Montag, Juli 07, 2014

Währungsspekulationen

Wissen Sie noch, wie das früher* war, wenn man in den Urlaub gefahren ist? Man musste sich vorher überlegen, durch welche Länder man auf dem Weg zum Urlaubsort kommt, ob man da vielleicht was essen, tanken oder aufs Klo möchte und dementsprechend die richtige Währung besorgen. (ja, Kinder, Oma Brüllen erinnert sich noch an Francs, Schilling und Lire und an den Grenzer, der mich seinerzeit echt beschissen hat, als ich eine Mark in Schilling wechseln wollte, weil ich superdringend aufs Klo musste). Das war aber auf dem Dorf keine grosse Sache, weil: man traf den Sparkassenmann entweder beim Einkaufen, oder die Kinder waren zusammen in der Klasse oder man wohnte in der selben Strasse wie die Grosstante von der Sparkassenfrau, und so konnte man beiläufig erwähnen, dass man dann demnächst mal auf dem Heimweg vom Bäcker und dem Dorfladen ein paar Lire, Schilling, Pfund, whatever abholen würde, die lagen dann frisch gebügelt parat.

Heutzutage ist das natürlich ganz anders, weil man erstens mit Euro schon sehr weit kommt, zweitens praktisch überall mit Karte an sein Geld kommt oder gleich mit Karte bezahlt und man die Grosstante des Sparkassenmanns auch nicht richtig kennt. Auf unserer Google Streetview-Tour durch Island gestern habe ich viel gesehen, vor allem Gegend und nicht so richtig viele Geldautomaten. Dann habe ich gelesen, dass die Schweiz zwar vielleicht Bankenhochburg ist, aber mit einer Schweizer Bankkarte im Ausland, das kann schwierig werden. Und weil isländische Kronen jetzt nicht die supergängige Währung sind (denke ich mal so), hatte ich heute also den Plan, bei der Hauptfiliale (sozusagen dem Flagshipstore) unserer Hausbank in Basel anzurufen und rauszufinden, ob ich einfach zum Abholen vorbeikommen kann. Sozusagen Plausch mit der Grosstante 2014.

Also. Ich habe im Internet die Nummer rausgesucht, als erstes gehört, dass alle Gespräche aus Sicherheitsgründen aufgezeichnet werden (das wird noch wichtig ;-)), und dann war auch schon jemand dran:

Bank: "Hier Mitarbeiter XY; was kann ich für Sie tun?"
FB: "Ja, also, isländische Kronen, blabla, abholen? Vorbestellen? Kann ich vorbeikommen?"
XY:" "Ja, das müssen wir vorbestellen. Haben Sie eine Kundennummer?"
FB: "Ja, halt das, was auf meiner Bankkarte steht."
XY: "Super, IBAN-Nummer geht auch"
FB fummelt einhändig Bankkarte aus dem Geldbeutel, diktiert die 48 Stellen der IBAN-Nummer.
XY (fröhlich): "So, super, dann muss ich Ihnen noch ein paar Sicherheitsfragen stellen. Vor- und Nachname?"
FB (denkt immer noch, dass sie ja eigentlich die Kronen persönlich abholen möchte und warum das so kompliziert ist, aber okay): buchstabiert Vor- und Nachname.
XY: "Super. Läuft das Konto auf Ihren Namen?"
FB: "Nein, auf meinen Mann und mich gemeinsam." Buchstabiert proaktiv Vor- und Nachnamen des Hübschen.
XY: "So, super, dann: Haben Sie einen persönlichen Kundenbetreuer?"
FB (lacht hysterisch): "Ja, habe ich. Aber mit dem Namen wird es schwierig."

Dazu muss man wissen: obwohl wir nachnamentechnisch jetzt ja auch keine Waisenkinder sind, ist unsere Kundenbetreuerin eine ganz andere Liga. Sie hat einen tamilischen Vor- und Nachnamen, der mit Ani... irgendwas anfängt und mit irgendwas ...sagami aufhört und dazwischen ungefähr drei Zeilen lang ist. Ich bin sonst (aus eigener Erfahrung) wirklich bemüht, bei Namen keine Fehler zu machen, aber hier muss ich wirklich passen. Ausserdem habe ich mit der Dame bisher ein einziges Gespräch geführt, vor zwei Jahren und seitdem hast Onlinebanking ausgereicht und dafür brauche ich weder meine persönliche Kundenberaterin noch muss ich ihren Namen buchstabieren können.

Okay. Wie erwartet reicht "Ani-dingens Irgendwas-sagami aus der Filiale da ..... zwischen dem Migros und dem Bäcker, gleich bei dem Bach und in der Nähe vom Park" als Antwort auf eine Sicherheitsfrage nicht aus.

XY: "Okaaaaay, können Sie mir sagen, was die letzte Buchung auf Ihrem Konto war?"

FB (lacht hysterisch): "Ganz ernsthaft: nein. Ich habe gestern abend 7 Rechnungen bezahlt, dazu 4 Onlinebestellungen getätigt und dazu die Daueraufträge: ich kann Ihnen beim besten Willen nicht sagen, was da als letztes abgebucht wurde, geschweige denn, wieviel das genau war." (Und eigentlich will ich ja auch keine Hypothek aufnehmen oder das Konto auflösen und mich auf die Cayman-Inseln absetzen, sondern nur ein paar isländische Kronen bestellen)

XY: "Okay, Daueraufträge. Gutes Thema. Können Sie mir einen nennen?"
FB: "So, damit wir hier zu einem Ende kommen: ich sitze hier, ohne Kontoauszug, ohne direkten Zugang zu meinem Konto, ich kann Ihnen beim besten Willen keine genauen Kontobewegungen nennen. Ich kann Ihnen so in etwa Dauerauftragssummen nennen, das muss reichen. Also: zB ca. nicht ganz 3000 CHF jeden Monat für die Kinderkrippe."

XY: "Oooookay.... okay, stimmt! Wie hätten Sie die Kronen gern gestückelt?"

FB (und da bin ich immer noch stolz auf meine Geistesgegenwart, mein erster Impuls war nämlich "Ach, nur 100er, das passt schon): "Wieviel Kronen sind die 600CHF denn eigentlich?"

XY: "Das wären dann 68000 Isländische Kronen, ich könnte Ihnen gross, gemischt und klein anbieten. Sollen wir Sie Ihnen nach Hause schicken?"


Und so wurde dann alles noch gut. Hoffentlich (Ein Päckchen gemischte Kronen nach Hause). Und der Supervisor, der dieses aufgenommen Telefonat mal für Schulungszwecke anhören darf, dem gönne ich seinen Spass.



* Ja, ich weiss, "Oma erzählt vom Krieg" oder "Damals, als wir im Winter noch barfuss 10 km in die Schulte gelaufen sind und die Wölfe bis nach Pasing rein gekommen sind"

Kommentare:

Vinni hat gesagt…

Wichtig ist in Island, die Pin-Nummer der Kreditkarte auswendig zu können, weil die Tanken in der Pampa alle Selbstbedienung mit Kreditkarte haben. Aber das wissen Sie sicher, gut vorbereitet, wie Sie immer sind. :)

Ich bin gespannt, was Sie danach von der Reise erzählen.

Viele Grüße
Vinni

julia hat gesagt…

Ich erzähle meinen armen Kindern immer wie ich mit der RitschRatschVisa Karte meines Vaters in Trondheim am Automaten stand und mich beim besten Willen nicht an die Pin erinnern konnte und fortan die nächsten 7 Wochen bei Einkaufen immer betteln musste, man möge doch bitte ganz viel abuchen und mir das Restgeld ausbezahlen.

Aber das ist auch schon fast ein 1/5 Jahrhundert her.

Falls ihr aber noch dringend Insider Infos von einem mehrfachst Islandgereisten braucht, könnte ich vermitteln.

KaTe hat gesagt…

Klarer Vorteil für mich...
Höchstens mal in den Niederlanden gelandet und wir wohnten SO NAH an der Grenze, dass sie trotz allem beim Einkauf die gute DM angenommen haben :P
Rückgeld gab es aber nur Gulden ;)

Aber wir sind auch nur zum Einkaufen rübergehopst.

Auslandsreisen??
Nie gemacht... hoffe das kommt noch...

Wünsche einen schönen Urlaub!

LG KaTe

Irene hat gesagt…

Meine Erfahrungen mit Karten im Ausland:
funktionieren, wenn
- man am Geldautomat Geld beziehen will und das Monatslimit noch nicht erreicht ist (wir waren mal einen kompletten 3-wöchigen Urlaub lang von meiner Karte abhängig, weil der Ehemann ein paar Tage vor Abreise seine 1000.- Limit verbraten hatte)
- es eine Bank-Karte mit EC und Maestro ist und keine Postkarte, die nur Schweizer Post kann
- man nicht in einem norddeutschen Gartencenter (egal welches) damit bezahlen will

Malcesine hat gesagt…

Oh ja, Geld und Ausland und die Erfahrungen damit ... ;-)
Also ich kann als Tipp geben: vorher am Automaten genau schauen, wo das Geld raus kommen müsste! Ich hatte in Italien Geld gezogen und starrte die ganze Zeit auf den Auswurfschlitz, aber es kam nix ... Die Öffnung war gar nicht die, für die ich sie hielt ... *ups ... Ende vom Lied: Der Geldauswurf war gaaanz woanders, das Geld wurde anscheinend wieder eingezogen, die Bank hatte schon zu, wir waren am Abreisen, ich wollte nur noch das Ferienhaus bezahlen, nochmal Geld holen ging nicht, weil in IT automatisch limitiert auf 400 Euro pro Tag, unbedingt die Quittung aufheben, die da aus dem Automaten kommt und oft gleich weggeworfen wird!
Ich musste dann in Deutschland mit meiner Bank telefonieren, denn abgebucht war natürlich, eine Erklärung ausfüllen, dass ich das Geld nicht erhalten habe (weil zu doof zum Entnehmen), diese Quittung (gaaanz wichtig!) in dreifach-Kopie beilegen und dann mit einer Erklärung meiner Bank wiederum zu der Firma, die in Italien den Geldautomaten befüllt hat (hat die Bank selbst nämlich gar nichts mit zu tun ...) und so dauerte es eine ganze Weile, bis das Geld eingebucht war und dann muss man noch ein paar Wochen beobachten, ob es nicht doch wieder abgebucht wird, weil das kann nämlich auch passieren, wenn die Bank dann wiederum der Meinung ist, das war alles richtig so ... Also, weißte bescheid!!
Gute Reise und viel Spaß!

Gminggmangg hat gesagt…

Muaha, dieser Schalterdialog klingt tatsächlich ähnlich sinnig, wie der, den ich letztens führte. Schweizerschalteralltag. So wünsch ich euch Kronen, uns Karten, und allenthalben einen wunderbaren Urlaub!