Mittwoch, Juli 02, 2014

Perfektionistin vs. Pragmatikerin

Es ist ja so: ich bin Perfektionistin. Was Planung angeht (sonst auch manchmal: "Das muss jetzt reichen so.") auf jeden Fall.
Heute zB war Little L. bei einem Freund zum Geburtstag eingeladen. Mittwoch nachmittag wird hier noch recht gern Kindergeburtstag gefeiert, da ist nämlich an allen Schulen und Kindergärten frei, d.h. alle Kinder sind an sich verfügbar und man hat das Wochenende trotzdem frei.
Ich arbeite natürlich am Mittwoch nachmittag und die Kinder sind in der Krippe, weswegen mich "Sei bitte um 13:30h mit Autositz und ID-Karte bei mir zu Hause" vor ein paar logistische Herausforderungen stellt.
Wenn der Autositz nicht gewesen wäre, wäre es kein Problem gewesen, dass Little L. entweder alleine oder mit Begleitschutz seines grossen Bruders von der Krippe zum Freund läuft, aber mit dem Riesenautositz klappt das natürlich nicht.
Rückfrage ergab allerdings: Kein Problem, sie können Little L. mitsamt Sitz in der Kinderkrippe abholen.
Also: Kinderkrippe vorgewarnt, Autositz mit Tasche voll Geschenk und Ausweis in der Garderobe bereit gestellt und das Beste gehofft.
Auf dem Heimweg "Um 17:45h können Deine Eltern Dich bei mir zu Hause wieder abholen" musste ich noch schnell den Hübschen umdirigieren, zum Little Q. Abholen und Brot Kaufen, weil ich dank Stau - morgen fahr ich wieder mit dem Rad, das ist ja nicht zum Aushalten- es eben grad so um zehn vor sechs zu dem Freund nach Hause schaffte.
Dort wurde ich vom total aufgedrehten Geburtstagskind begrüsst: "Der Little L. ist nicht da, den hat meine Papi zu Dir heimgebracht." Yay. "Bei mir daheim", da ist niemand, da ist die Tür zugesperrt, weil der Hübsche ja noch auf Abholrunde ist. Die Geburtstagskindmutter ist noch unterwegs, andere Gäste heimbringen, als ich den Hübschen anrufen möchte, um ihn zu informieren, sehe ich die Whatsapp-Nachricht: "btw: Little L. hat Geschenk und Ausweis in der Krippe gelassen". Immerhin weiss ich schon, dass das Kind den zweimaligen illegalen Grenzübertritt geschafft hat, da kommt dann auch schon die Geburtstagskindmutter, schaut mich entgeistert an: "Du warst gar nicht daheim?! Die anderen Mamis waren alle daheim". Well...... ich verabschiede mich also, fahre nach Hause, wo mich mittlerweile der Hübsche und die beiden Jungs erwarten. Little L. erzählt freudestrahlend von Weisskopfseeadlern und Geiern, und dass er dem Papi vom Geburtstagskind noch schnell das Geschenk in die Hand gedrückt hätte. Der Hübsche schaut ein bisschen angesäuert, weil er Little L. allein auf der Terrasse stehend vorgefunden hat.* Übrigens ohne den Autositz, der noch im Geburtstagskindelternauto rumschippert. Auf den beiden Handys ist niemand erreichbar und dementsprechend fährt Little L. nicht mit dem Hübschen und Q. zusammen noch ein Paket abholen, sondern bleibt mit mir daheim und schaut mir beim Shredden zu (und lacht sich tot, als die Katze mich bei den Walk-in-pushups in die Hand beisst). Am Festnetztelefon erreiche ich übrigens nur das Geburtstagskind, das mir offenherzig mitteilt, ganz allein daheim zu sein und jetzt erst mal eine Tüte Süssigkeiten zu leeren.
Irgendwann, ich fange gerade an zu schwitzen, klingelt es an der Tür und der Autositz wird vorbeigebracht und endlich ist alles erledigt.
Und ja, ich bin so veranlagt, dass mich so was aufregt, vemutlich mehr als angebracht, weil ich echt Zeit und Energie darauf verwendet habe, meinen Part zu organisieren und mich an den vermeintlichen Part der anderen zu halten.
Ich bin dann aber auch so höflich (erzogen), dass ich mir das (hoffentlich) nicht anmerken lasse und freundlich "Hey, das kann ja mal passieren" hervorquetsche.
Und ich bin auch so reflektiert pragmatisch, dass ich dann später (gesportelt, geduscht, gegessen, Kinder im Bett, alles für morgen gepackt und vorbereitet) darüber lachen kann, sogar ein bisschen darüber, wie sehr mich das alles aufgeregt hat. (Mal ehrlich......: ginge schon ein bisschen besser, oder?)

*EDIT: Nachtrag, nachdem sich alle beruhigt haben: das Kind wurde nicht in Abwesenheit vom Hübschen auf der Terrasse abgestellt, er war schon daheim, aber irgendwo im Haus, als das Kind abgestellt wurde....(sonst hätte ich den Hübschen gehauen, dass er nicht nach dem Sitz gefragt hat)

Kommentare:

Frau Miest hat gesagt…

Ehrlich? Da hätte ich mich mehr als nur ein bisschen aufgeregt und das auch sehr deutlich rübergebracht.
Am meisten über den Teil mit Little L. allein auf der Terrasse, aber auch der Rest...

dorothy_jane hat gesagt…

Ernsthaft??!

Ich wäre nicht nur genervt, sondern deutlich wütend gewesen. Und hätte auch geäußert, was ich davon halte, kleine Kinder allein auf Terrassen stehen zu lassen ("nichts" wäre untertrieben!!) - v.a. wenn eine Abholung abgemacht war und waaaaah...

Aber: Hochachtung, dass sie ruhig geblieben sind! ;)

Anonym hat gesagt…

kind alleine abgestellt? ein no-go!!!

Züribär hat gesagt…

Du bist nicht alleine! Hätte mich auch tierisch genervt und als am Mittwoch-arbeitende-Mutter kenne ich das auch nur zu gut. Kann nicht verstehen, wie schlecht andere Eltern / Mütter organisiert sind.

Anonym hat gesagt…

Puh - ja, ich wäre auch genervt.

Das der Sohn nicht ordentlich "übergeben" wurde finde ich nicht optimal, aber wirklich problematisch fände ich es bei meiner 5-jährigen nicht.
Was mich iin solchen Situationen am meisten stört ist dieses lapidare "och, hat ja alles geklappt" von Menschen, die eigentlich immer unorganisiert sind und mit dieser Larifari-Methode auch noch gut durchs Leben kommen.
Man selber macht sich Gedanken, plant, plant um und strukturiert seinen Tag danach und ducht eine Gedankenlosigkeit anderer, passt plötzlich vieles nicht mehr.
Ich ärgere mich dann oft über mich selber, da ich nicht auch diese "Psst schon"-Art habe - ich versuche da lockerer zu werden, auch und eben weil wenn es mir eigentlich schwer fällt.

Dein kleiner Sohn ist - so schein mir - nicht überängstlich, hätte sich an Nachbarn wenden können etc.

Mir und Dir wäre es nicht passiert - weder das "Kind alleine stehen lasen" noch den Sitzt zu vergessen.

Insgesamt - Ja, ich verstehe den Ärger.
LG
kathrin

Barbara hat gesagt…

Ich wäre auch sauer gewesen über dieses Chaos. Aber im Laufe der Jahre habe ich eingesehen, dass es egal ist wie super ich das alles organisiere, denn die "anderen" sind unorganisiert oder halten sich nicht an Absprachen. Meine Lösung: Ich habe gelernt etwas lockerer zu bleiben und massenhaft Überbrückungszeit einzuplanen.

strickistracki hat gesagt…

ich bin ja so eine, die das auch nach einer ausgiebingen dusche und 5 mal selber geburtstag haben aufregt, wenn ich dran denke.

und klar: so was vergess ich nie.........

drehumdiebolzeningenieur hat gesagt…

Also mich hätte am meisten der Teil mit "Die anderen Mamis waren alle zu Hause..." aufgeregt. Weil ich da "Warum bist du als Mutter nicht um 6 Uhr abends zuhause?!?"rausgehört hätte. Mich ärgern diese Eltern (wahrscheinlich überwiegend Mütter), die wie selbstverständlich davon ausgehen, dass die anderen Eltern (also auch hier wahrscheinlich die Mütter) am nachmittag zu Hause sind. "Wie, ihr könnt erst ab 17:15 Uhr auf dem Spielplatz sein? Das lohnt ja kaum, wir essen um 18 Uhr..." Arrrgh! Und ja, auch dass man organisiert und gemacht und getan hat, damit das Kind irgendwie an diesem Mittwochsnachmittagsgeburtstag teilnehmen kann und dann doch wieder als Rabenmutter, die ihr Kind zu Hause nicht in Empfang nimmt, dasteht.

Anonym hat gesagt…

Mich hätte mehr gestört: Deine Eltern können dich um 17.45h wieder bei mir abholen.
Und dann ist da kein Kind mehr.
Das hätte mich auch giftig gemacht.

Aber ich muss auch lernen: die meisten Menschen sind NICHT organisiert und ich darf nicht alle auf mich (organisiert) übertragen.
Gerad auch heute wieder lernen müssen!

Ganz schlimm finde ich das!

jongleurin hat gesagt…

Das ist tatsächlich blöd gelaufen. Da ich allerdings beide Seiten kenne - vor Geburt des Kindes superorganisiert, danach chaotischer - hätte ich mich wohl nur kurz geärgert. Dann aber eher über die mangelnde Kommunikation und die offensichtliche Überforderung der Gastgebereltern als darüber, dass "die anderen" anders sind als ich. Denn chaotisch hin oder her - für mich habe ich mir vorgenommen, meine Grenzen zu kennen und zu akzeptieren. Ein Kindergeburtstag mit einem solchen Aufwand wie in diesem Beitrag würde ich nie-, niemals ausrichten, das würde mindestens in einem ebensolchen Chaos enden. Oder mir drölftausend super organisierte Helfende besorgen.