Montag, Juni 29, 2015

Ausgebremst

Ich bin ja eher Team "Ich will aber" und deswegen setze ich (mehr oder weniger, aber eher mehr, also: fast immer) das um, was ich mir vornehme, auch wenn das von aussen bekloppt, "ambitioniert" oder zwanghaft aussieht, sei es Sport, sei es "ich blogge jeden Tag", sei es "ich gehe nie mit unzusammengelegter Wäsche oder unausgeräumter Spülmaschine ins Bett", sei es "jeden Donnerstag ist Putztag", sei es fixes Sportprogramm, leergearbeiteter Schreibtisch vor dem Wochenende, sicher aber vor dem Urlaub, nicht ins Bett, ohne mindestens 5 Seiten gelesen zu haben, you name ist.
Was dabei hintenüber kippt, ist im Normalfall als erstes der Nachtschlaf, dann das "Mal Pause machen" oder "Mensch, chill mal!", richtig Fernsehen tu ich seit Jahren nicht mehr, aber im Prinzip gehts mir super so. Langweilig war mir seit Jahrhunderten nicht mehr und das Gefühl, Tage oder Stunden einfach so verdandelt zu haben, das mich irre macht, das hatte ich auch schon ewig nicht mehr.

Jetzt ist es grad so, dass ich tatsächlich Pause machen muss, weil auch wenn der Arzt gesagt hat: "Verbluten werden Sie da dran nicht", Dr. Google sagt anderes, ausserdem habe ich nur 7 einsatzfähige Finger, davon zwei in Nachbarschaft eines feuchtigkeitsempfindlichen Gipsschienendings, ich habe einen Schlauch zwischen Niere und Blase (man gewöhnt sich dran, das sei hier mal festgehalten), und übermorgen wird meine Beckenarterie aufgepokelt. Also: wenn nicht jetzt, wann dann, sollte ich mal langsam machen?

Ich habe also bike to work frühzeitig beendet (wie auch, mit Gipshand), Bauchtraining/Crosstrainer sind auch erstmal gestrichen, bis Gips ab und Niere geflickt sind, ich zwinge motiviere die Männer im Haushalt noch mehr als eh schon, ihren Teil zu "Geschirr und Wäsche vor dem Schlafen erledigen" beizutragen, ich lag gestern anderthalb Stunden auf dem Sofa und habe einfach gelesen, ich habe mich nach dem Desaster vom letzten Mal wieder auf Putzfrauensuche gemacht.

Das ist okay für jetzt, aber ich bin ja nun nicht spirituell oder metaphysisch angehaucht und deswegen glaube ich auch nicht, dass ich gegen den Pfosten geknallt bin, WEIL ich nie Pause mache, oder ein Nierenaneurysma habe, WEIL ich nicht einfach mal alle Fünfe gerade sein lasse, sondern, dass das eine halt doof war und das andere halt so ist. Und weil das so ist, mache ich jetzt langsam, weil ich muss. (Aber das ist, verdammte Axt, nicht leicht.)

Kommentare:

Sunni Schmidt hat gesagt…

Liebe Frau Brüllen,
man gewöhnt sich an so vieles! Und Sie jetzt mal ans Langsammachen,nicht freiwillig, ja, aber notwendiger Weise. Wird schon, Sie schaffen das! Wäre ja nicht so gut, wenn noch mehr dazu käme, oder? War da nicht der Urlaub vor der Tür? Also:RUHIG BLUT! Und alles wird gut.Herzliche Wünsche, Sunni

Claudias rosige Zeiten hat gesagt…

Auch wenn mir die Umstände nicht gefallen, die dich quasi dazu zwingen, find ich es aber trotzdem mal ganz schön, dass es nun so ist.
Liebe Grüße aufs Sofa !
Claudi

Slo hat gesagt…

Dann wünsche ich mal gute Besserung, viel Geduld und ein klein wenig "langsam machen ist auch okay".
Toi, toi, toi,
Slo

Friederike Kroitzsch hat gesagt…

Ich darf Sie beruhigen : Das kann man lernen. Selbst ich habe das gelernt. Und im allerschlimmsten Fall findet man es irgendwann herrlich.

KaTe hat gesagt…

Gute Besserung!!

Sigrid hat gesagt…

Ohweh, das scheint wirklich schlimm für dich zu sein.
Aber vielleicht gewöhnst Du Dich ja doch noch dran ;-)
Ich gebe zu, dass ich mit Deinem Tempo nicht mithalten könnte.

carodepunkt hat gesagt…

Ach herje...Gute Besserung..Ich könnte den ganzen Tag auf dem Sofa rumliegen:-).
Nur ein bisschen von Deiner Energie wär nicht schlecht.

Roxanne R hat gesagt…

Als erstes Wünsche ich Gute Besserung!
Und als zweites sag ich: Ausruhen, chillen, faullenzen, rumlümmeln, gammeln oder wie auch immer man es nennen will muss man auch erstmal lernen!
Manchmal muss man sich auch Wege suchen, um bewusst abzuschalten...
So eine Zwangsruhe bringt was, wenn man sich drauf einlassen kann!

Liebe Grüße!