Montag, Juni 02, 2014

Extra Wurscht. Oder grade auch nicht.

Heute auf Twitter war eine mir sehr ans Herz gewachsene Bloggerin und Twittererin (Twitterin? Twitteresse? Twitte?) betrübt darüber, dass ihr laktoseintolerantes Kind beim Eisverteilen in der Schule leer ausging.
Ich war zuallererst (und vermutlich auch in der restlichen Diskussion) wenig hilfreich, weil ich aus dem Bauch raus erst mal geantwortet habe: "Naja, das ist ja jetzt schade für das Kind, aber irgendwie ist da ja nicht das Problem des Eisverteilers".


-- Kurze Zwischenbemerkung: wer vom folgenden langen Text abgeschreckt werden sollte, für den hier das Fazit oder, wie wir digital profis sagen: tl, dr: ich finde immer noch, dass ich recht habe, fühle mich deswegen aber ein bisschen schlecht.--

Nach einer mittellangen Diskussion war meine Mittagspause dann vorbei, und ich kein bisschen schlauer, dafür hatte ich aber Stoff zum Nachdenken: Wie ist das eigentlich: sind, lassen Sie es mich flapsig mal so nennen, Ernährungsextrawürschte Privatsache oder allgemein verpflichtend?
Ich dachte bisher, es wäre recht einfach: mein Kind hat Geburtstag, ich backe einen Kuchen (oder 48 Muffins ;-)) oder bringe zwei Packungen Eis incl Toppings und Gedöns mit in die Schule/Kindergarten/Kita, alle sind glücklich.
Anscheinend ist das aber nicht so: man kann so viel falsch machen, weil Muffins könnten ja:

  • Gluten (Zöliakie!)
  • Milch/Butter (Laktoseintoleranz/-unverträglichkeit/-allergie ?!)
  • Nüsse (anaphylaktischer Schock! Verschluckungsgefahr!)
  • Erdnüsse (noch mehr Allergie!)
  • Eier (Eierallergie!)
  • Lebensmittelfarbe (Hölle und Verdammnis!)
  • Gelatine (je nachdem nicht halal oder koscher!)
  • Fruchtzucker (Fruktoseintoleranz!)

enthalten und die Kinder, die das alles nicht essen können/dürfen/sollen/wollen, die sind dann arm dran und bekommen entweder einen anaphylaktischen Schock oder eine Darmentzündung oder Bauchschmerzen oder kommen in die Hölle oder bekommen eben kein Muffin und sind deswegen auch arm dran.

Und dabei sind noch weitere (lassen Sie mir den Spass dieses Wortspiels in genau diesem Zusammenhang) Extrawürschte wie Vegetariertum (Gelatine?), Veganismus (Honig, Milch, Eier), Frutarier (keine Ahnung), vom Heilpraktiker oder Schamanen ausgependelte oder per Irisdiagnostik festgestellte "Unverträglichkeiten" (Weizen, Kristallzucker, alles mit Chemie oder so), "Wir essen nur bio,lokal, fairtrade und/oder gentechnikfrei" noch gar nicht berücksichtigt. Geschweige denn das bei uns gerne mal (okay, im Kuchen- oder Eisfall högscht selten) gebrauchte "Magichnicht" oder "Bähschmecktgrusig".

Ich gebe zu, ich rede mir extrem leicht: wir vier könn(t)en alles essen (Little Q. versucht uns immer noch von seiner weitreichenden Gemüseallergie zu überzeugen), ich kaufe zwar nur Bioeier, keine Discountermilch, meist lokal, esse gern und oft vegetarisch, aber halt nicht dogmatisch, in keine Richtung. Allergisch sind wir auf nix, wir sind einfach Allesfresser.

Und ja, wenn ich für Kleinkinder in der Krippe oder für eine Horde Kindergartenkinder backe, dann mache ich nichts mit grossen Nüssen oder auch Schokofrosting, rein saustalltechnisch, von den engen Freunden der Kinder weiss ich auch, wer was warum "nicht darf" und wenn ich dran denke, dann achte ich auch darauf. Ich frage prinzipiell die verantwortliche Lehrperson/ErzieherIN, ob es irgendwelche Einschränkungen gibt, wenn da aber nichts kommt, dann backe ich etwas "normales", und bringe keine Extrawürschte, auch wenn das im Zweifelsfall heisst, dass ein Kind halt nichts davon essen kann oder darf. (Oder mag, das gibt es übrigens auch). Bei je knapp 20 Klassenkameraden, Kindergartenkollegen und Kinderkrippenkollegen ist mir das einfach zu viel zum Merken. Ich kann und will mir nicht 60 Extrawürschte merken. Und nur (lokale, biologische, gentechnikfreie) Reiswaffeln, das ist ja auch nicht so richtig festlich, oder?
Wenn wir Gäste haben, sei es zum Essen oder zu Besuch oder eben auch mal ein paar mehr Kinder zum Geburtstag, dann frage ich auch bei den Eltern vorher nach, ob es irgendwelche Allergien gibt und koche/backe dann drumrum, ich habe ja auch keine Lust auf Drama (ich werde nie vergessen, wie Au-el seinerzeit mit dem Epi-Pen und der Wiederbelebungsanleitung im Falle eines Erdnusskontakts bei uns zum Übernachten anrückte).
Ich war auch ein paar Jahre Vegetarier, ich habe, wenn es an Einladungen ging, vorher Bescheid gesagt (nicht erst bei der Vorspeise am tisch), ich habe bei Buffets oder so nachgefragt und wenn es nichts vegetarisches gab: Pech gehabt, aber mein Pech.
Wenn ich zB (herzhaftes) Znüni für unsere Morgensitzung mitbringe, weiss ich, dass der eine Kollege Vegetarier ist, dann bringe ich halt ein Käsesandwich mit.

Aber ich kenne mich mit den meisten Unverträglichkeiten auch nicht genug aus (ich wusste zB nicht, dass und warum man bei Zöliakie (also: bei echter, nicht bei der Weizenphobie vieler Esoteriker) alles so peinlich genau getrennt halten muss; die Toastsäckchen bei der "Sendung mit der Maus" fand ich schon heftig), genauso wenig wie mit religiösen Essensvorschriften. Ich habe keine Ahnung, ob der ganze Piratenschiffkuchen haram wird, wenn eine Gummibärchenmannschaft draufstand, oder ob man den noch essen kann/darf.
Ich finde aber auch, ich muss das nicht wissen und können und antizipieren.
Klar, wer mit Unverträglichkeiten/Allergien leben muss, muss das auch lernen und das ist sicher nicht leicht.
Andererseits könnte ich mir vorstellen, dass ich als Mutter eines zB Zöliakie-Kindes nicht darauf vertrauen würde, wenn mir irgendeine andere hergelaufene Mutter, die keine Ahnung davon hat, erzählen würde: "Klar, passt schon, da ist kein Gluten im Kuchen", und mein Kind muss das dann am Ende ausbaden..... Aber bin ich dann nicht dafür verantwortlich, dass mein Kind lernt, mit dieser Einschränkung zu leben und umzugehen? Und wenn der Rest der Welt das nicht (perfekt) macht, dann sind die intolerant und böse?

Für mich sind die Grenzen auch fliessend: klar mache ich keine Erdnusscookies, wenn ich weiss, dass das Besuchskind da dran stirbt. Aber muss ich den Kuchen mit Sojamilch machen, weil andere Eltern ihr Kind vegan ernähren oder glauben, dass es von Weizen Chi-Blockaden in den Chakren kriegt? Oder von Lebensmittelfarbstoff Alzheimer? Oder nicht ins Paradies kommt, weil ein Schweinegelatinegummibärchen auf seinem Kuchen geklebt hat? Masse ich mir damit nicht ein Urteil über Leben und Glauben der anderen an, indem ich sage Ersticken ist schlimmer als Hölle und Chi-Blockaden sind Humbug?

Darf ich nicht einfach nur einen Geburtstagskuchen backen wollen? 
(Halleluja, geht noch bis August, bis ich das wissen muss)




Kommentare:

Canzonett hat gesagt…

Ich würde - je nach Hintergrund möglicher Ernäherungsmodifikationen - drei Stufen der nahrungstechnischen Reaktionsdringlichkeit unterscheiden:
(1) schwere und schwerste gesundheitliche Konsequenzen (Allergie, Stoffwechselkrankheiten etc.)
(2) religiöse Vorschriften (Speisegebote)
(3) weltanschauliches Blabla

Nur die Kategorien (1) und (2) sind meines Erachtens z. B. bei Kindergeburtstagsvorbereitungen zu berücksichtigen.

FrauFee hat gesagt…

Für mich sind die Grenzen auch fliessend. Als mein Kind sowohl Laktose als auch Fruktoseintollerant war für 1 Jahr, hat sie manchmal im Kiga auch nichts zu essen bekommen ausser Zwieback weil sich die Kindergärtnerinnen unsicher waren.

Zum Geburtstag feiern in Kiga und Schule gab es immer das was das Kind wollte. Meist so was wie Brezel und Spundekäs sowie viel Rohkost, Obst und Würstchen, irgendwas irgendwie kombiniert.
Ich bin immer davon ausgegangen da ist für jeden was dabei.

Und ums noch mal zu sagen. Nein ich finde man muss auf keinen Fall auf jede Befindlichkeit rücksicht nehmen aber wenn ich von einer Besonderheit weiss versuche ich darauf Rücksicht zu nehmen. Das können dann auch schon mal die gekauften glutenfreien Kekse sein.

Claudia

Pia hat gesagt…

Liebe Frau Brüllen,

ich unterscheide da tatsächlich zwischen "will nicht" und "darf nicht" essen, wenn es darum geht Essensangebote für Gäste zu machen.
Ein Freund des Sohnes kollabiert bei Paprika, das wusste er auch und hat es dementsprechend beachtet - kein Problem. Für den laktoseintoleranten Sohn der Freundin gabs hier immer auch Keks/Kuchen, den er gefahrlos naschen durfte. Einfach, weil ich mich schlecht fühle, wenn ich Gäste habe und die nicht am Buffet zugreifen können.
Seit einem guten halben Jahr haben wir nun die Diagnose "Zöliakie" für unsere Tochter... (Ja, gestern auch die Maus geschaut... :)) Das ist eine andere Nummer, ganz ehrlich. Ich will nicht sagen, dass es das schlimmste ist, was man haben kann, sicher nicht - aber es ist schon aufwändig einen Haushalt mit Zöli und Normalessern zu haben. Dazu kommt eben, dass man leider nicht immer auf den ersten Blick sieht, was glutenfrei ist und was nicht. Die Listen sind sehr dick... Alles eine Routinefrage, sichher, aber ...ich schweife ab.
Logisch muß man dem Kind beibringen, worauf es zu achten hat, was es essen darf und was nicht (mehr). Meine Tochter war 9, als wir die Diagnose bekamen, da kannte sie bereits all die leckeren Brezeln, Kekse, Schokoriegel etc. die sie nun und von jetzt auf gleich eben nicht mehr darf. Und nie mehr dürfen wird. Das ist eine harte Nummer, auch für die Familie, man isst einfach nicht mehr so ungezwungen. Was ich sagen will, ich habe mir immer Gedanken gemacht, wenn ich wusste, ein Kind darf etwas aus gesundheitlichen Gründen nicht. Dann sorge ich dafür, dass er/sie/es bei uns trotzdem was leckeres bekommt. Hier in der Klasse meiner Tochter wissen alle Bescheid, da es auch wichtig ist, dass das Schulbrot nicht mit den anderen "normalen" Broten in Kontakt kommt. Ich habe ein kleines Kontingent an glutenfreien Süßigkeiten bei der Lehrerin deponiert, für den Fall, dass es am Geburstag mal etwas gibt, was meine Tochter nicht darf. Dann kann sie sich bei der Lehrerin etwas holen und muß nicht zuschauen.

Viele Grüße

Pia

Frau Hiltrud hat gesagt…

Köstlich! Das ist mal eine allumfassende Betrachtung dieses Themas! Und was ist die Quintessenz? Auch hier gibt es sie nicht, die eierlegende Wollmilchsau... Im Prinzip kann man es hier nur falsch machen, also mach ich so wie ich denke. Ist das egoistisch und ignorant?

Daniela hat gesagt…

In die Schule/Kiga gibt es ein Blech Brownies mit, da kamen noch nie Reklamationen. Der Große nimmt mittlerweile Lollis mit, weil das cooler ist. Bekomme ich Gäste (aka Kindergeburtstag), dann mache ich für das Kind mit Ei-Allergie etwas separat oder schaue, dass das Angebot groß genug ist, ich mache immer auch etwas für Veganer, immer etwas ohne Nüsse, etwas ohne Gelatine und wenn jemand keinen Kuchen mag, würde ich auch noch Schnittchen schmieren. Damit sind in meinem Bekanntenkreis aber alle Sonderbedürfnisse abgedeckt.

Slo hat gesagt…

.... und beim letzten Vatertagsgeschenk basteln mit einem Hanuta hatte ich die Diskussion mit einer Zweitklässlerin, .... ihr Vater sei doch Vegetarier ...
Da fehlten mir kurz die Worte.
Ich bin auch für Rücksicht nehmen, aber es gibt eben auch Grenzen.
Danke für den Post,
Sandra

Anonym hat gesagt…

Ein Post, der zum Nachdenken anregt...
Ich selbst habe eine Allergie mit möglicher Folge anaphlaktischer Schock, epipen in der tasch etc.
Ich erwarte von niemandem, wo ich eingeladen werde oder bei einer Znünipause bei der Arbeit (früher Schule), dass er Rücksicht auf meine Allergie nimmt. Falls es sich jemand gemerkt hat, freue ich mich besonders.
Was ich aber gang klar erwarte, dass mit jemand eine ehrliche und richtige Antwort bzgl der inhalte der speisen geben kann. Dies kann auch ein "ich weiss es nicht" sein. Spässe so ala 5kg erdnüsse mag ich oder probiers es doch aus, mag ich gar nicht. Ich finde dies ist das mindeste. LG aus Kleinbasel

Pia hat gesagt…

Wenn ich weiß, dass die Einschränkungen gesundheitsgefährdend sind, biete ich Gästen immer etwas an, was diese gefahrlos essen können.
Als Mutter eines Zöliakiekindes kann ich aber sagen, dass es dort - wie bei wohl keiner anderen - Unverträglichkeit sehr auf die Hygiene und Kontamination mit anderen Lebensmitteln ankommt und es das "selber machen" mal eben zum Geburtstag sehr erschwert. (BTW wir haben eine 2te Küchenausstattung (Backformen, Kochlöffel, Brotdosen etc.) angeschafft, inkl. neuem Toaster, weil die Toasttaschen auf Dauer nix sind.)
In der Schule habe ich ein Kontingent an glutenfreien Süßigkeiten bei der Lehrerin deponiert, für den Fall, dass es mal etwas gibt, was meine Tochter nicht essen darf. Sie war 9, als wir die Diagose bekamen und das ist einfach schon ne harte Nummer, wenn man Brezeln, Kuchen und Keks und Schokoriegel kennengelernt hat und von jetzt auf gleich das alles nicht mehr darf. Allerdings haben die Geburtstagskinder bisher immer alle drangedacht und Gummibärchen für sie mitgbracht. ;)

julia hat gesagt…

Bei uns im Hort gibt es einen Jungen der angeblich kein Obst verträgt, der kriegt dann, wenn es Obst gibt - selten genug- immer ein Hanuta ???? Ich finde das völlig plemplem
Sicherlich gibt es tatsähclihce gesundheitliche Probleme, aber ich glaube die Zahl der Zöliakiekranken Kinder ist in den letzten Jahren nicht so rasant in die Höhe geschnellt wie man das so vermuten möchte.


Auch sonst halte ich manche "Unverträglichkeiten" eher für eine Religion.

Ichkönnte mich jetzt gut eine Stunde über Schund im Essen echauffieren und über speckige Kinder, aber das lasse ich lieber mal.

Ich hab aber gut reden, denn in unserer Familie bin ich die schnäkigste. Ich mag nämlich nix aus dem Meer. Meine Kinder essen alles, wenn es eine gewisse Qualität hat. Hortfras wird vom Sohn verschmäht, was ich als gesunde Haltung verstehe, denn es muss wirklich widerlich sein.

Ich koche jeden Tag, nach Möglichkeit saisonal - im Februar - März geht mir dann meistens die Puste aus. Es gibt selten Fleisch, dafür dann hochwertiges. Wir essen viel aus dem Garten. Ich kaufe nichts verarbeitetes ( Tütensuppe o.ä. ) sondern nur Rohstoffe.
Ich weiß aber, daß die Kinder beim Papa ganz anders essen und damit kann/ muss ich auch leben.
Ich freue mich aber daß beide Kinder einen Sinn für gutes Essen entwickelt haben und sehr bewusst essen.



littlebinhh hat gesagt…

Oh, was spricht mir das aus der Seele. Bald hat der mini-monsieur Geburtstag und ich habe beschlossen, dass ich das für den Kindergarten vorbereite (backe), was er sich wünscht. Von Allergien in der Gruppe weiß ich nichts, also gibt es da definitv keine Extra-Würschte.
Beim Kindergeburtstag selbst könnte es schwieriger werden, denn ein Kind ist Vegetarier, ääh, wird vegetarisch ernährt. Er hat Glück, dass zum Thema viel Obst und Gemüse passt. Aber ich werde ihm sicherlich nicht abends eine Tofuwurst auf den Grill legen.

kawald hat gesagt…

Also ich gebe ja zu, dass ich mir bisher noch nie darüber Gedanken gemacht habe. Ich sehe die Verantwortung da klar bei den Eltern des jeweiligen Kindes bzw. auch bei den Erziehern, wenn sie von den Eltern instruiert wurden (gerade bei KiTa-Kindern - so rein vom Alter her). Ich gebe zu, ich habe von selbst noch nie nachgefragt in der KiTa, wenn ich etwas mitgebracht habe - einfach weil es bei uns wahrscheinlich noch nie ein Thema im Freundeskreis war. Die Erzieherin hat auch noch nie was gesagt?!
Sollte jetzt aber eine Liste rumgegeben worden sein oder es sonst irgendwie von den Eltern in der KiTa bekannt gemacht worden sein, würde ich selbstverständlich darauf achten - egal ob es für mich nachvollziehbar ist oder nicht (also für den Vegetarier dann eben Käsebrot).
Soll heißen, hätte ich in dem Fall von twitter heute gewusst, dass es dieses Kind mit Laktose-Intoleranz gibt, hätte ich von mir aus ein Wassereis mitgebracht, um es nicht auszugrenzen (wenn ich es denn nicht in meiner Verschwurbeltheit vergessen hätte - was durchaus passieren kann, wenn man da nicht schon öfter mit konfrontiert wurde). Also Mühe geben würde ich mir da wahrscheinlich schon.
(Ob ich das Alternativessen, das ich mitgebe, bei solchen Ansichtssachen wie veganer Lebensweise u.ä. mit gleich viel Liebe auswählen würde - da bin ich mir im Moment nicht so sicher :))

LG

drachenmaedchen hat gesagt…

Ich bin heute auch über die Toastbrotsäckel bei der Maus gestolpert - anschließend habe ich dem Himmel gedankt, dass der Mann "nur" keinen Weizen mehr verträgt und gebetet, dass das Kind nix in die Richtung kriegt.
Zu meiner Grundschulzeit hatte ich eine Weile ein Problem mit Milcheiweiß, aber ich kann mich nicht erinnern, wie das mit solchen Geburtstags-Mitbring-Essen lief. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Sonderdinge gemacht wurden, denn das war noch vor den Zeiten des Unverträglichkeitshypes. Aber auch damals gab es schon Piratengummibären... ;-)

Liebe Grüße vom drachenmaedchen keinen Weizen mehr vertr

sabigleinchen hat gesagt…

Eigentlich schade, dass ich meine Laktoseintoleranz nicht schon als Kind hatte. Dann könnte ich jetzt so richtig mitreden ;).
Heute ist es so, dass dauernd Arbeitskollegen Milchhaltiges Znüni mit ins Geschäft bringen und es einfach dauernd vergessen, dass ich das nicht essen kann ;). Hab ich halt Pech gehabt. Deshalb hab ich ja auch immer ein eigenes Znüni von zu Hause mit dabei, HAHA ;).
Wenn ich ein Kind mit Laktoseintoleranz hätte, dann würde ich ihm jeweils an Geburtstagen im Kindergarten oder er Schule (in der Regel weiss man das ja vorher) ein laktosefries Pendant an Znüni mitgeben. Also einen Muffin, Riegel oder irgendwas das eben auch etwas spezielles ist. Kuchen gibts ja auch nicht jeden Tag im Kindergarten. Ich finde man kann auf keinen Fall verlangen, dass sich die anderen danach richten was mein Kind für ernährungstechnische Probleme hat.
Ich selber freue mich immer sehr wenn jemand auf mich Rücksicht nimmt und z.B. statt nur Gipfeli auch noch ein normales Brötchen mitbringt. Aber ich nehme es niemandem übel wenn er das nicht macht. Ander ist es wenn man eingeladen ist. Dann erwarte ich schon, dass man sich einigermassen richtet. Das tue ich aber auch für andere.

ani hat gesagt…

Ihr post spricht mir (wieder einmal) aus der seele. Deswegen heute mal ein lautes ganz allgemeines danke fuer dieses geniale blog von einer sonst nur still mitlachenden leserin...

stickmurmel62 hat gesagt…

Bei meinen Kindern wurde im Kindergarten und in der Grundschule sehr klar kommuniziert, wenn ein Kind irgendeine Allergie hatte. Etwas heftig fand ich dann allerdings die Aussage einer Mutter bei dem ersten Elternabend am Gymnasium. Ihr Sohn hätte eine Nussallergie (soweit so gut/schlecht) und sie würde VERLANGEN, dass die anderen Kinder in der Woche morgens kein Nutella essen würden. Das Kind würde den Geruch (ähm) an den Kindern bereits nicht ertragen. Nun gab es bei uns zwar morgens keine Nuß-Nougat-Creme, dafür wurde die aber gerne auf Pfannkuchen geschmiert (die es einmal im Monat zum Mittagessen gab). Die ängstliche Frage meines Sohnes, ob der XY denn da nicht morgen früh tot umfallen würde, wenn er in die Klasse käme vergesse ich nie. Ansonsten - bei Besucherkindern frage ich in der Regel vorher (falls nicht bekannt) die Eltern, ob es da was beachtenswertes gäbe, oder was so gar nicht gegessen wird. Und sonst schließe ich mich den Vorrednern komplett an.

LG Murmel

phreni hat gesagt…

du vergisst die muslime und das schweinefleisch… 
ich handhabe es so: bei besuch bei uns daheim passe ich mich dem besuch an. sprich: lade ich einen veganer ein, koche ich vegan. lade ich ein kind zum geburtstagsfest eines einer kinder ein, von dem ich weiss, dass es eine intoleranz hat, versuche ich das zu berücksichtigen.
bei kita/schule/geburtstagskuchen: ich nehme mandeln statt nüsse. und mache einen kuchen ohne schweinefleisch… ;-) sonst nix.

bei der diskussion musste ich übrigens daran denken: https://www.youtube.com/watch?v=AdJFE1sp4Fw

Anonym hat gesagt…

Sehe ich auch so und wäre jetzt gar nicht auf die Idee gekommen, dass das irgendwie verwerflich ist. Für die Schule backe (oder kaufe) ich, was mein Kind sich wünscht. Es gibt Kinder mit Unverträglichkeiten. Deren Eltern haben in der Schule für solche Anlässe eine Ration Notfall-Süßkram deponiert, den die Kinder auf jeden Fall essen dürfen.

Ganz ehrlich - wenn mein Kind eine Allergie hätte, würde ich das auch so handhaben und mich gar nicht darauf verlassen wollen, dass andere Eltern das schon erfragen/richtig machen. Nachher wird zwar rücksichtsvoll auf Nüsse im Kuchen verzichtet, aber aus Unwissenheit sind dann doch Zutaten mit Spuren von Nüssen enthalten o.Ä.

Anders sieht es aus, wenn ich für die Geburtstagsfeier zu Hause backe/koche. Da wird nur eine Handvoll Kinder eingeladen und da finde ich es durchaus angebracht die Eltern zu fragen, ob es Unverträglichkeiten gibt. Für einen Kumpel meiner Tochter stelle ich z.B. immer noch einen glutenfreien Kuchen mit auf den Tisch.

LG, Nora

danisan hat gesagt…

Herrlich! Unterschreibe ich so so so!
:)
Herzliche Grüße aus Bremen!

[Habe vor längerer Zeit u.a. die 'Raketenjacke' und das gestreifte'Pilz-Shirt' von den Brüllen-Jungs erstanden. Beides ist hier nachwievor heißbegehrt - wollte ich bei der Gelegenheit mal erwähnen :) ♡ ]

Ilana hat gesagt…

Oh heikles Thema ;).

Der Sohn meiner besten Freundin ist laktoseintolerant. Seitdem achte ich drauf. Wobei ich hier eben drauf achte, dass ich laktosefreie Milch (nicht Sojamilch oder so) nehme und eben beim Kochen aufpasse, wenn er hier isst.

In seiner Schule ist es so, dass er sein Essen selbst mitbringen muss, während der Rest Kantinenessen bekommt.

Er ist sieben und weiß genau was er essen darf und was nicht und ja - manchmal ist es blöd - bei Eis z.Bsp.

Aber auch wenn ich selbst sehr religiös bin, würde ich darauf jetzt weniger Rücksicht nehmen (außer es gibt genug Alternativen, die das mit berücksichtigen).

Für mich gilt hier also auch "darf nicht, weil gesundheitlich wirklich schädlich" (und nicht nur esoterisch als "gefährlich" eingestuft) berücksichtige ich, den Rest nicht. Wobei ich da eben schaue, dass es eine Alternative gibt, wenn z.Bsp Zöliakie und Laktose mit bei, gibts halt neben Muffins noch eine Schüssel Obstsalat oder so. Es muss nicht alles immer für alle verträglich sein, aber jeder soll was abkriegen können.

Aber ich hab vorher mir da auch nie Gedanken gemacht und halt gemacht. Jetzt gibts halt Fruchteis statt Sahneeis (oder beides gg).

Wobei eben laktosefrei auch ohne Einschränkungen möglich, weil es nahezu jedes Milchprodukt auch laktosefrei gibt. Zöliakie ist schon schwieriger - wie gesagt gibts dann halt neben Kuchen auch noch einen (Obst-)Salat dazu.

Nüsse bleiben außen vor und auf mehr hab ich bisher nie achten müssen, auf mehr würde ich aber auch nicht achten.

Meine Freundin geht einen Schritt weiter: sie gibt etwas veganes mit - damit sind religiöse Sachen abgedeckt, Vegetarier berücksichtigt und die Laktoseintoleranz ebenfalls.

Wenn jetzt in einer Gruppe wirklich viele Allergien und Intoleranzen da sind, wird es sicher schwieriger, aber Obst und laktosefreie Muffins decken fast alles ab ;)

Was jetzt den Sohn der Freundin (7) angeht - klar ist er manchmal traurig, wenn er keine Schokolade haben darf, aber im Großen und Ganzen weiß er was dann passiert und verzichtet dann auch auf bzw fragt in der Eisdiele selbst nach was er haben darf und was nicht. Wichtig finde ich, dass das Kind altersgemäß informiert ist.

Eva Hösi hat gesagt…

Liebe Frau Brüllen,
ich glaube, ich bin eine ganz intolerante Frau! Wenn ich ein Cafe hätte, würde ich vorne draufschreiben LaktoseTOLERANT! Ich habe aber keins sondern arbeite beim Gastroenterologen. Das ist der Arzt, der tatsächliche Intoleranzen oder tatsächliche Zöliakie diagnostiziert....und was soll ich sagen, wahrscheinlich werde ich gleich gekillt: weniger als ein Viertel derjenigen, die getestet bzw. Bei denen Proben entnommen werden und die denken, sie hätten was, haben tatsächlich einen krankhaften Befund. Mal davon abgesehen, dass eine Intoleranz keine Krankheit ist. Nicht jedes mal, wenns einem im Bauch rumpelt, steckt was Schlimmes dahinter! Ich vertrag auch nicht alles, aber dann ess ich es halt nicht! Ich rede jetzt nicht von Anaphylaktikern! Das ist was ganz anderes.
Und jetzt noch zu einem schönen Thema: Island.
Da waren wir letztes Jahr. Es war sehr schön. Und ein kleiner Tipp: auf dem Flughafen in Keflavik unbedingt noch in den Dutyfreeshop gehen nach der Ankunft. Das ist da erlaubt und der Sprit ist deutl. günstiger...
Ansonsten haben wir von einem Isländer den Rat bekommen, immer die WetterKarte morgens studieren und dann da hinfahren, wo das Wetter schön ist...wenns geht!! Hat uns ganz sonnige Tage beschert! Aber die Winterjacke trotzdem mitnehmen, es kann winden!
Herzliche Grüße,
Eva

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Danke schön für die Gedanken, für diesen Post
herzliche Grüsse
Elisabeth

Geertje hat gesagt…

Klar, dürfen Sie. :-)

Und es bei Bedarf und nach eigenem Gutdünken anders handhaben, dürfen Sie auch.

Ich selbst habe bei meinen Kindern nie große Herausforderungen diesbezüglich erlebt. Da habe ich beim täglichen Blogstudium schon eher das Gefühl, dass es eine ganze Reihe an Besonderheiten und/oder Moden (wir reden jetzt hier nur von Kulinarischem) gibt.

Wir sind mit einer Familie befreundet, deren Tochter Zöliakie hatte. (Die Tochter ist nicht geheilt, sondern trauriger Weise an etwas viel Schlimmeren gestorben.) Anfangs hat die Mutter immer Kekse, eigenes Brot, Nudeln etc. dabei gehabt. Das Mädchen selbst wusste genau, was es essen durfte. Je länger wir uns kannten, desto größer war mein Wunsch, selbst alles vorrätig zu haben. Und das hatte ich dann auch - Salzstangen, Pasta, Brötchen, Pizza. Die kleine Prinzessin war bestens integriert, der Mehraufwand lächerlich. Ich fand es einfach schön, eine so lösbare Sache auch zu lösen.

Und so halte ich das heute immer noch. Wenn ich davon weiß, stelle ich mich darauf ein. Bisher gab es zum Glück noch nie die ganz große Ansammlung der Besonderheiten.

Grundsätzlich würde ich mein Kind vorbereitend versorgen, wenn es nicht alles essen kann. Und ihm beibringen, dass es nicht immer spontan die ideale Lösung geben wird. Schulddenken finde ich da unpassend. Auf allen Seiten. Irgendwie soll das doch noch Freude machen.

Übertreiben muss man sicher nicht. Ich kann es heute auch ganz gut aushalten, wenn jemand seine Nudeln nur mit Käse und/oder Ketchup isst, weil ich mit meinem Gulasch vielleicht auf Vegetarier nicht vorbereitet war oder ein mäkliger Zeitgenosse nicht ans Pesto ran mag.

Viele Grüße
Geertje

Anonym hat gesagt…

bei meiner Tochter in der Klasse wurde das so gehandhabt, dass das glutenunverträgliche Kind eine Art Schatzkiste hatte, mit Sachen die es essen kann oder anderen Kleinigkeiten ( von Mama befüllt), wurde im Klassenzimmer bei der Lehrerin aufbewahrt und immer wenn es was zum Verteilen gab, was das Kind nicht essen durftr, griff es in die Schatzkiste...
Das sind Eltern, die echt mitdenken...:-)
Evi

Anonym hat gesagt…

Danke für dieses tolle Resümee. Sie haben ja soooo recht.

Nina

Anonym hat gesagt…

Ich finde es schon sehr, sehr komisch, dass von meinen gesammten Schulkollegen, Freunden und auch den Freunden meiner Geschwister KEIN EINZIGER irgend eine Allergie oder "Lebensmittelunverträglichkeit" hatte. Heut zu Tage sind meine beiden allergie- und unverträglichkeitsfreie Kinder allein auf weiter Flur und "irgendwie" nicht mehr "normal"?!?!
Da wird bei Einladungen ein Geschiss um Unverträglichkeiten gemacht, die man durch "Ausprobieren" herausgefunden hat. Da soll man als Gastgeber für Prinzessinnen und Erbprinzen und deren Sonderwünsche gewappnet sein, die nicht mal durch einen ARZT irgendwann festgestellt wurden. Ist Allergiehaben und Unverträglichkeit das neue Hochbegabt? Machen sich die Kinder, Teenager damit interessant (ich erinnere ich an eine Szene auf dem Kindergeburtsatg meines Sohnes: "Ich esse keine WÜRSTCHEN! Ich bin VEGETARIERIN!" "Möchtest du stattdessen einen Burger?" "AU JA!!!!" ???!!!???).
Leiden Eltern da unter dem Münchhausen-Syndrom?
ICH bin bereit, laktosefrei zu koche, wenn jemand kommt, von dem ich es weiss, auch glutenfreie Kekse könnte ich zuhause lagern... Alle weiteren Dinge liegen nicht in meinem Arbeitsbereich... Ich bin keine Diätassistntin - wenn ich einen Kuchen oder Muffins backe, dann zwar ohne Nüsse, aber für alles andere müssen leider die Eltern der Sonderesser die Verantwortung übernehmen...
Das mit der Schatzkiste in der Kita ist sicher eine gute Idee für die Eltern...

m hoch drei hat gesagt…

Herrlich, auch mal andere übers Essen diskutieren zu hören...ähm lesen.
Meine fünfjährige Tochter hat vor einem halben Jahr beschlossen, sie ist jetzt Vegetarierin, weil sie hat Tiere so lieb und will sie nicht essen. Die Kleine mit drei Jahren isst sowieso nur was sie will, also eigentlich quasi nur Nudeln. Mein Vater will FLEISCH! und noch mehr FLEISCH! aber bitte keine Extravaganzen oder gar "exotisches" wie italienisch oder asiatisch. Meine Mutter würde aber eigentlich gerne mal. Mein Schwager lebt vegan, seine Freundin mag noch nicht mal Zootiere anschauen. Die große Nichte bricht in Tränen aus, wenn es keine "richtigen deutschen Nudeln" gibt (das war beim Griechen). Noch dazu sind mittlerweile Kinder im Alter von 0 bis 13 dabei. Ich freu mich auf die Planung von Geburtstags- und Feiertagsessen.....