ins Bett. Da sass ich nun mit einem angebrochenen Abend.... ich habe dann nach langem Screenen der Serien "Interessieren mich, aber der Hübsche würde sie auf keinen Fall ansehen" (und diese Liste ist nicht besonders lang) mit "The Crown" angefangen. Dazu habe ich mir mit einem neuen Nagellack die Nägel lackiert und war dann ganz verwirrt, weil ich den aus dem aktuellen "Limited Edition"-Ständer gezogen hatte und dann trocknete der auf einmal matt an? Googeln ergab: "Just stitched" gehört gar nicht zur aktuellen LE, sondern zu den Cashmere Mattes, von denen ich ja schon drei habe und liebe, und irgendjemand hatte ihn falsch einsortiert. Auf jeden Fall sieht er superst aus! Viel besser als die Nuance "Mettwurst" aus der neuen Edition.
Irgendwann, nach zwei Folgen war es danns chon ganz schön spät, ich gar nicht müde und wusste, ich würde überhaupt nicht einschlafen können, das kann ich nie, wenn ich der letzte im Haus bin, der wach ist. Nachtwache-Gen sozusagen.
Praktischerweise war der Hübsche aber grad wach und wechselte durchgeschwitzte Klamotten (den hatte es richtig erwischt...), so dass ich mich schnell hinlegen und einschlafen konnte.

Heute dann hatte ich mir ja freigenommen (ich bin stolz auf mich, ich habe zwar meine Mails, push-Nachrichten sei Dank-gescreent, aber keine einzige, auch noch so schnell zu erledigende beantwortet.), die Kinder haben eh Ferien und der Hübsche war zwar fieberfrei, aber schlapp.

Weil Dienstag morgen Putzfrauenzeit ist, haben die Kinder und ich das Haus verlassen, Richtung Grosseinkauf und Taschengeldausgeben. Der Hübsche bezog das Bett frisch, warf die Waschmaschine an und legte sich wieder hin.
Wir drei haben währenddessen den Kühlschrank neu befüllt, an der Sushi-Theke beim Lebensmittelladen Mittagessen für alle besorgt, die Kinder haben ihr Taschengeld zusammengelegt und in pädagogisch wertvolles Spielzeug investiert. (langjährige Leser erinnern sich: da war doch was, so was hatten die doch schon?! Und ja, die haben wir immer noch, funktionieren immer noch, aber ... die Technik hat sich weiterentwickelt. Und während wir damals die Wahl hatten zwischen denen mit den runden grünen Disks und eben den zylindrischen Schüssen, gibt es mittlerweile nur noch die mit den zylindrischen. Da haben wir uns mal schön für die falschen entschieden, damals. Erinnert mich an meinen allerersten Arbeitgeber, der ja gutes Geld mit Supergreen und Ultragreen (den Farbstoffen für beschreibbare CDs) verdient hat, bei den DVDs dann ein wenig den Anschluss verloren hatte und dann war lange nicht klar, ob sich BluRay oder ..... und da sehen sie schon, wie es ausgegangen ist, weil der zweite Kandidat fällt mir schon gar nicht mehr ein, durchsetzen würde. Da wurde ewig rumgeeiert, welches Projekt man weiterverfolgen soll und nun ja. In Sachen von Netflix und Co hat sich das eh erledigt.) Und ja, auch wir haben unsere Kinder versucht pazifistisch und ohne Waffen grosszuziehen. Man könnte jetzt sagen, wir sind gescheitert, man könnte sagen, das ist nur der erste Schritt zu menschenverachtenden Ballerspielen und wohin das führt, weiss man ja. Oder man könnte sagen: Sie haben ihr eigenes Geld dafür ausgegeben, vorher im Internet recherchiert, Preise verglichen, bei Freunden und Kollegen alle Modelle ausprobiert, eine fundierte Kaufeintscheidung getroffen und jetzt schiessen sie halt mit Schaumgumminupsis aufeinander. Davon geht die Welt nicht unter, immerhin tragen sie dazu stylishe Schutzbrillen.

So, nach dem kleinen Exkurs zurück zum Tag: der Hübsche war dann fit genug für Sushi. Wir mussten wie immer unsere Katze für die Essenszeit wegsperren, sonst ist das ein Gejammer und Geheule, aber heute hat sie es uns richtig heimgezahlt: sie hat in den 15 Minuten im Schlafzimmer (immerhin auf des Hübschen Seite) sowohl ihr grosses als auch ihr kleines Geschäft im frisch bezogenen Bett erledigt. Das hat sie in den 19 Jahren ihres Lebens bisher erst zweimal gemacht, einmal nach einer Narkose und einmal, ach, es war kompliziert. Nun denn, also wurde das Bett noch einmal abgezogen, diesmal sogar die Decke ganz gewaschen und der neue Sushiknast für die Katze ist also das Badezimmer mit Katzenklo (und sonst halt Fliesen im Notfall).

Danach war ich dann so müde (also: eigentlich vorher schon, aber in das Pieselbett wollte ich mich nicht legen), dass ich ganz untypisch einen Mittagsschlaf gemacht habe. Ich mag untertags schlafen eigentlich überhaupt nicht, aber heute hat es gepasst.

Nachmittags haben wir dann bei frischem, sonnigem Aprilwetter eine Runde durch die Siedlung gedreht und die in unserer Abwesenheit von Team Rot übernommenen Pokemon-Arenen wieder eingenommen.

Morgen dann: Alltag für den Hübschen und mich und noch ein bisschen Auszeit für die Kinder.

Montag, April 17, 2017

Daheim

Wir sind nach der gechilltesten Fahrt der Welt wieder daheim. Ja, grosse Kinder, die entweder lesen oder sich friedlich in-ears teilen, um auf dem Tablet ohne Streit eine Serie zu schauen, erleichtern das Ganze ungemein. Prinzipielle Fähigkeit zur Kontrolle der Körperfunktionen auch. Eine freie Feiertagsautobahn noch mehr. Und Autopilotfunktion auf der Schweizer Autobahn, wo man dann mit 120 wie auf Schienen dahin rollt und eigentlich nur darauf aufpassen muss, nicht einzuschlafen, noch viel mehr.

Daheim verschwinden die Kinder sofort: Lego-Sets zusammenbauen und Dinoskelett ausgraben.
Dorfleben: ich schimpfe Little L. erst noch, dass er eine Kapuzenjacke die ganzen Tage auf der Terrasse hat hängen lassen, da kommt schon eine WA-Nachricht von Nachbarsfreunden: sie haben die Jacke auf dem Spielplatz gefunden, erkannt und auf die Terrasse gebracht.

Die Katze (wunderbar versorgt von Nachbarn, deren Dankeschönosterei wir leider beim Packen zerdrückt haben) freut sich unendlich, dass wir wieder da sind. Und direkt Wäsche waschen und trocknen.

Apropos Wäsche: ich habe mich ja letztens bei einer Limango-Bestellung verklickt und sie anstatt zum Hermes-Mann zu meiner Schwiegermutter bestellt. Inhalt: Handtücher und ein neues Planschbecken, also nichts, was wir jetzt schon dringend gebraucht hätten (es hat hier immerhin noch 5°C und KEINEN Schnee, aber nicht mal meine Hardcore "Go-Bade"-Jungs hatten bisher den Wunsch nach Planschbecken geäussert), aber jetzt haben wir es mit heim genommen und die Handtücher direkt gewaschen/getrocknet/einsortiert und hach, der Plan geht auf: sie passen perfekt zu den Badfliesen in türkis und hellgrau. Mein innerer Spiesser freut sich sehr.

Wer sich auch freut, ist mein innerer Workaholic, also, nicht wirklich, aber ich bin ein bisschen beruhigt. Die Hautschmerzen (und tischtennisballgrossen Lymphknoten und alles andere Ach), mit denen ich in die Osterfeiertagegestartet bin und die ich alle auf die (unstrittige) Überarbeitung geschoben habe, sind wohl eher auf irgendeine Art Infekt zurückzuführen. Little L. ist heiser, Little Q. hat Halsschmerzen, der Hübsche hat Lymphknoten, Gliederschmerzen, Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Darüber bin ich natürlich nicht froh, froh bin ich nur darüber, dass ich halt (auch) einfach angeschlagen war und das nicht (nur) Warnsignale eines überarbeiteten Körpers waren.

So. Jetzt aber. Sie entschuldigen mich, ich muss Krankenschwesterpflichten wahrnehmen und die Hoheit über die Fernbedienung nutzen.

Sonntag, April 16, 2017

Kontrastprogramm

Heute alles anders: Baby, viele Verwandte, viel Umarmungen, viele Ostergeschenke, viel Lachen, viel Lachen.
Ganz anders, aber genauso anstrengend, besonders nach gestern (vielen Dank für Ihre Kommentare hier und anderswo. Sie haben es zusammen mit einem Glas Rotwein zwar nicht leichter gemacht, cool zu bleiben, aber manchmal ist das halt so.)

So sehr ich Erledigrrrrl-technisch hier (zwangs-) entschleunige, so sehr wird das durch emotionale Achterbahn ausgeglichen.


Samstag, April 15, 2017

Es ist kompliziert

Ich denke den ganzen tag schon drauf rum, wie es sein kann, dass ein leben, in dem man immer alles gut gemeint hat, nach bestem wissen und gewissen gemäss den eigenen überzeugungen gehandelt hat und ab einem gewissen zeitpunkt nix mehr drauf gegeben hat, was der rest der welt denkt und von einem hält, in einsamkeit münden kann. In einsamkeit, aus der man es trotz vieler gereichter hände nicht herausschafft, vielleicht auch nicht herauswill.
Und ich frage mich, ob es das wert war und ob man rückblickend vielleicht doch was anders gemacht hätte, doch über den eigenen schatten gesprungen wäre, sich angepasst hätte, wenn man damals gewusst hätte, was der preis dafür sein würde.
Und dann irgendwann, als die kinder mit roten backen und verschwitzten haaren aus dem selbergebauten matratzenlabyrinth auftauchen und sich den neuesten findelhund zum spielen in den garten nehmen, wenn ich leuchtende augen beim begeisterten schokoladenkuchenessen sehe, da denke ich mir: wer bin ich denn, dass ich das, was ich sehe, bewerte und beurteile? Wie kann ich mir herausnehmen, es als zumindest zu einem grossen teil selbstgewähltes gefängnis (an schlechten tagen als hölle auf erden) zu betrachten, wenn es vielleicht eine art selbstgewählte freiheit ist, die ja nicht für mich stimmen muss, sondern für die person, die sie lebt?
Was ich beeinflussen kann, sind unsere schnittstellen und wie es mir damit geht. Und da ist es durchaus legitim, dass es mich traurig macht, wie alles kam. Sehr traurig sogar. Ich kann mir wünschen, dass mein leben mal woanders mündet und alles dazu tun, dass das so kommt.
Den rest muss ich akzeptieren. Und wenn ich mir anschaue, wie die kinder die situation ganz ohne wertung annehmen und sich auf die besuche von herzen freuen, dann kann ich das wohl auch.
(Drüber weinen und wüten kann und werde ich, wenn ich allein bin.)







Freitag, April 14, 2017

Kopf frei

Heute habe ich nach einem gemütlichen Frühstück unter sachkundiger Beratung der gesamten Familie meinen Weihnachtsgutschein in diesem Taschenladen hier eingelöst. Es wurde eine mittelgrosse Planentasche mit auberginenfarbigem Springbock. Mit Iro, ohne Schwanz. Springbockfell ist erstaunlich weich, ich dachte (mein Opa war ja passionierter Jäger und ich bin inmitten von Krickerl, Wildschweinfellen, Bärenfelle, ausgestopften Eichelhähern und Murmeltieren gross geworden. Zum Schulanfang habe ich zum Radiergummifutzl wegbürsten ein Hasenschwänzchen bekommen, wo man den Knorpel noch direkt sehen konnte. Creepy faszinierend, aber ich habe es recht bald im Schulbus verloren), es wäre eher borstig, wie Wildschwein oder so. Wenn man es flachlegt, ist der Iro weg, beim Umklappen wieder da. Auf eine skurrile Art sehr cool.

Am Nachmittag sind wir dann nach Schwabing gefahren (und haben zum ersten Mal und dafür dann auch grad überall, die "Umweltzone, Einfahrt verboten ohne grüne Plakette"-Schilder gesehen, die wir mit dem alten Auto immer ignoriert haben, jetzt mit ganz ohne Emissionen haben wir uns so eine Plakette besorgt) und haben den Superburschi besichtigt. Er ist unglaublich winzig, unglaublich niedlich, die Kinder sind unglaublich verliebt und liebevoll, und ich bin unglaublich froh, dass wir die Babygeschichte nur noch aus der Zuschauerperspektive machen.


Beide Jungs haben ihren Kinderwagenführerschein auf dem Weg vom und zum Kaffeetrinken gemacht, haben den beiden Jungeltern einen Vorgeschmack gegeben, was auf sie zukommt (oder zukommen kann, man weiss ja nicht, ob der Superburschi auch reden wird, ohne Luft zu holen und zu jedem, aber wirklich jedem Thema etwas beizutragen hat :-)), sind an der TU entlangmarschiert, an der wir (wir waren ja in den Garchinger Outbacks) zwar nie richtig studiert haben, aber immerhin waren wir da auf Studentenparties und wir haben ein oder zwei Semester das Chemiepraktikum der Geologen am Hauptcampus geleitet. Wir haben Eis gegessen, Kaffee und Kuchen genossen und es war ein Bild für Götter, als wir grad am Gehen waren und Little L. an den draussen sitzenden Gästen vorbei ins Cafe rief: "Mami, Papi, kommt schnell, da im Lichtschacht sitzt eine voll niedliche Ratte, schnell, sie geht in ihre Höhle unter dem Müll zurück!" Entgleisende Gesichtszüge bei den Schwabinger Bussibussi-Hipstern :-).

Morgen dann geht es in meine alte Heimat, mal sehen, ob die Tankkarten für den Schulhof funktionieren und wie Little L.s Hundeführerschein aus der Schule im Hardcoretest bei blinden oder halbblinden Hunden funktioniert.

Donnerstag, April 13, 2017

Sssssssst

Tesla Twilight



So, auch wenn der hübsche und ich heute nacht beide unabhängig voneinander geträumt haben, dass wir die erste beule ins auto gefahren hätten (bei mir wurde ein waldweg immer schmaler, ich bin mit autopilot gefahren, der fand, dass es mit ca 50 gut ginge. Dann sind wir zwischen zwei bäumen steckengeblieben und ich musste vollgas geben, dabei hat sich das auto gedreht, ich habe vorwärts und rückwärts verwechselt, und zack, kleiner kratzer rechts hinten), ging unsere erste längere strecke (mit zwischendrin laden!) dann doch erstaunlich unspektakulär vonstatten.
Ich bin die schweizer hälfte gefahren, voll cool mit autopilot und automatischem spurwechsel und trallafitti, und mittlerweile dauert es ungefähr 200km, bis ich einen verkrampften nacken von "aaaaaahrg, das auto bewegt sich von allein, die maschinen übernehmen die macht, was, wenn ein verrücktes scriptkiddy uns jetzt an die tunnelwand fährt?" vs "wie geil, ich muss nix machen" bekomme.
Und weil ja immer alle fragen, wie weit man kommt: wir hätten die 400km nach münchen mit einer ladung geschafft, aber erstens müssen wir eh pausen machen (pinkeln, pickerl kaufen, essen, kaffee), da kann man das auch an einem supercharger machen und zack, kaum hat man den kaffee vor sich, kommt schon die passiv aggressive nachricht: "ladestatus reicht zum weiterfahren", und zweitens wollte der hübsche auf der deutschen autobahn mal ausprobieren, wie schnell das auto wirklich fahren könnte, und das frisst dann natürlich viel mehr strom als das gechillte 120 in der schweiz. Wir haben es übrigens nicht rausgefunden, ab 208 wurde es im feiertagsreiseverkehr etwas unübersichtlich.
Jetzt tankt das auto bayerischen wasserstrom an der gemeindeladestation (mit der ladeleistung dauert es knapp 5h von den 40%, mit denen wir ankamen bis voll). Wir haben die omas vor ort auf die verschiedenen stadtwerke geschickt, rfid-karten für die ladesäulen zu organisieren, die braucht man, aber sonst ist es umsonst. Wobei ich gestehen muss, dass mir kurz die gesichtszüge entgleisten, als eine der stadtwerkedamen am telefon meinte: "ja, die ladekarten... die hamma scho, aba des bleede is, die san im safe und mir brachan de so sejtn, dass koana mea die kombination woass. Das geht oiso a wengal, bis ma den aufham."
Wurde aber alles und so kann ich dann am samstag mit dem auto auf dem pausenplatz meiner ehemaligen grundschule tanken.

Mittwoch, April 12, 2017

Jetzt aber

Ich gebs zu, das gestern so runterzuschreiben und dann schon um halb 11 ins Bett zu fallen (und vor lauter Müdigkeit und überhaupt am ganzen Körper Hautschmerzen hatte), das war ein bisschen schockierend (und ich sehe den Hübschen wild nicken) und vermutlich recht offensichlich, dass eine Pause überfällig ist.
Und so fiel es mir dann doch recht leicht, heute um halb fünf die Tasche zu packen, den Kolllegen jeden "Könnten wir noch telefonieren?" oder "Du, lass uns das morgen früh noch mal schnell..."-Wunsch abzuschlagen und mich in den Shuttle zu setzen (so entspannt, dass ich auf dem Weg in den Keller das Ausstempeln vergessen hatte und mich daheim erst mal wieder in den Firmenrechner einloggen musste, um das manuell nachzuholen) und .... dank Unfall auf der Autobahn gab es dann direkt mal Zwangsentschleunigung, weil es statt 20 Minuten über eine Stunde bis heim dauerte,


Wegen immer noch Hautschmerzen, Halslymphknotenschmerzen und überhaupt habe ich mir heute abend dann crosstrainerfrei gegeben, dafür geht es mit Buch in die Badewanne.
Gepackt wird auch erst morgen früh, während der Hübsche (oh irony) "noch schnell ein paar Minutes fertig machen muss".


Ausatmen.

Dienstag, April 11, 2017

Ferienreif

Der Hübsche schaut mich kritisch an, er seufzt, wenn ich "Nur noch schnell eine Email, da muss jetzt mal einer Klartext reden" tippe und die Uhr schon noch 22:00h zeigt und ich seit 6:00h auf den Beinen bin. Ich wache um 4:00h, u, 4:30h und um 5:20h auf. Da schiesse ich aus dem Bett, weil "5:20h, das gibt in der Quersumme 7, der Wecker hätte um 6 klingeln sollen, ich habe eine Stunde verschlafen" und merke erst im Bad, dass das ja wohl nicht mein Ernst sein kann. Da habe ich aber schon die Emails aus Kalifornien aufgemacht und wenn ich gleich antworte, sind die da noch im Büro und ich bekomme eine Antwort. Der Kollege aus Italien, mit dem ich noch was abklären muss, ist auch schon wach und jetzt lohnt sich das Schlafengehen auch nicht mehr, so schaffe ich wenigstens noch was, bevor die Kinder wach werden und ich wegen kranker Nanny die Arbeit um Kinderferien und putzende Putzfrau herum arrangieren muss.

Jetzt ist alles erledigt, ich habe erstmals in meinem Leben gesagt, dass eine Deadline von 48h für ein Dokument zu kurz sind, ich habe mit den Kindern in der Mittagspause eine Runde Minigolf gespielt (UND GEWONNEN!), alle Bälle sind in die Luft zurückgeschubst, morgen wird noch ein Grossteil eingetütet und dann bin ich 6 Tage einfach nicht da. Ich merke nämlich durchaus, dass mir da im Moment die Distanz verloren geht und es im schnellen Schleichschritt zu viel wird. Doch, doch, das merke ich, auch das katerartige Gefühl im Kopf, das aus einer Mischung aus Müdigkeit und Koffein herrührt, der ausbleibende Hunger, das nötige neue Gürtelloch und die Magenkrämpfe, die vermutlich vor allem von Kaffee ohne Schlaf und Essen kommen,und ich weiss auch, dass ich diejenige bin, die da was dran ändern muss und kann, auch wenn ich auf des Hübschen Blicke und Seufzer mit grimmigem Knurren und "Ja, glaihaaaaaaaiiiich" reagiere.

Montag, April 10, 2017

Deep dive

"Hands on" ist das neue Townhall.
 "Time for bottles is over".


Das waren zwei meiner Learnings heute und nach 11 Stunden super deep dive gefolgt von Team Dinner ist das auch ungefähr alles, was ich noch in der Lage bin zu teilen.

Sonntag, April 09, 2017

Limit

Heute ware der einzige Tag der Woche gewesen, wo ich das mühsam angehäufte Schlafdefizit hätte aufholen können. Brav bin ich also gestern abend um 11 ins Bett und bin heute morgen still liegengeblieben, bis mir der Hübsche um 9 anbot, einen Kaffee zu holen.
Erholt war ich deswegen aber überhaupt nicht, ich hatte nämlich einen gefühlt stundenlangen Traum, aus dem ich verstört um 7 aufwachte und danach nur noch grübelnd rumdösen konnte.
In dem Traum war ich in einer Art Umkleideraum, in dem sich eine Gruppe Kollegen und Kolleginnen verkleideten. Der Grund dafür war die Trauerfeier für eine Kollegin, die in den besten Jahren an Krebs gestorben war und sich gewünscht hatte (oder ihre Verwandten oder Freunde, das war in dem Traum nicht so ganz klar), dass die Trauernden sich statt schwarz zu tragen, sich als das Verkleiden sollten, was sie mit der Kollegin am meisten verbinden würden. Um mich herum wuselten die Leute, halb angezogen, beschäftigt mit Schminken, Haare toupieren, Bademäntel und Tüllröcke kombinierend, und mittendrin stand ich und hatt über dem Arm ein weisses Pierrot-Kostüm und eine Schminktasche, die mit Weiss-schwarter Theaterschminke und allem, was halt so dazugehört, gefüllt war. Und während ich nach einem freien Platz suchte, wo ich mich umziehen könnte, dachte ich mir auf einmal: "Was ist das den für eine bekloppte Idee, ich bin traurig und möchte die Kollegin in einem würdigen Rahmen verabschieden, ich möchte mir kein weisses Gesicht schminken und die Kollegen aus Einkauf und Planung mit Blumenstrohhüten und Sonnenblumengesichter sehen." Und obwohl ich mir im Traum bewusst war, dass ich damit die Wünsche der Kollegin (oder der Freunde oder Verwandten) missachten würde, liess ich das Pierrotkostüm liegen und ging einfach weg. Mit schlechtem Gewissen, aber in dem festen Glauben, dass ich das Richtige tue.


Man kann sich vielleicht vorstellen, wie gerädert ich war, als ich aufgewacht bin (ziemlich), immerhin ist die Kollegin nicht tot, das habe ich dann grade mal schnell überprüft, und das letzte Pierrotkostüm habe ich mit 14 getragen oder so.


Ich bin ja nun kein Traumdeuter, aber mir ist schon klar, dass der nicht von ungefähr kommt (oder er passt halt einfach grad sehr gut und ich nutz das jetzt schamlos für die Symbolik aus), und habe für mich beschlossen, dass ich es wohl akzeptieren muss, dass es nicht allen um mich rum immer gut gehen kann. Dass ich es akzeptieren muss, missverstanden zu werden, dass Leute wütend auf mich oder enttäuscht von mir sind, und dass ich manchmal auch einfach nicht die Kraft, den Willen oder die Fähigkeit habe, das wieder gerade zu rücken. Vermutlich ist es auch nicht meine Verantwortung und dann ist es halt so.


Ich habe für mich mittlerweile sehr  klare Grenzen, welche Dinge ich diskutiere, welche auf keinen Fall, welche ich ab-mhmmmmen kann und welche nicht mehr. Diese Grenzen haben mit meinen persönlichen Kraftreserven zu tun, die vielleicht gross sind, aber nicht unerschöpflich. Und auch ich habe ein Recht, irgendwann zu sagen: "das kann ich nicht". Und (und das ist für mich noch schwerer) "Das will ich nicht."

Samstag, April 08, 2017

Sommersamstag

Heute sind wir alle zusammen mit Little Q. und seiner Unihockeymannschaft zum letzten Meisterschaftsspieltag und zum letzten Spieltag als D-Junioren gefahren. In die Kantonshauptstadt, die von unserem Wohnort viel weiter weg liegt, als die Kantonshauptstädte vom nächsten und sogar übernächsten Kanton, weswegen wir dort total selten sind. Ich glaube, bisher einmal zum Freundeverheiraten, einmal zum Freunde besuchen und einmal der Hübsche zum irgendwas mit Strassenverkehrsamt. Und heute eben zum Unihockeyspielen.
Immerhin mal eine längere Strecke mit dem Auto und übers Staffelegg kann man schön erst den krassen Verbrauch beim Bergrauffahren und dann das Rekuperieren beim Wiederrunterfahren sehen.


Unihockey selber: nun ja. Es ist immer kompliziert, weil ich mir bei Q. einerseits ein bisschen mehr Kampfgeist wünschen würde, aber dann, wenn ich mir andere Kinder, die beim ersten Gegenwind wütend den Schläger durch die Gegend werfen, bis sie vom Schiedsrichter vom Platz gestellt warden und dann Rotz und Wasser heulen, weil sie vom Platz gestellt wurden und dann kommen die Eltern und pfeifen den Schiri zusammen, weil er das Kind .... und schon ist das mit dem "Verlieren, gewinnen, Alibi, Kolibri, Hauptsache, wir haben Spass dabei und ich kann mit meinen Freunden was machen" bei Q. doch eigentlich eine sehr coole Einstellung.


Wie so oft war zwischen den Spielen über zwei Stunden Pause und da war das mit der Kantonshauptstadt wieder ganz gut. An vielen anderen Spielorten gibt es nämlich um die Turnhalle drumrum einfach NIX und so kann man nur rumsitzen, schwatzen, Aggressionen aufbauen, lessen, Hotdogs essen oder Kuchen, dessen Qualität aber sehr schwankend ist. In der HAUPTSTADT 111!!!!! ist aber direkt gegenüber ein Einkaufszentrum, in dem wir erstens für den Erhalt der Postfiliale hätten unterschreiben können und zweitens die Kinder mit fälligen neuen Badehosen (beide die gleichen und glücklich damit. Ich habe es gehasst, nur ansatzweise ähnliche Kleider wie meine kleine Schwester zu tragen. Nun ja.), dem für das Chorkonzert verpflichtende weisse Shirt für Q., Tschäppis (Früher haben wir ja als allererstes die Schirme rundgebogen und nur Deppen sind mit graden Schirmen rumgelaufen. Heute MUSS der Schirm brettlgrad bleiben und, noch irritierender, der irisierende Herstelleraufkleber auf dem Schirm MUSS draufbleiben. Nur Deppen laufen mit rundem Schirm und ohne Funkelblingkleber drauf rum. Da muss man auch erst mal eingeweiht warden) und Socken/Strumpfhosen (den Hübschen und mich) versorgt.


Danach zweites Spiel, grosser Schiriärger wegen Torübersehen und deshalb verloren, noch Medaillenumhängung, Abschlussgruppenfoto, Heimweg über den Pass und wenn man schon um 8:15 losgefahren ist, hat man dann immer noch voll viel vom Tag.


Nämlich genug für Wasserschlacht, Eiskaffeetrinken, Feuerschale aus dem Keller holen, Osterschokolade kaufen, Wäsche raushängen und im Nullkommanix trocknen, und überhaupt: Sommer!

Freitag, April 07, 2017

On site training

Heute beim Termin in der Tesla-Werkstatt (das Auto kriegt Sommerreifen drauf und wir haben eine minifuzziklaane Mängelliste zusammengestellt. Sowas wie: spitze Lacknasen an der Unterseite des Kofferraumdeckels, nicht ganz gleichmässiges Lichtbild der LEDs vom Ambient lighting links hinten, Deckel der Notentriegelung der Ladeklappe halt nicht, der Beifahrersitz ist auf Höhe der linken Schulter des Hübschen undefinierbar seltsam, wobei ich da eher die linke Schulter des Hübschen der Seltsamkeit verdächtige) haben wir beim Schwätzchen* erfahren, dass sowohl der Toll als auch die Grenzwache schon in der Werkstatt waren und sich alle Hohlräume an den verschiedenen Modellen haben zeigen lassen. Das erklärt, warum der Hübsche letztens "Bitte rechts ran fahren und BEIDE Kofferräume aufmachen" musste. Und zerschlägt natürlich all meine Pläne, in Zukunft Rinderhälften im Frunk zu schmuggeln.


(Als Ersatzfahrzeug bekamen wir ein rotes ** Model S, dessen Namen mir die hippen Tesla-Jünglinge dort noch eine Runde sympathischer machte.)









* meine zwanghafte Witzischkeit ist mittlerweile so berüchtigt, dass mir gerne vor Meetings mitgeteilt wird, wer auf was empfindlich reagiert, wer superwichtig ist und was thematisch die witzfreien Zonen sind. Heute gab es keinerlei Verhaltensregeln zu beachten.
** ich habe die Farbe ausgewählt, grau ware auch noch gegangen

Donnerstag, April 06, 2017

Rapüh

Ich möchte als erstes kurz loswerden, dass ich ganz begeistert bin, wie toll alle (haben Sie die Liste gesehen? Wow!) beim modifizierten WMDEDGT? gestern mitgemacht haben. Ich war mir echt nicht sicher, ob die Änderung ("Anders ist scheisse", der Grundsatz des change managements :-)) für Unmut sorgen würde oder aber die Leute vergraulen würde, aber hey:  keins von beiden, soweit ich das mitbekommen habe und ich habe mich gestern abend und heute morgen schon durch die ganz neu aussehende Zusammenstellung gelesen und freue mir ein Loch in den Bauch, dass so viele Leute mich in ihr Wohnzimmer schauen lassen.
Dafür, dass das das ganze Projekt total ungeplant und aus Versehen aus einer Verlegenheitsaktion (wir haben wunderbar unser 4jähriges Jubiläum verpasst...) zum Thema: "Bevor ich gar nichts schreibe, schreibe ich mal eine Woche auf, was ich jeden Tag tue" entstanden ist, hat es sich echt grossartig entwickelt.


Ansonsten merke ich: ich bin urlaubsreif und unglaublich müde.
Das hängt einerseits damit zusammen, dass ich weiss, dass ich über die Osterfeiertage (plus einen Tag vorne und einen hinten) frei haben werde :-)), andererseits, weil ich bei der Arbeit im Moment mit sehr vielen Bällen gleichzeitig jongliere und immer noch mehr von der Seite "nur mal schnell, ich müsste es bis morgen wissen" reingeworfen warden, und nochmal andererseits, weil ich halt echt schlecht und wenig schlafe zur Zeit. Und ja, ich gebs zu, es kommt nicht wirklich überraschend, aber die letzte Woche ohne den Hübschen war besonders durch "ich fange jeden Tag noch vor dem ersten Kaffee direct um halb sieben an zu arbeiten, anstatt erstmal im Aufwachmodus zur Bushaltestelle zu tapsen und dann im Bus wach zu werden" schon .... extra anstrengend.
Und deswegen bin ich sehr stolz auf mich heute, weil ich ja normalerweise dazu tendiere, wenn ich müde (oder hungrig oder noch schlimmer: beides) bin, meine normale freundliche bis alberne Dauerwitzigkeit ins Sarkastisch-Zynische kippen zu lassen und das ist für die, die es abkriegen, nicht wirklich witzig, und heute habe ich es geschafft, einfach nix zu sagen. Also. Fast nix. Ich habe milde gelächelt, als der ungefähr 12jährige neue Werksstudent mir erklärt hat, dass er dafür verantwortlich ist, eine Meeting Landscape für den gesamten Bereich  zu generieren, und so dann alles besser werden wird. Ich habe ihm sogar viel Erfolg gewünscht und gemeint "Ich bin schon sehr gespannt, was da rauskommen wird und wie das unsere KPIs für dieses Jahr beeinflussen wird" (und ja, das könnte man jetzt wieder zynisch verstehen, aber ich habe das mit echt netttem Tonfall gesagt).


Ich habe einmal in einem Meeting schlimm (und mit Geräusch) die Augen gerollt, aber sofort erklärt warum und es (so steht es in den Minutes) geschafft, das in "shared her experience from former projects on this topic and highly recommendet to ..." umzuwandeln.


Auf dem Heimweg im Bus war ich so müde, dass ich nicht mal lessen wollte. Ich wollte nur dasitzen und zum Fenster rausschauen, aber .... zusammen mit mir war eine lustige und gar nicht müde Truppe um einen freiwilligen Feuerwehrmann eingestiegen, der im Unfallstau auf derm Autobahn en detail und mit Handybildern von verquetschten Autos von seinen bisherigen Einsätzen berichtete. Ich war zu müde, um meine Kopfhörer rauszukramen. Ausserdem war ich müde genug, um nicht zu laut zu seufzen und so erzählte er immer weiter und eigentlich war es (bis auf die Bilder und das Kopfkino) gar nicht sooooo schlimm, weil er eben nicht, wie ich erst dachte, mit drastischen Schilderungen am Angeben war (bis auf die Sache mit der abben Kopfhaut), und irgendwann dann auf seinen "das war mein bisher bester Einsatz und es ist ein Wunder, dass niemand dabei ums Leben kam" Einsatz bei der Explosion kam, an der wir damals vorbeigefahren sind. Das war echt spannend, zu hören, wie das damals aus First-Responder-Sicht so war, wie man so ein Haus sichert, wie das mit den Suchhunden funktioniert und wie es das tatsächlich zerlegt hat.
Ich war aber auch müde genug, um nicht "Unser Auto wurde durch den Rums fast von der Strasse geräumt" zu quaken und konnte sozusagen einfach nur einer Art Hörbuch auf dem Heimweg lauschen.




Daheim dann eine ordentliche Crosstrainer-Einheit, damit das Hirn wieder aufwacht oder wenigstens die Beine genauso müde werden. Jetzt geht's wieder.

Mittwoch, April 05, 2017

WMDEDGT? 04/17

Es ist wieder soweit und ich würde gerne wissen: "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?"
Ich würde mich freuen, wenn Sie heute mitmachen würden, tagebuchbloggen und den Blogpost dann in der heute ab 17:00h unten verfügbaren Liste eintragen. (Falls Sie sich wundern, warum erst um 17:00 und nicht schon zu nachtschlafender Zeit, lessen Sie bitte kurz den Blogpost von gestern).




Mein Tag beginnt .... ach, lassen wir das. Ich schlafe eh super schlecht und wenn der Hübsche nicht da ist, noch schlechter. Nicht nur, weil es ungewohnt ist, weil nicht eine zweite Person im Raum den Sauerstoffgehalt senkt, sondern schon auch (jaja, Fingerpointing, I know) weil die Katze den Hübschen mindestens so vermisst wie ich und ungefähr alle 30 Minuten über mich drüberlatscht, um zu schauen, ob ihr heissgeliebter Schlafbuddy nicht vielleicht doch nach Hause gekommen ist.

Also: der Wecker läutet um 6, wach bin ich seit .... 4:30 oder so.


Ursprünglich hatte ich ja die Idee, den Tag mit einer Instagram-Story zu begleiten, aber dann bin ich beim Aufstehen so grummlig, dass ich mit niemandem redden mag, nicht mal mit meinem Telefon.

Ich ziehe ein neues Sommerkleid an (für die Laune, es ist zwar kalt, aber mit Strickjacke drüber und Strumpfhose drunter gehts gut), schminke mich, bringe den Haaren bei, dass der Scheitel jetzt noch ein bisschen weiter seitlich ist, und setze mich mit einer Riesenportion Kaffee an den Esstisch.


Weil der Hübsche nicht da ist, habe ich Kinderfrühdienst, d.h. ich kann erst den Bus um 8:30h nehmen. Ist aber nicht schlimm, ich kann mich via Remote Access ins Firmennetzwerk einwählen und die himmlische Ruhe (die Kinder müssen erst um viertel nach sieben aufstehen) daheim nutzen, Prozesssicherheitsbetrachtungen auf englisch zu übersetzen für unsere italienischen Lieferanten to be, die über Nacht eingegangenen Mails der amerikanischen Kollegen beantworten und auf der Suche nach historischen Daten das Forschungsarchiv der Firma durchstöbern. Ich kriege fast ein bisschen Gänsehaut beim Screenen von eingescannten handschriftlichen Forschungsberichten, zum Teil über Produkte, die es gar nicht mehr gibt. Ein paar sind nur als Nummern verfügbar und ich probiere mal das Bestellsystem. Mal sehen, was mir geliefert wird.


Die Kinder stehen auf, schwatzen im Bad über Pokémon und Supermario, und wir frühstücken gemeinsam Honigtoast. Irgendwie sind wir alle zu früh und so sitzen beide Jungs mit ihren Büchern auf dem Sofa und ich surfe weiter im Archiv.




10 nach 8 gehen die Jungs aus dem Haus, ich packe meine Sachen zusammen und spaziere (es ist so hell und voll um diese Uhrzeit!) zum Shuttle. Ja, ich bin mir des Luxus(ses) bewusst, in einem ruhigen, klimatisierten Firmenshuttle mit unterbrechungsfreiem W-LAN, das mir das Arbeiten ermöglicht, von Standort zu Standort kutschiert zu werden.




Heute arbeite ich nicht an meinem eigentlichen Büroplatz, ich habe nämlich über de ganzen Tag verteilt Meetings an dem Standort, wo fast alle meine Kollegen sitzen. Ich schnappe mir also einen leeren Platz und fange an, zu werkeln. Ich muss eine Reihe Dokumente, die für alle unsere Produkte von den Gesundheitsbehörden ab Januar nächsten Jahres bereitstehen müssen, erstellen. Das klingt zwar einerseits noch nach laaaaaaang Zeit, aber andererseits bin ich ja „nur“ für die Wirkstoffe zuständig und bis daraus eine TabletteSpritzeAmpulle wird, kommt ja noch einiges dazu und damit die dafür zuständigen Kollegen die finalen Dokumente fertig machen können, müssen die für die Wirkstoff natürlich eher fertig sein. Und damit der Prozess möglichst einfach und absolut nachvollziehbar läuft, müssen solche Dokumente natürlich für alle Produkte nach dem gleichen Format nach dem gleichen Konzept erstellt werden und alle in dem Dokumentenlenksystem abgelegt werden. Ich hatte mit meinem Kollegen, der auch für so viele Wirkstoffe zuständig ist wie ich, einen kleinen Wettstreit, wer es schafft, eine längere ununterbrochene Reihe an Dokumentennummern zu ziehen. Das ist nicht ganz einfach, weil natürlich 90000 Mitarbeiter der Firma Zugriff auf des Dokumentensystem haben und rund um die Welt rund um die Uhr Dokumente erstellt werden. Ich habe es geschafft, in einer frühen Morgenstunde immerhin einmal 3 und einmal 5 Nummern in einer Reihe zu bekommen. (die kleinen Freuden :-)).


Um 10 habe ich ein Meeting mit einem Team, das sich um das Divestment eines „meiner“ Produkte kümmert. Das ist sehr spannend, es ist sozusagen das andere Ende des Produktelebenszyklus, von dem man doch normalerweise mehr auf den Anfang und den Launch fixiert ist.


Danach: die gezogenen Dokumentennummern mit Inhalt füllen. Das ist einerseits angenehme Routinearbeit (ich mag es sehr, wenn Templates und Spreadsheets gut gemacht sind), andererseits muss man aufpassen wie ein Haftlmacher, wenn alles gleich aussieht, dass man die wesenthlichen Produktunterschiede dann doch nicht durcheinanderbringt.

Ich hake das alles auf meinen virtuellen Klebenotizen auf dem Desktop ab (ich mag das sehr, gerade, wenn man mit dem Laptop andauernd physisch unterwegs ist, ist das viel praktischer als Papiernotizen) und wann immer ein Dokument fertig ist, schicke ich eine halbwegs standardisierte Mail an den Kollegen in der Galenik, dass er oder sie das jetzt nutzen kann. (Flapsig heisst das bei uns „den Apothekern über den Zaun werfen“).




Zum Mittagessen habe ich mit einer Kollegin abgemacht, die ich in einem Kurs kennengelernt habe und die vor einem halben Jahr von unserem Werk in Spanien nach Basel gezogen ist. Die Unterhaltung macht Spass, das Essen nicht so (note to myself: "Pfannkuchen mit Spargel-Gemüsefüllung und Estragonsosse" schmeckt nach nix, wenn es das wieder gibt, lieber Salatteller!)




Nach einem Kaffee geht es zurück, Dokumente weiterbefüllen und fertig "über den Zaun werfen" :-).

Um zwei treffe ich mich mit zwei Kolleginnen, mit denen zusammen ich gerade den Transfer eines Produktionsprozesses von einem Standort an einen anderen betreue. Wir gehen durch unsere Aktionsliste und vereinbaren, wer welche Aufgaben übernimmt. Zu guter Letzt besprechen wir, wer dann im September in Italien die erste Kampagne betreuen wird (ICH!, aber das war eh klar) und wer wann in den Ferien ist.




Für das nächste Meeting merke ich erst zwei Minuten vor Beginn, dass ich dafür das Gebäude wechseln muss, zwar nur über die Strasse, aber in ein recht neues, in dem ich noch nie war. Es wird mit dem "activity based working"-Konzept betrieben, wo man gar keinen festen Arbeitsplatz hat, sondern nur einen Spind und einen kleinen Rollcontainer und man sucht sich je nach Tätigkeit einen Platz im Stillen, Mittelruhigen oder keine Ahnung. Ich würde das tatsächlich gerne mal ausprobieren! Wir waren aber ganz klassisch in einem Meetingraum (allerdings in einem "Kreativraum", was aber nur heist, dass es einen Stehtisch und so barhockergrosse Stühle hatte.).Ich hatte zum allerersten Mal, seit ich hier arbeite, Kontakt mit Ärzten (also: nicht mit dem Werksarzt), und zwar welchen, die in der "medical safety"-Abteilung arbeiten. Es war echt spannend und interessant und ich fand es sehr cool, dass unser Team ohne grosse Vorbereitung mit einer gemeinsam on the fly erstellten Präsentation sehr schnell das Problem schildern konnte, jeder seinen Teil, ohne, dass wir uns gross abgesprochen hätten, ich hatte die gewünschten Zusatzinformationen (mit Klebezetteln und Leuchtmarkierungen an den wichtigen Stellen versehen) ausgedruckt für die Ärzte dabei, und wir bekamen genau das, was wir haben wollten.



Zack, halb fünf, Zeit für den Shuttle nach Hause. Eigentlich wollte ich lesen oder aus dem Fenster schauen, aber ein ehemaliger Kollege, der mittlerweile im Issue Management arbeitet, fuhr mit und da ist es immer sehr, sehr spannend, sich die neuesten Fälle anzuhören. Ist natürlich streng geheim, deswegen sag ich nix, aber die Zeit verging trotz Stau auf der Autobahn wie im Flug.




Daheim angekommen besprach ich mit der Nanny kurz den Tag, knuddelte Little Q., begrüsste Little L., der von oben bis unten voll mit Kreidestaub von seiner Freundin kam und direkt an der Haustür die Kleider abwerfen durfte.

Nach dem üblichen Katzefüttern, Wäscheaufhängen, kurzer Sporteinlage, Abendessen vorbereiten (Flammkuchen und Pizzaschnecken für Little L), mit dem Hübschen, der am Flughafen in London noch Mitbringsel shoppen ist, whatsappen, Znüniboxen für den nächsten Tag vorbereiten, Schulranzen mit den Kindern mit dem Stundenplan für morgen abgleichen, Abendessen, Schulzettel unterschreiben (Little L. ist Antolinzweiter in der Klasse und sie gehen in "Peter und der Wolf", was mich den ganzen Abend summen last), ist es halb acht, die Kinder sind geduscht und zähnegeputzt.

Ich lege die getrocknete Hälfte der Wäsche zusammen, lese Little L. ein Kapitel "Wawuschel" vor, danach darf er noch bis 21:00h selber lessen (er rattert im Moment jeden Abend zwei, drei "Magische Baumhaus"-Bände durch.), Little Q. macht das eh.

Ich lege mir die Kleider (und die passenden Schminksachen für morgen raus, lasse mir ein Bad ein und lege mich mit Kindle und dem neuesten Jussi Adler.Olsen in die Wanne.).

Inzwischen ist der Hübsche in Zürich gelandet und ich vereinbare mit den Jungs, dass ich ihn gegen halb 10 im Nachbarort abhole, während sie das Licht ausmachen und schon mal einschlafen. Da ist es dann sehr praktisch, dass Little L.s Teil vom Bett so breit ist, dass Q. bei ihm schlafen kann gegen Monster unter dem Bett. Für Notfälle haben sie das Telefon, auf dem mein Handy auf Kurzwahl liegt und im Superauto könnten wir uns die ganze Zeit über Freisprechanlage unterhalten. Ausserdem sind es nur ca 20 Minuten, die ich weg sein werde, aber die Alternative wäre, dass der Hübsche mit dem Zug bis Basel weiterfährt, dort in die SBahn einsteigt und zurückfährt, dann mit Gepäck durchs Dorf nach oben läuft und alles in allem eine gute Stunde länger unterwegs ist. Und nach drei langen Messetagen muss das dann spät abends nicht mehr sein.

Jetzt auspacken, eine Tasse mitgebrachten feinen englischen Tee trinken und reden, morgen geht's von vorne los.

Irgendwann vielleicht: schlafen gehen.