Donnerstag, Februar 12, 2015

Kinder, heute habe ich etwas gelernt.

Aus Gründen musste ich heute in einem Raum etwas holen, der abgeschlossen ist und zu dem ich keinen Schlüssel habe. Bisher war das immer so, dass ich zu dem Schlüsselinhaber gegangen bin und der kam dann mit, hat aufgesperrt, stand fusswippend in der Tür, während ich suchte, was ich so brauchte.
Heute hatte der Schlüsselinhaber grade eine Sitzung, deshalb bekam ich den Schlüssel zu treuen Händen. Und als ob ich nicht eh schon eine leichte „Ich stell mich zu doof zum Aufsperren an“-Panik hätte, sagt er noch „Gell, denk dran, das ist ein Elektroschlüssel, der geht andersrum als ein normaler. Nicht dass Du in zwei Minuten wieder da stehst, weil du die Tür nicht aufkriegst.“
Da ich mir eh nie merken kann, in welche Richtung irgendwas (Schrauben, Türen, Wasserflaschen, Gasflaschen, egal was) aufgeht*, hätte ich eh beide Richtungen probiert.
Also: ich stand mit dem superwichtigen Schlüssel vor der Tür, steckte ihn ins Schloss, drehte nach rechts. Nix ging. Ich drehte nach links, wieder nix. Ich nackelte wild hin und her: nix. Ich drückte mit der Schulter gegen die Tür, während ich erst links, dann rechts, dann wild beides probierte: nix. Ich probierte es mit Ziehen und drehen, mit gegen die Tür treten, mit Fluchen, nix.
Also: Stolz runtergeschluckt, zurück ins Sitzungszimmer, sich „Ne, echt jetzt? Du kriegst die Tür wirklich nicht auf? Das kommt aber auf die Znüniliste, das kostet, ehrlich!“ anhören, mit dem Schlüsselinhaber zur Tür wackeln, der steckt den Schlüssel ins Schloss, dreht ihn nach rechts: Tür ist auf. Butterweich, ohne Ziehen, Nackeln, Vodoo, einfach so.
Und warum? Weil „Ich hab dir doch gesagt, das ist ein Elektroschlüssel, der braucht Kontakt. Du steckst ihn rein, wartest kurz, dann geht’s“
Tja. Wieder was gelernt. Elektroschlüssel. Und immerhin rechtzeitig den Stolz runtergeschluckt, bevor sie irgendwelche abgerissenen Türklinken auf die Znünliste hätten setzen müssen.


*das liegt nicht daran, dass ich nicht genug lustige Eselsbrücken kennen würde oder jederzeit unter die Nase gerieben bekäme, das liegt daran, dass ich grösstenteils beidhändig bin und mir dann nie merken kann, ob ich mit rechts oder links zum Körper hin oder weg gedreht habe. Egal.

Kommentare:

Eine Leserin aus Hamburg hat gesagt…

Ich lese hier mit großer Treue und eigentlich ganz still mit, aber liebe Frau Brüllen: die Vorstellung, wie Sie wild hin- und hernackeln ist zu schön, um sie unkommentiert zu lassen. Made my day ;-)
Grüße aus dem hohen Norden,
eLaH

Anonym hat gesagt…

Ist eigentlich ganz einfach: der Bolzen der in der Tür sitzt, muss in der Türzarge verschwinden. Dreht man also den Schlüssel in Richtung Türblatt, öffnet man, weil der Bolzen aus der Zarge heraus muss, will man abschließen, dreht man den Schlüssel in Richtung Türzarge, weil der Bolzen da wieder hin muss zum verschließen ;o) Aber Sprudelflaschen, Lampen und Schrauben peile ich in diesem Leben auch nicht mehr.. Viele Grüße, Jasmin

Frau Kreis hat gesagt…

Tröstlich, ich dachte, mit diesem Problem "rechts", "links", "nein, so herum", "entgegen der Erdrotation" sei ich allein. Ich räume gern ein, dass es Menschen gibt, die in dieser Hinsicht begabter sind :-).

Friederike hat gesagt…

Erinnert mich an meinen Berliner Fahrprüfer, der während der Prüfung und nach dem 15. Abbiegen sagte: "ich fände es schön, wenn Sie ab jetzt -wenn ich sage 'links abbiegen' - auch tatsächlich LINKS abbiegen würden."