Samstag, September 21, 2013

Wort zum Sonntag

und nein, nicht zur Bundestagswahl, sondern klassisch zum Thema Religion.

Little Q. ist jetzt in der zweiten Klasse und da gehört für die evangelischen Kinder jetzt auch Religion dazu. (Die katholischen Kinder hatten schon ab der ersten Klasse, aber die haben ja auch die Erbsünde und müssen offensichtlich früher anfangen.) Wobei: dazugehören ist so eine Sache. Hier in der Schweiz bzw. hier im Aargau ist es so, dass zum normalen obligatorischen Unterricht ein Fach gehört, das einerseits allgemeines zwischenmenschliches Zusammenleben behandelt, andererseits auch die verschiedenen Weltreligionen. Religionsunterricht, wie ich ihn kenne, gibt es auch, der liegt aber in der Verantwortung der Kirchen, ist freiwillig, ausserhalb der normalen Schulzeit, aber im Schulareal. Für Little Q. bedeutet das: alle zwei Wochen zwei Stunden am Freitagnachmittag. Er wäre übrigens lieber katholisch, weil die haben jeden Mittwoch um halb acht, also vor der Schule, und da wäre er ja auch immer schon wach und Freitagnachmittag, das ist ja praktisch Wochenende, wer hat denn da noch Lust auf Jesus.
(Erschwerend kommt hinzu, dass die Kinder und ich ja evangelisch-lutherisch sind und die Evangelen hier eigentlich alle reformiert, nur in Basel gibt es eine kleine Enklave von Lutheranern, aber die helfen uns für den Reliunterricht ja auch nix. Deswegen darf Little Q. ein Jahr lang bei den reformierten Kindern "schnuppern", wenn er weitermachen will, soll er (und die ganze Familie am besten) aber bittedanke zur reformierten Kirche übertreten, damit durch die Kirchensteuer auch der Religionsunterricht finanziert werden kann. Finde ich so ... naja)

Bei uns zu Hause spielt Religion aus den verschiedensten Gründen eine recht untergeordnete Rolle: erstens sind wir faul. Und so schlafen wir sonntags einfach gerne aus, frühstücken spät, schauen die "Sendung mit der Maus" und danach ist jeder Gottesdienst längstens vorbei. Ausserdem: welche Kirche? "Meine" Evangelen sind in Basel zu Hause, d.h. mit dem Auto in aller Herrgottsfrüh mitten in die Stadt rein, wo parken, bis wir wieder zurück sind, ist der halbe Tag vorbei, der Hübsche ist zwar katholisch, mit Dependance direkt im Dorf, aber ich bin aus Überzeugung nicht katholisch und habe sehr dafür gekämpft, dass die Jungs evangelisch getauft werden (freudscher Vertipper: habe gerade "geKauft" geschrieben), ich fühle mich unwohl und unwillkommen in katholischen Kirchen (an Weihnachten gehen wir trotzdem in den katholischen Gottesdienst im Dorf), tja. Dazu kommt, dass ich (ich spreche mal für mich, ich weiss nicht genau, wie es da im Hübschen aussieht) immer mehr ins allgemeine Zweifeln komme, wie und was ich denn von der Religion an sich halten soll. Mein naturwissenschaftliches Wesen und das "Wer weiss, wenn Du mal alt, krank und einsam bist, vielleicht bereust Du dann, wenn Du jetzt aus er Kirche austrittst" sind sich da unschlüssig. Andererseits finde ich, allein aus kulturhistorischer Sicht gehört eine Art Grundüberblick über das "christliche Erbe" zur Allgemeinbildung dazu, deswegen geht Little Q. jetzt zur Religion, damit er dort das lernt, was wir ihm bisher daheim nicht beigebracht haben.

Nun ja. Mittlerweile hatte Little Q. dreimal Religion. Die grosse Erkenntnis nach der ersten Stunde war: "Mami, total krass, die Reiligionsfrau ist die Zahnputzfrau" *. Soweit so gut, ansonsten wurden Namen gelernt, "was ausgeschnitten und geklebt" und dann war es auch schon rum.
Nach der zweiten Stunde kam er nach Hause und meinte: "Mami, ganz am Anfang von allem, da gabs im Fall keinen Urknall, sondern da war erstmal überall Wasser. Und dann Licht, das hat im Fall der Gott gemacht." PENG! (oder eben auch nicht), das sass. Was sage ich jetzt? Ich, die ich mit meinem Kind, zu dessen Lieblingslektüre der Weltraumatlas gehört, schon vor Jahren über die Entstehung der Erde gesprochen habe? Die ich mir selber altes und neues Testament als Zeitdokument, das im kulturhistorischen Zusammenhang gesehen werden muss und dementsprechend auf gar keinen Fall wörtlich zu nehmen ist, mit meiner naturwissenschaftlichen Weltanschauung in Einklang bringe? Ich habe mal vorsichtig nachgefragt, ob er das denn auch glaubt. Die Antwort war klar: "Mami, das hat nix mit Glauben zu tun, die Zahnputz- äh Religionsfrau hat gesagt, das war so. Da muss man nix glauben, wenn was so ist."

Nun gut, wir haben uns dann relativ bald über andere, drängendere Themen unterhalten ("Wer würdest Du in Hogwarts sein? Wer glaubst Du gewinnt, wenn Harry Potter gegen Anakin Skywalker kämpfen würde?"), bis dann diesen Freitag wieder Religion war. Anscheinend habe ich doch eine kleine Saat des Zweifels in Little Q. gesät, er kam nämlich heim und erzählte stolz: "Heute habe ich die Religionsfrau gefragt, ob der Gott auch Atom erschaffen hat." Da war ich natürlich ganz Ohr und in meinem Inneren habe ich mir vorgestellt, wie ich als Zahnputz- äh Religionsfrau begeistert diesen Ball aufnehmen würde und von den Atomen als Gottes Legokiste erzählen würde, aber nein: "Und nein, hat er nicht, sagt die Religionsfrau, weil, Atom, das hat jemand erfunden." Ohohohooo, das ist natürlich für eine Naturwissenschaftlerin ein ganz grellrotes Tuch. Ich habe dann (ich fand die Legoanalogie so grossartig und nachdem ich Little Q. gestern erst mit Hilfe von Wienerle, Nudeln und Pfannkuchen die Koalitionsbildung nach der Wahl erklärt hatte, war ich eh grad im Erklärbärmodus) also erklärt, dass Atome nichts sind, was man erfinden kann, sondern wie die kleinsten Teile beim Lego etcetc. Wir kamen dann drauf, was Moleküle sind, aus welchen Atomen ein Mensch so besteht und so weiter und alles war gut, bis Little Q. meinte: "Ja, aber das Atom haben wir gar nicht gemeint in Religion, da haben wir das böse Atom gemeint, das von Fukushima und Bomben". "Das böse Atom", da biegen sich einer Physikertochter natürlich die Fussnägel hoch, aber trotzdem, wir (der Hübsche kam dazu und fand die Legogeschichte ganz toll) haben also die Analogie weitergesponnen und so erklärt, wie ein Atomreaktor und eine Atombombe funktionieren, und dass ein Atom an sich nicht böse sein kann, aber die Kernfrage (pun intended ;-)), ob jetzt Gott das Atom geschaffen hat, die haben wir aussen vor gelassen.

Ich stecke jetzt so ein bisschen in einem Dilemma. Einerseits möchte ich nicht die Supermom sein, die meint, alles besser zu wissen als die Lehrer, ausserdem weiss ich ja nicht, was die Religionsfrau wirklich gesagt hat, nur das, was Little Q. verstanden hat, aber dann..... Atom als Erfindung von Menschen?  Kein Urknall? Argh. Andererseits bin ich (auch als evangelisches Heidenkind in der bayerischen Diaspora) mit Kindergottesdienst, Konfirmandenfreizeit und Jugi-Zeltlager grossgeworden, habe mich mit meinem kindlichen Glauben an Gott sicher gefühlt und bin trotzdem zu einem rational denkenden vernünftigen Erwachsenen geworden. Darf ich meinem Kind das nehmen? Bin ich ihm nicht diese Geborgenheit schuldig? In welche Lage/Gewissenszweifel bringe ich ihn, wenn ich den Religionsunterricht jeden zweiten Freitag ab halb vier daheim zerpflücke und durch trockene/faszinierende naturswissenschaftliche Fakten ersetze?

Was tun, sprach Zeus (aber das hilft jetzt auch nix, noch mehr Götter in das Schlamassel mit reinzuziehen)....

Mal sehn, wie es weitergeht. (Geschnitten und geklebt wir übrigens jedesmal. Da gibts auch keine Diskussion drüber ;-))

*Sehr faszinierend. Die verschiedenen Fachlehrer wurden schon in der ersten Klassen monatelang anhand ihrer Kernkompetenz, nicht ihres Namens unterschieden. Es gab die Musikfrau, die Schwimmfrau, die Heilpädagogikfrau und eben die Zahnputzfrau, die alle paar Wochen zur Zahnprophylaxe in die Klasse kommt und zB rosaglitzrige Hellokitty-Zahnpastaproben mitbringt. Ach ja, letzten Herbst hatte auch die Lausfrau ein kurzes Gastspiel.

Kommentare:

ilana hat gesagt…

Das mit dem Lego find ich klasse :).

Ich bin ja nun auch katholisch und sogar aktiv, aber ich unterscheide zwischen Glaube und Kirche. Kirche ist das was der Mensch draus macht - sehr vereinfacht gesagt - und damit bin ich in sehr vielen Bereichen nicht einverstanden.

Und was den Zwiespalt angeht. Little Q wird schon nachfragen und das würde ich dann auch nach eigenem Wissen und Gewissen erklären. Denn er spürt ja ob da authentisch ist oder nicht.

Hinterfragen finde ich persönlich sogar richtig und wichtig.

Aber ich glaube ja auch, dass das höchste Gut der freie Wille und die Entscheidungsfreiheit ist (auch im Glauben - alles andere wäre ja ein diktaorischer Gott für mich und ich nur noch eine Spielfigur).

Er wird das fragen, was er wissen will und ich glaube nicht dass man ihm dann etwas "nimmt", und wenns brenzlig wird kann man ja auch sagen, dass die Menschen verschiedenes glauben - deshalb ja auch unterschiedliche "Religionen", Ansichten.

Irene hat gesagt…

Oh-oh, das ist ein schwieriges Terrain. Ich glaube, ich würde mal ein Gespräch mit der "Relgionsfrau" suchen, ganz "interessierte Mutter/interessierter Vater", und fragen, wie sie die Diskrepanz Evolutionslehre vs. Schöpfungsgeschichte vermittelt. Ich wäre deswegen wachsam, weil in Basel und Umgebung recht viele Kreationisten leben; aus einem Unterricht, der die Evolutionslehre als "Erfindung" abtut, würde ich mein Kind herausnehmen oder zumindest mit dem zuständigen Pfarrer Kontakt aufnehmen.
Ich war ja katholisch im reformierten Umfeld, ich ging in den katholischen Unterricht UND in den reformierten (letzteres ab der 5. Klasse freiwillig aus Interesse), und lebensnaher, wissenschaftsnaher war der katholische Unterricht.
Ich habe mir das als Kind übrigens so zusammengereimt: Gott hat die Saat zum Leben geschaffen, was sich daraus entwickelt hat war Werk der Evolution.
Mein Mann hat vor ein paar Jahren mal angefangen, die Bibel zu lesen, und fand, die Schöpfungsgeschichte stimme gar nicht schlecht mit der tatsächlichen Reihenfolge zusammen.

123Moni hat gesagt…

...so rationale, streng wissenschaftliche, Erklärungen sind ja einerseits was Feines - andererseits muss man sich auch echt mal fragen, woher WIR- als nicht einmal Staubkörner im Weltall- immer diese "ich WEISS es!!"-Haltung nehmen...unser Hirn ist für so viele Fragen einfach zu klein, und manche Menschen sind ja so unter der Käseglocke ihrer sachlichen Weltanschauung gefangen, dass sie meinen, dass intelligentes Leben "irgendwo" in den unendlichen Weiten des Alls NEBEN uns "allwissenden" Erdenmenschen ja quasi unmöglich ist!...

Ehrlich: spätestens bei Fragen wie "wo hört der Himmel auf?" ,"wo sind die Enden des Weltalls??" und "wer hat das erfunden???" denn jemand muss sich das doch erdacht haben (...gut: möglicherweise ein Schweizer!?..) kommen wir gerade echt schwer weiter, mit unserem tollen Wissen - ich bin daher, wie Sie es beschrieben haben, auch sehr für diese "Geborgenheit" im Glauben... ich MÖCHTE auch glauben, und die Kinder hier auch, dass irgendwo noch was viel "Größeres/Schöneres/Besseres" ist! (ich hoffe sehr..jeden Tag, beim Anschauen der Nachrichten im TV...)

Ich glaube ja nun heute auch (tatsächlich!) schon länger nicht mehr an den Weihnachtsmann, Osterhasen etc., als nette "Geschenke"-Lieferanten -aber: ich kann heute noch meine Enttäuschung nachspüren, als ich dann als Kind TATSÄCHLICH irgendwie dahinter gekommen bin, dass es eben NICHT der Weihnachtsmann ist, der da in geheimnisvoller Weise in unsere Stube schleicht und die Geschenke hübsch unter dem Baum arrangiert (währen WIR in der Kirche das Krippenspiel anschauen)...und ich sehe immer noch die traurigen Augen meiner Tochter, als sie es im letzten Jahr dann endgültig durchschaut hatte - und ich merke, wie sie DENNOCH dieser Tage wieder anfängt, vom Weihnachtsmann zu sprechen, und, wie sie sich auf ihn freut - und DARAN sehe ich, dass es irgendwie doch schade wäre, der Welt so ganz die Magie eines "Glaubens" zu nehmen, den man fataler Weise dann mal gerade nicht aufdröselnd ERKLÄREN/belegen kann... und Urknall, Atome, Zellteilung, Tod und schnöde Kompostierbarkeit hin oder her - HIER schaut die verstorbene Oma uns auch immer noch vom "Himmel" aus zu, und freut sich an den Freuden ihrer Enkel - das ist hier regelmäßig Thema, kommt von den Kindern selbst - und das ist auch gut so! Ich bin mir sehr sicher, dass trotzdem/gerade deshalb auch später "vernünftig" denkende Menschen aus ihnen werden - hat bei Frau Brüllen ja auch geklappt ;)
In diesem Sinne: es gibt so Dinge zwischen Himmel und Erde...und das sind NICHT immer nur Flugzeuge!!...

Moni

rage hat gesagt…

ich finde halt, dass, wie sie schreiben, religion ein kulturgut ist, das zu «lernen» von grösster wichtigkeit ist. man kann schon die zehennägel aufrollen lassen ob den einzelnen testamenten und wie sie die welt erklären, aber alles in allem ist alles, was wir sind, auf der religion beziehungsweise unserer kultur halt, aufgebaut. und gerade in diesen zeiten, wo die grenzen immer mehr verschmelzen, dünkt es mich noch wichtiger - einfach auch, um die zusammenhänge zu verstehen. ob sie dann ans christkind glauben und an den urknall, das darf man ja, soweit man sich zurücknehmen kann (geht ja allen so, auch wenn man keinen wissenschaftlichen background hat :-D), ihnen überlassen. ich find diese agnostiker-eltern, die ihre kinder von religion fernhalten an sich recht doof - weil auch sie leben im grundsatz noch immer (im übertragenen sinne) nach den zehn geboten. ausserdem, und das wird meiner meinung nach viel zu sehr unterschätzt, ist es ein vorläufer zum geschichtsunterricht. unser ältester liebt deswegen religion über alle massen. er hat schon fragen gestellt, die ich aber leider wieder vergessen habe und sie deshalb hier nicht zitieren kann, aber ich versuche nach dem grundsatz zu leben: er darf glauben, was er will. wir sagen dann, eds gibt auch andere theorien, die das und das sagen, aber im prinzip müssen wir ja auch zugeben, das wir es nicht wirklich wissen. wissenschaftler können ja auch nur annahmen treffen, oder? :-))))) im sinne von: wir waren nicht dabei, beweisen können wir es nicht.

das ist kein naturwissenschaftler-bashing oder sonst ein bashing, und überlege mir in diesem zusammenhang gerade: vielleicht will little q. ja auch, dass einmal etwas einfach so ist, wie es ist, weil er sonst alles hinterfragt? keine ahnung. oder es ist ok so für ihn.

Frau Brüllen hat gesagt…

@ilana: danke!
@irene: eben, das finde ich eben auch ein bisschen unheimlich.
@123moni: nun ja. ich finde aber, ein "7 Tage Schöfpung und genau so wars" Gedankengut nicht gerade hilfreich im Sinne von Staubkorn im Weltall, weil: so genau behauptet kein Naturwissenschaftler, dass er die Entstehung von allem erklären kann. Und ganz ehrlich: typischen Kinderglauben an Osterhasen, Christkind und die Oma auf der Wolke, (was es bei uns btw. auch gibt, aber genau als das, ein Märchen, aus dem man irgendwann rauswächst) als Begründung für Glauben an sich? (Wobei: mit dem Glauben hätte ich ja kein Problem, mir geht es um das Negieren von naturwissenschaftlichen Fakten) Ich finde, damit macht man es sich ein bisschen einfach und erstickt den Forschergeist und die Neugier im Keim, weil kein Naturwissenschaftler behauptet, alles zu wissen, aber die guten würden am liebsten alles herausfinden. Das beisst sich imho nicht mit dem GLauben, weil man kann Neugier, Forscherdrang und Intelligenz ja schliesslich auch gewissermassen als Gottesgaben und -aufgabe sehen.
@rage:interessanter Ansatz, dem ich zT zustimme, allerdings sind die 10 Gebote oder einfach auch nur Regeln im sozialen Miteinander keine christliche/jüdische Erfindung, sonst würden ja andere Gesellschaften gar nicht funktionieren. Und ich glaube, ich verstehe, was u mit GEschichte meinst. Damit habe ich auch kein Problem, wenn das eben als Geschichte und Gleichnisse und als "Anleitung, um ein guter Mensch zu sein" gestanden wird. Wenn es aber wörtlich genommen wird und wirklich als 7 Tage im Sinn von 7x 24h verkauft wird, dann habe ich eben schon ein Problem damit. Zum Thema "Nicht dabei gewesen"/Annahmen und Theorien: da sehe ich aber den Unterschied zwischen Naturwissenschaft und Religion. DIe NAturwissenschaftler entwickeln aufgrund von BEobachtungen und Messwerten Theorien, die dann mehr oder weniger stichhaltig sind und diskutiert werden können, irgendwann bildet sich dann eine Lehrmeinung heraus, die aber jederzeit aufgrund neuer Fakten umgeworfen werden kann. In der Religion gibt es sowas nicht. Da werden aufgrund von was eigentlich? Fakten geschaffen und als absolute Wahrheit verkauft, die nicht hinterfragt werden darf, sondern geglaubt werden muss.

Auf jeden Fall: spannend!

Bianka hat gesagt…

Huhu,

wir hatten das Thema ja Anfang Juni schon mal ;-). Bei uns ist der Reli-Unterricht ja Teil des normalen Schulunterrichts (und wird auch noch nicht getrennt zwischen evangelisch, katholisch, muslimisch und "gar nix" ;-)) und Tim ist mittlerweile auch in regelmäßigen Diskussionen mit der Lehrerin und uns über "Gott" und "Wie die Welt entstanden ist?". Wir lassen das im Moment noch laufen und unterstützen ihn in seiner "Urknall"-Meinung ;-), sagen aber auch, dass man Menschen, die eben an die "Gott-Variante" glauben, deswegen nicht "dumm" oder so sind, sondern einfach an was anderes glauben ;-). Tim ist ja getauft (evangelisch, wie die meisten hier), und auch Felix wird getauft werden. Ich sehe das nämlich wie Du: Ein paar "christliche Werte" und wissen, was es mit Weihnachten und Ostern (aus der christlichen Sicht) auf sich hat (und warum es eben diese Feiertage gibt), kann nicht schaden. Bei allem anderen hoffe ich auf die Intelligenz und das Urteilsvermögen unserer Söhne ;-).

Tina Abel hat gesagt…

Ich bin evangelisch-reformiert (jawollja), aktiv bei Kirchens zugange und habe meinen Kindern immer schon erklärt, dass die Geschichten in der Bibel in dem zeitlichen Zusammenhang, in dem sie entstanden sind, zu sehen sind.

Die beiden Schöpfungsgeschichten sind mit viel Zeitunterschied zueinander entstanden und zeigen uns heute, wie die Menschen sich damals die Entstehung der Welt vorgestellt haben. Ihnen standen damals andere Mittel und Vorstellungen zur Verfügung als uns heute.

Spannenderweise passen die Reihenfolgen ganz gut zu unseren heutigen Erkenntnissen, nur die Zeiten sind ein klein bisschen anders. Mich stört das nicht, aber ich bin auch kein fundamentalistischer Christ und nehme die Bibel wortwörtlich ernst.

Spätestens bei der zweiten Schöpfungsgeschichte käme ich dann ordentlich ins rudern, denn dann müsste ich mich fragen, wen Kain geheiratet hat, nachdem er von Adam und Eva verstoßen wurde. Abel war tot und von Schwestern war nie die Rede.

Die Bibel ist und bleibt Zeitgeschichte.

Anonym hat gesagt…

Oh, also ich hatte auch naturwissenschaftler Eltern. Aber irgendwelchen Zwiespalt hab ich nie gesehen. Die Bibelgeschichten waren eben Geschichten, die war wahr waren in der Hinsicht dass es die Gestalten alle gab(Jesus, Moses und so die gabs ja alle irgendwie, oder?) , aber Gott, das war dann eben eher der märchenhafte Aspekt. Ich glaub eigentlich dass Kinder da kein Problem mit haben wenn man das selber eben locker sieht. Faengt ja schon bei Weihnachten an mit dem Jesus in der Krippe und den englen, das erzählt man ja auch irgendwie als Geschichte ohne dass es da Probleme gibt :-).

spinne hat gesagt…

das thema haben wir hier grad auch auf der tagesordnung (1. klasse, deutschland).

wir haben uns für ethik-unterricht entschieden (unsere tochter ist [noch?] ungetauft), da wird unter anderem auch allgemeinwissen über die religionen vermittelt.
sie soll später einfach selbst entscheiden können, ob sie in eine kirche eintritt oder es bleiben läßt.
meine bescheidene meinung zu der thematik :)

liebe grüße,
steffi

stadtfrau hat gesagt…

ich finde, du hast dir eine ganz gute antwort gegeben: aus dir ist auch ein rational denkender mensch geworden. und bei euren söhnen würde ich mir da sowas von keine sorgen machen! ;)

julia hat gesagt…

Also hier sind zwar beide Kinder ungetauft weil der Papa das nicht wünscht, der erzählt den Kindern immer von der scheinheiligkeit der Christen und den Kreuzzügen- naja dann könnte man das Deutschsein ablegen wegen 3. Reich oder so - aber wir sind viel in der Kirche ( evangelisch)

Sie hat für die Kinder erstmal eine soziale und kulturelle Rolle. Und als Mitteleuropäer finde ich ist die Kirche Kulturgut und für die Kinder auch irgendwie wichtig mitzuerleben..
Ich selbst würde mich als gläubig bezeichnen, allerdings etwas abstrakt. Und wenn man sich auf der Welt umschaut hat jede Kultur irgendeinen Gott.
Es ist sicherlich ein Bedürfnis der Menschen allgemein einen Glauben zu haben.

Wenn ich mit den Kindern an Themen komme, die völlig im Widerspruch zur heutigen naturwissenschaftlichen Sicht stehen, dann versuche ich zu erläutern, daß die Menschen, die z.B. die Schöpfungsgeschichte aufgeschrieben haben, einen Erklärungsversuch zur Entstehung der Welt gemacht haben und in deren damals noch cniht so naturwissenschaftlichem Denken die 7 Tage als durchaus machbar erschienen.

Oder wenn von der Sintflut gesprochen wird, gibt es ja historische Hinweise auf eine tatsächlich stattgehabte Jahrhundertflut...

Wir sind oft im Gottesdienst und beide Kindern singen im Kirchenchor, ich ebenso, wir haben viele Freunde, die ebenfalls in der Gemeinde sind und somit wäre nicht dort hinzugehen eine ganz bewusste Entscheidung gegen die Kirche.
Dann gäbs aber auch kein Weihnachten mehr und kein Ostern etc.

stilke hat gesagt…

ist irgendwie witzig, weil hier im katholischen religionsunterricht in der grundschule gott sei dank bisher keine so fundamentalen dinge besprochen wurden, die sich irgendwie groß mit einem halbwegs aufgeklärtem weltbild widersprechen...

trotzdem ist es mir gelungen bei den kids ordentlich verwirrung zu stiften... ich hab ihnen "sophie´s welt" als hörbuch geschenkt... kommentar vom 8jährigen sohn irgendwann beim anhören: "mama, das bringt mich aber vom glauben ab!" ähämja.

Anonym hat gesagt…

Nur ganz kurz am Rande- denn ausführlich haben es ja schon die anderen gemacht: Die klassische Evolutionstheorie ist zwischenzeitlich auch schon widerlegt und wissenschaftlich nicht haltbar *ups* Daher finde ich es ziemlich verlogen, wenn in den naturkundlichen Fächern den Kindern das völlig unkritisch als "So war's!" vermittelt wird (während nebenbei bemerkt andere Ansichten belächelt werden...)
Schon eine komische Position, die die sogenannte Wissenschaft da einnimmt. Der Physiker Dr. Thomas Schimmel aus KA vertritt da übrigens sehr interessante Thesen....

Anonym hat gesagt…

Nachtrag: Prof! Dr. Thomas Schimmel, um das Ganze noch seriöser zu machen ;-) Physiker, der soweit ich weiß sogar in Bayern promoviert hat. Das müsste Ihnen doch gefallen ;-) Und er hat einen Schöpfungsglauben, ohne wissenschaftliche Aspekte in Abrede zu stellen, Aber er prüft und gibt nicht Halbwissen weiter - wie es viele Lehrer und Eltern leider tun. Offenbar auch die Hello Kitty Zahnfrau. Leider.
Und noch eine Empfehlung für den kleinen Religionseinsteiger: Die Bücherserie "Der Schlunz" von Harry Voß ist sehr witzig, in den hinteren Bänden extrem spannend und baut Fragen von Kindern zum Glauben mit ein, wie Kinder sie stellen könnten, ganz ohne Konventionen und "Fromme Geheimsprache". Mit zum Teil überraschenden Antworten ;-) Wenn der Potter ausgelesen ist... Vielleicht findet er Freude an den 7 Bänden.

rage hat gesagt…

ach, ich liebe solche kontroversen diskussionen :-)) ich glaube, der religionsunterricht hat nicht die aufgabe, noch andere theorien zu vermitteln, sondern eben, das wissen aus der bibel weiter zu geben. worauf unsere gesellschaft gründet. und so wie in der wissenschaft eine lehrermeinung festgelegt wird, die bei neueren erkenntnissen umgestossen wird, so ist auch der glaube den zeichen der zeit ausgesetzt, oder nicht? noch vor 100 jahren waren die kirchen am sonntag voll! jetzt schauen wir lieber die sendung mit der maus. oder anderes beispielt: im rechenunterricht werden auch keine sprachfehler korrigiert oder umgekehrt :-))

ich glaube auch, wie sie oder jemand anders schrieb, dass es doch auch schön ist, wenn man glaubt, es beschützt einem jemand. oder es gibt jemand, der die geschicke lenkt. was auch immer. das hinterfragen etc., das kommt sicher!

und, andere baustelle: es liegt natürlich auch alles an der qualität der lehrerin/des lehrers. wir hatten da, was ich höre, glück... es ist auch die klassenlehrerin. aber ich hab mir vorher auch keine gedanken gemacht, wir hatten diese themen von gott und immer wieder mal.

Melanie hat gesagt…

Interessantes Thema. Unsere Kinder sind beide getauft (katholisch - so wie wir, da aus Bayern ;-))und leben nun hier im oftmals atheistischen Hamburg.
Ich hätte gerne aus den gleichen Gründen (wir sind auch faul und so) wie Frau Brüllen (konfessionellen) Religionsunterricht für die Kinder. An den öffentlichen Hamburger Schulen ist das nicht üblich (wohingegen ich auf einem bayrischen Dorfgymnasium ja bis zum Abitur Religion hatte, verpflichtend ;-)).
Wir werden also sehen, wie wir das nächstes Jahr bei der Einschulung machen.
Die Große hat letztens schon mal gefragt, ob es Jesus wirklich gab oder ob das nur eine Geschichte ist, sie ist ja "biologisch" sehr interessiert, wir lesen abends - auf ihren Wunsch hin - öfters mal aus dem Tierlexikon oder dem Dinosaurier Lexikon vor ;-)

123Moni hat gesagt…

...huch - Kommentarübermittlung gescheitert..?!.. also nochmal kurz, @ Melanie:

hier bei uns in Hamburg gibt es, gemäß Lehrplan, DEFINITIV ganz "normal" Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen, zunächst ohne NOTEN, später auf der weiterführenden Schule kann man dann quasi Religion gegen Philosophie tauschen, im Rahmen der "Wahlpflicht-Möglichkeiten" (unser Großer nutzte dies gerade..in Philosophie ist man NOCH freier im "Schwafeln" in den Klassenarbeiten, stellte das Kind fest..ach..). Unsere beiden Kinder hatten seit Klasse 1 Religion in der Schule, zuvor waren sie im (einzigen) Kindergarten im Dorf, dort ist auch Träger die (evangelische) Kirche.

Hamburg ist quasi "fest" in der Hand der Evangelischen Kirche, es gibt auch viele ev. Freikirchen.

Also: AUCH an öffentlichen Schulen im Norden des Landes wird man mit Religionsunterricht "versorgt" (wenn auch nicht ZWINGEND bis ins Abi!- aber Hamburg ist auch nicht Bayern..) ;)

LG, Moni

Evi hat gesagt…

Es muss an allen Schulen alternativ Ethikunterricht angeboten werden. Dass da mehr geschwafelt wird, ist verständlich. Wenn der Lehrer konkret wird, tritt er mit 100%iger Sicherheit einer Religionsgemeinschaft auf die Füße.

Was will denn eigentlich Little Q.? Will er denn den Freitagnachmittag für Reli-Unterricht opfern? Kann er denn nicht bei dem katholischen Papa den katholischen Morgenunterricht besuchen und so mal in dessen Religion reinschnuppern? Es geht doch eigentlich darum, den Kindern Werte und vor allem Toleranz zu vermitteln.

MeitliChleidli hat gesagt…

Und ich such immer noch nach der Antwort auf diese Frage meiner 7-jährigen Tochter: "und wer hat dann Gott erschaffen???"

Wer mir das beantworten kann, so tauf ich dann mein Kind ... ;o))

Liebe Grüsse
Julia