Montag, Oktober 10, 2011

Upsi.

Frau ... äh... Mutti ist vom Abkürzungsvirus befallen und das bringt mich doch dazu, ein wenig darüber zu räsonieren, was das Auswandern und die Kinder aus unserer Sprache gemacht haben.
Gestartet sind der Hübsche und ich ja mit leichtest bayerisch eingefärbtem Hochdeutsch (also: Mundartgedichte zum, Bürgermeisterdienstjubiläum aufsagen, das könnte ich wahrscheinlich immer noch). Bei den ersten Bewerbungsgesprächen in der Schweiz habe ich auf jedes ", odr?", noch brav nichtssagend genickt oder den Kopf geschüttelt, mitterweile höre ich die gar nicht mehr (bei Little Q. sind sie mir letztens aufgefallen), oder verwende ich sie am Ende sogar selber?
Als mein Laborant in meiner ersten Woche irgendwann mal verkündete "Der Ansatz schmeckt nach Ammoniak" habe ich erstmal tief durchgeatmet, bevor ich gaaaanzu ruhig nachgefragt habe. (Nein, er hat ihn nicht probiert, schmecken heisst riechen und wischen heisst kehren und laufen heisst gehen und rennen heisst laufen und tschüss heisst hallo)
Anders als in einer letztens im Spätprogramm ausgestrahlten Doku zum Thema Deutsche in der Schweiz (Gopfadelli Sacklzement, war das peinlich, der Hübsche hat da nur durch Zufall reingezappt) empfohlen versuche ich mich nicht in Schweizerdeutsch, aber da die Kinder beide halt eben Dialekt sprechen, schleichen sich manche Begriffe halt doch ein. Der Grosse geht in den Kindsgi, dazu trägt er sein Lüchzgi, es gibt Znüni und Zvieri, manchmal auf ein Gipfli und ich liebe den Spruch "Finger ab de Röschti, wenn da Babbi d'Fiass dinne hätt"***, den uns Au-el aus St-Gallen importiert hat (note to myself: kommt am Donnerstag zu Besuch. Evtl. alten kaputten Klodeckel wieder anschrauben). Diese ganzen Abkürzungen sind aber nun absolut keine Verniedlichungen, das ist halt hier so ;-)
Was sich aber in den letzten Wochen und Monaten hier so eingeschlichen hat, ist das ultimative Wort für "Oh, mein Fehler, sorry", das entweder aus Krippe oder Kindergarten kommt: "Upsi".
Mittlerweile benutzen es nicht nur Little Q.  und Little L. ("Haaaaaaallo, wer hat da schon wieder nicht sein Brettchen in die Spülmaschine geräumt?" "Upsi" oder "Little L., hast Du da mit Absicht alle Disneypuzzles ausgeleert und dich drin gewälzt?" "Upsi"), nein, auch der Hübsche und ich haben das Wort für uns entdeckt: "Wolltest Du nicht noch einen Salat mitbringen?" "Upsi" "Was ist denn mit dem Rest Chips passiert?" "Upsi"). Das Schöne ist, richtig eingesetzt, nimmt es auch groben Verfehlungen die Spitze ("Hast du jetzt im Ernst meinen Lieblingspulli in den Trockner geschmissen und jetzt ist er puppenklein?").
Ich denke, ich werde das auch im Berufsalltag etablieren: "Frau Brüllen, haben Sie nicht gesehen, dass da "Vertraulich" stand?" "Upsi." oder "Was haben Sie sich bei dieser Rechnung nur gedacht? Das ist ja viel zu teuer! Das wird uns das Projekt töten!" "Upsi" Hach, ich mag das!

Nun ja, ich kam ein wenig vom Thema ab, upsi!
(Was sind denn Ihre "Upsi"-Momente?)

*** auf mehrfachen Wunsch:
Kindsgi = Kindergarten
Lüchzgi = Leuchtstreifen zum Umhängen für die Kindergartenkinder,
Znüni = Brotzeit am Vormittag
Zvieri = Brotzeit am Nachmittag
Gipfli = Croissant
"Finger ab de Röschti, wenn da Babbi d'Fiass dinne hätt" = Finger aus den Rösti, wenn der Papi die Füsse drin hat (Bedeutung: tja.)

Und nochwas: wenn ich sage, dass ich kein Schweizerdeutsch spreche, dann heisst das nicht, dass ich es nicht verstehe. Das, finde ich, ist eine Frage des Respekts, wenn man irgendwo im Ausland ist, dass man sich bemüht, die Landessprache/den lokalen Dialekt zu verstehen. Nur mit dem Sprechen: es ist halt doch keien Fremdsprache, sondern "nur" ein Dialekt und da sagt mein persönliches Benimmbarometer: nachmachen ist anbiedern.

Kommentare:

Na hat gesagt…

Also, Frau Brüllen, ich muss sagen, ich hasse "Upsis". Die gehören für mich in die Kategorie "oki doki" oder noch schlimmer "SUPI"... ganz grässlich ;o)

LG
Na :o)

IO hat gesagt…

Aha! Endlich mal wieder etwas, wo ich mitreden kann (nachdem ich ja diese komischen Dinger unten nicht kannte) - das tolle Upsi! gibt es auch bei uns bzw. es gab es, bis ich ilfiglio nachdrücklichst mit einer Vierteilung gedroht habe, wenn ich noch ein einziges Mal UPSI! von ihm höre, wenn er Silencias "aus Versehen" auf die Finger tritt ... oder nach der 1000x Aufforderung immer noch nicht seine Fußballschuhe aus dem Weg geräumt hat ... oder das Messer abschleckt ...

Sabrina hat gesagt…

Hach ja, das erinnert mich daran, wie ich vor vielen Jahren mit meiner Freundin nach Bayern gefahren bin. An irgendeiner Tankstelle fragten wir den Herrn Urbayer nach dem Weg - der uns auch 15min alles genau erklärte. Wir nickten und lächelten und stiegen ins Auto, schaute uns an:"Sag mal hast du ein Wort verstanden?" - "Nö, du etwa?"
Aber wir kommen ja hier aus dem Ruhrpott und es fällt dann bei den Kindern auf - Mama, wat hasse gesagt? Mama, kannse mir dat ma geben? - Dat machse aba nich nochma!

Judith hat gesagt…

upsi ist ein klassischer begriff meiner kindheit! ich war aber nie in der schweiz ;)

anna hat gesagt…

Upsi find ich toll, ich benutze gerne Ups oder oder Upsala (schliesslich komme ich aus dem hohen Norden.

Der irische Skypainter hat mich an folgendes gewoehnt. "Tell me skypainter, did you forget the shopping?" oder um an Ihr Beispiel anzulehnen. " Did you not empty your pockets from tissues before throwing your black Jeans to rest of the black wash" Zoegerliches: "Possibly" oder auch "oder auch "sort of"
Gerne eingesetzt in allen Situationen, bei denen eine wahrhaftige gerade Antwort zu Trouble fuehren koennte.

asty hat gesagt…

ein Upsi-Erlebnis fällt mir jetzt grad nicht ein, aber zum Schweizerdeutsch der Deutschen muss ich doch was sagen:

ich hätte niemals gedacht, dass ich als Berlinerin jemals würde Schweizerdeutsch reden können. Aber es geht! Ich denke, man kann es lernen. Einigermassen jedenfalls.
Immer langsam. Immer mal wieder ein Wort in den Alltag mit einbauen. (wie z.B. "högscht" was ich in letzter Zeit öfter bei Ihnen lese)

Trotz allem gibt es - auch nach 15 Jahren - immer noch Schweizer, die nach kurzem Geplauder mit mir fragen: und? Von wo in Deutschland kommst Du? :-)

ganz perfekt wird es niemals werden, aber nah dran.

Gruss
asty

Alke hat gesagt…

Das Kind hat bei uns auch so ein Wort eingeführt. Unser Upsi heißt Hoppala.
Und oki doki sagt er auch, aber es hört sich eher wie oti oti an. :-)

Angel hat gesagt…

Definitionsgemäss sind die Allgäuer ja auch Bayern, aber an dem Beispiel 'schmecken' merkt man doch die Nähe zur Schweiz. Allgäuer 'schmecken' auch wenn irgendwas riecht ;-)

Das mit dem Schwiizerdüütsch wird vielleicht noch. Meine ausgewanderte Interlakener Tante spricht das so lang ich denken kann. Allerdings ist die wegen eines Schweizers ausgewandert, da ist der Assimilationsdruck vermutlich höher.

Tine hat gesagt…

Oh, der UPSI ist hier auch manchmal zu Besuch, meistens mit spitzbübischem Grinsen.

Aber sag mir mal was Lüchzgi ist?
Den Znüni und Zvieri kenn ich auch von meiner schweizer Verwandtschaft:)

LG Tine

Frau Brüllen hat gesagt…

@asty/angel: ohne jemand zu nahe treten zu wollen, ich habe noch keinen Deutschen, der nicht hier aufgewachsen ist, schweizerdeutsch reden hören, bei dem ich das nicht ganz furchtbar peinlich und gewollt, aber nicht gekonnt fand.... Die einzige Ausnahme: das Alemannische von auf der deutschen Seite des Rheins hier klingt recht ähnlich, ist aber trotzdem natürlich kein Schweizerdeutsch....
Vielleicht liegt das aber auch an mir, ich fand es auch zu Hause in Bayern ganz grauenvoll, wenn Nichtbayern pseudobayerisch geredet haben...

@ Tina: das Umhängeding hier ist das Lüchzgi:http://4.bp.blogspot.com/_E6MjGxXobs0/TGBIi1hKxtI/AAAAAAAAEpQ/gUFpYEnylz4/s1600/IMG_0957.JPG

Meike hat gesagt…

Meine Upsi-Momente sind die wenn ich mit den Kidnern die zugehörigen Bücher lese :-)

Der "Hauptdarsteller" heisst dort so! Sie sind für Kinder in Krippe und Kindergarten gedacht und wirklich toll geschrieben :-)

Da konnte man mal 6 Bücher für EUR 20,00 bestellen (ging im Sommer noch), scheint jetzt nicht mehr da zu sein - aber wer mag kann hier ja mal anfrage, http://www.das-sichere-haus.de

Ach ja und liebe Frau Brüllen - ich wünsche mir einen kleinen Übersetzer - die swietzerischen Begriffe sind mir unverständlich :-(

Alles Liebe,
Meike

Lorelei hat gesagt…

Ich persönlich sage ja gern Whoopsy daisy … :-)

Als Exildeutsche in Graz hat frau es auch nicht leicht. "Da" heißt "hier", "laufen" heißt hier, äh ich meine da auch "gehen", und besonders schlimm: "obi" heißt "nach unten". Auffi, eini und aussi verstehe ich ja noch, das ist halbwegs logisch, aber obi? Wenn mich einer der Kollegen im Aufzug fragt: "Fahrst obi?", muss ich immer noch erst einmal überlegen und antworte meistens mit einem eloquenten "Äh…"

Dad hat gesagt…

Geht mir genauso... Znüni liest sich spannend, hat aber für mich keinerlei Bedeutung. Ich habe nicht mal eine grobe Ahnung, was das sein könnte.

Frau Brüllen hat gesagt…

So: Übersetzung ist eingefügt ;-)

asty hat gesagt…

Hallo Frau Brüllen,
nochmal ich:
mir ist aufgefallen, dass die Deutschen von den Schweizern ja nicht immer soooo positiv aufgenommen werden, um es mal vorsichtig auszudrücken. (umgekehrt werden die Schweizer von den Deutschen ja nahezu abgöttisch geliebt....) Daher habe ich beschlossen, mich unauffällig anzupassen und werde seitdem nicht immer sofort als "die Deutsche" erkannt. Das klappt glaube ich ganz gut, aber ich werde meine Bekannten mal fragen, ob mein angelerntes Schweizerdeutsch womöglich doch ganz furchtbar klingt und sie es mir höflichkeitshalber einfach nicht sagen.....??

Ausserdem fangen die Schweizer immer sofort an, hochdeutsch zu sprechen, wenn man sich selber als deutsch outet, dabei höre ich den Dialekt so gerne. Auch das ein Grund, es zu lernen :-)

Liebe Grüsse
asty

Irene hat gesagt…

@Lorelai: als in Baden-Württemberg geborene, im Bernbiet aufgewachsene, in Basel arbeitende Wahl-Aargauerin mit steirischer Mutter und Wiener Ehemann kann ich übersetzen: denke statt "obi" "abi" ("hinab"), dann die typisch steirische Verschleifung von a zu o und voila: "obi" bzw. südoststeirisch "owi".
Nach fast 40 Jahren in der Schweiz begegnen mir aber auch immer noch neu Wörter. Grade heute, Berndeutsch: "Chuechetröli" - Wallholz. Tja, upsi...

Anonym hat gesagt…

Für mich gehört upsi definitv auch zu kindi, supi und sowas, und von daher allerschrecklichst! (sorry)
Rike