Montag, Februar 17, 2014

12 Jahre vor #MEI

Wie Sie ja mittlerweile alle wissen, haben der Hübsche und ich zusammen studiert, damals, als wir noch jung waren und seltsam aussahen. Dann haben wir zusammen Diplomarbeit gemacht, zusammen promoviert und dann irgendwann zusammen einen Job (also: eigentlich natürlich zwei Jobs) gesucht.
Unsere Gründe, uns dafür in der Schweiz umzusehen waren folgende:
1. Wie cool, Schweiz! Da waren wir auf einer Exkursion und der Nespresso (im Nestle-Forschungszentrum in Vevey) war super.
2. Wir wollten raus aus dem Einflussbereich unseres Doktorvaters, was die meisten grossen deutschen Chemieunternehmen ausschloss.
3. Wir wollten nicht zu dem grössten (deutschen) Chemieunternehmen überhaupt.
4. Wir wollten wohin, wo wir zusammen wohnen und in der gleichen Gegend arbeiten können. Da bietet sich die Basler Gegend ja an. Zwischen Gross- und Kleinbasel liegen vllt. mental Welten, aber es pendelt sich leichter als von zB Leverkusen nach Ludwigshafen.
5. Wie cool, Schweiz! Das Nestle-Forschngszentrum hat einen Crunchomaten!
6. Die Basler Firma, mit der ich eine Art Kooperation während der Diplomarbeit hatte, hat so ein schönes Logo.
7. Wie cool, Schweiz! Wir kennen niemanden, der in der Schweiz arbeitet!

Nachdem wir also unsere Dissertation gleichtzeitig abgegeben hatten und im Abstand von zwei Wochen unsere mündlichen Prüfungstermine bekommen hatten, haben wir uns also daran gemacht, Bewerbungen zu schreiben. Wir haben uns identische Mappen (das ist jetzt eben 12 Jahre her. Damals hat man sich noch auf Papier beworben. Ernsthaft) in verschiedenen Farben besorgt, der Hübsche in dunkelgrün, ich in dunkelblau, wir haben Lebensläufe und Anschreiben geschrieben, die logischerweise sehr ähnlich klangen, seit 1994 hatten sich unsere Leben ja erst unabhängig voneinander und ab 1997 mit Absicht parallel und miteinander abgespielt, wir haben gleichzeitig Diplomprüfung gemacht, im selben Arbeitskreis zu ähnlichen Themen promoviert, wir waren beide ziemlich gleich gut (ich war in technischer Chemie und Anorganik besser, der Hübsche in Organik und in physikalischer Chemie, obwohl.... waren wir da nicht gleich gut?), wir wohnten zusammen, d.h. auch die Adresse und die Festnetznummer waren identisch (die Namen allerdings noch nicht), wir wollten eigentlich ziemlich das gleiche, nämlich eine Einsteigerposition, aber nicht in der Forschung.
Ja, ich gebe zu,, auch wenn wir unterschiedliche Schriftarten für die Unterlagen wählten (ich nehme, wenn ich nicht aus Corporate Gründen zu etwas anderem gezwungen werde, immer, immer, immer Century Gothic, der Hübsche Tahoma), sie sahen ziemlich gleich aus.

So erklärte sich dann auch der Anruf auf unserem gemeinsamen Festnetztelefon:
"Hallo, hier ist Dr. xy aus Basel, spreche ich mit Frau D.?"
"Jaaaaaaaa?!"
"Sie haben sich ja bei uns beworben und wir würden Sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch einladen."
"Oh, das ist toll, danke!"
Es folgen allgemeines Blabla, wann, wo, was vorbereiten, wie hinkommen, alle sind begeistert, dann, kurz vor fertig:
"Jetzt sagen Sie mal, ich habe da eine etwas indiskrete Frage: der Herr G., kennen Sie den?"
"Ähhhh, ja!? Wollen Sie ihn mal sprechen?"
"Ah,wunderbar, nein danke, den können Sie einfach auch mitbringen, wir haben nämlich zwei Stellen."

In Wirklichkeit hatten sie dann drei, zwei davon im selben Bau, in unterschiedlichen Abteilungen, aber eben identische Funktionen, und wir hatten dann tatsächlich die gesamte Bewerbungsrunde im Doppelpack. Der Hübsche und ich und zwei Chefs, alle zukünftigen Kollegen für die Vortragsrunde (aka Kindersingen oder später dann "Dog and Pony-Show"), wir zwei und die HR-Frau, sehr, sehr skurril.

Zwei Monate später sind wir dann ausgewandert und trotz Kontingentregelung und noch ohne bilaterale Verträge direkt nach Basel gezogen, weil: mal ehrlich. Wenn man in München-Schwabing gewohnt hat, dann kann man nicht nach Weil am Rhein ziehen. (überhaupt, auch wenn ich mir jetzt da ganz viele Feinde mache, wobei, so viele Einwohner hat Weil nicht: niemand sollte nach Weil am Rhein ziehen.)

Wir haben dann in der Entwicklungsabteilung dieses Unternehmens mit dem schönen Logo unseren Familienersatz in Form von Freunden für immer gefunden. (Sie haben uns dann irgendwann erzählt, wie sie mit den Chefs unsere beiden Mappen in den Händen hatten und überlegt haben, was das jetzt soll: Adresse vom Studentenwohnheim? Zufall? Ein Paar? Wie finden wir das raus? Ich gebe zu, das birgt natürlich Stoff für unendlich viele Fettnäpfchen, aber es hat ja doch ganz gut geklappt. Zu dem Termin für den dritten Job übrigens kamen der Hübsche und ich dann erstens zwei Stunden zu spät und zweitens leicht angeheitert, weil das Mittagessen im Nobelrestaurant von Chefseite aus sehr weinselig war und unsere zarten Hinweise auf "Wir haben da übrigens noch einen Termin bei einem Kollegen von Ihnen, in der Stadt, jetzt gleich" mit "aaaaaaach, der kann warten", abgebügelt wurden. Gsd. brauchten wir ja jeder nur einen Job, das wäre nämlich nix geworden.)

Mittlerweile arbeitet der Grossteil der Freundesclicque logischerweise nicht mehr bei der Firma mit dem schönen Logo, auch nicht bei der übernehmenden Firma, aber wir sind immer noch Freunde und in Basel verliert man sich ja auch beruflich nicht aus den Augen ;-).

Kommentare:

Marianne hat gesagt…

Schön, dass Sie sich in der Schweiz wohl fühlen und Sie sind sicher auch weiterhin herzlich willkommen hier!

Marianne

antje hat gesagt…

Danke für die Geschichte.
Und über Weil denke ich auch nicht ernsthaft nach in Hinblick auf einen Baselnahen Wohnort nach #MEI, allerdings über Lörrach oder Grenzach.
lG
antje

einfachich hat gesagt…

Herrlich :D

Anonym hat gesagt…

Wie stehst du zum Volksentscheid in der Schweiz?
Wahrscheinlich wüdet ihr ja jetzt nicht mehr so einfach dort wohnen können!
Schreib doch mal was dazu!