Donnerstag, August 08, 2013

Korsika 2013, 4500 Bilder und so, Teil 2

Heute: die BlutSchweissundTränen-Ausgabe. Mit Happy End und Schokolade.


Also: wir sind ohne Witz direkt am Meer. Zwar nicht an einem riesigen Sandstrand, sondern mit Felsen und kleinen Sandbuchten dazwischen, aber dafür ist es richtig, richtig ruhig. Es gibt einen kleinen schnuckeligen Pool in der Anlage (da hat Little L heute schon wieder seinen Schutzengel beansprucht, er ist nämlich ohne Schwimmgurt reingesprungen. Er geht wirklich unter.), ca 300m weg ist ein laaaanger Sandstrand mit nix ausser Wasser und Gegend und in Moriani Plage selber gibt es am Strand alles, was das Kinder- (Floss! Eis! Vielleicht Tretboote!) und Elternherzen (Strandbar! Cappuccino! Aperol Sprizz!) an Entertainment brauchen.
Heute hat es aber kurz gewittert (mir sind offensichtlich alle Haare zu Berge gestanden und nachdem der Hübsche ja keinen Physik-LK hatte und deswegen damit nicht so auskennt, dachte er, dass jetzt gleich der Blitz in mich einschlagen würde und wir sind lieber in den grossen Supermarkt gegangen und haben unsere Vorräte mit Coppa, Salsiccia, Malblöcken und Melonen aufgestockt (Little Q. war etwas enttäuscht, der hatte sich von einem „Casino“ etwas spektakuläreres erwartet, mit Roulette und Croupiers).

Meer vor dem Haus war dann auch gut, Pool auch, W-Lan ist nur so mittel, aber das macht nix, dafür sind uns schon ganz viele Sachen vom Balkon gefallen (Wasserball, Deckel von der Wasserflasche und eine Nudel), das wird grossartig hier.


Tag 2:

Ich muss das Nichtstun noch üben. Wir waren heute erst an dem Strand mit Floss und Strandbar und ich bin gespannt, wann die Kinder gross genug sind, dass das mit „kein Sand auf s Handtuch“ endlich mal klappt. Vermutlich, wenn sie alt genug sind, auszuziehen. Egal, das Wasser hat 26°C, d.h. auch Little L. schwimmt. Little Q. kann zwar schwimmen, aber mit ein bisschen Wellen und keinem Boden unter den Füssen ist das schon nochmal spannender.
Die Mittagszeit haben wir am Pool im Schatten verbracht, also der Hübsche und ich, Little Q. war nicht davon abzuhalten, ohne Pause zu schwimmen, zu tauchen und Bomben reinzumachen. Little L. dementsprechend auch nicht. Allerdings hat Little Q. heute megadicke Lymphknoten, so dass der Hübsche und ich sofort in den Elternmodus deluxe verfallen sind und von Scharlach über Mumps die schlimmsten Dinge erwarten für die nächsten Tage. In der Zwischenzeit geht es ihm aber super, nur das den ganzen Tag nix essen und eben die Mittagspause im Pool, das hat zusammen zu einer gewissen Dünnhäutigkeit und roten Wangenknochen geführt (trotz 50+-Stift mehrfach….).


Am Nachmittag sind wir dann zwischen Haussträndchen und Pool gependelt, abends gabs im Nachbardorf am Strand eine Pizza, ich habe fast ein ganzes Buch ausgelesen und habe Hummeln im Hintern.

 Die ganze Zeit denke ich „Wah, wir müssen unbedingt noch malerische Bergdörfer anschauen, Corte, Bonifacio, Porto Vecchio, eine Wanderung zu diesem Wasserfall machen, ins Restonica-Tal zum Baden, Wildschweine sehen, jetzt, sofort, hopphopp.“ Um mich rum sind allerdings alle total tiefenentspannt, schauen mich mitleidig an, meinen „Jaja, nächste Woche vielleicht“ und machen noch eine Bombe ins Wasser und ich finde mich selbst ganz schrecklich anstrengend.

 Deswegen: morgen nochmal wie heute, nur mit wirklich Schatten für alle über Mittag.

Tag 3 und 4:

Das mit dem Schatten und dem Strand, das hat gut geklappt. Die Luftmatratze wurde im Pool eingeweiht, das dazugehörige Instagramvideo sorgte dafür, dass ich kurzfristig überlegte, das mit dem Internet in den Ferien doch sein zu lassen, weil: blöde Kommentare, wenn man unterzuckert und überhitzt ist, das brauche ich nicht, aber andererseits: mir doch wurscht, wieso soll ich mich irgendjemandem über sieben Sekunden aus meinem Urlaub rechtfertigen? Oder auch nur Gedanken darüber machen?

Stattdessen haben wir den gesamten Nachmittag am Strand mit Floss und so verbracht, ich hatte durch fieseste Zusammenarbeit der beiden grössten Jungs in Sachen „Wir schubsen Frau Brüllen vom Floss“ hinterher die hintersten Nebenhöhlen mit Salzwasser durchgespült und zum Abendessen gab es für mich Moules frites direkt an der Strandpromenade. Nomnomnom….



Die Abende sind hier echt grossartig, ich setze mich zwischen meine beiden persönlichen Mückenfänger aka Little Q. und den Hübschen und wir lesenlesenlesen. Little Q. liest pro Tag ein BeastQuest-Buch (der Nachschub von Band 12-17 liegt vermutlich daheim im Postfach) und so muss ich vermutlich übermorgen meinen Kindle ans Kind abgeben, weil da habe ich ihm den ersten Band von Harry Potter draufgeladen, das sollte ja ein bisschen länger als 24h vorhalten. (ich habe den neuesten Elly Griffiths-Krimi und „Ein ganzes halbes Jahr“ verschlungen, mal sehen, wie weit ich noch komme, bis ich auf die mitgenommenend hardcopy-Bücher umsteigen muss). Dazu für die Grossen korsischen Wein, Pastis, und keinen Kommunistenaperitiv ;-).



An Tag 4 war es dann endlich so weit: ich hatte die Meute von einem Ausflug überzeugt.

Und da muss ich jetzt ein wenig ausholen. Korsika, das hat für mich ja ganz viel mit Vergangenheitsbewältigung zu tun. Irgendwann habe ich schon mal drüber geschrieben, wie mein erster Korsikatrip mit dem Hübschen seinerzeit das Kontrastprogramm zu jahrelangem FKK-Urlaub mit meinen Eltern dort war (dieser Eintrag beschert mir immer noch creepy Suchanfragen, genau wie der hier), und in einem dieser Urlaube hatte mein Vater den grossartigen Plan, mit uns dort eine Wanderung zu machen. Immerhin in Kleidern, aber dafür Mitte August (bayerische Schulferien) und ich weiss gar nicht, wo er diese Route hergezogen hat, ich erinnere mich nur noch, dass wir auf einem brütendheissen Feldweg ungefähr 100m über dem Meer (der Ausblick wäre sicher malerisch gewesen, so im März oder so) dahin geschlichen sind, ganz schrecklich genau rationiertes lauwarmes Wasser dabei hatten (das nächste Kindheitstrsauma: die Getränkevorräte bei Auflügen, insbesondere Wanderungen. Es wurde schluckweise rationiert und der allerbeschissenste Satz war „schluck deine Spucke, das hilft auch gegen Durst.“ Tut es nicht. Dementsprechend gehe ich nirgends ohne viel mehr als genug Wasser hin und niemand muss Spucke schlucken gegen Durst.) und es alle so richtig Scheisse fanden. Meine kleinen Schwestern einfach, weil es superheiss war und kein Eis gab, nehme ich mal an, ich zusätzlich, weil ich in den gesamten Urlaub eh schon nicht mitfahren hatte wollen, und dann schon gar nicht bei 1000°C in der brütend heissen Sonne rumlatschen und Gegend anschauen, meine Mutter, weil es superheiss war, weil sie die Idee im allgemeinen eh schon blöd fand und mein Vater, weil wir seine bombige Idee alle so scheisse fanden (und es superheiss war).
Ich weiss gar nicht mehr, ob die Wanderung im Prinzip ausser Gegend noch ein Ziel gehabt hätte und ob wir das erreicht haben oder ob wir irgendwann einfach auf dem staubigen Feldweg umgedreht sind und alle in richtig beschissener Stimmung wieder runtergefahren sind.
Auf jeden Fall: so ein Ausflug, das wollte ich nicht. Trotzdem weiss ich natürlich, dass Korsikaurlaub mit nur Strand und so eigentlich auch ein Sakrileg ist, weil es gibt dort so viel mehr. Und so habe ich mir einen Reiseführer bestellt „Erlebnisurlaub mit Kindern: Korsika“. Da sind verschiedene Ziele, Wanderungen etc. drin und ich habe eins in der Nähe ausgesucht, mit der Altersangabe „ab 3“, Gehzeit: 1h, 80 Höhenmeter, nämlich die Gumpe von Bucatoggio, laut Reiseführer eine einsame und beschauliche Gumpe abseits der touristischen Ameisenstrassen. Wir sind also der Beschreibung gefolgt und haben das Auto am beschriebenen Parkplatz abgestellt.
 
Wir haben alles gefunden, die Ausgrabungsstätte, die Genueserbrücke und das Hexenhäuschen.

 Fatal wurde es erst, als es im Text hiess: „Wir folgen weiter dem breiten sonnigen Weg, bis wir an eine nicht auf Anhieb erkennbare Abzweigung gelangen. Ein Telefonmast mit orangefarbener Markierung zeigt uns die Stelle an, an der wir uns rechter Hand ins vermeintliche Dickicht stürzen. Wir überqueren mehrere kleine Bächlein und folgen dem Verlauf des rechts neben uns plätschernden Flusses.“ Wenn Familie Brüllen so was liest, dann stürzt sie sich natürlich sofort am allerersten orange markierten Telefonmast rechts ins Unterholz. Wir wähnten uns ganz lang auf dem richtigen Pfad, weil tatsächlich keine Abzweigung zu erkennen war, weil
es ganz viel Unterholz gab, weil wir wirklich ganz nah am Fluss waren.Wir sind auch mal über Steine rüberbalanciert, weil auf der ersten Seite irgendwann dann gar kein Weg mehr war, aber irgendwann war dann auch auf der anderen Seite beim besten Willen kein Weg und nix mehr zu erkennen. „Ab 3 Jahren“ war der Weg schon lang nicht mehr und so mussten wir uns eingestehen, dass wir irgendwo, vermutlich beim orangen Telefonmast, falsch gelaufen waren.
Soweit, so gut, wären wir halt einfach zurückgegangen, tja, wenn nicht… Little Q. bei der gefühlt 17. Flussüberquerung so blöd abgerutscht wäre, dass er mit Mund und Kinn auf einen Stein geschlagen ist. Er lag also blutend und brüllend im Wasser, wir hatten keine Ahnung, wo wir sind, wieviel an ihm kaputt war und überhaupt war da grad alles ganz schön doof. Gottseidank hat er sich „nur“ ordentlich innen in die Lippe gebissen und aussen aufgeschürft, so dass wir nach ordentlich ausheulen, Blut und Spucke abwaschen und Schuhe kurz ausleeren wieder zurücklaufen konnten.
Hier sieht mans ein bisschen. So im Nachhinein kann ich Sie alle beruhigen: es ist noch im Urlaub nahezu unsichtbar verheilt. phew.

Tja. Und was soll ich sagen, kaum waren wir nach unserer Stunde Umweg wieder auf dem eigentlichen Weg, mussten wir eigentlich nur noch der „touristischen Ameisenstrasse“ zum nächsten orange markierten Telefonmast folgen, dort die breite Abzweigung, die mit „Cascade“ beschildert war, nehmen und den anderen Leuten auf dem ausgetretenen Pfad hinterhertappeln. Der Wasserfall selber war dann tatsächlich grossartig und wir sind im kristallklaren, recht kalten Wasser geschwommen, am Seil nebendran zum eins höhergelegenen Becken hochgeklettert,







(ich wurde dazu vom Hübschen nahezu genötigt und habe ihn v.a. auf dem Weg wieder runter –barfuss, nasse Steine, nicht gerade vertrauenserweckendes Seil, Brombeerranken und unten meine unschuldigen kleinen Kinder, die bald Zeugen werden würden, wie sich ihre Mutter beim Absturz das Genick brechen würde, wie ihre Mutter uncool wie ein Kartoffelsack rückwärts vom Felsen ins Wasser plumpsen würde…..



 naja. Immerhin sah der Sprungfelsen dann nach der Kletterpartie von oben runter so wenig hoch aus, dass ich mich das auch noch getraut habe…..

Den Rest vom Tag haben wir dann relativ entspannt an Pool und Strand verbracht, wobei wir unsere lokalen Spezialitäten genossen haben. Es gibt hier zB von Haribo die Spiegeleier, von denen immer nur total wenige in den StarMix-Tütchen sind, in gross und mit ohne den ganzen langweiligen Rest ;-). Und Zartbitter-Erdnuss-M&Ms mit pink und türkis.

Kommentare:

Vorstadt Eulen hat gesagt…

Huhu Frau Brüllen,
Absolut Coole Fotos. Musste laut loslachen bei deiner Erzählung aus der Kindheit. Haha Wirklich Spucke schlucken ? ich schrei mich weg.
Eure Bilder sind ein Traum! Habe gestern schon das Flickr Profil von deinem Mann studiert und bin sprachlos! Absolut tolle Bilder ! Vielen Dank für diesen tollen Einblick !

P.s.: Was ist denn an dem Pool Video schlimm? Besser geht es doch nicht als mit Papa rumzualbern! Völlig aufgeweicht vom Wasser- die Erinnerungen sollten einige Kinder deiner Leser erstmal Sammeln !
Ich wünsch euch was
Bis dann
Isabella

Dörthe hat gesagt…

Das waren zwar nicht 4500 Fotos, dafür wunderschöne Fotos!
Dein Bericht macht echt Lust, selbst mal dorthin zu fahren.
Viele Grüße, Dörthe

wachstumsschublade hat gesagt…

Das klingt so fein und weckt Kindheitserinnerungen in mir! Ich war zwei Mal als Kind auf Korsika und die schöne, karge Landschaft und den Geruch der Insel kann ich immer noch in mir abrufen. Damals hatten alle Straßenschilder Einschusslöcher... gibt es die noch? :-)
Alles Liebe, Katharina

ELKE hat gesagt…

das ist so eine tolle reisebeschreibung!!!!! lach! so richtig aus dem leben!
korsika steht auch auf unserer liste als reiseziel,
allerdings ohne kinder( sind schon groß) und mit einem wohnwagen.
lg elke

Anonym hat gesagt…

Tolle Bilder sind das! Und Ihr hattet tolles Wetter, da bin ich jetzt schon etwas neidisch... Wir sassen im Mai noch bibernd an genau dem gleichen Wasserfall (mit genau dem gleichen Buch) und das große Kind, die natürlich auch in den Bach geflogen ist :-), hat ziemlich gefroren. Schwimmen war auch nicht drin...
Korsika ist wirklich toll, schön dass Ihr auf die Tipps gehört habt!
LG;
Christiane

zwillingswelten hat gesagt…

Oho, sehr lesenswert. Für uns steht Korsika gerade ganz oben auf der nächsten Liste...