Mittwoch, August 20, 2014

Treffen mit Gott

Letztens, beim Kuscheln nach dem Vorlesen vor dem Schlafen:
Little L.:" Du, Mami, wenn man stirbt, dann kommt man in den Himmel, gell?"
Ich: "Mhmmm"
Little L.: "Sieht man dann Gott?"
Ich: "Viele Leute glauben das. Was glaubst Du denn?"
Little L.: "Keine Ahnung, deswegen habe ich ja gefragt. Ich wüsste es ja schon gern."
Ich: "Ja, das ist halt das Komplizierte am Glauben, dass man es nicht wissen kann."
Little L: "Doch, man müsste halt sterben. Dann wüsste man es."
Ich: "Ja, aber dann ist man halt auch tot."
Little L: "Ja, aber man sieht Gott!"
Ich: "Vielleicht. Ist halt schon ein Risiko. Wenn man dann tot ist und Gott nicht sieht, das wäre ja ganz schön blöd. Zurück, das geht ja nicht."
Little L.: "Ich wüsste das echt gern. Müsste ich mich halt tot machen....."
Ich: "Also, das finde ich jetzt keine so gute Idee, wärst Du nicht traurig, wenn Du nicht mehr bei uns wärst? Ich weiss nicht, ob es im Himmel so viel Lego gibt."
Little L: "ICH WÜRDE GOTT SEHEN, da brauche ich kein Lego."
Ich: "Ich wäre aber ganz schön traurig, wenn Du einfach sterben würdest. Was mache ich denn ohne Dich?"
Little L: "Da musst Du Dir mal gar keine Sorgen machen, weil Du wärst dann auch schon tot. Eltern sterben immer vor den Kindern."

Da sagste mal nix mehr.

Kommentare:

drehumdiebolzeningenieur hat gesagt…

Puh, krasse Gedanken, die sich Little L. da macht.

Keine Ahnung wie du zu dieser Sache mit Gott stehst, es hat den Anschein, dass du das nicht für ein sonderlich schlüssiges Konzept hälst.

Was ich an Little L.s Gedanken schon krass finde ist, dass sie zeigen, welche Wünsche durch diese Märchen über Gott bei einem Kind kanalisiert werden. Oder, was ich fast noch schlimmer finde: Dass die kindliche Neugier und Entdeckerdrang aufgrund dieser Geschichten zu solchen Schlüssen führt.

Ich denke seit gestern darüber nach, wie es mir gehen würde, wenn einer der kleinen Menschen solche Gedanken mit mir teilen würde. Weil, ich will sie ja ernst nehmen in ihren Überlegungen. Und da würde es wenig helfen, zu sagen, dass das Quatsch ist. Aber da versucht man, sie zum kritischen Denken, zum rationalen Erforschen anzuleiten und dann passiert sowas. Little L.s Gedanken sind da ja irgendwie folgerichtig. Deshalb finde ich es echt gefährlich, durch diese Erzählungen einen Teil des Lebens im hier und jetzt ins Jenseits zu verlagern. Und so zu tun, als wäre das da viel cooler als hier (auf christlichen Beerdigungen ist das ja immer sehr gut zu sehen, wenn der Pastor darüber spricht, wie gut es die verstorbene Person jetzt hat).
Ich glaube, ich würde auch ein bisschen Angst kriegen und mich fragen, ob es nicht nur Forscherdrang ist, dass er solche düsteren Gedanken hat. Es scheint ja auch nicht das erstemal zu sein, dass er sich in diese Richtung geäußert hat, du hattest vor kurzem ja schonmal sowas erzählt.
(Das sollen keine Ratschläge sein, sondern ich denke gerade in meine Tastatur hinein, was ICH machen würde, würde ich mit solchen Gedanken von meinen Kindern konfrontiert)

Karin hat gesagt…

Und diese philosophische Fragen kommen immer so überraschend, nicht? Ich hätte mal gerne etwas Bedenkzeit um so wichtige Fragen beantworten zu können, aber meistens fragen sie ja dann wenn man es am wenigsten erwartet.

Vor nicht allzulanger Zeit fragte der junge Mann während ich kochte, ob es Gott gäbe, er glaube eventuell nicht, denn sonst gäbe es ja nicht so viele Tote und Kriege und so. Und er hätte sich schon öfters Sachen gewünscht, und er sei ja ein so guter Junge, aber es habe bisher noch nie geklappt."

Dies wohlbemerkt nach 2 Jahren katholischen Unterricht, drei Wochen vor der geplanten Erstkommunionfeier. Ich wollte etwas Zeit gewinnen (weil ich mir ehrlich gesagt schon lange das Gleiche frage) und stellte eine Gegenfrage so quasi "Ja, aber wenn Du tatsächlich nicht sicher bist, oder nicht glaubst, warum machst Du das mit dem Unti überhaupt schon so lange mit?" Seine Antwort war "im Unti erzählen sie immer so coole Geschichten über den Wal und die Teilung der Brote und Fische, das finde ich cool" und dann aufgelöst in Tränen "Kann ich jetzt die Erstkommunion nicht machen? Aber ich will doch unnnnbedingt! Und da kriege ich doch Geschenke!"

So. Irgendwie lief da was komplett schief. Jedenfalls wurde alles noch geklärt (plusminus), die Feier fand statt, und er besucht nach wie vor den kath Unterricht. So viel zu den schwierigen Fragen. Ich freue mich schon auf die Pubertät. Juhee!

"Der Hübsche" hat gesagt…

Ich sehe da einfach ein sehr unverkrampftes Herangehen an diese Sache. Schlussendlich ist es ja egal was wir glauben, solange es das Kind nicht beeinflusst. Diese Gedanken hat sich irgendwann im Leben wahrscheinlich jeder schon mal gemacht und ich finde es einfach nur faszinierend das jetzt mal aus der 3. Person Perspektive zu sehen.
Die Suizidgefahr um des Herausfindenwollens halte ich für eher gering.
Und ob man mit seiner Meinung/Glauben/etc. richtig steht sieht man eben erst wenn das Licht ausgeht...

Frau Brüllen hat gesagt…

@all: Ich gebe zu, ich finde alles, wo es heisst "Ich wäre gern mal tot" unendlich schwer im Umgang. Ich gehe jetzt nicht davon aus, dass Little L.s Neugier suizidale Züge bekommt, aber: ich finde es schwierig. Ich weiss auch nicht, woher diese "Afterlife"-Faszination kommt, sehr religiös geht es bei uns nicht zu. gerade dieses Jenseitsglorifizieren, das wird eigentlich hier nicht so praktiziert. Nun denn...